FX-Setup

BRETTSPIELER: SHOW YOUR PEDALBOARD!

Und es ward Sound: Geburt, Aufstieg, Niedergang und Wiedergeburt des Pedalboards

Toys for boys: Mooer Effekte
Toys for boys: Mooer Effekte

Als Gitarrist in der heutigen Zeit ist man durchaus privilegiert: Nie zuvor war das weite Feld der Effektpedale derart gut bestellt und von so viel Erfindungsreichtum und Produktivität geprägt. Sogar komplette Sonderausgaben einschlägiger Fachmagazine widmen sich diesen kleinen, bunten Tretern …

Und schließlich stehen uns nicht nur all die großartigen Effekte der letzten Jahrzehnte zur Verfügung – ob als Clones oder Reissues, oder als nahezu unbezahlbare, alte Originale –, sondern auch eine schier endlose Anzahl kreativer Neuentwicklungen!

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Es gab aber auch einmal eine Zeit, in der die Erweiterung der Kombination aus Gitarre und Amp um ein einziges kleines, klangveränderndes Transistorgerät eine echte Revolution darstellte, die den Horizont der E-Gitarre enorm erweiterte. Seither hat das Konzept des Pedalboards die Art und Weise, in der wir Musik machen, für immer verändert.

 

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First Steps

In den frühen Tagen der elektrischen Gitarre benötigte man, wenn man den reinen Klang der Gitarre verändern wollte, ein wie auch immer geartetes elektromagnetisches Gerät. Damals gab es keine Alternative: Wenn du wolltest, dass deine Gitarre klingt, als würde sie sich bewegen, musstest du irgendetwas in Bewegung setzen. Das hatte zur Folge, dass die frühen Effektgeräte oft groß und lange nicht so handlich waren, wie wir es heute kennen.

Vor der Einführung der Transistortechnik war Elektronik eben eine umständliche Angelegenheit. Um zum Beispiel einen Tremolo-Effekt zu erzeugen, musste man eine Verbindung im Signalweg realisieren, die physisch im Wechsel den Kontakt herstellte und wieder kappte. Für ein Echo musste man – wenn man nicht gerade in einer speziellen Kammer oder Kathedrale war – einen Klang aufnehmen und ihn den Bruchteil einer Sekunde später wieder abspielen.

Pedal-History
Backbone Press, Jens Markfeld

Um einen Chorus-Effekt zu erzeugen, brauchte man einen sich drehenden Lautsprecher, oder zumindest eine sich drehende Blende davor. Schwere Zeiten also für Sound-Tüftler, wobei man zugeben muss, dass einige dieser frühen Ideen wirklich toll klangen. Einer der ersten Versuche, ein mechanisches Vibrato zu produzieren, findet man zum Beispiel in der Rickenbacker Vibrola, einer Gitarre, die Mitte der 30er-Jahre gebaut wurde.

Sie war mit einem Motor und Seilzügen ausgestattet, die die Bridge bewegten, um so einen automatisierten Vibrato-Sound zu kreieren. Doch die Gitarre wurde dadurch so schwer, dass man einen eigenen Ständer direkt ins Instrument integrierte. Zehn Jahre später wurden die ersten eigenständig arbeitenden Effekt-Boxen entwickelt, allen voran das DeArmond Tremolo Control (auch bekannt als TremTrol), das ab 1946 von Rowe Industries in Toledo, Ohio, hergestellt wurde.

Effektpedale

Dieses Gerät besaß einen Motor, der ein kleines Gefäß mit leitfähiger Flüssigkeit so in Bewegung brachte, dass es in rhythmischen Abständen geerdet wurde. Ließ man ein Gitarrensignal hindurch laufen, entstand somit ein hervorragend klingender Tremolo-Effekt. Erste Ansätze für ein mechanisches Echo finden sich im EchoSonic-Verstärker, der Mitte der 50er von Ray Butts gebaut wurde und ein integriertes Bandecho besaß.

Dieser Amp kam u. a. bei Scotty Moore (Gitarrist von Elvis Presley), Chet Atkins und Carl Perkins zum Einsatz. Schon bald sollte es aber auch externe Echogeräte, wie das Maestro Echoplex aus den USA und das Watkins Copicat aus England, geben. Beide bedienten sich derselben Tape-Loops, um die Echo-Signale aufzunehmen und abzuspielen. Im Gegensatz dazu wurde im Binson Echorec aus Italien eine sich drehende Metallscheibe verwendet. Während diese Apparate noch vergleichsweise „handlich“ waren, war der Aufwand für einen authentischen Chorus-Sound schon größer.

