Duesenberg Starplayer TV: Geschichte der Starplayer TV und Test der Balboa Pearl Red
von Heinz Rebellius,
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(Bild: Dieter Stork)
Aus Hannover trifft derzeit frische, besondere Ware in den Musikläden ein. Auf den ersten Blick scheint es sich um eine alte Bekannte zu handeln – vertraute Silhouette, vertraute Aura. Doch wer genau hinschaut, merkt schnell, dass hier einiges aufgefrischt wurde.
Bewährte Formen treffen auf frische Farben, und weitere Details verraten tatsächlich ein Facelift, das die Starplayer TV für 2026 erhalten hat. Der Duesenberg-Klassiker wird dabei nicht neu erfunden, denn Legenden wie sie brauchen keine grundsätzliche Veränderung, freuen sich aber immer über eine gelegentliche Frischzellenkur.
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BALBOA NEWS
Neben vielen neuen Farbgebungen ersetzt z. B. mit dem Sapphire Deluxe Tremola ein im Design leicht verändertes Vibratosystem das bewährte Diamond Deluxe Tremola. Außerdem ziert anstelle des vorherigen Decals nun ein metallenes D die Kopfplatte, Pickguard und Pickuprahmen sind neu designt und erscheinen auf der TV Balboa Pearl Red in einem sehr gut zu diesem Finish passenden, so genannten Custom Silver.
Der Name Balboa Pearl Red für die Farbgebung verweist nicht etwa auf Rocky, den gleichnamigen, kalifornischen Tanz oder den spanischen Eroberer Vasco Núñez de Balboa, sondern in Duesenberg-Tradition auf das kleine Balboa Island an der Südküste Kaliforniens. Denn andere Metallic-Lackierungen des Herstellers tragen ebenfalls Namen kalifornischer Inseln, wie z. B. Catalina.
Diese neuen Balboa-Farben – Rot, Blau und Grün – sind speziell für Bühnenlicht konzipiert und changieren im Stagelight auch wegen der Deckenwölbungen besonders intensiv und lebendig.
BALBOA TV
Die Starplayer TV ist in klassischer Zargenbauweise gebaut – Boden und Zargen bestehen aus Ahorn-, die Decke aus Fichtenlaminat. Von Kopf (Oberkante Kopfplatte) bis Fuß (Unterkante Tremola) findet sich das typische, stringent durchgezogene Design-Merkmal des Herstellers: die Dreistufigkeit. Selbst Pickup-Rahmen, Buchsenblech, Trussrod Cover etc. zeigen diese drei Stufen, die den Firmen-Slogan „Three Steps Ahead” symbolisieren.
Das verwendete Pickup-Pärchen hat seit über 25 Jahren nichts von seiner Aktualität eingebüßt: Domino P90 am Hals und Grand-Vintage-Humbucker in der Stegposition. Beide werden von einem zuverlässigen Heavy-Duty-Schalter gesteuert, der mit einem satten „Klack” in seine drei Positionen fällt. Einer sagte mal, dieser Sound erinnere ihn an die Gangschaltung einer Harley-Davidson – und dieser Vergleich hinkt nicht! In seiner Mittelstellung ist der charakteristische, perlige Duesenberg-Sound aktiviert, erreicht durch das Anzapfen einer Humbucker-Spule bei gleichzeitiger Bass-Absenkung.
(Bild: Dieter Stork)
Im Gegensatz zum Vorgänger hat das Sapphire Deluxe Tremola eine etwas schmalere Taille und etwas breitere Streben. Für seine Performance stehen bewährte Features ein: Toleranzfreie Kugel- und Teflonlager für die Achsen, praxisgerechter Winkel der Saiten hin zur Brücke, das Floating der Brücke, die perfekt zum System passende Feder, der aus selbstschmierendem Kunststoff bestehende Sattel, der frei in Länge und Höhe einstellbare Trem-Arm und die guten Z-Tuner sorgen für eine sorgenfreie und spielfreudige Benutzung des Tremolas in allseits guter Stimmung.
BALBOA PLAY
Eine bessere Spielbarkeit als die der Starplayer TV gibt es nicht … wenn du auf ein griffiges Halsprofil mit Medium-Maßen, relativ breite, flache Bünde (siehe Übersicht), auf eine 647-mm-Mensur und eine perfekte Abrichtung von Sattel und PLEK-bearbeiteten Bünden stehst. Diese Starplayer TV ist ein in sich stimmiges, rundum bequem zu spielendes Gitarrenwerk mit einer ab Werk sensationell flachen Saitenlage, die bei Bedarf natürlich jederzeit höher gelegt werden kann.
Und eine weitere Lobeshymne gefällig? Auch wenn das hieße, Eulen nach Athen zu tragen? Oder Pizzas nach Neapel? Okay – steigen wir also auf den Olymp, denn es geht um das Vibratosystem der Starplayer TV. Die Möglichkeiten, den Sound und die Spielweise zu beeinflussen, sind extrem vielfältig – von tiefen auslenkenden Wellenbewegungen bis hin zum obligatorischen Schimmern – alles geht, und alles geht gut!
Aber was genau macht dieses System eigentlich so faszinierend? Es ist, so glaube ich, die gelungene Kombination aus Sensibilität und Kontrolle: Das Tremola reagiert unglaublich sanft, bleibt dabei aber gleichzeitig jederzeit präzise und direkt „am Mann”. Jede Bewegung am Arm überträgt sich unmittelbar auf den Ton, lässt sich nahtlos ins Spiel einbauen und wird zu einem Ausdrucksmittel – so selbstverständlich wie z. B. Bendings, Hammer-Ons oder Pull-Offs. Hier an dieser Schnittstelle verschmelzen die Qualitäten von Tremola und Musiker zu einer Einheit – hier treffen Technik und Ausdruck aufeinander, ganz im Dienst der Musik.
