Dreadnought from outer space
Test: LÂG HyVibe 10 HV10DCE
von Guido Lehmann, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
Bei Südfrankreich denkt man an guten Wein, feines Essen, Lavendel und Sonne … und an die Instrumente von LÂG Guitars.
Wobei die hier vorliegende Steelstring-Acoustic zwar das altehrwürdige Korpusformat „Dreadnought“ zu eigen hat, ansonsten aber eine hochmoderne Gitarre ist – entwickelt in der Grand Nation, hergestellt in China und ausgestattet mit zahlreichen technischen Features. Was zeitgemäßen Gitarrenbau angeht, segelt LÂG quasi hoch am Wind.
DIE GITARRE
Die ersten zwei Dinge, die mir auffallen, sind das sehr gute Gigbag und die Abwesenheit eines Manuals. Dazu später mehr. Wir haben hier also eine Dreadnought Steelstring mit Cutaway vor uns. Der Korpus setzt sich zusammen aus einer massiven Zederndecke und Zargen sowie Boden aus Khaya (eine afrikanische Mahagoni-Art).
Der Body kommt ohne Binding aus, wodurch man am Deckenrand sehr schön die Jahresringe sehen kann, was dann auch die massive Machart der Decke beweist. Ein Hingucker bei LÂG-Instrumenten ist immer die Schalllochumrandung – hier eher modern ausgelegt. Auf ein Schlagbrett wurde verzichtet, das liegt allgemein im Trend, und ich würde gerne wissen, wie solche Decken wohl in 30 Jahren aussehen.
Der ebenfalls aus Khaya gefertigte Hals trägt ein Griffbrett, das, wie der Steg, aus FSC-zertifiziertem Brown BrankoWood besteht. Es ist mit 20 tadellos polierten Medium-Silver-Nickel-Bünden bestückt, Inlays zur Lagenkennung gibt es nur auf der Sichtkante. Die Saiten mit einer 650-mm-Mensur liegen auf der Stegeinlage und dem Sattel aus Black Graphite und gelangen so zur Kopfplatte.
Diese zeigt im Mittelbereich einen erhöhten Layer, der für viel LÂG-typischen Charakter sorgt. Unterstützt wird dieser Charakter durch die mattschwarzen, geschlossenen Mechaniken. Dank zweier Gurtpins lässt sich die Gitarre auch im Stehen sofort antesten. Insgesamt betrachtet ist die komplett matt versiegelte HV10DCE absolut akkurat und sauber hergestellt. Als reine Akustikgitarre weist sie zunächst einmal keine Schwächen auf.
(Bild: Dieter Stork)
DIE TECHNIK
Die HyVibe-Modelle von LÂG gibt es ja schon einige Jahre, hier haben wir es mit der zweiten Entwicklungsstufe (HyVibe H2) zu tun. Das Farb-Display ist hell und gestochen scharf, die Prozessorleistung wurde erhöht. Die Bedienung des Systems wird vom Hersteller als „intuitiv“ beworben – werden wir dann sehen, wenn ich versuche, ohne Manual zu arbeiten.
Es wird wirklich eine Menge geboten: Zum einen gibt es Effekte wie Reverb, Delay, Chorus, Octaver, Tremolo, Vintage (Delay + Trem) und sogar Distortion. Die jeweiligen Parameter können direkt am Display oder per App auf dem Smartphone justiert werden.
Außerdem gibt es einen Tuner, ein Metronom, einen Looper, eine Bluetooth-Funktion, mit der man z. B. Musik vom Handy abspielen kann, und einen USB-Anschluss für Recording-Zwecke.
Der Looper (und auch andere Funktionen) lassen sich auch über den mitgelieferten Zweifach-Fußschalter bedienen. Tolle Beigabe. Natürlich ist auch ein Piezo-Pickup verbaut, sodass man die ganze Sound-Vielfalt nicht nur über die Aktuatoren aus dem Korpus hören kann, sondern auch über Amp, PA oder PC.
Für die Energieversorgung sind wiederaufladbare Lithium-Batterien zuständig. 1,5 Stunden Ladezeit sorgen für 10 Stunden Spielzeit. Das Ladegerät ist im Lieferumfang enthalten.
Praxistest und Resümee auf Seite 2 …
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