Von Chemisch-Nickel und Eierschalen-Effekten

St. Helens Hardware: Test & Interview

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Kommen in Edelstahldose: St. Helens Komplett-Sets für Stop-Tailpiece-Gitarren. (Bild: Heinz Rebellius)

Willkommen zu einem besonderen Artikel – im Folgenden geht es nämlich ausschließlich um harte Ware, im Neudeutsch: Hardware. Die Hardware ist immerhin das Herzstück jeder E-Gitarre, vor allem die Brückenkonstruktion ist elementar wichtig für den Klang und das Spielverhalten des Instruments.

Einer, der sich intensiv mit der Geschichte des E-Gitarrenbaus in all seinen Facetten beschäftigt hat, ist Gerhard Schwarz. Die Erkenntnisse seiner Expeditionen in die Vergangenheit dieses Instruments spiegeln sich nicht nur in seinen bemerkenswerten Gitarren wider, sondern seit einiger Zeit auch in ausgewählter, möglichst authentisch gefertigter und klingender Hardware für Gibson-Type-Gitarren, die unter dem Namen St. Helens firmiert.

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Vorbild in Design, Materialwahl und Klang ist die Hardware von Gibson aus den 1950er-Jahren. Doch es geht nicht um bloßes Replizieren: Schwarz will verstehen, warum etwas auf eine bestimmte Weise gefertigt wurde, welche konstruktiven Überlegungen dahinterstehen und wie sie sich auf Klangcharakter und -verhalten auswirken. Dabei können – bei aller historischen Korrektheit im Design – auch eigene Ansätze einfließen, immer mit dem Ziel, das klangliche und spielerische Potenzial der jeweiligen Gitarre bestmöglich auszuschöpfen.

ST. HELENS

Wir wollten herausfinden, was die nach alten Rezepten gefertigte Hardware auf neuzeitlichen Gitarren bewirkt, und bestellten für drei sehr unterschiedliche Modelle die jeweils passende St.-Helens-Hardware:

  • Gibson ES-335 von 1990
  • Gibson R4 (1954 Reissue) von 2004
  • Nik Huber Krautster II von 2015 (mit Top-Mount-Vibratosystem)

Wer schon einmal an Gitarren geschraubt hat, weiß von den Momenten, in denen es doch komplizierter wird als gedacht – etwa, wenn sich das Herauslösen von Gewindehülsen aus der Decke schwierig gestaltet. Praktischerweise hat Gerhard Schwarz auch daran gedacht: Unter der Rubrik Luthier’s Tools bietet sein Shop kleine Werkzeug-Sets und Helferlein an, die den Umbau einer Gitarre auf seine Hardware deutlich erleichtern, und die uns Gott sei Dank auch zur Verfügung standen.

GIBSON ES-335

Die Originalbestückung der 1990er Gibson ES-335. (Bild: Heinz Rebellius)

Die schwarze ES von 1990 erhielt die komplette Schwarz-Behandlung mit dem St.-Helens-„Classic”-Hardware-Set. Dieses umfasst die Adjustable Bridge mit Gewindestangen (Posts) und Rändelmuttern, sowie das Stop-Tailpiece aus Aluminium, dazugehörige Haltebolzen (Studs) und Gewindehülsen (Anchors). Die Hardware kam in Aged Nickel, das optisch perfekt zur Patina der 35 Jahre alten Gitarre passt.

Um zu zeigen, wie akribisch die Nachbildung eines solchen Hardware-Teils sein kann, haben wir die Features der Adjustable Bridge, einer Nachbildung der Gibson ABR-1, einmal im Detail aufgelistet:

Das Gehäuse der Brücke wird wie das Gibson-Original im Druckgussverfahren aus einer vintage-korrekten Zink-Legierung (Zamak*) hergestellt und vernickelt.

Die Saitenreiter (Saddles) und die Schrauben zur Einstellung der Oktavreinheit sind aus einer speziellen Messing-Legierung gefertigt, die nach dem HV-Standard (die so genannte Vickers-Härte*) härtegetestet ist. Die Saddles können gekerbt oder ungekerbt bestellt werden, die Schrauben entsprechen exakt dem 4-40 UNC*-Standard, was vintage-korrekte 40 Gewindegänge pro Zoll bedeutet.

