Kommt in Mode

Test: Ibanez Mode MDM 1000-PW & MDM1305-NAB

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(Bild: Dieter Stork)

Ein gebrauchter Ibanez Jazz Bass von 1978 war der erste Bundbass, den ich mein Eigen nennen durfte (dank der Finanzierung meines Vaters -­­­ Danke, Pa!). Das ist eine der Fast-eins-zu-eins-Kopien, von denen sich die Firma bald darauf verabschiedete, um mit ausschließlich eigenen Entwürfen durchzustarten. Für mich schließt sich damit mit den neuen MDM-Bässen ein Kreis. Und jetzt: Sentimentalitäten beiseite und auf in den professionellen Tester-Modus.

Drei Level gibt es in der Mode-Basslinie, plus ein japanisches Top-Modell, das unter Mode Visions läuft. (Sollte die Linie Erfolg haben, wurde mir schon zugeflüstert, wird es auch günstigere China-Modelle geben.) Der Hauptunterschied liegt im Korpus: die 1000er kommen als Vier-, Fünf- oder Sechs(!)-Saiter mit Erlenbody, die 1300er als Vier- und Fünfsaiter mit Esche, und die 1600er wiederum als Vier-, Fünf- oder Sechssaiter ebenfalls mit Erle, aber mit Maserpappel-Decke. Da sollte doch für jeden Geschmack was dabei sein!

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FLEXIBILITÄT HOCH SECHS

Zum Test habe ich den MDM1000 in Pearl White hier, den es als farbliche Alternative noch in Midnight Arctic Ocean Matte gibt, und den MDM1305, der in Natural Stained Amber Burst angeboten wird. Der Erfolg der fenderigen AZ-Gitarren scheint Ibanez motiviert zu haben, ähnliches auch im Bassbereich zu etablieren, nämlich, wie auf der Webseite selbst erklärt, eine moderne Interpretation eines Klassikers. Der so interpretierte Klassiker ist unschwer als Jazz Bass auszumachen, entsprechend zeigen die MDMs die klassisch-elegante, verschobene Linienführung, allerdings angepasst an einen Hals mit 24 Bünden.

Im Ergebnis für mich harmonisch und stimmig. Weitere Modernisierungen zeigt die Korpusrückseite, ebenfalls von den dünnsaitigen Geschwistern inspiriert. Neben dem obligatorischen Ausschnitt für die Rippen ist der Halsansatz stark ausmodelliert und bietet nicht nur eine abgerundete Halszunge, sondern auch im gleichen Schwung eine großzügige Abflachung vom oberen bis tief ins untere Cutaway. Während der MDM1000 deckend weiß mit einem angenehm perligen Schimmer lackiert ist, zeigt die klare Lackierung beim MDM1305 die schöne Maserung des dreiteilig harmonisch zusammengesetzten und in einem warmen Burst gebeizten Bodies. Die Hälse bieten das, was man bei modernen Bässen erwarten darf, angefangen beim Material. Roasted Maple wird hier genommen, beim MDM1305 mit einem aufgeleimten Griffbrett aus dem gleichen Material, beim MDM1000 mit selbigem aus Palisander.

Passend zum Griffbrett hat der Fünfsaiter schwarze Dots als Lagenmarkierungen, der Viersaiter weiße, beide haben in der Kante nachleuchtende Luminlays, die aber auch so gut ablesbar sind. Mit einem Radius von jeweils 12 Zoll sind 24 mittelgroße Stainless-Steel-Bünde eingesetzt und gut verrundet. Die Sättel sehen nach künstlichem Knochen aus, jedenfalls ist es kein weiches Plastik. Sie sind sauber gekerbt und sehr angenehm entgratet.

Die Kopfplatte, die Ibanez der AZ-Reihe entliehen hat, zieren Mechaniken mit Ibanez-Logo, die verdächtig nach Hipshot (licensed) aussehen, beim Fünfsaiter in einer 4L/1R-Anordnung. Gewichtsmäßig schlagen sie die Originale sogar noch, gerade mal 36 Gramm bringt eine samt Kontermutter und Unterlegscheibe auf die Waage – ohne sich spillerig anzufühlen. Chapeau!

