Rein in die Tasche, ab in den Flieger!

Test: Tech 21 Marty Friedman Signature SansAmp

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(Bild: Dieter Stork)

Marty Friedman verlässt sich typischerweise auf echte Röhrenverstärker. Und auch bei Tech 21 war analoge Technik bislang immer die erste Wahl – wenn auch in kompakter, transistorisierter Bauweise. Mit dem Marty Friedman Signature SansAmp stellen der Musiker und der Hersteller die Welt nun auf den Kopf und präsentieren ein kompaktes Pedal, das die gewünschten Analog-Sounds per Binärcode erzeugen soll.

Der ursprüngliche SansAmp entstand aus dem Wunsch des Firmengründers Andrew Barta, den Klang von Röhrenverstärkern in ein portables Pedal zu übertragen. Die Geschichte dieser analogen Verstärkersimulation reicht bis ins Jahr 1989 zurück.

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Die Klänge dieses Originals und der im Laufe der Jahre entwickelten weiteren Produkte von Tech 21 sind auf unzähligen Veröffentlichungen verewigt, etwa von Nirvana, Clawfinger oder Rammstein. Auch Bassisten wie Geddy Lee oder Steve Harris setzen seit Jahren auf den Hersteller aus New York.

Während für Andrew Barta bislang die Vorteile der Analogtechnik überwogen, ist in Kooperation mit Marty Friedman nunmehr ein erstes digitales Produkt entstanden.

MASSGESCHNEIDERT UND VIELSEITIG

Laut Marty Friedman steckt eine beachtlich lange Geschichte dahinter, denn offenbar haben er und Tech 21 in den letzten 25 Jahren immer wieder über ein Signature-Produkt gesprochen.

Das Resultat ist ein kompaktes, bühnentauglich robustes Pedal, das exakt auf Martys Bedürfnisse abgestimmt ist. Es bietet Clean-, Dirty- und Lead-Sounds sowie ein zuschaltbares Auto-Filter, das seinen Melodiesounds oft seinen Stempel aufdrückt. Hinzu kommen ein praktisches Noise Gate, ein Hall-/Delay-Effekt, ein Stimmgerät, ein serieller Loop und sogar eine Lautsprechersimulation auf Basis von Impulsantworten.

Das Pedal verfügt zudem über MIDI-Schnittstellen (3,5 mm TRS) und bietet Preset-Speicherplätze. Bei diesem Formfaktor kann man sich kaum mehr wünschen. Das gilt erst recht, weil nahezu sämtliche Parameter direkt zugänglich sind und man über vier Fußtaster live bequem einen kompletten Gig bestreiten kann.

Der Künstler selbst nutzt den Tech 21 Marty Friedman Signature SansAmp eigenen Angaben zufolge für kleine Auftritte, Promotionsarbeiten und zu Hause. Auf großen Bühnen greift er hingegen auf seinen Signature-Verstärker von Engl zurück.

PRAXIS

Die Vorgabe war ein portables Gerät, das den Fokus auf Klangqualität legt. Marty Friedman bevorzugt dabei ganz offensichtlich eine geradlinige Bedienung.

Im Performance-Modus sind die drei Klangkanäle direkt abrufbar und bei Bedarf in den Bypassbetrieb schaltbar. Das ist sinnvoll, wenn man das Pedal vor einem Verstärker betreibt. Im Studio-Modus hingegen bewegt man sich auf- und abwärts durch die 128 Speicherplätze. Eine Suchfunktion ermöglicht es, den nächsten Sound bis zu einem Auslösen über den mittleren Schalter aufzurufen. Ein vierter Fußschalter ruft das Autowah-Filter bzw. das integrierte, einfache, aber praxistaugliche Stimmgerät auf.

(Bild: Dieter Stork)

Die Kanäle teilen sich die Bedienelemente in Form eines Drive-Reglers, dreier EQ-Bänder und eines variablen Ausgangspegels. Hinzu kommen Regler für das Noise-Gate, zur Abstimmung des speziell für Marty Friedman abgestimmten Filtereffekts und zur Einstellung des Anteils des Hall-/Delay-Effekts. Ein kleines Display gibt die nötige visuelle Rückmeldung, was übrigens auch für das Stimmgerät gilt.