Schließlich musste ein komplettes Leslie-Cabinet von der Größe eines Kühlschranks transportiert werden. Eine Lösung dieses Problems ließ jedoch nicht lange auf sich warten, denn mit der Transistor-Revolution in den 60er-Jahren wurde nicht nur der Geldbeutel der Gitarristen, sondern auch ihr Rücken entlastet.

sixties pedal boom

Auch wenn die von vielen Gitarristen bevorzugte Röhrentechnik in Verstärkern nie komplett von Transistoren verdrängt werden konnte, kam es, vor allem durch deren geringe Größe und durch ihre niedrigere benötigte elektrische Spannung, zu einer wahren Explosion von kompakten klangverändernden Geräten.

Der dadurch in den 60er-Jahren ausgelöste Effektpedal-Boom ist bis heute nicht abgeflaut. Das Leistungsvermögen und die Vielseitigkeit von Transistorschaltungen ermöglichte es den Entwicklern, zunächst die sperrigen Röhrengeräte nachzuahmen und sich später von diesen Vorbildern zu lösen und in eine ganze Welt neuartiger Sounds einzutauchen.

fuzz

Die ersten Solid-State-Emulatoren waren recht gewöhnliche Geräte, die für die reine Wiedergabe des Signals ausgelegt waren. Da sich die Welt des Effekt-Designs nur langsam komplexeren Sounds öffnete, führten die Kompakt-Pedals und ihre sperrigen Vorbilder einige Jahre eine Parallelexistenz.

Der verzerrte Sound eines defekten Channel-Strips am Mischpult in Marty Robbins’ Hit ,Don’t Worry‘ von 1961 brachte den Toningenieur Glen Scotty darauf, diesen kantigen Sound, den wir heute als Fuzz klassifizieren, mit einem kleinen Pedal zu reproduzieren. Dieses Pedalboard ging 1963 unter dem Namen Maestro Fuzz-Tone in Produktion und wurde zunächst vor allem jenen Jazz-Gitarristen ans Herz gelegt, die den Sound eines Saxophons imitieren wollten.

Doch stattdessen war dieses Pedal der Anfang einer Rock’n’Roll-Revolution! Keith Richards’ Einsatz des Fuzz-Tones im 65er Hit ,(I Can’t Get No) Satisfaction‘ ist zwar das berühmteste und prägendste Beispiel einer Fuzz-Gitarre in der Popmusik, jedoch nicht das erste: Schon ein Jahr zuvor hatte Big Jim Sullivan in P.J. Probys Hit ,Hold Me‘ über ein von Roger Mayer gebautes Fuzz gespielt.

1966 brachte die englische Firma Arbiter Electronics das Fuzz Face auf den Markt, den vermutlich bekanntesten und einflussreichsten aller Fuzz-Bodentreter, in dem ursprünglich zwei MullardNKT275-Germanium-Transistoren verbaut waren, die für diesen fetten, geschmeidigen, aber leicht bissigen Ton sorgten. Unterdessen entwarf Arbiters späterer Geschäftspartner John E. Dallas ein nicht minder legendäres, aber einfacher gestaltetes Gerät:

Beim Rangemaster-Treble-Booster verwendete einen einzigen Mullard OC44 oder NKT275 Germanium-Transistor, um nicht nur die hohen Frequenzen, sondern das ganze Spektrum ein wenig anzuheben. Damit unterstütze er Musiker wie Eric Clapton und später Brian May und Tony Iommi dabei, ihre Amps in die Verzerrung zu treiben und sich in den etwas trüben Mixen dieser Tage besser durchzusetzen.

wahwah & octaver

Kreativere Formen der Sound-Gestaltung, wie das Fuzz Face, hielten in etwa zur selben Zeit Einzug. Anstatt das Signal zu boosten oder zu verzerren, wirkte man mittels Filtern auf das Frequenzspektrum der Gitarre ein.

