Produkt: Love In Vain – The Rolling Stones
Love In Vain – The Rolling Stones
Love In Vain: Hol Dir die Playalong-Versionen des Klassikers von den Rolling Stones!

Meilenstein 1966: The Rolling Stones – Aftermath

(Bild: ABKCO London)

Das Treffen von Keith Richards und Mick Jagger am Bahnhof von Dartford ist populärer Bestandteil des Mythos, der sich um die britische Rockband The Rolling Stones gebildet hat.

Am 17. Oktober 1961 trafen sich die beiden, die sich flüchtig aus der gemeinsamen Grundschule kannten, zufällig auf Gleis 2. Über die zwei Platten, die Jagger unterm Arm trug – die eine von Chuck Berry, die andere von Muddy Waters – kamen sie bei der Bahnfahrt ins Gespräch über Rock & Roll und Blues. Schließlich verabredeten sie sich zum gemeinsamen Musikhören.

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Später wurde diese nicht unwichtige Episode gerne als Ausgangspunkt der Stones kolportiert. Dabei hatte die Geschichte der Band erst mit Multiinstrumentalist Brian Jones begonnen. Er spielte zunächst bei Blues Inc., der Band von Alexis Korner, daneben trat er unter dem Pseudonym Elmo Lewis auf. Bald suchte er Leute für eine eigene Band, zu der als erstes u. a. Ian Stewart (p) und Dick Taylor (b) gehörten – Letzterer war nur kurz dabei und gründete später die Pretty Things. Schließlich lernte Jones Mick und Keith kennen und holte sie in seine Band. Schließlich kamen Bill Wyman (b) und Charlie Watts (dr) in die neue Formation. Den Band- Namen entlehnte Jones einem Zitat aus dem Muddy-Waters-Klassiker ,Mannish Boy‘.

Im Januar ‘63 erschien die erste Single ,Come On‘, ein Jahr später dann mit ,The Rolling Stones‘ das Debüt-Album. In dieser Phase interpretierte die Band überwiegend Blues- und Rock-&-Roll- Songs anderer Künstler. Diese Musik war die Wurzel der jungen Band und besonders die von Brian Jones, der sich ausgiebig mit Gitarren-Spieltechniken, Harmonien und der Geschichte des Blues befasste. Muddy Waters, Chuck Berry und Willie Dixon sollten auch in den folgenden Jahren die Singles und Alben der Stones bestimmen. Erst allmählich begannen die Musiker eigene Songs zu schreiben. Und das mit Erfolg, wie ,(I Can‘t Get No) Satisfaction‘ von Mai 1965 demonstrierte.

Die UK-Version von Aftermath (Bild: Decca Records)

1966 erschien mit ,Aftermath‘ das erste Album, das komplett aus eigenen Kompositionen bestand. Zu den herausragenden Songs zählte ,Paint It Black‘, das so ganz anders klang als alles, was die Band davor veröffentlicht hatte. Brian Jones eröffnete den Song mit einem kurzen wie markanten Thema auf der indischen Sitar. Schließlich wurde mit einem scharfen Drum-Beat eine düstere Mollkadenz nach vorne getrieben. Und Mick Jagger wollte in seinem Kummer die ganze Welt schwarz streichen. Als Single erreichte die Nummer sowohl in England als auch den USA Rang 1 der Charts. Übrigens: Auf der englischen Albumversion fehlte das Stück, stattdessen eröffnete ,Mother‘s Little Helper‘. Zudem bot die UK-Ausgabe mit ,Out Of Time‘, ,Take It Or Leave It‘ und ,What To Do‘ drei Stücke mehr.

Zu den weiteren frühen Großtaten der Stones gehörte ,Under My Thumb‘, ein Song, der weg vom Blues in Richtung Pop tendierte. Die stets wiederkehrende Hauptmelodie erhält ihre Tiefe durch den Einsatz eines Marimbaphons – in einem TV-Mitschnitt der Zeit, sieht man wie Jones dieses Vibraphon-ähnliche Instrument bedient. Im Gegensatz zu ihm blieb Keith Richards stets bei sechs Saiten.

Heute ist er hinlänglich bekannt als notorischer Telecaster-Player, der sein Instrument im Open-G-Tuning spielt. Doch beides kam erst später, damals nutzte er u. a. Gibson-Les-Paul-Modelle. Und damit befeuerte er die straighten Bluesrocker ,It‘s Not Easy‘ und ,Flight 505‘. Beide zählten und zählen wohl zu jenen Nummern, die man heute als „typisch Stones“ bezeichnen würde, eben durch ihren Mix aus rollendem Piano, knackigen Gitarren-Riffs, kraftvoller Rhythmsection und Jaggers offensivem Gesang. ,Going Home‘ beginnt mit scharfen Tremolo-Gitarren und weitet sich aus zu einem endlosen Jam. Mit über elf Minuten sprengte der Song locker das Single-Format von um die drei Minuten. Mit seinem hypnotischen Groove, Jaggers Blues-Zitaten und der Harp im Hintergrund führte dieser lange Heimweg durch unwirtliches Terrain bei bedecktem Himmel – letztlich spiegelt dies alles den experimentellen Geist des Albums wie der Zeit im Allgemeinen wieder.