(Bild: Dieter Stork)

Ein Saitenniederhalter sorgt beim MDM1000 bei der D- und G-Saite, beim MDM1305 bei A und D für ausreichend Druck auf den Sattel. Auf dem Weg zur Brücke passieren wir am Halsende das praktische Speichenrad zum Einstellen der Halskrümmung, ein passender Metallstab liegt neben allen nötigen Inbus-Schlüsseln bei.

Die Brücke selbst besteht aus den Ibanez-eigenen Monorails, die in Oktave, Saitenlage, und zumindest minimal auch in Saitenabstand einzustellen sind, wobei die Saiten, die einfach mit den Ballends eingehängt werden, bei den Testgeräten schon für einen mittigen Verlauf zwischen den Polepieces ausgerichtet sind. Besagte bündig mit den Kappen abschließenden Polepieces sind wie die gesamte Hardware schwarz – sehr stilvoll! Die Pickups hören auf den Namen Delta S4J bzw. S5J und sollen klassischen Singlecoil-Ton bringen, aber dank Humbuckerbauweise komplett brummfrei sein. Die zugehörigen Regler sind großzügig über das hintere Korpusrund verteilt und haben schon ordentlich Diskussionen im Netz ausgelöst – braucht man das? Muss das so?

Nüchtern betrachtet gibt es erstmal in Jazz-Bass-Anordnung den Volumenregler, ein mittenrastendes Balancepoti, und eine passive Höhenblende. Ist die gezogen, sind die Bässe rein passiv und funktionieren auch ohne Batterie, die in einem separaten rückseitigen Fach zu finden ist und ohne Werkzeug getauscht werden kann. Ist eine eingelegt und das Tonpoti gedrückt, steht mit den drei etwas abseitsstehenden Reglern mit den kleineren Potiknöpfen, die alle aus Metall und alle gut abzulesen sind, noch ein aktiver Dreiband-EQ zur Verfügung. Der Mittenregler ist dabei gekoppelt mit einem Minischalter, der drei unterschiedlich hoch ansetzende Mittenfrequenzen in den Mittelpunkt rückt.

Und als wäre das noch nicht flexibel genug, kann mit dem kleinen Schiebeschalter im E-Fachdeckel noch angewählt werden, ob die Mitten höher oder tiefer bearbeitet werden, was summasummarum sechs mögliche Centerfrequenzen gibt. Dafür sieht es im E-Fach durchaus aufgeräumt aus, mit sauber verlegten Kabeln und Potis mit Steckverbindern, die im Servicefall leicht getauscht werden können.

(Bild: Dieter Stork)

Zurück auf der Vorderseite der Bässe gibt es noch einen Unterschied zu vermelden: Der MDM1000 kommt mit einem transparenten Schlagbrett, was der MDM1305 nicht hat, der dafür eine zwischen den Pickups montierbare Ramp zu bieten hat, die à la Gary Willis verhindert, dass die Finger beim Zupfen zu tief eintauchen und damit schnelleres und gleichmäßigeres Spiel ermöglichen soll.

MODALITÄTEN

Bleibe ich doch für die Praxis gleich mal beim 1305. Die Werkseinstellung ist richtig gut. Wurden Ibanez Bässe meiner Erfahrung nach immer korrekt justiert, aber mit eher mittelhoher Saitenlage ausgeliefert, sind diese beiden deutlich flacher eingestellt.

Ein bisschen was geht trotzdem noch, als Tester möchte ich ja die Grenzen ausloten. Das geht gut von der Hand, alles Werkzeug ist wie gesagt dabei, und die Monorails haben Luft nach unten. Der Halsstab reagiert gut auf das leicht zugängliche Speichenrad – alles sehr komfortabel. Die Bünde erweisen sich als bestens abgerichtet, auch mit Fast-Briefmarkensaitenlage bleibt es schnarrfrei. Der Hals ist bei einer Breite von 45 mm am Sattel dicker als bei den Soundgear-Bässen, aber immer noch sehr handlich und durch das nur dünn versiegelte Roasted Maple der reinste Handschmeichler. Dazu tragen auch die Griffbrettkanten bei, die angenehm abgerundet sind.