Das WahWah-Pedal wurde zuerst 1966 von der Thomas Organ Company in Kalifornien hergestellt. Ziel war es, den „Wah-Wah“-Sound des oft mit Dämpfer spielenden Trompeters Clyde McCoy zu imitieren. Als das WahWah dann ein Jahr später in Form von Vox Wah und Cry Baby in Produktion ging, fand es auch seinen Weg in die Hände von Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jeff Beck und anderen und wurde so zu einer großen Inspiration im Rock der späten 60er- und frühen 70er-Jahre.

Das WahWah veredelte unzählige Gitarrensoli mit einer neuen Dimension der vokalähnlichen Klangbearbeitung; ganz zu schweigen von den vielen Rhythmusgitarren-Parts, denen erst durch das Wah-Pedal dieses geschmeidige Quäntchen Funkyness eingehaucht wurde. Bis heute ist das WahWah ein beliebter Baustein in vielen Effektketten. Das Octavia-Pedal war weniger verbreitet, da es ursprünglich in Handarbeit und sehr geringer Stückzahl von Roger Mayer produziert worden war.

Trotzdem wurde sein Oktave-Up-Sound – vor allem bekannt aus Jimi Hendrix’ ,Purple Haze‘-Solo – ein Markenzeichen des Psychedelic-Rock, sodass der Schaltplan bald von anderen Herstellern aufgegriffen wurde – so z.B. von Tycobrahe im Jahr 1971. vibrato Die erste wirklich erfolgreiche Nachbildung eines frühen bewegungsabhängigen, elektromagnetischen Effekts war das UniVibe. Mitte der 60er-Jahre vom Japaner Fumio Mieda entwickelt, kam es in der unter dem UnivoxLogo erschienenen Version auf den Markt. Gebaut wurde es von der japanischen Firma Shin-Ei.

Der Kern der Schaltung bestand aus einer vierstufigen, auf Fotozellen basierenden Phasing-Einheit, bei der jede Stufe jeweils in einer anderen Frequenz gestimmt war, um damit den Sound eines rotierenden Lautsprechers wie bei einem Leslie-Kabinett zu simulieren.

Gemessen am Sound eines Leslies oder eines Fender-Vibratones kann man das Uni-Vibe nicht gerade als erfolgreichen Klon dieses Effekts bezeichnen, aber für sich alleine gesehen, ist es dennoch ein hervorragend klingendes Gerät. Und Jimi Hendrix, Robin Trower, David Gilmour und andere große Gitaristen sorgten dafür, dass es bis heute seinen festen Platz in der Effekt-Historie inne hat.

filter & phaser

Es ist bezeichnend, dass alle bis jetzt vorgestellten Effekte auch Teil von Jimi Hendrix’ Signalkette waren. Hendrix war unbestritten der experimentierfreudigste Gitarrist seiner Zeit und wann auch immer er einen neuen Effekt zum Einsatz brachte, war diesem ein Platz in der Ruhmeshalle legendärer Pedale sicher.

Weitere Musiker sowie Entwickler sprangen auf den Zug auf, sodass Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre viele originelle Geräte auf den Markt kamen, die zu zahlreichen neuen musikalischen Experimenten einluden. Der Envelope Filter (auch bekannt als „Envelope Follower“ oder „Auto Wah“) wirkt aus heutiger Sicht vielleicht wie ein neuartiger Effekt, der auf Funk-Musik beschränkt ist, war aber eine Sensation als er 1972 in Form des Mu-Tron III auf den Markt kam.

Jazz- und Fusion-Gitarristen wie Larry Coryell, Herb Ellis und Pat Martino loteten die Möglichkeiten des Effekts auf kreative Weise aus und erzeugten so hippe Sounds, die nicht wirklich nach Gitarre klangen. Nichtsdestotrotz wurde der Envelope-Filter-Sound zunächst durch ein Keyboard berühmt, als Stevie Wonder ihn 1973 auf der Hitsingle ,Higher Ground‘ mit einem Hohner Clavinet einsetzte.

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Während Mu-Tron auch für sein starkes, komplexes Bi-Phase-Pedal von 1974 viele Abnehmer fand, erhielt ein anderes kleines und deutlich simpleres Phase-Shifter-Pedal Einzug in die Rigs professioneller Gitarristen. Der MXR Phase 90, ein vierstufiger Phase-Shifter, der 1972 entwickelt wurde und 1973 als erstes Produkt der Marke in den Handel ging, hatte nur einen Regler und einen Fußschalter und trotzdem einen satten Sound, der sich extrem gut mit der Gitarre ergänzte, vor allem wenn man ein bisschen Verzerrung hinzufügte.