Der Abstand der beiden Posts beträgt vintage-korrekte 73,8 mm. Die Posts selbst sind vom Typ 6-32 UNC* und haben 3,5 mm Durchmesser und 32 Gewindegänge. 4 mm starke Posts sind ebenfalls erhältlich.

Das Stop-Tailpiece besteht aus Aluminium und wiegt nur 30 g – das Gibson-Original von 1990 bringt fast das Dreifache auf die Waage: 84 g. Die Studs der 1990er ES messen rund 36 mm in der Länge, das originale Late-50s-Maß – und damit auch das St.-Helens-Maß – beträgt 39 mm, mit einem Gewindebereich von 1 Zoll. Bei den Gibsons der frühen 1950er reichte das Gewinde nur über ¾ Zoll.

Die St.-Helens-Gewindehülsen sind 1 Zoll lang, also länger als die ⅞ Zoll unserer 1990er Gibson-Version – aber Schwarz hat auch ⅞-Varianten im Programm. 1953 bis 1957 maßen sie nur ½ Zoll, saßen weniger fest im Holz und mussten häufiger ersetzt werden.

Der Durchmesser der 1990er Gibson-Hülsen beträgt 13 mm, bei den 1955–1957er Modellen waren es noch 13,3 mm – identisch mit den heutigen St.-Helens-Hülsen. Dank ihrer stärker ausgeprägten Spitzen sitzen die St.-Helens-Hülsen fest in den Bohrlöchern, wackeln nicht und passen für verschiedene Gibson-Jahrgänge, auch für die 1990er ES; bei Bedarf kann aber auch etwas aufgebohrt werden. (Schwarz bietet neben den hier verwendeten, zölligen Gewindehülsen und Studs übrigens auch metrische Versionen an.)

Zum Lösen der originalen Gewindehülsen erwies sich das Anchor Puller Set aus Schwarz’ Luthiers Shop als echter Helfer – das Entfernen der Anchors (Hülsen) wird damit zum Kinderspiel. Sehr praktisch war auch das PIT (Post Installation Tool) aus derselben Abteilung, entwickelt, um 6-32-UNC-Gewindestangen für Tune-o-matic-Brücken einfach zu installieren oder zu entfernen. Es gibt das PIT natürlich auch für 4-mm-Posts, sodass ich auch für den Umbau der Nik Huber Krautster bestens gerüstet war.

GIBSON CUSTOM SHOP R4

Gibson R4 mit St. Helens Wraparound. (Bild: Heinz Rebellius)

St. Helens bietet vier verschiedene Wraparounds an: die klassische DieCast-Aluminium-Version, die flachere Lo-Pro (für Gitarren mit flacherem Hals-/Korpuswinkel, wie z. B. die 1952/53-Jahrgänge der Les Paul), die gerade Lightning Bolt und die gewinkelt montierte Classic Bolt.

Für die R4 verschrieb Dr. Schwarz uns die DieCast-Aluminium-Wraparound mit passenden Studs, die 30,5 Gramm wiegt und damit nur etwas leichter als das 1990er Gibson-Original mit 36 Gramm ist. Zwischen Aluminium und vernickelter Oberfläche liegt auch hier – wie bei allen St.-Helens-Parts – vintage-correct keine Kupferschicht. Heute werden so gut wie alle Brücken, Stop-Tailpieces und Wraparounds mit einer Kupferschicht hergestellt, denn Kupfer sorgt dafür, dass die Oberfläche schön glatt wird, schön poliert werden kann und dann eben auch schön glänzt. Ohne Verwendung von Kupfer verbleiben jedoch oft winzige, oberflächliche Löcher, und das ist eben so „wie früher”. Wem also eine hundertprozentig glatte Oberfläche seiner Hardware wichtig ist, der wird bei St. Helens nicht fündig.