Am Gurt gibt es nicht die Spur von Kopflastigkeit, was einerseits den leichten Mechaniken geschuldet ist, andererseits dem hohen Gewicht von 4,8 Kilo. Das ist auch für einen Esche-Fünfer ganz schön heftig, ich hatte aber schon einen weiteren MDM1305 in der Hand und auf der Waage, der es auf entspanntere 4,3 Kilo brachte. Am besten im Laden in die Hand nehmen und gucken, ob das Exemplar in die Komfortzone passt. Dafür liefert der Testbass trocken gespielt einen souverän-fundamentalen Ton, gleichmäßig durch alle Lagen, und ohne jeden Deadspot. Gute Arbeitsgrundlage für die elektrische Umsetzung. Ibanez verspricht für die neuen Pickups einen Ton, der aggressiv ist und sich in jedem Mix durchsetzen kann.

Da hätte ich jetzt was Krasseres erwartet, vielleicht mit ausgeprägten Hochmitten, aber passiv gespielt klingt es „nur“ nach einem guten, ausgewogenen Jazz Bass. Klar in den Höhen, mit gutem Fundament und präsenten, aber eben nicht aufdringlichen Mitten. Und das alles dank Humbuckerbauweise ganz ohne Nebengeräusche, so dass der fein arbeitende Balanceregler brummfrei über den vollen Arbeitsbereich genutzt werden kann. Die daraus resultierenden Sounds entsprechen dann auch der Erwartung, was ich absolut als Kompliment meine. Extrapunkte erspielt sich der MDM durch die Höhenblende, die für meinen Geschmack genau richtig abgestimmt ist. Sie arbeitet gut verteilt über den ganzen Regelweg, gibt ganz zugedreht einen schönen, leichten Schub in den Tiefmitten, und der Ton bleibt trotzdem definiert – Jaco hätte seinen Spaß dran gehabt.

Auch ohne weiteren EQ-Einsatz sind auch die versprochenen aggressiveren Klänge abrufbar, einfach, indem ich härter reinlange und damit die Präsenz und den Snap nach vorne hole. In einigen YouTube-Videos kam, wie in Foren für mein Ohr zu Recht bemängelt, die tiefe H-Saite nicht sonderlich gut rüber. Beim Testbass, wie auch bei meinem Vergleichsmodell, gab und gibt es an ihr nichts auszusetzen – im Gegenteil! Ich bin beeindruckt, wie selbstverständlich sie in allen Stellungen des Balancereglers einfach da ist – in Ansprache, Sustain und Klarheit den anderen Saiten ebenbürtig.

(Bild: Dieter Stork)

Für Soundanpassungen jenseits von Spieltechnik, Pickupanwahl und Höhenblende gibt es ja noch den aktiven EQ. Über den Höhenregler, der bei gut 10 kHz ansetzt, lässt sich auch bei zarter Spielweise luftige Transparenz hinzufügen. Runtergedreht bedeutet der hohe Ansatz, dass viel Klarheit erhalten bleibt und nur die obersten Spitzen abgemildert werden. Dramatischere Veränderungen bewerkstelligt die Höhenblende, die auch im aktiven Betrieb zur Verfügung steht, was ich wieder sehr abfeiere.

