(Bild: Dieter Stork)
Sie ist weit weg von Australien, aber diese Gitarre müsste sich eigentlich pudelwohl fühlen, denn ich teste hier an einem heißen Juni-Tag bei 30+ Grad Celsius.
EIGEN-ART
Immer wieder beeindruckend, wie eigenständig die Handschrift des Herstellers aus Melbourne ist. Diese Gitarren sind erfrischend „anders”. So auch das vorliegende Testmodell aus der Studio-Serie, wobei das doch eigentlich eine unnötige Einschränkung ist – das Modell macht mit Sicherheit auch auf der Bühne und allen anderen Schauplätzen eine gute Figur.
Der Korpus im Grand-Auditorium-Format hat ein rundlich geschnittenes Cutaway und ist aus massiven Hölzern gefertigt. Da hätten wir zum einen Australian Redwood für die Decke. Dieses Holz kommt zwar aus Australien, die Bäume wurden aber erst in den 1930er-Jahren angepflanzt und stammen ursprünglich aus Kalifornien.
Bei dem dreiteiligen Boden und den Zargen haben wir es mit Silky Oak zu tun. Das Holz kommt aus Queensland, gilt als sehr robust und widerstandsfähig und zeigt eine sehr attraktive Maserung. Die Korpusteile werden mit einem recht unauffälligen Holz-Binding stabilisiert, die gesamte Gitarre ist mit einem perfekt ausgeführten Satin-Finish versiegelt, was die natürlich-raue Ausstrahlung der Cole Clark bestens zur Geltung bringt.
Ein weiteres ungewöhnliches Holz – Eukalyptus – kommt für Steg und Griffbrett zum Einsatz. Ersterer ist recht massiv ausgeformt und bringt sicherlich viel Schwingung auf die Decke. Von Kunststoff-Pins fixiert, gehen die Saiten über die kompensierte Tusq-Stegeinlage Richtung Kopfplatte. Die Mensur beträgt 650 mm.
Das Griffbrett hat eine helle Holzeinfassung und ist mit 20 sehr flachen Bünden bestückt, deren Politur und Abrundung an den Enden – sagen wir mal – in Ordnung ist. Abalone-Inlays und kleine Dots im Griffbrett-Binding sorgen für Orientierung in den Lagen. Der Übergang zur Kopfplatte – und auch diese selbst – wirken extrem stabil.
Auf der Halsrückseite verstärkt eine Volute den Bereich und der gewölbte Holz-Layer auf der Vorderseite des Headstocks sorgt für eine unverwüstliche Statik. Auch die robusten geschlossenen Grover-Mechaniken passen da ins Bild.
Ganz wichtig, und geradezu Dreh- und Angelpunkt einer jeden Cole-Clark-Gitarre, ist das Pickup-System. Die beiden Masterminds Adam Cole und Bradley Clark hatten von Anfang an kein geringeres Ziel, als das beste Pickup-System am Markt zu kreieren – und sie sagen, dass sie das auch geschafft haben. We’ll see …
Das PG-3-System – der Name verrät es schon – arbeitet mit drei Klangquellen: Da ist ein Piezo-Streifen unter der Stegeinlage, der den Feedback-unempfindlichen Basis-Sound liefert, so wie es die allermeisten E-Acoustics haben. Was da oft fehlt, ist das letzte Quäntchen Natürlichkeit.
Dann ist da ein Sensor innen an der Decke, der lebendige Mittenanteile beisteuert und den Korpus für perkussive Spielweisen empfänglich macht. Als Sahnehäubchen ist dann noch ein Mikro im Korpusinneren, welches für luftige besonders natürliche Anteile sorgen soll.
Das kleine, aber gut ablesbare Cockpit auf der Zarge funktioniert dann praktisch wie ein Mischpult – hier lassen sich die drei Sound-Lieferanten aufeinander abstimmen. Der Bridge/Face-Regler fixiert stufenlos das Verhältnis zwischen Piezo und Sensor, per Mic-Regler lässt sich das Mikrofon beliebig hinzumischen. Darüber hinaus gibt es einen Volume-Regler und drei Fader für Bass, Mid und Treble, die in mittiger Neutralstellung leicht einrasten. Hinten auf der Zarge ist eine Kunststoffplatte mit Klinke-Eingang und Batteriefach.
Was nicht unerwähnt bleiben darf, ist das wirklich tolle Gigbag, das im Lieferumfang enthalten ist. Leicht, steif, gut gepolstert … professionell. Hier finden sich auch noch ein transparentes Schlagbrett und der hintere Gurtpin, der bei Bedarf noch montiert werden muss.
