Black Sabbath

Neben Deep Purple und Led Zeppelin sind Black Sabbath ohne Zweifel die wichtigste britische Hardrock-Band der 1970er Jahre. Ihr Ruf ist legendär, ihr Einfluss auf den Heavy Metal der 80er bis hin in die Tiefen der Grunge-Ära der frühen 90er unbestritten. Zahllose Bands und ebenso viele Solomusiker bezeichnen Black Sabbath als den größten musikalischen Einfluss ihres Lebens.

Black_Sabbath_Bandfoto
(Bild: SONY, UNIVERSAL, LANEY, ARCHIV)

>>> Inhaltsverzeichnis <<<

Die Geschichte der Band

Das Equipment von Tony Iommi

Das Equipment von Geezer Buttler

Der Einfluss von Black Sabbath

Black Sabbath Diskografie

Die Geschichte der Band Black Sabbath

Die Ursprünge von Black Sabbath gehen zurück zum Ende der 1960er Jahre. Vier junge Musiker aus Aston bei Birmingham gründen die Band Polka Tulk, die später in Earth umbenannt wird.

Anfangs spielen Anthony „Tony“ Iommi (g), William „Bill“ Ward (dr), John „Ozzy“ Osbourne und Terence „Geezer“ Butler (b) überwiegend Blues-Nummern u. a. von Willie Dixon, Howlin’ Wolf und Muddy Waters; es kommt bei ihren Auftritten auch zu langen Improvisationen, ganz im Geiste der 60s.

Die Heavy-Metal Band Black Sabbath in den 70ern (Bild: SONY, UNIVERSAL, LANEY, ARCHIV)

Die Band ist viel unterwegs und kann während eines längeren Engagements im legendären Hamburger Star-Club wertvolle Live-Erfahrung sammeln. Noch mehr Bewegung kommt in das Projekt, als man sich in Black Sabbath umbenennt.

Ganz einig sind sich die Rock-Historiker nicht, woher Bassist Butler die Idee hierfür nahm: Entweder stammt sie von dem gleichnamigen Horrorstreifen mit Kult-Darsteller Boris Karloff oder sie wurde angeregt durch die Werke des englischen Krimi/Fantasy/Horror-Autors Dennis Wheatley.

Im Januar 1970 erscheint eine erste, unbeachtete Single. Doch gleich das Debüt-Album ,Black Sabbath‘, das einen Monat später veröffentlicht wird, landet auf Rang 8 der britischen und auf Rang 23 der US-Charts. In dem epischen Titel-Track zeigt sich am deutlichsten die neue Linie der Band: ,Black Sabbath‘ beginnt mit plätschernden Regen-Geräuschen und Donnergrollen, irgendwo schlägt eine Kirchenglocke, bis die Band nach 37 Sekunden mit einem schrägen Heavy-Riff im Zeitlupentempo einsteigt. Bereits im September erscheint das zweite Album ,Paranoid‘, und hier wird der Slow-Rock noch konsequenter umgesetzt, wie in ,War Pigs‘ und ,Iron Man‘.

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Der für Sabbath-Verhältnisse ziemlich schnelle Titel-Track ,Paranoid‘ wird nicht nur zum Single-Erfolg, mit ihm landet die Band einen definitiven Hardrock- und Gitarren-Monster-Riff-Klassiker, gleichbedeutend mit Deep Purples ,Smoke On The Water‘ und ,Whole Lotta Love‘ von Led Zeppelin.

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Das Album platziert sich auf Rang 1 der UK- und Rang 12 der US-Charts – mit ihrem Zeitlupen-Metal hatten Black Sabbath anscheinend Erfolg. Die Band avancierte zu einem der Mega-Rock-Acts der 70er Jahre, der mit Alben wie ,Master Of Reality‘, ,Black Sabbath Vol. 4‘, ,Sabbath Bloody Sabbath‘ und ,Sabotage‘ das Hardrock/Metal-Genre nachhaltig prägte.