30 Gramm leicht: St. Helens Stop-Tailpiece. (Bild: Heinz Rebellius)

Die Wraparound-Brücke unserer R4 stammt vom US-Hersteller API* und war ursprünglich ein Stop-Tailpiece, das mit nachträglich angebrachten Intonationsschrauben als Wraparound dient. Seit Jahrzehnten verwendet Gibson keine separaten Wraparounds und Stop-Tailpieces mehr, was auch die Ball-End-Löcher auf der Rückseite der originalen Wraparound unserer Gibson R4 zeigen – sicherlich kostensparend, weil so eine Gussform für zwei Bauteile genutzt werden kann, aber nachteilig für die Klangentwicklung. Denn die Saiten liegen wegen der rückwärtigen, größeren Ballend-Löcher nicht mehr in einem sauberen Bogen auf der Brücke auf, sondern beschreiben dort einen harten Knick.

Ich frage mich, warum Gibson keine eigene Gussform für ein Wraparound machen lässt. So enorm wären die Kosten in der Größenordnung, in der Gibson unterwegs ist – von Epiphone bis Murphy Lab – sicherlich nicht. Wie auch immer – die St. Helens Wraparound ist natürlich kein verkapptes Stop-Tailpiece, sondern eine Wraparound wie aus den Anfangstagen der Gibson Les Paul – mit Ball-End-Löchern nur auf der Vorderseite, sodass sich die Saiten hinten geschmeidig und ohne Knick um den Steg legen können.

Gibson R4 mit Original-Wraparound. (Bild: Heinz Rebellius)

Die St.-Helens-Studs passen problemlos in die originalen Gewindehülsen. Aufgrund ihrer Länge müssen sie zwar bis zum Boden des Loches geschraubt werden, was aber für eine perfekte Saitenlage gerade reicht. Je nach Gitarre kann es jedoch nötig sein, die Löcher minimal tiefer zu bohren oder statt der 1″ gleich die ⅞” (22 mm) langen Studs zu ordern.

NIK HUBER KRAUTSTER II

Diese Krautster II, ursprünglich mit einem Bigsby B50 ausgestattet, trägt nun ein Gotoh G5. Ihre originale Brücke ist aus einem massiven Messing-Block gefräst und hat Stahl-Saitenreiter. Anstelle dieser kommt nun die St. Helens V-Saddle-Bridge, also Zinkdruckguss und vernickelte Messingreiter, mitsamt den 4-mm-Posts, zum Einsatz.

Diese Brücke ist für alle Gitarren mit Top-Mount-Vibratosystemen wie Bigsby, Göldo, Duesenberg & Co. sehr interessant, denn sie hat nicht nur größere, V-förmige Kerben, sondern auch eine besondere Oberfläche: Chemisch-Nickel*, das stromlos aufgebracht wird und nicht nur extrem dünn, sehr reibungsarm und abriebfest ist, sondern laut Schwarz auch klanglich besser abschneidet als die Hartchrom-Beschichtung, die viele andere Hersteller verwenden.

Hartchrom hat dabei einen grundsätzlichen Nachteil: Der Prozess folgt dem Strom – und der fließt lieber um Ecken und Kanten herum als in enge Winkel hinein. Konkret bedeutet das: An äußeren Kanten setzt sich mehr Material ab als in engen Vertiefungen. Genau dort aber – im unteren Knick der V-Kerbe, also exakt da, wo die Saite aufliegt und Reibung entsteht – bleibt die Schutzschicht am dünnsten. Ein Konstruktionsfehler der Natur nach.

Chemisch-Nickel arbeitet ohne Strom und legt sich deshalb gleichmäßig über jede Oberfläche, egal ob Außenkante oder enger Winkel. Schwarz nutzt diese Methode schon länger – und hat damit auch Saitenreiter fremder Brücken für seine Gitarren nachbehandelt, bevor er überhaupt eigene Hardware entwickelte. Nein, Chemisch-Nickel habe nichts mit Vintage-Correctness zu tun, sagt Schwarz. Es sei einfach die bessere Beschichtung für diesen Zweck, und bei Chemisch-Nickel gäbe es eben auch keinen Eierschaleneffekt … Meinen fragenden Gesichtsausdruck beantwortet er so: „Den gibt es unter anderem bei Hartchrom. Wenn nämlich die äußere Beschichtung härter ist als das innere Material und dann punktuell Druck, wie z. B. durch eine Saite, ausgeübt wird, kann die Oberfläche brechen.”

