Meilenstein 1980

Ozzy Osbourne: Blizzard Of Ozz

1978 stieg Ozzy Osbourne bei Black Sabbath aus. Fans und Fachwelt waren nun gespannt, womit der eigenwillige Sänger solch legendärer Hardrock-Meisterwerke wie ,Paranoid‘ oder ,Master Of Reality‘ aufwarten würde.

,Blizzard Of Ozz‘ erschien in England im September 1980, und die beteiligten Namen ließen Großes vermuten: Lee Kerslake hatte zuvor bei Uriah Heep getrommelt, Bassist Bob Daisley kam von Rainbow, die Keyboards bediente Don Airey, der Youngster im Team war Ex-Quiet-Riot-Gitarrist Randy Rhoads. Und der ließ mit seinem Eröffnungs-Riff zu ,I Don’t Know‘ keine Zweifel daran aufkommen, dass hier Hardrock allererster Güte angesagt war.

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FOTO: epic
Heavy-Klassiker von 1980: Blizzard Of Ozz

Weitere Highlights sind u. a. die Single-Auskopplungen ,Crazy Train‘ und ,Mr. Crowley‘. Ozzy spielte nicht nur textlich wieder mit okkulten Klischees: Das Album-Cover zeigt den Meister in einem rotweißen Umhang, er kniet auf dem Boden, blickt manisch in die Kamera, hält dabei ein Kreuz in die Höhe, um ihn herum sind eine schwarze Katze, ein menschlicher Schädel und der Schädel eines gehörnten Tieres drapiert. Die Szenerie spielt sich auf einer Art Dachboden ab, von draußen dringt durch eine geöffnete Luke Tageslicht herein …

1980 konnte man mit solch sinnentleertem Theater sicher noch kleine Kinder erschrecken, heute wirkt so etwas Kult- und Trash-verdächtig hoch 10. Aber es zeigt vielleicht auch einfach nur, dass Ozzy eine besonders schräge Form von schwarzem Humor besitzt – schließlich ist der Mann Brite.

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FOTO: epic
Ozzy lässt seinen Gitarristen hochleben

Das Album stieg auf Rang 5 der englischen Charts ein, erst 1981 in den USA veröffentlicht konnte man dort auf Platz 21 vordringen – beides sehr beachtlich. Osbourne und seine Blizzard-Band hatten es geschafft, den Black-Sabbath-Sound modernisiert in die 80er zu transportieren. Großen Anteil daran besaß der junge Randy Rhoads, zu dessen Markenzeichen u. a. auf Speed gebrachte Moll-Skalen gehörten, was an Deep Purples Ritchie Blackmore erinnerte. Und mit seinen Tappings kratzte er zudem am gerade von Eddie Van Halen bestiegenen Virtuosen-Thron. Hierfür setzte Rhoads zunächst eine cremefarbene Gibson Les Paul ein, später spielte er auch ein gepunktetes Custom-Flying-V-Modell des Herstellers Sandoval sowie Signature-Instrumente von Jackson. Hinzu kamen Marshall-Amps und diverse Fußtreter wie Distortion, Flanger, Chorus oder WahWah. Dass Randy nicht unbedingt auf allzu viel Technik angewiesen war, zeigt das zwar nur sehr kurze aber doch aussagekräftige Akustik-SoloInstrumental ,Dee‘, das hohe Spielkultur und deutliche Klassikwurzeln verrät.

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FOTO: epic
On stage: Ozzy & Randy

Die Dinge liefen gut für Ozzy: Das zweite Solo-Album ,Diary Of A Madman‘ etablierte ihn ein Jahr später endgültig als Big Player im Heavy-Zirkus, der seinen Sabbath-Kollegen, die jetzt mit Sänger Ronnie James Dio unterwegs waren, mächtig Konkurrenz bereitete. Und Axeman Randy avancierte zu einem der Top-Player der frühen 80er-Jahre, der letztlich bis heute Maßstäbe im Metal-Genre gesetzt hat. Tragisch dann, dass Rhoads am 19. März 1982 beim Absturz mit einem Sportflugzeug ums Leben kam – gerade mal 25 Jahre alt. Ein großer und herber Verlust für die Musikwelt im Allgemeinen und für Ozzy Osbourne im Besonderen. Aber es musste weitergehen, und der Frontmann zeigte erneut sein Gespür für großartige Gitarren-Talente. Auf Rhoads folgten Jake E. Lee und später Zakk Wylde. Und auch auf seinem neuen Album ,Scream‘ hat Mr. Osbourne mit Gus G. von Firewind wieder einen beeindruckenden Virtuosen am Start, der in der Tradition von Rhoads steht und spielt.

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FOTO: epic

Im Zusammenhang mit ,Blizzard Of Ozz‘ muss noch eine wichtige Anmerkung gemacht werden. Bei den 2002 erschienenen Remastered-Versionen der ersten beiden Ozzy-Alben wurden die Namen von Bassist Daisley und Drummer Kerslake entfernt. Damit nicht genug, wurden deren Original-Spuren ausgetauscht gegen Neueinspielungen von Robert Trujillo (b) und Mike Bordin (dr). Mittlerweile sind die Originalmusiker wieder vermerkt, die alten Bass- und Drum-Spuren aber fehlen immer noch … Osbourne versuchte damals Tantiemen-Zahlungen aus dem Weg zu gehen. Bob Daisley kommentierte in einem Interview in G&B 03/2005 diesen Vorgang mit folgenden Worten: „Sie (damit dürften Ozzy und seine allmächtige Gattin Sharon gemeint sein; d. Red.) beleidigen damit die Erinnerung an Randy Rhoads, sie beleidigen Mrs. Rhoads, seine Mutter, sie beleidigen die plattenkaufende Öffentlichkeit, sie beleidigen jeden. Sie machen sich zum Narren und schießen sich selbst in den Fuß. Die meisten Leute sagen, das ist so als würde man der Mona Lisa einen Schnurrbart anmalen, oder als würde man versuchen, die Geschichte zu verändern. Du kannst so etwas nicht wiederholen, das ist nicht möglich. Sogar wenn mich jemand fragen würde, ich sollte etwas ersetzten, was ich schon einmal einspielt habe, könnte ich es nicht. Wie kann es also jemand anders?“ Randy Rhoads dürfte sich im Grabe umgedreht haben …

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