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St. Helens Hardware: Test & Interview

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Gerhard Schwarz in seinem Element… (Bild: Gerhard Schwarz)

Im Gespräch mit Gerhard Schwarz

„Man könnte Stunden über das Thema Hardware philosophieren, und es ist wirklich unfassbar, was ich in den letzten zwei Jahren alles gelernt habe!”, schrieb mir Gerhard Schwarz im Vorfeld dieses Artikels. Und weil ich es genauer wissen wollte, habe ich nachgehakt.

Ich nehme mal an, dass du mit der Hardware, die es auf dem Markt gibt, nicht zufrieden warst und nach neuen Wegen gesucht hast, oder?

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Ja, meine Unzufriedenheit war der Auslöser für die Entwicklung der St.-Helens-Hardware. Jahrelang habe ich auf meinen Gitarren fremde Hardware verarbeitet und diese für meine eigenen Ansprüche modifiziert. Schließlich reifte die Idee, Hardware nach meinen eigenen Vorstellungen und den Ergebnissen meiner Untersuchungen herstellen zu lassen.

Wusstest du vorher genau, was du in deiner neuen Hardware suchst?

Von Musikern und Vintage-Fachleuten hört man ja immer, was gute Sounds ausmacht – und da war schon ein Vintage-Les-Paul-Sound eines meiner Ziele, sowohl im Gitarrenbau als auch bei der Hardware. Also: schlanke Bässe, ein Klangcharakter, so wie eine gute Akustikgitarre, und nicht zu spitze Höhen im Anschlag. Dann habe ich, neben der Hardware, die ich für meinen Gitarrenbau brauchte, angefangen, weitere Hardware zu kaufen, um die Unterschiede der einzelnen Hersteller kennenzulernen … und irgendwann auch mal ein paar Tausender in die Hand genommen und in originale, alte Brücken und andere Vintage-Hardware-Parts investiert. Denn man kann ja nicht sagen, ich mache jetzt authentische Hardware, ohne diese Behauptung nicht beweisen zu können. Ich habe zahlreiche Parts von Gitarren aus den 1950er-Jahren untersucht und die, die ich besonders klangstark fand, in einem Labor auf Material und Beschaffenheit prüfen lassen, und schließlich einen Hersteller in Süddeutschland gefunden, der alle Teile nach meinen Vorgaben exklusiv für mich fertigt.

War die Streuung der Produktion in den 1950er Jahren nicht groß? Die waren damals doch noch am Anfang.

Doch die Streuung war stark, vor allem durch unpräzise Fertigungen. Es gibt also durchaus verschiedene Vintage-Richtungen, was den Klang dieser Instrumente angeht. Und irgendwann muss man als Hersteller für Gitarren und Hardware für sich selbst klar haben, in welche Richtung man gehen will. Ich habe mich für eine entschieden, und andere Hardware-Hersteller bevorzugen vielleicht andere Richtungen. Ich versuche natürlich, alle meine Hardware gleich klingen zu lassen – was mit den heutigen Produktionsmethoden viel einfacher ist als vor rund 70 Jahren.

Spielte in den Anfangsjahren der Gitarrenproduktion nicht auch der Kostenfaktor eine entscheidende Rolle?

Der spielt ja fast immer eine Rolle, vor allem, wenn industriell gebaut wird. Das Zinkdruckguss-Verfahren, mit dem z.B. die Brücken hergestellt wurden, war sicherlich in der Massenfertigung relativ günstig. Aber gut für uns, denn diese Brücken klingen halt auch gut! Wobei die damaligen Produktionsverfahren natürlich grundsätzlich noch anders als heute waren. Früher wurde z. B. das Messing gegossen und dann weiterverarbeitet, während heute das gegossene Messing sehr oft erst weich geglüht wird, um es einfacher und schneller verarbeiten zu können und weniger Abrieb auf dem Werkzeug zu erzeugen. Heute bekommst du, soweit ich weiß, keine Brücke mehr, die exakt nach dem alten Verfahren hergestellt wird. Und wenn man das Messing in der Härte herstellen lassen will, die man für eine Schwingungsübertragung bzw. -dämpfung wie in den 1950ern braucht, muss man erst einmal eine Firma finden, die das heute noch kann. Und zusätzlich zu den Kosten für die Gussformen muss man in eine hohe Abnahmemenge investieren – ab einer Order von mindestens zwei Tonnen werden solche Firmen ja erst aktiv. Anders geht’s nicht.

Es gibt ja Hersteller, die Hardware aus Zinkguss fräsen. Du verwendest aber den vintage-korrekten Zinkdruckguss. Warum?