Tony Iommi war mit seinen Gitarren-Riffs ein Innovator, allerdings hatten Sabbath noch mehr zu bieten, nimmt man etwa den Sabbath-Song ,Sabbath, Bloody Sabbath‘ als Beispiel: Nach dem Heavy-Intro und der ersten Strophe wechselt das Stück im B-Part fast zu einer Ballade mit schon jazzigen Akkorden. Gleiches gilt auch für die Nummer ,Symptom Of The Universe‘, das gegen Ende von Akustik-Gitarren dominiert wird. Iommi spielt auch seine jazzigen Solo-Parts auf der Akustischen – und zollte hier vielleicht seinem großen Vorbild Django Reinhardt Tribut. Und schließlich ist da noch die psychedelisch-ruhige Nummer ,Planat Caravan‘, in deren Solo-Part Iommi deutlich seine bluesigen Wurzeln zeigt und einen geschmackvoll-warmen Jazz-Sound aus seiner Gitarre zaubert.

1978 steigt Sänger Ozzy Osbourne aufgrund von Unstimmigkeiten über den musikalischen Kurs aus – und mit seinem Weggang werden für viele Fans die klassischen Black Sabbath zu Grabe getragen. Zu den bemerkenswertesten Line-Ups der Post-Ozzy-Phase gehört wohl das der frühen 80er Jahre mit Ex-Rainbow-Sänger Ronnie James Dio.

Mit ihm wurden in jener Zeit drei Alben eingespielt; Dio verschaffte der Band nach internen Querelen und den letzen beiden weniger beachteten Alben mit Ozzy einen gehörigen neuen Karriereschub.

Die Geschichte von Black Sabbath ist fortan eine Geschichte des Wandels; einzige Konstante bleibt letztlich bis heute Gitarrist Iommi. Nacheinander verlassen auch Bill Ward und Geezer Butler die Band – um später wieder einzusteigen. Auf der Gehaltsliste von Sabbath finden sich klangvolle Namen wie die der Deep-Purple-Musiker Ian Gillan (voc) und Glenn Hughes (voc/b), Carmine Appice (dr), Neil Murray (b) von Whitesnake, die Rainbow-Veteranen Cozy Powell (dr) und Bob Daisley (b) und außerdem Sänger Tony Martin.

Doch trotz hochkarätiger Musiker kann Iommi mit den Alben der 80er und 90er Jahren nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen – offensichtlich fehlt die Magie. Und eben Entertainer Ozzy Osbourne, der seit den 80ern als Solo-Star von Erfolg zu Erfolg eilt. Zweimal kommt es kurz zu Reunions: Beim 1985er „Live Aid“-Event läuft die originale Sabbath-Besetzung auf, und 1992 bei einem Ozzy-Osbourne-Konzert, das medienwirksam als dessen letztes angekündigt wurde, begleiten den Madman Iommi, Butler und Nachfolge-Drummer Appice.

Erst 1997 gingen Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Bill Ward und Geezer Butler wieder gemeinsam auf Tour.

MTV war damals Backstage und sprach mit Tony & Co. über die Reunion:

1998 erschien schließlich das Live-Album ,Reunion‘, übrigens mit zwei neuen Studio-Tracks. 2001 scheitert eine Studio-Session, und Pläne für ein neues Album werden erst einmal auf Eis gelegt. Und da lagen sie bis zum Album „13“, das 2013 erschien und von Rick Rubin produziert wurde:

2017 tourte die Original-Besetzung mit Ausnahme von Bill Ward für die Abschiedstournee “The End” durch die Welt – rund ein halbes Jahrhundert nach der Gründung. Am 4. Februar 2017 fand das Abschiedskonzert in ihrer Heimatstadt Birmingham statt, wo Black Sabbath 1968 gegründet wurde:

Tony, Ozzy & Co. scheinen Abschiedskonzerte zu lieben – im April 2018 kamen Sie erneut für ein letztes Konzert in Birmingham zusammen:

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Das Equipment Tony Iommi

Ungewöhnlich für die damalige Zeit war, dass Linkshänder Tony Iommi seine Gitarren bei einigen Songs tiefer stimmte. Der Grund lag darin, dass er sich bei einem Unfall die Fingerkuppen von Mittel- und Ringfinger abgeschnitten hatte. Fortan spielte er mit selbstgefertigten Fingerkuppen-Prothesen. Da Bendings im Standard-Tuning schmerzhaft waren, begann er die Gitarre herunterzustimmen. Außerdem stellte er sich eigene, dünnere Saitensätze zusammen, die zu Beginn der 70er Jahre noch nicht erhältlich waren.

Iommi ist bekannt dafür, seinen fetten Sound hauptsächlich mit einer Gibson SG und Laney-Röhren-Amps zu erzeugen. 1971 gehörten zu seinem Live-Equipment ein Tycobrahe-WahWah-Pedal, ein Dallas-Rangemaster-Treble-Booster und Laney-Supergroup-Heads mit 4×12-Cabinets desselben Herstellers. Später experimentierte er

auch mit Amps von Marshall und Mesa/ Boogie, kehrte aber immer wieder zu Laney zurück. In den 90er Jahren gab es eine IommySignature-Gitarre von Patrick Eggle, Tony spielte aber auch Custom-Modelle u. a. von J.D. und Gibson. Mittlerweile gibt es auch eine Signature-SG von Gibson, sowie eines von Epiphone. Tony spielt Saiten von LaBella (von einem .008er Set bis hin zu einem Set der Stärke .010-.052), außerdem setzt er Dunlop-Plektren ein. 2001 verwaltete er auf der Bühne Stimmgeräte, Effekte etc. mit einem Pete-Cornish-Pedalboard.

Zum Setup gehörten immer noch das Tycobrahe-WahWah, außerdem verschiedene Rack-Teile, wie u. a. einen Drawmer-Compressor, ein Korg SDD1000 (für Delay) und ein Korg DL8000R Multi-Tap (für Chorus). Um sich dem Black-Sabbath-Sound der 70er Jahre anzunähern, ist man mit einer Gitarre im SG-Style oder zumindest einem Instrument mit Steg-Humbucker gut dabei. Die Verzerrung des (Röhren-) Amps sollte schon deftig sein, aber nicht so stark das Töne nicht mehr zu orten sind oder verschwimmen.

Tonys Guitar Tech Mike Clement zeigt das Gear vom Abschiedskonzert: 

Gitarren:

  • Epiphone P94 Iommi model
  • Epiphone Riviera 12 string
  • Epiphone Tony Iommi G-400
  • Fender Stratocasters
  • Artist Model Gibson
  • Black Gibson Custom Shop S.G.
  • Black Gibson S.G. Standard
  • Red Gibson Custom Shop S.G.
  • Red Gibson SG (Monkey)
  • Gibson Tony Iommi Signature Pick-up von Mike Clement
  • Jaydee Custom S.G. (a.k.a. No. 1, The Old Boy)
(Bild: SONY, UNIVERSAL, LANEY, ARCHIV)

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Das Equipment Geezer Buttler

Geezer Butler setzte auf den frühen Sabbath-Alben einen alten Fender Precision Bass ein. Er benutzte im Laufe der Zeit zahlreiche verschiedene Bass-Modelle, u. a. von Status, Spectre, Dan Armstrong, B. C. Rich und Vigier. Die Saiten seiner Wahl sind DR Strings.

Butlers erster Amp war ein 70-Watt-Röhren-Top von Laney, das er zusammen mit einem Park-Cabinet (mit nur drei Speakern darin) betrieb. Weiter ging es mit zwei Laney-100-Watt-Amps und zwei Laney4x12-Boxen. Schließlich landete er bei Ampeg-SVT-Verstärkern, die er mit verschiedenen Boxen-Modellen kombinierte, für den Live-Betrieb u. a. mit Custom-Marshall-Cabinets, die ausgerüstet waren mit Electro-Voice-Speakern.