Hat man einen passenden Klang gefunden, kann man diesen ganz einfach auf Knopfdruck speichern. Der Effektweg wird stets mit dem Pedal aktiviert und ist lediglich im Bypass-Modus inaktiv.

VOR ODER HINTER DEM AMP? ODER OHNE AMP?

Seinen Platz findet der Tech 21 Marty Friedman Signature SansAmp wahlweise vor einem Verstärker oder in dessen Return. Parallel dazu steht über einen symmetrischen XLR-Ausgang eine Boxensimulation bereit, die sich für schnelle Aufnahmen und den Betrieb auf der Bühne empfiehlt. Anders als in bisherigen Produkten von Tech 21 kommen hier Impulsantworten zum Einsatz, die sich über den Editor pro Speicherplatz einzeln auswählen lassen.

Dank der Speichermöglichkeit und der MIDI-Schnittstelle können bei Bedarf deutlich mehr als drei Klänge bereitgehalten und sogar ferngesteuert aufgerufen werden.

Das Testgerät reagiert ab Werk auf MIDI-Programmwechselbefehle. Bei Bedarf lassen sich aber auch die einzelnen Regler adressieren (siehe Editor-Software).

Das Problem falsch stehender Potis nach einem Presetwechsel ist bei Geräten mit Speicherfunktion quasi unvermeidbar. Tech 21 löst dieses Problem durch eine clevere Visualisierung im Display, während die Potis unmittelbar reagieren.

EDITOR-SOFTWARE

Mithilfe des kostenlosen Software-Editors MF1 Control lässt sich das Pedal (Firmware zum Testzeitpunkt: 1.10) auf Windows- und macOS-Rechnern editieren. Die grafische Oberfläche ist zumindest auf meinem Monitor klein und nur schwer lesbar. Glücklicherweise arbeitet Tech 21 laut Angaben des Vertriebs bereits an einer verbesserten Bedienoberfläche.

Etwas umständlich ist zudem, dass das Testgerät über keine USB-Schnittstelle verfügt und daher über MIDI adressiert werden muss. Das wiederum setzt entsprechende Adapter sowie ein MIDI-Interface am Rechner voraus. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sollte man die Kosten dafür ins Budget einplanen.

Wird das Gerät erkannt, können die Presets in beide Richtungen übertragen und am Rechner verwaltet werden. Zudem lassen sich die Presets mit einem bidirektionalen Abgleich der Regler an Hard- und Software editieren.

Neben den Standardparametern hat man über den Editor Zugriff auf die Auswahl und Konfiguration des Effektbereichs. Hier stehen mehrere Hallsimulationen, ein Delay (Echo) sowie eine Mischung aus beiden Effekten (Echoverb) zur Verfügung. Außerdem lassen sich hier bis zu acht Impulsantworten verwalten, die den jeweiligen Presets zugeordnet werden können.

Zu den weiteren Funktionen gehören die Einstellung der Referenztonhöhe des Stimmgeräts, die Möglichkeit, die Lautsprechersimulation zu deaktivieren, ein MIDI-Mapping für eingehende Programmwechselbefehle sowie ein Modus, mit dem sämtliche Controller-Befehle adressiert werden können. Schließlich gibt es sogar die Möglichkeit, die Regler der Hardware abzuschalten – für den Fall, dass es auf der Bühne zu hektisch wird!

KLANG

Die ersten drei Presets bilden die Basis-Presets von Marty Friedman. Hinzu kommen 36 Klangvariationen auf Basis dieser Presets. Insgesamt stehen 128 Speicherplätze bereit, mit denen sich auch die Werkeinstellungen überschreiben lassen.