VORHER VS. NACHHER

Und jetzt ans Eingemachte! Da ein Vorher-Nachher-Vergleich bei Umbauzeiten von einer halben bis zu einer Stunde immer schwierig ist, habe ich die Gitarren jeweils vor und nach dem Umbau aufgenommen. Solche Aufnahmen können zwar niemals Spielgefühl, Anschlagsverhalten, Dynamik oder Sustain wiedergeben, bieten aber eine zusätzliche Perspektive zur Beurteilung der St.-Helens-Hardware.

Gibson ES-335

Vorher: Die Gitarre zeigte beim Anschlag ein leichtes, metallisches „Zing”, das auch nach testweiser Montage eines nur 34 g leichten Stop-Tailpieces von Faber bestehen blieb. Das Sustain war mittelmäßig, der Ton insgesamt eher harsch und ohne echte Highlights – kurz: Diese ES-335 war okay, aber mehr auch nicht.

Nachher: Mit der St.-Helens-Hardware klingt die Gitarre nun frischer, lebendiger und ausgewogener, ohne Überbetonungen oder Einbrüche. Hals- und Steg-Pickup unterscheiden sich klarer, cleane Sounds haben mehr schimmernde Höhen und wirken durchsichtiger statt rau und hart wie vorher (was zugegebenermaßen auch ein interessanter Sound war, aber eben nicht klassisch 335). Verzerrt gewinnt die Gitarre an vokalem Charakter: Der Hals-Pickup klingt feiner und irgendwie hochwertiger, der Steg-Pickup fetter und souveräner. Auffällig ist die bessere Ausgewogenheit der Saiten und Lagen, ebenso das längere Sustain. Die Gitarre reagiert direkter auf den Anschlag und fühlt sich insgesamt dynamischer und musikalischer an.

Gibson Les Paul R4

Vorher: Diese Gibson klang im Originalzustand schon richtig gut, doch die Wraparound-Brücke erzeugte einen Sitar-Effekt, der durch eine Fehlstellung oder einen Fehler in der Form der Brücke verursacht wurde und sich nur durch eine erhöhte Saitenlage beheben ließ. Das ergab Handlungsbedarf.

Nachher: Nicht nur ist der Sitar-Sound verschwunden, sondern die neue Brücke verbessert den gesamten Klang der Gitarre noch einmal merklich. Der Anschlag ist direkter, die Saiten reagieren ausgeglichener und die Transparenz ist spürbar gestiegen. Insgesamt wirkt der Sound runder und fülliger, das Spielen fühlt sich – wie auch bei der ES-335 – nun dynamischer und musikalischer an.

Nik Huber Krautster II

Vorher: Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass diese an sich großartige Gitarre etwas gebremst agierte. Das merkt man zwar nicht unbedingt auf den Aufnahmen, aber der eher langsame Attack, eine gewisse Trägheit in der Klangentfaltung und das nur durchschnittliche Sustain deuteten darauf hin, dass die Saiten nicht optimal schwingen. Besonders dem Mittenbereich fehlten Lebendigkeit und Charakter.

Nachher: Nach dem Austausch von Brücke und Posts zeigt sich ein neues Klangbild. Im Clean-Bereich wirkt der Hals-Pickup (P90) heller und strahlender, der Steg-Pickup (Firebird HB) direkter, fetter und ausgewogener. Verzerrt ist der Hals-Pickup nun definierter, während der Steg-Pickup griffiger, präziser und in Akkorden transparenter klingt. Das Attack ist unmittelbarer, die Saiten schwingen freier und der Klang wirkt insgesamt organischer, lebendiger und dynamischer – genau wie bei den beiden anderen Gitarren.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit dem Test und dem Interview…

RESÜMEE

Die Brückenkonstruktion ist das klangliche Epizentrum einer E-Gitarre. An dieser Schnittstelle wird die Qualität der Saitenschwingungen erzeugt, also das, was die Tonabnehmer aufnehmen und hörbar machen. Was hier an Dynamik, Sustain, Transparenz und Ausgewogenheit verloren geht, lässt sich im weiteren Signalweg nicht mehr kompensieren.

