Neu im Team

Test: Fender Hammertone Boost & Breakup Drive

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(Bild: Dieter Stork)

Fenders Hammertone-Serie hat sich am Markt etabliert. Kein Wunder, denn für vergleichsweise wenig Geld liefert sie klassische Effekte, die fast jeder Gitarrist brauchen kann. Mit einem weiteren Drive und einem Boost hat die Linie nunmehr die Größe einer Fußballmannschaft erreicht. Wie schlagen sich die Nummern 10 und 11?

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Optisch bleibt – logischerweise – alles beim Alten: Grau gewandet und mit Hammerschlag-Optik versehen, sind die beiden Neuzugänge mit den typischen, farblich auf das jeweilige Modell abgestimmten Potiknöpfen bestückt. Dazu kommen auch hier, wie bei vielen ihrer Kollegen, Minischalter, über die sich alternative Optionen anwählen lassen.

Platzsparer freuen sich über die oben liegenden Anschlüsse und Preisbewusste darüber, dass sie sich mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 90 Euro eher im unteren Segment der Effekt-Preistabelle ansiedeln.

Beide Pedale haben gemeinsam, dass sie für erhöhten Headroom auch mit 18 Volt versorgt werden können. Dazu kommt ein True-Bypass-Schaltkreis sowie ein Soft-Touch-Schalter. Doch auch die Einschränkung des Hammertone-Teams ist den beiden Neuen zu eigen. Das kompakte Design und die Farbgebung beeinträchtigen die Ablesbarkeit und führen in Live-Situationen schnell zum Verlust der Spielübersicht – vor allem beim Boost mit seinem „Weiß auf Grau“-Konzept.

Spätestens, wenn die Power-LED Einsatzbereitschaft signalisiert und dabei die Bedienelemente überstrahlt, ist es vorbei mit dem Durchblick. Hier hat sich Fender für Stil statt Komfort entschieden. Die Pedale der Serie sind damit wahrlich nicht allein auf dem Markt, aber man darf sich schon fragen, warum diese Tugend so häufig übersehen bzw. ignoriert wird.

Und nun zu den positiven Eigenschaften, die auch bei diesen beiden Probanden deutlich überwiegen. Doch zuvor noch eine Kleinigkeit: Im Gegensatz zu einigen anderen Modellen der Linie befinden sich im Inneren der beiden jüngsten Zugänge keine Trimpotis, mit denen sich einzelne Segmente des Grundsounds justieren lassen. Hier heißt es: „What you see is what you can turn.“ Starten wir mit dem Boost.

BOOST

Boost-Pedale sind zwar nicht ganz so häufig wie Overdrives, aber auch hier ist der Markt gut gefüllt, was auf eine rege Nachfrage hindeutet. Kein Wunder also, dass Fender diese Position nicht unbesetzt lassen will und dabei nicht mit Optionen geizt: Die Hammertone-Variante wartet mit einigen sinnvollen Features auf.

Das erste ist, dass sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten bietet: Über den Minischalter lassen sich ein eher cleaner Op-Amp-Boost oder ein stärker ins Spielkonzept eingreifender Antreiber auf JFET-Basis auswählen. Ein weiteres hilfreiches Detail ist die aktive Zweiband-Klangregelung, mit der sich der Sound deutlich variieren lässt. Als kleines Extra wurde ihr zudem eine Mittenrastung spendiert.

Unter den beiden Potis für Treble und Bass befindet sich der Level-Regler für die Effektstärke. Die Op-Amp-Variante kommt zum Einsatz, wenn der Minischalter in der oberen Position steht. Je nach Einstellung bietet sie sich als Clean-Boost an, kann dank einer Signalanhebung von bis zu 20 dB aber auch die nachfolgende Stufe massiv überfahren.

Eine weitere Option ist der Einsatz hinten in der Effektkette, um die Gesamtlautstärke per Kick zu erhöhen – etwa, um beim Solieren zusätzlichen Raum zu gewinnen.

Das JFET-Setting in der unteren Stellung des Switches fettet den Ton stärker an, was sich etwa in Kombi mit einem angezerrten Amp oder einem nachgeschalteten Drive-Pedal anbietet. Aber auch hier entscheidet in erster Linie der persönliche Geschmack.

