Tele Reloaded

Test: Fender 75th Anniversary American Ultra II Telecaster

Anzeige
Das Telecaster-Logo – diesmal ohne Anführungszeichen (Bild: Dieter Stork)

ACHTERBAHN

Nimmt man sich die Ultra II zur Brust, kann sie eines nicht leugnen: Dass sie eine wahre Tele ist. Die Bodyform liegt wie angegossen im Arm, die Konturen tun ihr Übriges. Alles sitzt am gewohnten Platz – als langjähriger Tele-Spieler fühlt man sich sofort zu Hause. Der Hals hat ein modernes, schlankes C-Profil, liegt auch dank der verrundeten Kanten sehr gut in der Hand, und die Sattelbreite von knapp über 43 mm fühlt sich angenehm an.

Der etwas grob geformte Sattel mit nicht tief genug gefeilten Rillen hätte durchaus mehr Sorgfalt verdient gehabt, und der Hals brauchte ein paar Umdrehungen am Stahlstab, um eine günstige Saitenlage zu erreichen. Interessant, dass der Halsstab mit einem 1/8“-Innensechskant-Schlüssel (Inbus) eingestellt werden kann, und der Zugang hinter dem Sattel dementsprechend klein gehalten ist. Immerhin zeigt dieses eher unfertige Setup, dass die Gitarre auch für einen Test in einem Fachmagazin nicht aufgehübscht worden ist.

Anzeige

Akustisch überrascht die Ultra II: ausgewogen, laut, mit gutem Sustain und ohne Einbrüche, Dead Notes oder Überbetonungen. Der Klang wirkt insgesamt etwas glatt und hat wenig mit dem rauen, manchmal plärrigen Primärsound einer vintage-orientierten Telecaster zu tun.

Nicht jeder Klinkenstecker sitzt
sicher in dieser Buchse
(Bild: Dieter Stork)

Beim Verkabeln mit dem Amp gibt es erste Probleme: Der Topf der Klinkenbuchse – zwar löblicherweise mit zwei Schrauben fixiert – hat eine Form, die dickere Klinkenstecker-Formate nicht akzeptiert. Auch mein Lieblingskabel passt nicht; der Stecker greift nicht tief genug und wird deshalb nicht gehalten. Andere Hersteller verwenden ähnliche Töpfe, und die meisten Klinkenstecker kommen damit wohl zurecht – so auch der meines Ersatzkabels.

Der Noiseless-Halspickup macht vor allem eines: Er brummt nicht. Klanglich wirkt er auf Anhieb geschmeidig und glatt, ohne Ecken und Kanten – was für einen Halspickup durchaus passen kann. Mir fehlen jedoch prägnante obere Mitten und Höhen, die den Anschlag betonen und im Band-Gefüge helfen. Dieser Pickup klingt schlicht „mellow“ – ideal für Jazziges oder Neo-Soul, aber neben einer vintage-orientierten Tele wirkt er matt und konturlos. Im Crunch wird es in den unteren Registern auch muddy. Und verzerrt? Überraschung: Die Mitten und Höhen des Distortion-Sounds helfen dem Noiseless tatsächlich auf die Sprünge. Er klingt zwar hier eher nach Humbucker als nach Telecaster, singt dabei aber ausdrucksstark und gut tönend.

Dem Neuling im Fender-Imperium, dem Fastlane Humbucker, fehlen clean naturgemäß die Höhen eines klassischen Tele-Steg-Pickups, und auch er klingt nicht so offen wie ein guter Low-Wind-Humbucker. Doch hier hilft der S1-Switch im Tonepoti-Kopf, der den Fastlane auf Parallelbetrieb umschaltet – für einen Singlecoil-ähnlichen Sound ohne Lautstärkeabfall und ohne Brummen. Und das wirkt wie eine Frischzellenkur: Die vermissten Höhen sind plötzlich da, und trotzdem spürt man die Muskeln, mit denen der Fastlane ausgestattet ist. Nicht Vintage – aber gut!

Im Crunch wird es cremig-sahnig mit ausgeprägtem, vokalem Charakter, der auch im schlankeren Parallel-Sound erhalten bleibt. Bei voller Verzerrung spielt der Fastlane seine Klasse dann gänzlich aus: lebendig, ausgewogen, ausdrucksstark – keine Kraftmeierei, sondern ein sattes Brett mit echten Tele-Genen, vielleicht auch dank der teletypischen Brückenkonstruktion.