Es ist nicht immer leicht, den genauen Gerätetyp auf den alten Aufnahmen zu bestimmen, jedoch ist sicher, dass der MXR Phase 90 von Jimmy Page, David Gilmour, Eddie Van Halen, Joe Perry und Andy Summers in den 70er- und 80er-Jahren verwendet wurde. Sein großer Bruder, der Phase 100, hingegen veredelte Songs wie ,Shattered‘ von den Rolling Stones oder ,Lost In The Supermarket’ von The Clash.

Auf der Grundlage dieses ersten Pedals erweiterte MXR das Angebot um den Distortion+, den Dyna Comp und die Blue Box und der Hersteller war auf dem besten Weg, Marktführer in Sachen Padelboard zu werden …

electro-harmonix, boss & ibanez

Doch schon Ende der 70er-Jahre hatten sich die japanischen Hersteller Boss und Ibanez zu den erfolgreichsten Marken gemausert, noch bevor sich Electro Harmonix als die wohl experimentierfreudigste Firma etabliert hatte.

Electro Harmonix wurde 1968 von Mike Matthews gegründet, einem Keyboarder, der Abschlüsse in Elektrotechnik und Betriebswirtschaft vorzuweisen hatte. Das erste offizielle Pedal der Firma war der kleine LPB1 (Linear Power Booster), der Big-Muff-Fuzz brachte der Firma dann ab ca. 1970 wirkliche Berühmtheit. Im Laufe der 70er-Jahre brachte Electro-Harmonix jede nur erdenkliche Effektart auf den Markt, einige davon in verschiedenen Ausführungen. Gleichzeitig erfand man verschiedene originelle und mitunter absonderliche Pedale.

Die Phaser Bad Stone und Small Stone, sowie der Doctor Q Envelope Filter und der Chorus Small Clone waren exzellente und beliebte Varianten ihrer jeweiligen Effekte. Spätere Entwicklungen wie der Deluxe Memory Man, ein Analog Delay mit Chorus, und der Electric Mistress Flanger waren wirklich revolutionär auf ihrem Gebiet, während extremere Experimente wie Knockout Attack Equalizer, Random Tone Generator, Frequency Analyzer, Ambitron Exciter und Soul Kiss (ein mit dem Mund zu steuerndes WahWah) zwar interessante Sounds hervorbrachten, die Gitarrenwelt jedoch nicht gerade nachhaltig veränderten.

Pedalboards
Backbone Press, Jens Markfeld

Einer der ersten Transistoreffekte, die es in Pedalform Anfang der 60erJahre gab, war eine Art Overdrive, der aber nur entfernt nach einem leicht angezerrten Röhren-Amp klang. Es dauerte noch bis in die späten 70er, bis Ibanez mit seinem TS-808 Tubescreamer (ursprünglich von Maxon hergestellt) dieses Segment revolutionierte.

Dieser legendäre Verzerrer blieb auch in Form seiner Nachfolgemodelle TS9 und TS10 extrem populär, ist bis heute vielleicht das am häufigsten kopierte Overdrive-Pedal und verkauft sich mit seinen Reissue-Modellen und modifizierten Varianten immer noch sehr gut.

Ursprünglich angetreten, einen leicht übersteuerten Röhren-Amp zu imitieren, funktioniert die Schaltung am besten in Kombination mit einem Röhrenverstärker, der schon ganz leicht in der Übersteuerung ist. Denn hier kann der Tube Screamer dann das Signal zu einem fetten, Sustain-reichen Lead-Sound formen.

Der OD-1 vom japanischen Konkurrenten Boss, der tatsächlich ein Jahr vor dem Tube Screamer auf den Markt kam, versucht einen ähnlichen Sound zu erreichen, verwendet jedoch asymmetrisches Clipping für eine schroffere Verzerrung. Dieses Pedal war nicht ganz so erfolgreich wie das von Ibanez, wohingegen das Boss DS-1 Distortion-Pedal seinen Weg u. a. auf die Effektbretter von Gitarrenvirtuosen wie Eddie Van Halen, Steve Vai und Joe Satriani fand. Insgesamt betrachtet, hat das Boss-Sortiment mit seiner breiten Produktpalette – inkl.