Vor diesem Hintergrund liegt der Schluss nahe, dass der bahnbrechende Sound vieler Instrumente aus den 1950er-Jahren nicht allein auf gutes, altes Holz zurückzuführen ist, sondern vor allem auf entsprechend konstruierte Hardware.

Das erklärt auch, warum sich ein ambitionierter Gitarrenbauer wie Gerhard Schwarz, dessen Fokus auf der Wiederbelebung des Sounds aus dieser Dekade liegt, so intensiv der Entwicklung und Fertigung passender Hardware widmet.

Mit der St.-Helens-Hardware ist ihm dabei ein großer Wurf gelungen. Sie ist nicht nur formal und materiell authentisch, sondern verleiht auch zeitgenössischen Gitarren ein deutlich organischeres Klangverhalten. Und das dürfte nicht nur Vintage-Puristen ansprechen, sondern auch die, die ganz allgemein die klangliche Qualität ihres Instruments steigern wollten. Übrigens: Das angebotene Rückgaberecht ermöglicht ein Testen der Hardware auf seiner eigenen Gitarre. Bei Nichtgefallen gilt auch hier: Geld zurück!

Positiv hervorzuheben ist auch das Zubehör: Das ohnehin schon differenzierte und gut durchdachte Hardware-Programm wird durch passende Installationswerkzeuge sinnvoll ergänzt. Ich habe z. B. den Anchor Puller lieben gelernt, der mir die Gewindehülsen ganz einfach aus der Decke gezogen hat! Mein Fazit fällt daher ziemlich eindeutig aus: uneingeschränkte Empfehlung!

Plus

  • Akribie in der Konzeption
  • Klangverbesserungen
  • Umfang des Programms
  • Verarbeitung
  • Zusätzliche Werkzeugangebote
  • Zubehör

Übersicht

Fabrikat St. Helens
Herkunftsland Deutschland
Typ Hardware für E-Gitarren im Gibson-Stil
Anwendung 1:1-Austausch gegen vorhandene Hardware von Gibson-type Gitarren
Lefthand-Optionen Ja
Ausführungen Vernickelt, vernickelt aged, vergoldet, vergoldet aged (Sonderfarben auf Anfrage)
Internet www.schwarz-guitarparts.de
Zubehör „Lunchbox” aus Edelstahl
Modelle und Preise Classic Hardware Set (369 €), Wraparound DieCast Aluminium + Studs (119 € + 26 €), V-Saddle Adjustable Bridge + Posts (210 € + 48 €)

*Was ist eigentlich…?

API

API ist die Abkürzung von Advanced Plating Inc., einer Firma, die seit vielen Jahrzehnten elektrochemische Oberflächenbehandlungen und Beschichtungen anbietet und seit ihren Anfängen Gibson beliefert.

CHEMISCH-NICKEL

Chemisch-Nickel ist eine präzise, sehr gleichmäßige und technisch hochwertige Beschichtung. Sie wird stromlos aufgebracht und entsteht durch eine chemische Reduktionsreaktion – im Gegensatz zur galvanischen Vernickelung, bei der elektrischer Strom benötigt wird. Sie zeichnet sich durch eine sehr gleichmäßige Schichtdicke, hohe Korrosionsbeständigkeit und gute Verschleiß- und Härteeigenschaften aus.

UNC

Links ein originaler, 7/8“ langer Stud von 1990, rechts das etwas längere Pendant von St. Helens. (Bild: Heinz Rebellius)

UNC gehört zum amerikanischen Unified-Thread-Standard (UTS) und steht für Unified Coarse Thread, also ein grobes Gewinde. Die Angaben beziehen sich auf Threads per Inch – Gewindegänge pro Zoll. Beispiel: ½”-30 UNC bedeutet, dass auf ½ Zoll genau 30 Gewindegänge verlaufen.