BALBOA SOUND
Es ist, wie es ist: Diese beiden Pickups harmonieren einfach so gut – miteinander, und für diesen Gitarrentyp.
Hören wir zuerst dem Domino zu: Ja, er kann auch den Blues, aber schon im Clean-Betrieb kann er vor allem offen, groß und weit, und mit seiner sanften, beinahe süßlichen Note verführt er auf höchstem Niveau. Angecruncht verliert er nicht etwa seine Ansprache, sondern bleibt direkt und dynamisch und spricht nun deutlich und noch verführerischer in der Vokal-Sprache.
Auch mit Verzerrung kommt er mit einer greifbaren Definition um die Ecke und beeindruckt mit starkem vokalem Charakter, der z. B. sogenannte „smear sounds” (also „Schmier-Sounds” zweier enger Tonintervalle wie Sekunden oder Terzen) zu einem eindrucksvollen Erlebnis macht.
Der Grand Vintage Humbucker am Steg ist ein lässiger PAF-Typ, dem es ebenfalls gelingt, großzügig und weit offen zu klingen – auch clean, wo viele andere Humbucker gerne den mittig-knödeligen Knochenmann geben. Liegt dieser Eindruck am schönen, silbrigen Top-End, das den Pickup nie überhart und harsch, sondern eher gretschy erklingen lässt? Bei leichter Verzerrung öffnet sich der Sound, der Anschlag bringt einen dunklen Vokal ins Spiel, und dennoch sind stets Transparenz und Definition gegeben.
Bei der 3-Point-Vario-Brücke stehen die Saitenreiter auf drei Beinen, was Kippeln und Rappeln erfolgreich verhindert. (Bild: Dieter Stork)
Mit viel Verzerrung ist der Grand Vintage Humbucker dann aber der Chef im Ring; er macht sich breit, aber nie mit übermäßigem Mittenbrett, sondern immer noch elegant und selbstbewusst, wie mit der einen Hand in der Hosentasche. Auch hier ist das „Blooming”, also das vokale Aufblühen des Tons nach dem Anschlag, deutlich zu erhören.
In der Kombi-Stellung beider Pickups erscheint der cleane Sound eine Idee härter und mit klarerem Attack als der Hals-Pickup alleine. Im Crunch wird es unten mollig und oben strahlend, bei Distortion bleibt der Sound überraschend differenziert und transparent.
Sehr verschwenderisch geht die Balboa TV zudem mit ihrem Sustain um, das in der gesamten Frequenzbreite langsam aus- und abklingt … und dabei verführerisch wie der Gesang der Sirenen zu etwas Schimmern mit dem Sapphire Deluxe einlädt …
RESÜMEE
Die neueste Version der Starplayer TV, die wir hier im aufregenden Balboa Pearl Red vorliegen haben, hat vor allem kosmetische Updates erhalten. Auch das neue Sapphire Deluxe Tremola behält alle bewährten Features – nur wurde sein Design dezent und geschmackvoll aktualisiert. Und mal ehrlich: Was sollte man an einem so stimmigen Gesamtkonzept grundsätzlich ändern wollen?
Der umfassende Refresh der neuen Starplayer-TV-Serie animierte uns jedenfalls dazu, einen Blick auf den aktuellen Stand dieses Duesenberg-Erfolgsmodells zu werfen. Und dieser Blick hat gut getan, denn er hat wieder einmal klar gemacht, dass die Starplayer TV eine unter dem Strich faszinierende Gitarre ist, die in ihrer eigenen Klasse spielt – irgendwo im neo-klassischen Spannungsfeld zwischen Vintage und Gegenwart.
Plus
Konzept und Konstruktion
Sounds
Verarbeitung
Pickups
Vibratosystem
geringes Gewicht
Balboa-Lackierung
Zubehör
Übersicht
Fabrikat
Duesenberg
Modell
Starplayer TV – Balboa Pearl Red
Typ
Semi-akustische E-Gitarre
Herkunftsland
Kroatien/Deutschland
Mechaniken
Duesenberg Z-Tuner
Hals
Hard Rock Maple
Sattel
Synthetik, selbstschmierend
Griffbrett
Indischer Palisander, Dot-Einlagen, Binding
Radius
12″
Halsform
C
Halsbreite
Sattel 42,7 mm; XII. 51,7 mm
Halsdicke
I. 22 mm; V. 22,5 mm; XII. 24 mm
Bünde
22, (Medium-Jumbo, 2,73 x 1 mm, Breite x Höhe)
Mensur
648 mm
Korpus
Fichtendecke, Ahorn-Rücken und -Zargen, mit Sustainblock
Oberflächen
Decke: Balboa Pearl Red; Rücken: Black Burst, Hals: Black
Tolle Gitarre, meine Starplayer TV habe ich damals von meinem ersten Gehalt gekauft. Kostenpunkt mit Koffer in den frühen 2000er Jahren: 990€
Damals allerdings noch ohne PLEK Setup. Leider habe ich diese Gitarre nicht mehr und die heutigen sind preislich für mich unerreichbar geworden. Vielleicht eines Tages wieder 🙂
Tolle Gitarre, meine Starplayer TV habe ich damals von meinem ersten Gehalt gekauft. Kostenpunkt mit Koffer in den frühen 2000er Jahren: 990€
Damals allerdings noch ohne PLEK Setup. Leider habe ich diese Gitarre nicht mehr und die heutigen sind preislich für mich unerreichbar geworden. Vielleicht eines Tages wieder 🙂