Klassikern wie den Chorus-Pedalen CE-1 und CE-2 oder dem Delay DM-2 – den Ibanez-Katalog überholt, auch wenn es von diesem Hersteller nach wie vor einige Pedale gibt, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Parallel zu den Entwicklungen dieser beiden japanischen Marken erschien 1979 ein Pedal namens Pro Co Rat auf der Bildfläche, das sich der nicht ganz so dezenten Verzerrung verpflichtet fühlte und damit vor allem Rock- und Metal-Gitarristen begeisterte.

multi-fx

Als Anfang der 80er-Jahre die digitale Technologie ihren Siegeszug antrat, rechnete so mancher mit einer erneuten Revolution auf dem Effektgerätemarkt, die aber nur teilweise so eintraf. Ironischerweise bedeuteten die Einsen und Nullen, die ursprünglich für unbegrenzte Möglichkeiten sorgen sollten, fast unmittelbar das Aus für die individuellen Einzelpedale.

Auf der einen Seite machte die neue Technik so besondere Effekte wie das Boss Digital Delay DD-2 von 1983 oder das Electro-Harmonix 16 Second Delay (mit einer 16-Sekunden-Looping-Funktion) überhaupt erst möglich, auf der anderen Seite kamen durch sie die Entwickler auf die Idee, mehrere Effekte – vor allem Delay- und Modulationseffekte – in 19“-Rack-Einheiten zu kombinieren. Dadurch wurde die Verwendung mehrerer Einzelpedale überflüssig.

Zeitgleich wechselten viele Rock-Gitarristen zu Rack-basierten Preamps und großen Power-Amps, verabschiedeten sich von ihren traditionellen Geräten und tauchten ein in die Welt der Stereo-Verstärkung von MIDI-gesteuerten Wet/Dry/Wet-Systemen. Für eine Weile sah es dann so aus, als sei das, was wir zweieinhalb Jahrzehnte als das traditionelle RockGuitar-Besteck kennengelernt hatten, verschwunden sei. Bis einigen Gitarristen klar wurde, wie gut die alte Technik doch eigentlich geklungen hat.

Einige Sound-bewusste Player rebellierten gegen den häufig als „kalt“ und „steril“ empfundenen digitalen Sound, andere entdeckten wieder, wie fett, definiert und dynamisch ein Röhren-Amp mit ein paar Pedalen davor klingen konnte.

Eine Platte wie Nirvanas ,Nevermind‘ von 1991, die mit Hits wie ,Smells Like Teen Spirit‘ oder ,Come As You Are‘ weltweit in den Radio-Playlists vertreten war, leistete mit ihrer unwiderstehlichen Fuzz-Box-Energie und ihren wabernden Small-CloneChorus-Sounds einen großen Beitrag zur wiederaufkeimenden Begeisterung für diese altmodischen Pedale.

Mehrere Effekte
Backbone Press, Jens Markfeld

Im Laufe der 90er-Jahre, als viele analog-besessene Gitarristen die alten Pedale wieder ausgruben und Jahr für Jahr mehr für die Sammlerstücke hinblättern mussten, entstand eine Vielzahl kleiner Pedal-Hersteller in den USA und Europa. Einerseits erfreute sich das „Klonen“ seltener und teurer Vintage-Geräte großer Beliebtheit, andererseits entwickelten einige dieser Hersteller auch spannende neue Schaltungen oder Modifikationen der alten Geräte.

Heute ist die Effektpedalindustrie größer als je zuvor und zeigt keine Anzeichen von Schwäche. Während der Vintage-Markt nach wie vor solide läuft, können sich Gitarristen mit weniger finanziellen Mitteln praktisch jeden denkbaren legendären Effekt in Form erschwinglicher neuer Fabrikate zulegen. Große Boutique-Marken wie Z.

Vex, Fulltone oder Voodoo Lab verbinden die klassischen Designs mit einer vielseitigen Funktionalität, wohingegen Hersteller wie EarthQuaker Devices, Strymon und Pigtronix quasi jeden Monat neue futuristische Sound-Beabeiter entwerfen. Darüber hinaus widmen sich Firmen wie D*A*M oder Wren And Cuff nach wie vor dem großen Feld von authentischen 60er-Fuzz-Pedalen.