Der Clean-Sound ist sauber und mit viel Headroom gesegnet. Schon hier wird klar, dass Tech 21 mit den drei aktiven Equalizerbändern ein mächtiges und gleichzeitig übersichtliches Werkzeug zur Klangformung bereitstellt. Je nach Einstellung kann es warm und dunkel klingen, aber auch schön knackig oder gar funky. Störende Härten stelle ich nicht fest.

Im Unterschied dazu nimmt der Dirty-Kanal sofort Fahrt auf. Bereits im ersten Viertel erzielt man mit einer Humbucker-Gitarre einen Crunch. Der Sound ist druckvoll, konturiert und moderner als der eines alten Briten. Die Dynamik eines Plexis findet man hier nicht, dafür aber durchaus sein nächstes Hardrock-Riff.

Vor allem deckt der Dirty-Kanal aber ein straffes High-Gain-Brett für die Rhythmusarbeit ab. Je nach Bassanteil erzielt man einen kräftigen Schub in den Tiefen. Der Mittenregler packt ebenso effektiv zu wie der Höhenregler, sodass man hier seinen Metal-Sound von scooped bis bissig aggressiv finden sollte. Das Spielgefühl ist gleichermaßen gefällig und trocken.

Schließlich bietet auch der Lead-Kanal jede Menge Gain-Reserven. Im Direktvergleich ist dieser Kanal komprimierter und etwas runder abgestimmt. Reine Geschmacksfrage. Wer einen expliziten Solo-Sound sucht, wird diesen Kanal besser zum Singen bringen.

Das gilt natürlich erst recht, wenn man das Filter zuschaltet. Dabei handelt es sich um einen Wah-Effekt, der durch die Dynamik des Spielers gesteuert wird. Marty Friedman setzt diese Animation eher sparsam ein. Der überprägte Mittencharakter ist aber deutlich erkennbar und sorgt für mehr Durchsetzungsvermögen im Bandkontext. Abhängig von der Einstellung des Reglers lassen sich aber auch dynamische Filterbewegungen erzielen.

Schließlich leistet auch der Effektbereich seinen Beitrag. Im Wesentlichen geht es darum, eine unterstützende Räumlichkeit zu schaffen, die insbesondere Clean-Sounds unterfüttert. Von den per Update ergänzten Echo- und Echoverb-Algorithmen sollte man keinen Ersatz für dedizierte Pedale erwarten, sondern eine zusätzliche Unterstützung der Kanäle in Form einer tragenden Ausklingphase.

Ich habe das Pedal vor mehreren Verstärkern getestet, jeweils im Clean-Kanal. In diesem Szenario ergibt sich das größte Klangspektrum, denn das Pedal bietet nicht nur seine eigenen Sounds, sondern erlaubt im Bypass-Betrieb auch die uneingeschränkte Nutzung des Verstärkers selbst. Die klanglichen Ergebnisse vor einem neutralen Clean-Kanal sind durchweg überzeugend. Als Turbo für vorhandene Gain-Kanäle sehe ich das Testgerät hingegen weniger.

Selbstverständlich prägt auch der folgende Verstärker den Klang mit. Das gilt insbesondere, weil der digitale SansAmp bei Bedarf die Eingangsstufe des Verstärkers mit einem hohen Ausgangspegel in die Sättigung treiben kann. Das kann durchaus gewünscht sein. Als Booster ist das Pedal also durchaus nutzbar, allerdings ist es dafür eher überdimensioniert.

(Bild: Dieter Stork)

Wenn man den SansAmp pur hören möchte, sollte man besser die Endstufe seines Verstärkers nutzen. Hier liefert der Marty Friedman Signature SansAmp den Gesamtsound und deckt dabei spielend die Bandbreite von clean bis bitterböse ab. Dank des adaptiven Noise Gates sind Nebengeräusche zum Glück kein Problem.

Die Lautsprechersimulation über den XLR-Ausgang klingt ebenfalls ansprechend. Dank der selektierbaren Impulsantworten ist sie flexibel und lässt sich über das Mischpult effizient weiterformen. Oft hilft hier eine zusätzliche, realistische Raumsimulation am Pult oder im Rechner, um die Ergebnisse noch glaubhafter zu gestalten. Wie bereits erwähnt, übernimmt der interne Hall die Aufgabe, den Klang selbst zu „schmücken”. Er sollte deshalb als Ergänzung zum eigentlichen Gitarrensound betrachtet werden.