Im Parallel-Modus des Fastlane werden Riffs unvergesslich, und Leadlines werden nicht nur fett und schmalzig, sondern bleiben artikuliert. I like!

Fender-Deluxe-Backlocking Mechaniken (Bild: Dieter Stork)

Dem S1-Switch, der im Volume-Poti sitzt, würde ich persönlich dagegen wenig Einsatzzeiten gönnen: Die serielle Verschaltung beider Pickups färbt den Sound noch dunkler und matter. Im vollverzerrten Betrieb entsteht mit aktiviertem zweitem S1-Schalter hingegen ein Best-of-both-Pickups-Sound allererster Güte.

Ein wilder Ritt durch die Soundwelten der Ultra II – irgendwie genauso liquide wie das spektakuläre Gold dieser Gitarre. Fender zeigt mit diesem Modell, dass es sich auch klanglich bewusst weit vom 75 Jahre alten Urtyp abgrenzen will.

RESÜMEE

Auf alten Telecasters und ihren neuzeitlichen Vintage-Derivaten steht auf deren Kopfplatte der Schriftzug „Telecaster“ stets in Anführungszeichen – so, als wäre es ein Spitzname. Erst als Mitte der 1960er-Jahre ein neues, größeres Logo eingeführt wurde, verschwanden die Anführungszeichen. Die 75th Anniversary American Ultra II Telecaster trägt nun wieder das ursprüngliche Logo – aber ohne Anführungszeichen. Ist das vielleicht ein Symbol für das Selbstbewusstsein, mit dem Fender diese ungewöhnliche Gitarre auf den Markt bringt?

Denn die Ultra II ist weniger eine Jubiläumsgitarre im klassischen Sinne, als vielmehr Fenders Antwort auf die Frage: Wie muss eine Telecaster aussehen, wenn man sie konsequent in die Neuzeit denkt? Dabei sind die Entwickler durchaus der DNA des Ursprungsmodells gefolgt: Body- und Kopfplatten-Design, Stegtyp, Pickguard, Regeleinheit sowie konzeptionelle Grundpfeiler wie Schraubhals, Strings-thru-body und 648-mm-Mensur blieben unangetastet. Bewusst gebrochen haben sie dagegen mit allem, was einer modernen Performance im Wege steht: brummende Singlecoils, kantiger Slab-Body, kräftiges Halsprofil, 7,25″-Griffbrettradius, dünne Bünde, simples Schaltungskonzept und ein traditionell-klobiger Hals-Korpus-Übergang.

Die Ultra II ist vielmehr in jeder Beziehung ultra – sehr eigen, sehr selbstbewusst, sehr kompetent. Nur eines ist sie nicht: Vintage. Sie macht klar, dass ein brummender Singlecoil kein Stilmerkmal, sondern ein Problem ist. Und ein klobiger Halsansatz, mit dem ein Gitarrenbauer seine Gesellenprüfung niemals bestehen würde, keine Tradition, sondern einen Mangel an Spielkomfort darstellt. Kurz: Sie spielt, klingt und wirkt wie eine Gitarre von heute, für MusikerInnen, für die Vintage eben alt bedeutet. Sie spielt sich bequemer als das Vorbild, sie klingt, vor allem verzerrt, richtig gut, sie brummt nicht.

Purismus dagegen hat seinen Preis – und wer ihn zahlen will, findet dafür neben unzähligen anderen, vintage-typischen Fender-Teles im Fender-Jubiläumsprogramm die 75th Anniversary Vintera. Die American Ultra II Telecaster ist dagegen der Beweis dafür, wie viel Moderne ein Klassiker verträgt, ohne sich selbst und seinen Ursprung zu verraten.