Von den ersten Anfängen über das beinahe Verschwinden in den 80er-Jahren bis hin zu einem Boom, wie sie ihn sich die Entwickler der ersten Stunde niemals hätten erträumen können, ist die Popularität des Pedalboards heute größer als je zuvor. Für experimentierfreudige Gitarristen gab es nie bessere Zeiten!

 

BRETTSPIELER? BOARDTRETER? PEDALOMANIAC? Zeig uns dein FX-Setup! Anlässlich unseres Sonderhefts, dem Effektpedale ABC haben wir eure Pedalboards gesammelt!

Unter den ersten 50 Einsendern haben wir  zwei Pedale, deren Zusammenbau G&B-Autor Marc-Oliver Richter in einem Workshop Effektpedale ABC detailliert beschrieben hat: Das Ze(h)ndrive (Bausatz von www.uk-electronic.de) und DIE RAT (Bausatz von www.musikding.de) vrelost. UPDATE: Die glücklichen Gewinner der Verlosung heißen Thomas Lange und Cliff Buschhart!


 

Anton Hüttmayr:

Board von Anton Hüttmayr
Die aktuelle Version eines sich ständig verändernden Boards mit dem ich drei verschiedene Bands bespiele, das deswegen auch sehr flexibel sein muss. Basis sind ein Warwick RockCase mit integriertem Gitarrenständer. Der Strom kommt von einem T-Rex FuelTank Chameleon. Schaltzentrale ist Ein MusicomLab EFX Lite 6m Looper. Dieser bietet 4 Effektloops in Serie und 2 unabhängige Loops, ist midifähig und sehr kompakt. In der ersten unabhängigen Loop sind ein Fulltone Octafuzz und ein Roger Mayer Voodoo Vibe, danach kommt ein Dunlop Crybaby, dass über ein G-Lab True Bypass WahPad verbunden ist, von dort geht’s über einen Eingangsbuffer in die vier seriellen Loops. In der ersten befinden sich ein Xotic SP Compressor und ein ZVEX DoubleRock zum anwärmen. In der zweiten ein Weehbo Plexdrive und ein Fulltone FullDrive 2 für Crunch und Tubescreamersounds, in der dritten ein Fullto ne Plimsoul und ein EHX Memory Boy für Lead, in der vierten ein dreifach True Bypass Looper mit drei Modulationsloops, einmal die EHX Deluxe Electric Mistress und ein Mooer EQ, einmal ein EHX PitchFork Pitchshifter und einmal der Ibanez ES-2 Echoshifter und der ClinchFX PicoPre. Zum Schluss kommt die zweite unabhängige Loop des MusicomLab mit einem Blackout Effectors Twosome Fuzz und einem MXR Carbon Copy Delay, hinter dem MusicomLab hängt in einer eigenen True Bypass Loop das Line6 M9 für noch mehr Modulation, Delays, Reverb, Stereoeffekte und vieles mehr. Das M9 und der Pitchshifter hängen am AMT EX-50 Expressionpedal. Fürs Bling-bling ist ein LED-Streifen mit an Bord. Verstärkt wird der ganze Krempel wahlweise von einem 1976er Marshall JMP 2204, einem Fender HotRod DeVille und einem Marshall abstammt 60.

 

Dirk Steinbeck:

FX von Dirk Steinbeck
Letzte Woche ist mein Pedalboard fertig geworden. Home Made! Die obere Etage lässt sich mit dem Scharnier anheben sodass die unteren hinteren Effekte zugänglich sind. Das GSC-4 schaltet alle Zerrer und Effekte. Um einen sauberen Signalweg zu haben, sind diese Pedale in Loops abrufbar: Rockett Blue Note, MXR la machine, Wampler Ego compressor, TC Spark, Radial Plexitube. Gelegentlich looper ich den Plutoneium Chi Chi Wah oder setze ihn vor den Eingang des GSC-4. die Zerrer, Fuzz, Kompressor und Wah gestalten meine Bluesrock Sounds je nach Gusto. Das Signal verlässt den GSC-4 und geht über die beiden Eventide H9 dann als Stereo Signal Deich den Lehle Dual wahlweise in Dr Z Maz 18 oder Dr 2 Monza bzw in beide Amps für Stereo. Live bietet mir mein Setup eine maximale Vielfalt um vorprogrammierte Sounds mit 1 Taster abzurufen , aber auch um variabel auch sehr puristische Sounds zu kreieren. Hope you like it!