Brian Jones, Keith Richards, Bil Wyman, Mick Jagger und Charlie Watts (Bild: 2006 Getty Images)

Für den war in erster Linie Brian Jones verantwortlich. Er spielte neben der erwähnten Sitar mit der Appalachian Dulcimer und der japanischen Koto weitere exotische Instrumente. Außerdem spielte er Bluesharp … und die Bottleneck-Riffs in ,Doncha Bother Me‘ dürften auch von ihm sein. Yepp, natürlich spielte er in erster Linie E- und Akustik-Gitarre. Mitte der 60er sieht man ihn oft mit dem tropfenförmigen Prototyp einer Vox Mark III. Zudem setzte er u. a. die Gibson- Modelle Firebird und Les Paul ein. Brian Jones‘ musikalisches Talent verhalf den frühen Rolling Stones zu einem neuen musikalischen Profil.

Für die Band war er jedoch weit mehr, wie Bill Wyman 2002 gegenüber der kalifornischen Daily News feststellte: „Er war am Anfang außerordentlich wichtig, weil er die Band gegründet hat. Er suchte die Mitglieder aus. Er gab der Band ihren Namen. Er suchte die Musik aus, die wir spielten. Er besorgte uns Auftritte. Und er tat Mitte der 60er in vielen Songs wundervolle Dinge mit Dulcimer oder Marimba – aus allem was er in die Hand nahm, konnte er ein Stück herausbekommen und gab so auch Songs eine ganz andere Richtung. Sehr einflussreich, sehr wichtig, und das verlor er langsam. Und – obwohl höchst intelligent – hat er all dies irgendwie vergeudet und weggeblasen.“

Tatsächlich schlitterte Jones immer weiter in eine Drogenabhängigkeit. Und im Verlauf der folgenden Jahre kam es immer mehr zum Zerwürfnis zwischen Jones und Jagger/Richards, was schließlich zu seinem Ausstieg führte. Knappe vier Wochen später, am 3. Juli 1969, fand man Brian Jones tot in seinem Swimming Pool. Er war gerade mal 27 Jahre alt und die Umstände um seinen frühen Tod bieten bis heute Anlass zu den wüstesten Spekulationen. Wer wirklich etwas über den Menschen und Musiker erfahren will setzt sich besser mit seinem Werk auseinander. Zum 50. Todestag ist ,Aftermath‘ sicher ein guter Ausgangspunkt, um die frühen Rolling Stones mit Brian Jones wiederzuentdecken.

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2019)

Produkt: (I Can’t Get No) Satisfaction – The Rolling Stones
(I Can’t Get No) Satisfaction – The Rolling Stones
(I Can’t Get No) Satisfaction: Hol Dir die Playalong-Versionen des Über-Klassikers der Rolling Stones!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Brian Jones war ein Gigant der leider sein exzentrisches Leben nicht mehr unter Kontrolle hatte. Schade, er hätte sicher noch großes geschaffen.

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  2. Ohne Brian waren die Stones eine nicht mehr authentische Band. Die Band auf Jagger und Richards zu reduzieren ist falsch. Im Juli 1969 sind die wahren Stones gestorben. The Beatles ohne John, undenkbar.

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    1. …gestorben, um direkt mit Brians Nachfolger Mick Taylor grandios neu geboren zu werden.

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  3. “Im Gegensatz zu ihm blieb Keith Richards stets bei sechs Saiten”… ware es nicht fünf? 😉

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  4. Was in dem Bericht falsch dargestellt wird und leider oft verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass Brian Jones keine Songs schreiben konnte, weder Text noch Musik, was ihn damals rasend machte. Er war der Meister im verzieren und schmücken eines Songs, durch sein Multitalent an diversen Instrumenten.
    Tatsache ist auch das die besten Platten der Stones erst nach ihm rauskamen, also Sticky Fingers, Exile on Mainstreet und Let it bleed. Also der Vergleich mit dem fehlenden Lennon stimmt überhaupt nicht. Keith hat nicht nur Gitarre sondern Bass und Klavier eingespielt. Open G Tunings natürlich mit 5 Saiten.

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    1. Für mich sind die erwähnten Platten keinesfalls die besten Werke der Stones. (Die herausragenden Titel der Lps sind von Fred McDowell und Robert Johnson) Das ist vielleicht für einen Popmusikkonsumenten der Fall, aber mir gefallen die unpolierten, blueslastigen frühen Alben der Stones mit Brian Jones weit besser ( und nicht nur mir, sondern allen Bluesmusikern aus meinem Umfeld). Natürlich war Mick Taylor ein hervorragender Gitarrist (durfte ihn zweimal live erleben), aber niemals ein “Stone”.Bin ganz der Meinung von Mitläufer: Ohne Brian Jones waren es nicht mehr die Stones, die ich so verehrte.

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