PLUS

  • grundsätzliches Konzept
  • Brummfreiheit
  • Spielbarkeit
  • guter Koffer
  • Sound des Steg-Pickups
  • Farbgebung

MINUS

  • Sound des Hals-Pickups
  • recht hoher Preis

Übersicht

Fabrikat Fender
Modell 75th Anniversary American Ultra II Telecaster
Typ Solidbody
Herkunftsland USA
Mechaniken Fender Backlocking
Hals Ahorn, einteilig, stehende Jahresringe
Sattel GraphTech TusQ
Griffbrett Ebenholz, mit Custom-Lapsteel-Einlagen
Radius Compound-Radius, 10“ bis 14“
Halsform Modern C
Halsbreite Sattel 43,3 mm; XII. 52 mm
Halsdicke I. 2,1 mm; V. 2,15 mm; XII. 2,3 mm
Bünde 22, Medium-Jumbo-Format
Mensur 648 mm
Korpus Erle, konturiert
Oberflächen Liquid Gold (Korpus), Seidenmattlack (Hals)
Schlagbrett schwarz anodisiert
Tonabnehmer Fender 75th Anniversary Noiseless (Hals 14,87 kOhm), Fender 75th Anniversary Fastlane Humbucker (Steg: 7,8 kOhm)
Bedienfeld Master-Volume, Master-Tone, 2x S1-Schalter, Dreiweg-Klingenschalter
Steg Grundplatte mit sechs Messingreitern
Hardware Schwarzchrom
Saitenlage E-1st 2,0 mm; E-6th 1,8 mm
Gewicht 3,45 kg
Lefthand-Option
Internet www.fender.de
Zubehör Deluxe Molded Case, Zertifikat
Preis (Laden) ca. € 3190

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo, ich meine eine Tele muss einen Telesinglecoil am Steg haben.

    sonst ist es keine Tele

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Andere Zeiten, andere Sitten!

      Auf diesen Kommentar antworten
  2. Ich finde bei dem Preis, sollte ein nicht gut gefeilter Sattel und richtig eingestellter Halsstab in die abschließende Bewertung eingehen. Das gilt auch für den offensichtlich nicht mit allen Steckern kompatiblen Topf der Klinkenbuchse. Ansonsten natürlich trotzdem vielen Dank für den Artikel!

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Ja, das ist Harley-Benton Niveau, gibt’s für 320,- Euro statt 3200,-
      Kein Wunder, muss Fender Thomann verklagen, damit sie ihre Qualitätsmängel noch zum 10-fachen Preis an den Mann bringen. 🙂

      Auf diesen Kommentar antworten
      1. Na, bin so glücklich eine HB TL 80 heisst sie glaub ich beklampfen zu dürfen. Sie ist, als neck throu Konstrukt die mit Abstand geiste Tele überhaupt

        Auf diesen Kommentar antworten
    2. Danke, genau so ist es!
      So etwas gibt es bei Thomann auf einer B-Stock Riviera mit von Thomann eingesetztem Knochensattel von Haus aus!

      Auf diesen Kommentar antworten
  3. Endlich einmal wieder positive Nachrichten aus dem Hause Fender. Gut so. Auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt. Bei dem Preis sollte man aus USA Produktion eigentlich vergleichbare Qualitätsstandards wie aus der Japan Fertigung erwarten. Nichtsdestotrotz ist dieser Neuling mit Sicherheit eine sinnvolle Ergänzung für die geneigte Kundschaft.

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Also den Vergleich mit Harley Benton finde ich doch etwas weit hergeholt. Harley Benton ist halt die Billig-Hausmarke von Thomann mit ordentlichem Preis-Leistungsverhältnis, aber mit oft schlecht abgerichteten Bünden und schlechter Saitenlage, auch wenn sie sich in den letzten Jahren weiter verbessert haben. Insbesondere die Tesla-Pickups reichen nicht an hochwertige Pickups von Fender oder Seymour Duncan heran. Aber da ja jeder so eine preisgünstige Klampfe zu Hause stehen hat, kann ja auch irgendwie jeder mitreden… Bei dem Preis, den Fender hier aufruft, würde ich z. B. mit einer Suhr liebäugeln, die auf Customshop-Niveau ist und diese Fender meilenweit hinter sich lässt! Die wäre dann noch etwas teuer als die Fender, aber warum nicht mit einer guten gebrauchten liebäugeln? Weitere Alternativen gibt es zu Hauf, z. B. aus Holland Kaufmann oder Haar. Bzgl. der getesteten Fender gilt immer noch das alte Prinzip: Alles außer Customshop taugt bei Fender nicht viel. Insbesondere das magere Urteil über den Halspickup wundert mich nicht. Die Noiseless-Pickups von Fender sind meiner Meinung nach schon immer schlicht grauenhaft gewesen:
      Ein regelrecht toter, glattgebügelter Sound mit 0 Dynamik und schlechten Höhen. Sorry, Eric, aber is so. Wer mag, sollte sich mal den Kanal von Carsten Göke auf YouTube reinziehen, insbesondere zu realguitars aus Leverkusen-Opladen. Die bauen feinste Custom-Gitarren nach Kundenwunsch und sind bestimmt gerne bereit eine Rock-Tele mit etwas fetterem Sound für um die 3000 auf die Welt zu bringen….