VICKERS HARDNESS

Wie widerstandsfähig ein Material gegen Druck oder Verformung ist, wird in Vickers Hardness (HV), ein Maß für die Härte, angegeben.

ZAMAK

Zamak ist eine Legierung aus Zink, Aluminium, Magnesium und Kupfer – der Name setzt sich daher zusammen: ZA (Zink + Aluminium) + MA (Magnesium) + K (Kupfer). Die Legierung ist korrosionsbeständig, formstabil, gut gießbar und erhält nach dem Galvanisieren (hier: Nickel) eine glatte Oberfläche.

Das Interview gibt’s auf Seite 3…

Gerhard Schwarz in seinem Element… (Bild: Gerhard Schwarz)

Im Gespräch mit Gerhard Schwarz

„Man könnte Stunden über das Thema Hardware philosophieren, und es ist wirklich unfassbar, was ich in den letzten zwei Jahren alles gelernt habe!”, schrieb mir Gerhard Schwarz im Vorfeld dieses Artikels. Und weil ich es genauer wissen wollte, habe ich nachgehakt.

Ich nehme mal an, dass du mit der Hardware, die es auf dem Markt gibt, nicht zufrieden warst und nach neuen Wegen gesucht hast, oder?

Ja, meine Unzufriedenheit war der Auslöser für die Entwicklung der St.-Helens-Hardware. Jahrelang habe ich auf meinen Gitarren fremde Hardware verarbeitet und diese für meine eigenen Ansprüche modifiziert. Schließlich reifte die Idee, Hardware nach meinen eigenen Vorstellungen und den Ergebnissen meiner Untersuchungen herstellen zu lassen.

Wusstest du vorher genau, was du in deiner neuen Hardware suchst?

Von Musikern und Vintage-Fachleuten hört man ja immer, was gute Sounds ausmacht – und da war schon ein Vintage-Les-Paul-Sound eines meiner Ziele, sowohl im Gitarrenbau als auch bei der Hardware. Also: schlanke Bässe, ein Klangcharakter, so wie eine gute Akustikgitarre, und nicht zu spitze Höhen im Anschlag. Dann habe ich, neben der Hardware, die ich für meinen Gitarrenbau brauchte, angefangen, weitere Hardware zu kaufen, um die Unterschiede der einzelnen Hersteller kennenzulernen … und irgendwann auch mal ein paar Tausender in die Hand genommen und in originale, alte Brücken und andere Vintage-Hardware-Parts investiert. Denn man kann ja nicht sagen, ich mache jetzt authentische Hardware, ohne diese Behauptung nicht beweisen zu können. Ich habe zahlreiche Parts von Gitarren aus den 1950er-Jahren untersucht und die, die ich besonders klangstark fand, in einem Labor auf Material und Beschaffenheit prüfen lassen, und schließlich einen Hersteller in Süddeutschland gefunden, der alle Teile nach meinen Vorgaben exklusiv für mich fertigt.

War die Streuung der Produktion in den 1950er Jahren nicht groß? Die waren damals doch noch am Anfang.

Doch die Streuung war stark, vor allem durch unpräzise Fertigungen. Es gibt also durchaus verschiedene Vintage-Richtungen, was den Klang dieser Instrumente angeht. Und irgendwann muss man als Hersteller für Gitarren und Hardware für sich selbst klar haben, in welche Richtung man gehen will. Ich habe mich für eine entschieden, und andere Hardware-Hersteller bevorzugen vielleicht andere Richtungen. Ich versuche natürlich, alle meine Hardware gleich klingen zu lassen – was mit den heutigen Produktionsmethoden viel einfacher ist als vor rund 70 Jahren.

Spielte in den Anfangsjahren der Gitarrenproduktion nicht auch der Kostenfaktor eine entscheidende Rolle?