 

Peter Paechnatz:

Peter Paechnatz
Mein Pedalboard besteht überwiegend aus Okko und Vahlbrucheffekten, weil ich sie zur Zeit für die besten Effekte halte. Ergänzt werden sie durch ein Klassiker Cry Baby WahWah. Am Ende der Kette findet sich das aus meiner Sicht beste Hallgerät (hall of fame) von TC Electronic. Die Vahlbrucheffekte haben den Vorteil, dass ich sie in der Kette als Verstärkungssignal nutzen kann, wenn ich sie nicht nutze. Die Reihefolge der Effektkette entspricht amtlichen Empfehlungen. D.h. ich habe die Kette für mein Lannyverstärker ohne Effekteinschleifweg aufgebaut. Am Anfang steht der WahWah, dann kommen die Effekte, die die Dynami verändern wie Compressor, dann die Pre Distortion Effekte wie der MID- und Höhenbooster von Vahlbruch, dann die Overdrive udn Distortioneffeke Okko TwinSonic und Okko Diabolo und schließlich das beste Delay Spacetime von Vahlbruch und das Reverbgerät von TC Electronic. Einziger Fehler in der Kette ist, dass ich den Phaser zu weit vorne habe. Das ändere ich noch. Die Stärken der einzelnen Effekte, wobei ich den Amp neutral in allen Positonen auf fünf stelle. Mit dem Occa Compressor bekomme ich jeden amtlichen Jazzsound hin. Es baut beim Vorschalten ordentlich Druck auf und bürgt für einen wunderbar cleanen Stratsound in den Podipositionen von Mark Knopfler. Der Phaser von Vahlbruch zeigt einen warmen und fetten Sound, wenn ich das Gerät alleine einsetze. Die beiden Boostgeräte heben allein die Vorstufe meines Laney L5T112 Lionheart in den Mitten oder Höhen an. Der Okko Twin Sonic bietet mir die Möglichkeiten eines Dumble Sounds oder eine leichte subtile Verzerrung in den Höhen in Zusammenhang mit den Delay Spacetime von Vahlbruch, wie es Gregor Hilden so eindrucksvoll vormacht. Über den schon sehr bekannten Okko Diabolo brauche ich wohl nur zu sagen, dass er für den Womentone in Richtung Eric Clapton gute Dienste leistet. Das Delay von Valhlbruch ist einfach genial, weil es einen besseren Hintergrundsound macht als ein Hallgerät. Der Chorus von Vahlbruch leistet mir mit dem Compressor von Okko für einen Reggaesound gute Dienste. Das beste am Hall of fame ist, dass ich über mein Smartphone Sounds aus dem Internet auf das Gerät spielen kann. Mein Favorit ist dabei der Reverbsound von Robben Ford. Mit diesem Pedalboard und meinem Laney Lionheart bekomme ich jeden Sound den ich möchte.

 


 

Jörg Aufrecht:

Jörg Aufrecht
Hallo zusammen, hier mein Pedalboard: Da ich in einer Coverband spiele, muss ich schnell unterschiedliche Sounds abrufen können. Ich habe das mit dem OneControl als Schaltzentrale realisiert und zwar so, dass mit nur einem Fußtritt ein oder eine beliebige Kombination von Pedalen abgerufen und abgespeichert werden kann. Dies funktioniert mit 7 Loops vor dem Amp und drei Loops im FX-Loop. Die grundsätzliche Anordnung der Pedale sind: Gitarre–>LittleLehle(so kann das WahWah aus dem Signalweg genommen werden)–>Boss Kompressor–>TubeBlaster(gibt wunderbaren Röhrensound mit einer Vorstufenröhre da ich einen Marshall Hybridamp habe)–>Boss Bluesdriver–>Boss DS-1 Distortion–>BigMuff–>Mooer Phaser–MXR Booster. Im Fx-Loop des Amps habe ich über das OneControl das Hall of Fame–>Boss Ce-2–> Vox Delay. Den Tuner kann ich über einen seperaten Ausgang am OneControl anfahren, der ist micht im Signalweg. Zur Angleichung des Pegels von Humbucker und Singlecoil benutze ich neben den bekannten Möglichkeiten den Boss Booster. Den Lehle Sundaydriver benutze ich zum Pegelangleich meines Fx-Loop im Amp. Als Stromversorgung verwende ich das Ollmann Netzteil. Alle Pedale sind fest am Boden verschraubt und fest verkabelt. Mein Aufbau dauert daher keine 5 Minuten.