      Auf diesen Kommentar antworten
  4. Ich hätte gerne, dass ihr von Fender nichts mehr testet. LG

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Lies es doch einfach nicht.

      Auf diesen Kommentar antworten
    2. Fender gehört komplett boykottiert. In den letzten Jahren nichts wirklich innovatives bzw. Innovationen abgelehnt (z.B John Mayer’s Silver Sky), z. Teil eine miese Qualität (Mexiko) aber dafür abgedrehte Preise. Wahrscheinlich um die Klagen zu bezahlen.

      Auf diesen Kommentar antworten
  5. Sorry Fender, aber ich kann dem Teil nichts abgewinnen.
    Humbucker am Steg braucht kein Mensch bei einer Tele.
    Irgendwie wirkt das Ganze “overdesigned” und auf Nobelhobel getrimmt.
    Klar, alles Geschmackssache…
    In einer Showband allerdings der amtliche Eyecatcher für den “Electric Rider”-Zirkuscowboy 😉

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Trefflicher kann man es kaum sagen.

      Auf diesen Kommentar antworten
    2. Na ja, meine Telecaster von AGL hat auch einen Klingen- Humbucker, in dem Fall von Häussel, am Steg, und die klingt 100% nach echter Telecaster !!!

      Auf diesen Kommentar antworten
    3. Erlaubt ist, was gefällt, sage ich mal. Teles oder Teleartige mit Humbuckern gibt es genug, etwa die Yamaha Mike Stern oder MM Axis und Axis Sport. Erstklassige Gitarren. Allerdings sind im Clean und Breakup-Betrieb Singlecoils immer noch unschlagbar.

      Auf diesen Kommentar antworten
  6. Trotz ALLEM, ein sehr schöner Testbericht – danke !

    Auf diesen Kommentar antworten
  7. Es ist zu lesen: “Der Klang wirkt insgesamt etwas glatt und hat wenig mit dem rauen, manchmal plärrigen Primärsound einer vintage-orientierten Telecaster zu tun.”
    – Was ist ein glatter Klang, insbesondere bei einer Tele?
    – Und was ist ein plärriger Sound? Diesen meist als twangy bezeichneten Sound will man doch von einer Telecaster.

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Ganz genau. Glattgebügelt und charakterlos.
      “Plärrig” klingt keine meiner 5 Teles, aber schön “rotzig” oder eben rau.
      Es bleibt mir ein Rätsel, welchen Telespieler Fender damit erreichen will.

      Auf diesen Kommentar antworten
  8. So wollen die erreichen, die mehr als 3000 Euro ausgeben müssen! Die Betonung liegt auf “müssen”, denn nur dann kommt das richtige Rolexgefühl auf …

    Auf diesen Kommentar antworten
  9. Fender? Geburtstagsparty? Echt jetzt? Das wäre doch jetzt mal eine wunderbare Gelegenheit, Haltung zu zeigen…

    Auf diesen Kommentar antworten
  10. Von Fender kaufe ich erstmal nichts mehr! Es gibt genügend Alternativen.
    Wenn eine Firma so einen Mist baut, kann man das boykottieren.
    Insofern finde ich diesen Test von GitarreBass gerade nicht so angebracht!

    Auf diesen Kommentar antworten
  11. Man beachte”Ihre Bauweise, u. a. mit angeschraubtem Hals, war von vornherein für eine Art industrielle Produktion konzipiert…” nichts von Design und Formgebung oder gar künstlerisch wertvoll. War bei der Strat wohl auch so und da macht Fender so ein Fass auf. Ich würde mir auch keine neue Fender-Telecaster kaufen. Es gibt genug Alternativen z.B. Vintage oder HB, Fame, Tokai…und alle anderen die ich hier vergessen habe die nicht zum Fenderkonzern gehören. Lieber einen einfache grundsolide Tele mit Tone als eine schickimicki Ausführung ohne Charakter. FENDER go HOME.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.