Der spielt ja fast immer eine Rolle, vor allem, wenn industriell gebaut wird. Das Zinkdruckguss-Verfahren, mit dem z.B. die Brücken hergestellt wurden, war sicherlich in der Massenfertigung relativ günstig. Aber gut für uns, denn diese Brücken klingen halt auch gut! Wobei die damaligen Produktionsverfahren natürlich grundsätzlich noch anders als heute waren. Früher wurde z. B. das Messing gegossen und dann weiterverarbeitet, während heute das gegossene Messing sehr oft erst weich geglüht wird, um es einfacher und schneller verarbeiten zu können und weniger Abrieb auf dem Werkzeug zu erzeugen. Heute bekommst du, soweit ich weiß, keine Brücke mehr, die exakt nach dem alten Verfahren hergestellt wird. Und wenn man das Messing in der Härte herstellen lassen will, die man für eine Schwingungsübertragung bzw. -dämpfung wie in den 1950ern braucht, muss man erst einmal eine Firma finden, die das heute noch kann. Und zusätzlich zu den Kosten für die Gussformen muss man in eine hohe Abnahmemenge investieren – ab einer Order von mindestens zwei Tonnen werden solche Firmen ja erst aktiv. Anders geht’s nicht.

Es gibt ja Hersteller, die Hardware aus Zinkguss fräsen. Du verwendest aber den vintage-korrekten Zinkdruckguss. Warum?

Ja. Diese Hersteller fräsen aus einem massiven Zinkgussblock das Brückengehäuse heraus und werben damit, dass keine Lufteinschlüsse vorhanden sind, sowie eine glattere Oberfläche und eine größere Konstanz gewährleistet sind. Das ist natürlich ein logisch klingender Ansatz, und es spricht an sich nichts dagegen, es zu tun. Aber das Fräs-Verfahren liefert nie das, was man von einem 1950er-Sound erwartet. Denn die typische Struktur von Zinkguss entsteht erst dadurch, dass das Material beim Druckgussverfahren mit unfassbar hohem Druck gegen eine Stahlwand geschossen wird. Dadurch verdichtet sich die äußere Schicht, und man erhält eine komplett andere Innenstruktur, als wenn das Teil aus dem Block herausgefräst wird. Gegossene Brücken sind stabiler und dadurch, dass die Außenhaut eine höhere Härte und Stabilität als das gefräste Metall hat, wirkt sich das eben auch auf den Klang aus. Und den gesuchten Klang bekommt man eben nur mit dem Druckguss-Verfahren hin. Wenn man das will. Ich sage nie etwas gegen andere Methoden, aber wenn eine Hardware, wie z. B. eine Brücke, strukturell so sein soll, wie sie früher war, kommt man um das Druckgussverfahren nicht herum.

Brücken einiger Hersteller werden auch aus massivem Messing gefräst.

Ich selbst finde Messing nicht gut, weil dieses Metall die Lebendigkeit von guten Gitarren einfach nicht so gut unterstützt wie z. B. Zinkguss. Außerdem: Wenn ein Material so stark schwingt wie Messing, entzieht es der Saite ja Energie. Das Schwermetall Zink und eine passende Zinkdruckguss-Legierung reagieren da völlig anders und lassen die Gitarre klingen. Viele Brücken auf dem Markt haben zudem verklemmte Saitenreiter- und Schrauben-Konstellationen, bei denen die Saitenreiter in die Brücke gepresst werden und dort eine insgesamt sehr verspannte Situation entsteht. Ein spannungsfreies System ist für die Klangentfaltung jedoch immer das Beste. Die Saitenreiter sollen also nicht zu fest, aber auch nicht zu locker im Gehäuse sitzen. So ist zumindest meine Philosophie.

Denkst du auch daran, Fender-style Hardware herzustellen?

Nein, zurzeit nicht. Wenn mir mal etwas Geniales einfällt, dann vielleicht. Abgesehen davon wüsste ich gar nicht, was man besser machen könnte, denn es gibt ja schon richtig gute Sachen. Zum Beispiel die Highwood-Saitenreiter für Tremolo-Systeme, Wudtone Tremolos aus England, die neue Tele-Bridge von Music City etc. Solche Hardware könnte ich auch nicht besser machen. Aber wenn dir noch etwas einfällt, was die Menschheit braucht, dann lass es mich wissen …

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)

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