Die Simulation sollte für kleine Gigs und als Notfall-Szenario bei großen Konzerten völlig ausreichend sein. Sie ist konsistent nutzbar, zeitsparend und durch die Möglichkeit der Preset-Speicherung auf die einzelnen Kanäle abstimmbar. Auch für schnelle Aufnahmen kann man auf die Boxensimulation per Impulsantwort zählen. Gut, dass sich diese Sektion aber auch deaktivieren lässt, um entsprechende Plug-ins im Rechner zum Einsatz bringen zu können.

KONKURRENZ

Der Tech 21 Marty Friedman Signature SansAmp geht gar nicht erst mit dem Ziel an den Start, alle erdenklichen Gitarrensounds und Effekte der Welt zu bieten. Entsprechend sollte man hier auch nicht die Vielfalt eines Modelers/Profilers wie dem Line 6 HX Stomp oder dem Kemper Profiler Player erwarten. Das Pedal beschränkt sich bewusst auf drei präzise abgestimmte Basisklänge und eine kuratierte Effektauswahl. Gleichwohl lassen sich die Sounds vielfältig ausformen.

Ich würde das Testgerät daher eher mit den analogen Produkten von Tech 21, aber auch mit den röhrenbestückten Angeboten von Blackstar oder Friedman vergleichen. Letztlich entscheidet der persönliche Geschmack. Tech 21 geht dabei konsequent einen eigenen Weg. Alleskönner gibt es an jeder Ecke. Hier führt der Weg deutlich schneller zum gewünschten Sound, sofern einem der Grundklang zusagt.

RESÜMEE

Das digitale Debüt ist geglückt. Mit dem Tech 21 Marty Friedman Signature SansAmp kann man selbstbewusst auf die Bühne gehen. Überzeugende Clean-, moderne Crunch- und High-Gain-Sounds holt man spielend aus dem Gerät, dazu gibt es Noise Gate, Nachhall und Auto-Wah.

Während der Clean-Kanal universell einsetzbar ist, ist die Klangabstimmung der Zerrkanäle eher modern. Vintage-Sounds sind hier nicht zu finden. Gleichzeitig ist der Klang durch den aktiven Equalizer umfassend formbar.

In der Praxis habe ich mich zumindest nicht gefragt, wie der Klang erzeugt wird. Was zählt, ist das Ergebnis. Im Falle der integrierten, erweiterbaren Effekte und der variablen IR-Boxensimulation ist die Digitaltechnik sogar im Vorteil. Dank integriertem Stimmgerät und MIDI-Kompatibilität bleiben bei diesem geradlinigen Kompaktformat kaum Wünsche offen.

Plus

  • guter, vielseitiger Klang
  • Preset-Speicherplätze, MIDI
  • aktualisierbare Effekte und Impulsantworten

Minus

  • umständliche Rechneranbindung

Übersicht

Fabrikat Tech 21
Modell Marty Friedman Signature SansAmp
Gerätetyp Dreikanaliger E-Gitarren-Preamp
Herkunftsland USA
Technik digital
Gehäuse gebürstetes Aluminium
Anschlüsse Rückseite: Input, Output, Send, Return, Balanced Out (XLR), MIDI In/Out (3,5 mm), Netzteil
Regler Drive, Low, Mid, High, Reverb, Level, Gate, Filter
Schalter Save, Ground-Lift, Boost (+10 dB Ausgang)
Fußtaster 1-3, Filter/Tuner
Effekte Reverb/Delay, Autowah, Tuner
Display OLED
Einschleifweg seriell
Besonderheiten 128 Speicherplätze, IR-Lautsprechersimulation
Gewicht 0,7 kg
Maße 190,5 x 133,35 x 50,8 BTH/mm
Internet www.tech21nyc.com
Zubehör Netzadapter
Preis (Street) ca. € 489

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)

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