NATUR-SOUND
Der Hals mit seinem C-Profil und seinem am Sattel 45 mm breiten Griffbrett liegt satt in der linken Hand und liefert erwachsene Spielbedingungen. Die Halsrückseite ist offenporig versiegelt und von daher nicht wirklich glatt – das ist (zumindest für mich) gewöhnungsbedürftig.
Der etwas größere Abstand zwischen den Saiten sollte allen Fingerstylern gut gefallen und gibt Sicherheit beim Greifen komplizierterer Akkorde. Die Saitenlage ließe sich noch etwas verbessern – mit dem beiliegenden Inbusschlüssel ist der Stellstab im Schallloch gut zu erreichen.
(Bild: Dieter Stork)
Beim rein akustischen, unverstärkten Klangbild kommt gleich mal Freude auf. Die Akkorde kommen mit guter Lautstärke, ausgewogen und holzig-trocken zu Gehör. Die ja eher ungewöhnlichen Korpushölzer ähneln im Klangcharakter am ehesten der guten alten Mahagoni/Fichte-Kombination (D-18, J-45 o.ä.).
Die Bässe sind kraftvoll aber nicht zu wuchtig, die Mitten setzen sich gut durch, ohne aufdringlich zu werden und die Höhen sind seidig-hell strahlend und dabei absolut angenehm. Die Dynamik ist beeindruckend: Zwischen zartem Picking und ungehobeltem Strumming lässt sich die Cole Clark niemals aus der Fassung bringen und übersetzt, was immer der Player ausdrücken möchte. Ein Allrounder „in the best sense of the word”.
Die Paradedisziplin einer Cole-Clark-Gitarre ist dann aber das Spiel über Anlage, Verstärker, ins Mischpult, vor Publikum – eben unter Einsatz des Pickup-Systems. Ich starte nur mit 100% Piezo und ohne Mikro und erhalte bereits einen Sound, mit dem man schon mehr als zufrieden sein könnte. Klasse.
Mische ich nun den Sensor dazu, kommt Leben in die Bude. Die Decke wird „sensibel”. Leute, die mit Looper arbeiten, können mit viel Sensor-Anteil erstklassige Percussion-Sounds kreieren, aber auch der Gitarrenklang selbst profitiert von diesen silbrigen vitalen Anteilen.
Und dann ist da ja noch das Mikro: Regelt man es hinzu, kommt noch mehr Luft und Natürlichkeit ins Klangbild. Da sind so viele Nuancen abrufbar, und man hat noch gar nicht die Klang-Fader erforscht. Irgendwo wird da jeder seinen perfekten Sweet-Spot finden!
RESÜMEE
Eine Cole Clark sieht anders aus und fühlt sich anders an, aber die grundlegende Qualität bei den Materialien, der Verarbeitung und dem Sound ist allererste Güte. Insbesondere ein Live-Player findet hier ein bärenstarkes Gesamtpaket inklusive unverwüstlichem Gigbag. Die Cole Clark besticht durch ihr Angebot von fast unendlich vielen Sound-Nuancen und einem eigenständigen Look.
Plus
- Design, Konstruktion, Hölzer
- optische Ausstrahlung
- Verarbeitung, Werkseinstellung
- Dynamikumfang
- vielseitiges Pickup-System
- A-Klang
- E-Klang !!!
Übersicht
| Merkmal |
Angabe |
| Fabrikat |
Cole Clark |
| Modell |
SAN1EC-RDSO |
| Typ |
Grand-Auditorium-Steelstring |
| Herkunftsland |
Australien/China |
| Mechaniken |
Grover, verchromt, Die-Cast |
| Hals |
African Mahogany |
| Sattel |
Tusq |
| Griffbrett |
Eukalyptus |
| Radius |
14″ |
| Halsform |
C-Profil |
| Halsbreite |
Sattel 44,9 mm; XII. 54,7 mm |
| Halsdicke |
I. 21,1 mm; V. 22,6 mm; X. 23,0 mm |
| Bünde |
20 |
| Mensur |
650 mm |
| Korpus |
Silky Oak, massiv |
| Decke |
Australian Redwood, massiv |
| Oberflächen |
Satin |
| Steg |
Eukalyptus |
| Stegeinlage |
Tusq, kompensiert |
| Elektronik |
Cole Clark PG-3 3-Way Pickup System |
| Saitenbefestigung |
Steg-Pins |
| Saitenabstand Steg |
E-1st – E-6th 56,5 mm |
| Gewicht |
2,1 kg |
| Lefthand-Option |
nein |
| Vertrieb |
Best Acoustics Reinhardt, www.bestacoustics.de |
| Zubehör |
guter Gigbag, Pickguard, Gurtpin, Inbus |
| Preis (Street) |
ca. € 1600 |
(erschienen in Gitarre & Bass 08/2026)