Hilfreich ist dabei auf jeden Fall die aktive Klangreglung, die auf Wunsch deutlich in den Sound eingreift und unter anderem genutzt werden kann, um die Bässe bei erhöhtem Gain-Aufkommen im Zaum zu halten.

Fassen wir es so zusammen: Durch die relative Vielseitigkeit des Pedals bietet es nicht nur mehrere Soundvarianten, es lässt sich auch für verschiedene Zwecke und an unterschiedlichen Positionen einsetzen. Das kann nicht jeder Boost von sich behaupten.

(Bild: Dieter Stork)

BREAKUP DRIVE

Erste Frage: Wo positioniert sich der Neue in der nunmehr fünf Einheiten starken Drive-Abteilung der Hammertones? Wohl eher am dezenteren und erdigen Ende, denn neben den beiden Standards der Serie, Overdrive und Distortion, sorgen die beiden Spezialisten Metal und Fuzz für Druck auf der anderen Seite des Feldes.

Aber von vorne: Mit „Drive“, „Tone“ und „Level“ lässt sich das Pedal klassisch regeln, für ein Plus an Vielseitigkeit sorgen in diesem Fall gleich zwei Minischalter. „Type“ wählt zwischen zwei Clipping-Modi mit verschiedenen Zerr-Intensitäten, via „Mids“ lässt sich ein 9 dB starker Mittenboost anwählen, der im Signalweg vor der Gainstufe liegt und den Sound entsprechend deutlich verändert.

Generell ist es das Konzept der Serie, mithilfe dieser Schalter einen individuellen Ton zu finden und dann beizubehalten. Ein Wechsel der Einstellungen etwa über einen externen Fußschalter ist nicht vorgesehen. Das ist auch in diesem Fall etwas schade, denn es würde die Flexibilität deutlich erhöhen, aber die Hammertones sind nun mal als schlanke Brot-und-Butter-Linie ohne Extra-Belag angelegt und im Preis entsprechend kalkuliert.

Außerdem bräuchte man dann auch wieder eine Status-LED, die den Betriebszustand anzeigt – was die Kosten und somit den Preis erhöhen würde.

So oder so, die beiden Minischalter sind die Stars des Breakup Drive, denn sie verleihen ihm im Rahmen seines Konzepts eine enorme Flexibilität. Stehen beide Schalter in der unteren Position, reicht die Palette vom Boost bis zum leichten Drive, nach oben gekippt haben wir es dann mit einem deutlich anderen Zerrsound zu tun.

Hier geht es auf Wunsch ordentlich zur Sache, der namensgebende Breakup-Punkt kann dabei subjektiv empfunden auch deutlich überschritten werden. Vor allem in dezenteren Settings lässt sich der Ton gut über den Anschlag kontrollieren, auch auf die Stellung des Volume-Potis an der Gitarre reagiert das Pedal recht sensibel.

Damit bietet es eine breite Palette an Drive-Sounds zwischen handzahm und eher kräftig, bei der viele Gitarristen zwischen Blues, Rock und anderen Stilen unterer und mittlerer Zerrgrade fündig werden dürften.

Im direkten Vergleich mit einigen ähnlich konzipierten Probanden aus meinem Fuhrpark fiel auf, dass Fenders Pedal in den Höhen eher dezent abgestimmt ist, aber auch das ist eine Frage der persönlichen Sicht- bzw. Hörweise. Ebenso zeichneten einige der Referenzpedale den Ton feiner, allerdings kosten die meisten auch mindestens das Doppelte des Breakup Drive.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Die beiden Neuzugänge fügen sich nahtlos ins Team ein und bringen die Eigenschaften mit, die auch ihre Kameraden auszeichnen: Bodenständigkeit, gepaart mit ein paar klugen Zusatzfähigkeiten.

Der Boost bietet durch diese Optionen nicht nur zwei unterschiedliche Charakteristika, er lässt sich auch auf unterschiedlichen Positionen einsetzen. Der Breakup Drive geht noch einen Schritt weiter und wechselt je nach Spielfeld zwischen dezent und druckvoll.

Für rund 90 Euro bekommen die zukünftigen Eigentümer einiges geboten, auch wenn das Design-Konzept der „Hammertone-Elf“ gewisse optische Einschränkungen mit sich bringt.

Plus

● Preis-Leistungs-Verhältnis
● Erweiterte Optionen
● Sinnvolle Ergänzungen der Serie

Minus

● Ablesbarkeit

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)

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