Ja. Diese Hersteller fräsen aus einem massiven Zinkgussblock das Brückengehäuse heraus und werben damit, dass keine Lufteinschlüsse vorhanden sind, sowie eine glattere Oberfläche und eine größere Konstanz gewährleistet sind. Das ist natürlich ein logisch klingender Ansatz, und es spricht an sich nichts dagegen, es zu tun. Aber das Fräs-Verfahren liefert nie das, was man von einem 1950er-Sound erwartet. Denn die typische Struktur von Zinkguss entsteht erst dadurch, dass das Material beim Druckgussverfahren mit unfassbar hohem Druck gegen eine Stahlwand geschossen wird. Dadurch verdichtet sich die äußere Schicht, und man erhält eine komplett andere Innenstruktur, als wenn das Teil aus dem Block herausgefräst wird. Gegossene Brücken sind stabiler und dadurch, dass die Außenhaut eine höhere Härte und Stabilität als das gefräste Metall hat, wirkt sich das eben auch auf den Klang aus. Und den gesuchten Klang bekommt man eben nur mit dem Druckguss-Verfahren hin. Wenn man das will. Ich sage nie etwas gegen andere Methoden, aber wenn eine Hardware, wie z. B. eine Brücke, strukturell so sein soll, wie sie früher war, kommt man um das Druckgussverfahren nicht herum.

Brücken einiger Hersteller werden auch aus massivem Messing gefräst.

Ich selbst finde Messing nicht gut, weil dieses Metall die Lebendigkeit von guten Gitarren einfach nicht so gut unterstützt wie z. B. Zinkguss. Außerdem: Wenn ein Material so stark schwingt wie Messing, entzieht es der Saite ja Energie. Das Schwermetall Zink und eine passende Zinkdruckguss-Legierung reagieren da völlig anders und lassen die Gitarre klingen. Viele Brücken auf dem Markt haben zudem verklemmte Saitenreiter- und Schrauben-Konstellationen, bei denen die Saitenreiter in die Brücke gepresst werden und dort eine insgesamt sehr verspannte Situation entsteht. Ein spannungsfreies System ist für die Klangentfaltung jedoch immer das Beste. Die Saitenreiter sollen also nicht zu fest, aber auch nicht zu locker im Gehäuse sitzen. So ist zumindest meine Philosophie.

Denkst du auch daran, Fender-style Hardware herzustellen?

Nein, zurzeit nicht. Wenn mir mal etwas Geniales einfällt, dann vielleicht. Abgesehen davon wüsste ich gar nicht, was man besser machen könnte, denn es gibt ja schon richtig gute Sachen. Zum Beispiel die Highwood-Saitenreiter für Tremolo-Systeme, Wudtone Tremolos aus England, die neue Tele-Bridge von Music City etc. Solche Hardware könnte ich auch nicht besser machen. Aber wenn dir noch etwas einfällt, was die Menschheit braucht, dann lass es mich wissen …

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wäre interessant, was Nick Huber dazu sagt. Wird er in Zukunft Brücke und Posts tauschen?

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  2. Na ja, Placebos erfüllen auch ihren Zweck. Man muss nur feste dran glauben.
    Trocken gespielt mag es ja marginal “besser” klingen, aber volles Rohr am Amp mit Tretminen…Da hört man mit Sicherheit gar nix. Erst recht nicht im Bandgefüge.

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    1. Interessant! Welche St. Helens-Bridge bzw. welches Set hast du denn ausprobiert?

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    2. Du musst nicht von dir auf andere schließen, dann passt das schon.

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  3. Wir sind hier ganz klar im religiösen Bereich gelandet, da spielen Klangtests nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ich bevorzuge aus dem vollen gefrästes Messing oder Edelstahl oder Alu und auf einer Klampfe sogar Carbon. Und warum? Weil diese Materialien nicht die Zinkdruckguss-typischen Pickel kriegen, wenn sie mal ein paar Jahre alt sind sind. Außerdem hängen Vintage (-Style) Zamak Stege irgendwann durch. Die Soundunterschiede sind für mich extrem gering bis nichtexistent

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    1. Kann sein, dass dir die Soundunterschiede nicht wirklich wichtig sind. Aber dass sie da sind, dürfte doch auch nach Artikel klar sein. Oder glaubst du, dass ist nur erfunden?

