Ja, ja, der Chianti-Wein …

Paoletti Alfa Lounge HSS 135 TrueGold im Test

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(Bild: DIETER_STORK)

Einer alten Winzerfamilie entstammend, entdeckte Fabrizio Paoletti früh sein Faible für Gitarren und den Gitarrenbau. Seit mehr als 15 Jahren verarbeitet er für seine Instrumente das Kastanienholz von alten Chianti-Rotweinfässern, die nach Jahrzehnten des Gebrauchs turnusmäßig ausgetauscht werden. Echtes Recycling also.

Aufgrund seiner Festigkeit, seiner guten Schwingungseigenschaften, seines lang anhaltenden Sustains und seines markanten Klangbilds eignet sich das mittelschwere, witterungsbeständige Hartholz hervorragend für E-Gitarren und -Bässe. Inmitten der wunderschönen, italienischen Toskana entstehen die nach individuellen Kundenwünschen handgefertigten Gitarren und Bässe, wobei das alte Kastanienholz zum Markenzeichen von Paoletti Guitars wurde und es wegen seiner guten Verfügbarkeit vermutlich noch lange bleiben wird.

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Inzwischen ist die Modellpalette, vor allem aber die Custom-Optionen und Finish-Varianten, dermaßen umfangreich, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Andere Korpushölzer sind allerdings für Fabrizio Paoletti keine Option.

Die Gitarren der Lounge Serie besitzen Bodies mit Hohlkammern, wahlweise mit einem, zwei oder gänzlich ohne F-Löcher. Auch unsere Alfa kommt mit beidseitig vom durchgehenden Mittelblock ausgefrästen Kammern. Die beiden 22,5 mm dicken, mittig bookmatched gefügten Fassbretter hat man sandwich-mäßig aufeinandergeleimt, was wegen der ausgeprägten Maserungsstruktur an den Zargen gut zu erkennen ist.

Um die Maserung hervorzuheben, werden die Bodies zunächst geölt und dann je nach Farbgebung mit bis zu 5 Schichten nitrolackiert. Die Farb-Finishes bestehen aus 10% Color- und 90% farblosen Nitrolacken. Der spezielle Nitrolack, der beispielsweise auch für hochwertige Pianos verwendet wird, ist flexibel, schwingt quasi mit und reißt nicht.

Aufwendigere Finishes, wie z.B. Black over Sunburst, erfordern 5 Lackschichten: Nitro klar > Sunburst > Nitro klar > Black > Nitro klar. Aging von N.O.S. bis Ultra Heavy zählt ebenso zu den Optionen wie Griffbrettholz und Lagenmarkierungen, Hardware, PU-Bestückung, Schaltungsvarianten, Vibratos und sogar individuelle Intarsien. Der Korpus unserer Protagonistin wurde mit der speziellen Farbe Truegold lackiert, einer von Paoletti sorgsam gehüteten Nitromischung mit echten Metallpigmenten.

FEINSTE ZUTATEN

Der mit rückseitigem Belly Cut und frontseitiger Armschräge stratlike geshapte Korpus trägt ein zweiteiliges, vernickeltes Messing-Pickguard, das gleichzeitig für effizientere Abschirmung sorgt. Die Säurebehandlung von Pickguard, Buchsenblech, Federkammerabdeckung, Hals- und Vibratoplatte unterstreichen den Heavy Aged Look der Alfa Lounge.

Den Ahornhals bezieht Paoletti aus Kanada, behandelt ihn in seiner Werkstatt thermisch (Roasting) und versieht ihn mit dem vom Kunden gewünschten Griffbrett und den Inlays – hier: dunkles Pau Ferro mit Olivenholzpunkten. Die fetten Dunlop 6110 Bünde wurden inklusive der Kanten perfekt abgerichtet und poliert.

Auch den Knochensattel, der die Saiten über den Trussrod-Zugang hinweg zu den geschmeidig und präzise arbeitenden Kluson Deluxe Tunern führt, hat man optimal aus- und abgerichtet. Ein Butterfly Stringtree erhöht den Druck der E1/E2-Saiten auf den Sattel. Fabrizio Paoletti hat eine sehr geschmackvolle Variante der traditionellen Strat-Kopfplatte designed und ihr zusätzlich eine abgestufte untere Kante spendiert.

Dot Inlays aus Olivenholz (Bild: Dieter Stork)

Die passgenau gefräste Korpustasche hält den vierfach verschraubten Hals zuverlässig in Position und garantiert eine stabile Verbindung und beste Schwingungsübertragung zugleich. Als Steg findet ein Paoletti OEM Standard Vibrato mit Präzisionskomponenten aus eigener Entwicklung Verwendung. Der steckbare Hebelarm, dessen Drehmoment über eine seitliche Madenschraube justiert werden kann, lagert spielfrei in einer Kunststoffmanschette.

Mit Ausnahme des Buchsenblechs trägt das Pickguard die komplette Schaltung. Die Pickups – zwei ’60s Singlecoils mit cremefarbenen Kunststoffkappen und ein Rock II Humbucker mit rostig anmutendem Nickelcover – stammen ebenfalls aus hauseigener Fertigung.

Während der Fünfwegschalter die Abnehmer standardmäßig anwählt, wobei in Position 4 Mittel-Pickup und Stegspule des Humbuckers aktiv sind, entpuppt sich das vordere Poti quasi als Multitalent. Zunächst blendet es beim Zurückdrehen die Stegspule des Humbuckers stufenlos aus, sodass nur noch dessen Halsspule zu hören ist. Zieht man den Reglerknopf hoch, stehen über den Wahlschalter zwei zusätzliche Spulenkonstellationen zur Verfügung:

Position 1: Hals-PU + Stegspule Humbucker (mit Blend-Funktion) Position 2: Hals-PU + Mittel-PU + Stegspule Humbucker (ohne Blend-Funktion) Position 3: nur Mittel-Pickup Position 4: entspricht Position 2 Position 5: entspricht Position 1

In dem breiten Klangangebot vermisse ich allerdings die alleinige Stegspule des Humbuckers, z.B. für bissig brillante Countrysounds. In der Schaltung kommen ausschließlich hochwertige US-Komponenten wie CTS-Potis, ein N.O.S. Paper/Oil-Kondensator, CRL-Schalter und Switchcraft-Klinkenbuchse zum Einsatz.

Die sehr speziellen Reglerknöpfe wurden aus Schrotpatronenhülsen vom italienischen Hersteller Nobel Sport gefertigt. Dabei hat man die Zündplättchen entfernt und mit Einsätzen zur Aufnahme der geriffelten Potiachsen versehen. Eine Markierung oder Zahlenskala zur optischen Orientierung gibt es nicht. Die insgesamt komfortable Handhabung wird durch die glatten Oberflächen der Shotgun-Knöpfe nur unwesentlich eingeschränkt.

(Bild: Dieter Stork)

Da Coilsplits von Humbuckern klanglich meist kompromissbehaftet sind, geht Fabrizio Paoletti bei der Spulenfertigung seiner Doppelspuler den umgekehrten Weg. Er wickelt deren Einzelspulen so, dass sie klanglich und pegelmäßig optimal mit den anderen Singlecoils der Gitarre kooperieren. Erst dann werden sie zu einem Humbucker vereint. Dies erklärt auch den im Vergleich zu den Einspulern hohen Gleichstromwiderstandswert von 15,23 kOhm bei kompatiblem Output Level.

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