Im Studio gab es immer mal wieder Experimente mit Effekten, wie dem WahWah-Sound auf ,N.I.B.‘ Dafür setzte er wie Kollege Iommi ein altes Tycobrahe-Wah ein. Insgesamt ist Butlers Sound jedoch eher straight. Der Sabbath-Bassist spielt Fingerstyle, setzt aber bei schnelleren Stücken oder wenn ein klarer Ton gefragt ist, ein Plektrum ein. Übrigens nimmt er dafür schwarze Dunlop-Pleks – die gleichen, die Tony Iommi spielt.

Seit neuestem hat Butler außerdem sein eigenes Cry Baby Wah: 

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Der Einfluss von Black Sabbath

Die britische Band Black Sabbath ist zweifelsohne einer der wichtigsten frühen Wegbereiter des Metal- und Hardrock-Genres. Mit ihrer Kombination aus Okkultem, das sich im Artwork und den Lyrics wiederfindet, und drückenden Gitarren-Riffs und Rock-Grooves, haben sie zahlreiche Acts beeinflusst – und das über drei Jahrzehnte hinweg!

Aktuellere Gothic-Rocker wie Nightwish und Within Temptation sind ohne Sabbath genauso undenkbar, wie die 80er-Metal-Helden Iron Maiden, Düster-Rocker Danzig und die Grunge-Bands der 90er Jahre, etwa Soundgarden. Auch auf dem Queens-Of-The-Stone-Age-Album ,Lullaby To Paralyze‘ hört man diesen Einfluss deutlich heraus, wenn Josh Homme Riffs im Breitwand-Sound auf seinen tief gestimmten Gitarren abdrückt.

(Bild: S. Ony)

Natürlich haben Black Sabbath durch ihr Image und ihren Sound auch den in den 80ern aufkommenden Black Metal mitbeeinflusst, wobei Bands wie Deicide, Mayhem, Samael und Hypocrisy allerdings etwas der Humor zu fehlen scheint: Black Sabbath und speziell Sänger Ozzy Osbourne pflegten bei ihrem Umgang mit dem Okkulten stets etwas Überdrehtes und Ironisches. Wie groß die Anerkennung der Rock-Szene ist, speziell die von Gitarren-Riff-Master Tony Iommi, zeigt auch, wer alles auf dessen 2000er Solo-Album ,Iommi‘ mitwirkte.

Neben den Sabbath-Kollegen Osbourne und Ward waren hier u. a. Henry Rollins, Billy Idol, Skin von Skunk Anansie, Dave Grohl, Phil Anselmo von Pantera, Serj Tankian von System Of A Down, Ian Astbury (The Cult) und Billy Corgan (Smashing Pumpkins) dabei.

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Black Sabbath Diskografie

  • Black Sabbath (1970)
  • Paranoid (1970)
  • Master Of Reality (1971)
  • Volume 4 (1972)
  • Sabbath, Bloody Sabbath (1973)
  • Sabotage (1975)
  • We Sold Our Soul For Rock’n’Roll (1975)
  • Technical Ecstacy (1976)
  • Never Say Die! (1978)
  • Live At Last (1980)
  • Heaven & Hell (1980)
  • Mob Rules (1981)
  • Live Evil (1982)
  • Born Again (1983)
  • Seventh Star (1986)
  • The Eternal Idol (1987)
  • Headless Cross (1989)
  • Tyr (1990)
  • Dehumanizer (1992)
  • Cross Purposes (1994)
  • Forbidden (1995)
  • Reunion Live (1997)
  • Black Sabbath (2000)
  • Past Lives (2003)
  • The Dio Years (2007)
  • 13 (2013)

 

Text: Matthias Mineur/Arnd Müller