Am anderen Ende wird der Bass bei ca. 80 Hz bearbeitet, was trockene Fülle oder betont knackige Sounds abrufbar macht. Dazwischen kann der Mittenregler gleich sechs Frequenzen in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit nehmen. Nicht ganz so flexibel wie eine Semiparametrik, die Ibanez auch schon lange verbaut, dafür schnell und präzise abrufbar, bei allemal genug Auswahl. Ist der Schiebeschalter im E-Fachdeckel unten, sind das 250, 450, und 850 Hz, ist er oben, verschiebt sich das auf 350, 600, und 1000 Hz. Da ist für praktisch jede Anwendung was dabei, ob man den Bass eher in den Bandsound einbetten oder ihn rausstellen möchte, da wird sich in den guten Abstufungen die richtige Frequenz finden.

Gut, mal eben von 250 Hz auf 1 kHz zu kommen erfordert zwei Schaltvorgänge, vorne und hinten, aber das wird niemand während eines Songs machen wollen. Als ein Favourite stellt sich dabei für mich der Halspickup solo heraus, wenn ich ihn aktiv mit voll beschnittenem Höhen-EQ, aber voll geboosteten Mitten bei 1 kHz bearbeite – feiner, preciesker Rockton!

Holt der MDM1305 bis auf das Gewicht volle Punktzahl, gibt es beim, um ein Kilo leichteren MDM1000 einfach gar nichts auszusetzen. Naturgemäß sprechen die meisten Viersaiter schneller an als sonst gleich gebaute Fünfsaiter; so auch hier, auch wenn der 1305 alles andere als träge ist. Das gleicht sich allerdings durch die Holzauswahl und sicher auch die reine Masse wieder etwas aus, der 1305 leuchtet die Außenbereiche in Höhen und Bässen klarer und fundamentaler aus, was den 1000 näher an klassische 60s Jott-Sounds rückt.

Der Hals hat mit 38 mm Sattelbreite klassisches Jazz-Bass-Maß und fühlt sich auch sonst genauso komfortabel an, während Ibanez mit dem Korpus das Kunststück geglückt ist, eine Form zu entwickeln, die Vier-, Fünf- und sogar Sechssaitern gleichermaßen steht (über die Kopfplatte der Sechssaiter reden wir nochmal, wenn’s so weit ist).

Auch die Optik beim MDM1000 überzeugt: die Kombination aus feinem Pearl White mit schwarzer Hardware und schwarzen Polepieces finde ich sehr elegant, die Addition eines transparenten Schlagbretts gibt zusätzlich Struktur und Gesicht, was beim 1305 die Maserung übernimmt.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Überzeugt bin am Ende des Tests auch ich von der neuen Ergänzung der Ibanez-Modellreihe. Das Ziel, den Klassiker modern zu verpacken, wurde mit dem MDM1000 und dem MDM1305 klar erreicht. Ein moderner Schnitt, modernes Material wie geröstete Hälse samt Edelstahlbünden, kombiniert mit klassischen Hölzern für den Body bilden eine gute Grundlage.

Zutaten wie die eigens entwickelten, überzeugenden Tonabnehmer und die so umfangreiche wie übersichtlich zu bedienende Sonitech S-Elektronik, die sonst erst bei deutlich teureren Soundgear Prestige zum Einsatz kommt, setzen diese in Sounds um, die beim passiven Klassiker anfangen und dann so schnell ob der flexiblen Möglichkeiten nicht an ihre Grenzen kommen.

Erwähnt seien auch noch die Aero-light-Mechaniken, die extrem leichtgewichtig sind, sehr sahnig und gleichmäßig drehen, und die Stimmung zuverlässig halten. Welches Modell man sich auch aussucht, meine Testbässe haben, vom erhöhten Gewicht beim MDM1305 abgesehen, beide überzeugt, und die Preise sind absolut fair. Zum persönlichen Antesten empfohlen!

Plus

● Pickups & Sounds
● Optik & Haptik
● Verarbeitung
● Bespielbarkeit
● leichte Mechaniken
● passiv spielbar
● passive Höhenblende auch
im Aktivbetrieb
● Gigbag

Minus

● Gewicht Testbass (MDM1305)

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ibanez kann es einfach!
    Schöne Mittelklasse-Bässe mit erstklassiger Ausstattung.
    Merzi für die gute Vorstellung

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