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  4. Wenn ich mir all das Gesülze über Vintage-authentisches Metall durchlese und von Spezialisten der Gitarrenbaukunst erklärt bekomme, dass sie ja die Magie der 50er Jahre Instrument reproduzieren wollen …und deshalb physikalischen Gesetzen zum Trotz alle möglichen Fehler von damals wiederholen… GESCHENKT. Ich hab meinem Alu-Lieferanten (Materialprüfer bei VFW-Fokker in den 80ern in Speyer) erzählt. Wir haben viel gelacht!
    Setzt mal auf eine Violine/Bratsche/Cello oder Kontrabass so ne grottige Metallbrücke in Wackeldackel-Ausführung mit Stahl-Gewindebolzen…
    Die armen Italiener haben das damals ja nur noch nicht zur Hand gehabt – sonst hätten wir in den Konzertarenen heute ja vielleicht noch viel vintagerige, stradivarigere Soundorgien (die Subwoofer nat. ausgeschaltet).
    A hype is a hype is a hype is a hype. Got it?

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    1. Kann sein, dass dir die Soundunterschiede nicht wirklich wichtig sind. Aber dass sie da sind, dürfte doch auch nach Artikel klar sein. Oder glaubst du, dass ist nur erfunden?

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  5. Hallo zusammen !
    Ich denke, wir sollten bei der Diskussion wieder aus dem emotionalen Bereich heraus zu den Fakten bewegen !!
    Wir reden über Werkstoffe und deren Verarbeitung zu einem Werkstück. Mehr nicht. Und in diesem technischen Bereich ist für Placebos und religiösphilosophische Ausblühungen keine zielgerichtete Diskussion möglich.
    Ich bin gitarrespielender und rennradfahrender Dipl.Ing. und habe diese Art von weltanschaulichen Diskussionen bei den Materialien zur Herstellung von Highendkomponenten bei Ketten-Schaltungen bei Rennrädern erlebt. Dort war man allerdings eine Stufe weiter, weil es dort um die Unterschiede zwischen Druckgußteilen und Schmiedeteilen ging.
    Ergebnis war, dass die Gefügestrukturen bei Schmiedeteilen besser sind als bei Druckgußteilen. Das erklärt sich aus ua. dadurch, dass in einem geschmiedeten Werkstück das dichteste Gefüge vorliegt und die Kraftlinien bei Belastung sehr gut verteilt sind. Das heißt -salopp formuliert- Spannungsspitzen geringer sind und sich die eingeleiteten Kräfte besser verteilen.
    Für das Material von Brücken, Saitenhaltern etc. bei Gitarren gilt der oben dargestellte technologische Sachverhalt im gleichen Maße. Dh. beim gleichen Werkstück ist traditionell die Reihenfolge im Sinne einer zunehmend verbesserten Qualität :
    Fräsen, Druckguß, Schmieden .
    Inzwischen ist aber auch die Herstellung von Teilen im Flugzeugbau durch 3D-Druck etabliert.
    Also, ran an die gedruckten Brücken und Tremolos auf den Gitarren -und den ersten Tests mit dem archaischen und total analogen, aber absolut finalen Meßgerät 😉 !!! Natürlich dem OHR , das besitzt jeder, der eine Gitarre besitzt -und nur das ist entscheidend für das ganz subjektive Ranking der Teile/Instrumente. Gefüge hin oder her ……..

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  6. Ich habe an einer Custom Shop 59er RI Les Paul und einer ES335 Murphy Lab masssives „zisseln“ an der Bridge gehabt. Auch ein Tausch durch eine Crazy Parts Bridge half nicht weiter. Dann habe ich die St. Helens Bridge montiert- und Ruhe ist! Das war echt beeindruckend. Das Sustain ist ebenfalls besser.
    Klar, bei Brachial-Highgain Sounds hört man es am Speaker nicht, aber beim Üben nervt es und bei cleaneren Sachen ebenfalls.
    Ich hatte noch nie durch so einen kleinen Eingriff so einen starken positiven Effekt.

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  7. Bei der Tunamatic Brücke der Mr. Schwarz fehlt ja diese dünne Spange, die die Schraubenköpfe nach unten hält, sodass die Böckchen nicht herausfallen können. Wie ist denn hier dieses Problem gelöst?
    Bitte Antwort an meine Email!

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    1. Das beantworte ich doch sehr gerne hier. Durch Präzision. Das klappt ganz einfach wenn man das Prinzip versteht. Gibson hat es Anfangs auch so gemacht doch durch Fertigungstoleranzen klappte das nicht immer. Der Bügel war dann die einfache Lösung. Ich wollte es aber richtig machen und mit engen Toleranzen geht das dann

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  8. Wie schön, das zweite Foto! Aber diese hinten aus dem Tailpiece herauslukenden bunten Ballends machen doch die ganze Optik kaputt! Wie kann man nur?

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