 

Horst Baatz:

Horst Baatz Board
Mein aktuelles Rock n Roll-Board ! Rockt mit: TC electronic mini tuner; Lovepedal Les Lius; Lovepedal tremolo; Wampler Plexi-drive; mxr Badass distortion; EHX nano Big Muff; EHX Pitchfork; Ibanez DD; mxr carbon copy; mxr zw chorus

 

Andreas Blasig:

FX von Andreas Blasig
Maxon Compressor-Cooler Booster! BOSS Tuner-Unentbehrlich! GLab Wah-Best Wah ever! Lehle D.Loop-Kleine Schaltzentrale & Bufferamp! T-Rex Spindoctor-Real Tube Overdrive! Gibt nix besseres! T-Rex Playback-Super Tap Delay! Way Huge Pork Loin-Nice Overdrive mit vielen tollen (versteckten) Funktionen! T-Rex Chorus/Flanger-Klingt super für Leslieartige Sounds! TC Electronic Corona-Genialer Chorus! TC Electronic Delay-Geniales Delay! T-Rex Tonetrunk PedalBoard-mit schöner Tasche!

 

Dirk Baranowski:

FX von Dirk Baranowski
Als Dozent mit eigener Gitarrenschule habe ich mehrere Boards, um unseren Schülern die Möglichkeit zu geben, einzelne Effekte kennenzulernen und “vor” neuen Investitionen herauszufinden, welche Pedale helfen ihre Soundvorstellung zu verwirklichen. Live und im Studio sind mir Ordnung, Zuverlässigkeit und Flexibilität wichtig. Jeder Slot auf dem gezeigten Board, ist quasi ein Platzhalter verschiedener Optionen. Wichtig ist hier die Position in der Kette. Außerdem verfolge ich den Leitsatz “Weniger ist mehr”. Effekte sollten einen guten Grundsound bereichern, nicht verbiegen. FX-Chain: DS Custom Interface (unbuffered) – MXR Phase90 – Mad Professor RBO – EVH 5150 OD – Boost/Vol. Control (buffered) + Vol.Pedal – DS Custom Interface Loop (auch “in line” schaltbar) : Strymon Timeline Delay (buffered) + Exp. Pedal, Strymon Flint Reverb/Tremolo, Power: Voodoolab PP2+/Digital.

 

Uwe Weber:

FX von Uwe Weber
Mein Pedalboard habe ich 2015 von Boss & Digitech auf Harley Benton umgestellt, weil diese Pedale einfach den Sound haben, den ich benötige. Zum Beispiel Der Extreme Metal von Harley Benton lässt den Boss MT2 und Digitech MEtal master in allen Zerrbereichen alt ausehen.
5 Kommentare zu “BRETTSPIELER: SHOW YOUR PEDALBOARD!”
  1. Wolf Beele

    …und jetzt kommt eine spezielle Hypothese: Wetten, dass deswegen so häufig der Ibanez Pitch Shifter auf den Pedalboards ist, weil es den mal beim Abowerben gab? …natürlich auch, weil es ein gut klingender Effekt ist! Rock on, Wolf

    Antworten
    • Stefan Braunschmidt

      Hallo Victor!
      Wir haben nun oben ein Update mit den Gewinnern eingefügt.

      Liebe Grüße!
      Stefan

      Antworten
      • Friedl Christoph

        wow, es geschehen noch zeichen und wunder.
        dürfen wir nun ähnliches für das gewinnspiel aus der marshall-sonderausgabe erwarten?
        oh, falls euch auch dieser kommentar zu kritisch ist, um ihn freizuschalten, dürft ihr euch gerne per mail bei mir und den anderen einsendern der marshall-photos entschuldigen.

        Antworten
        • Rosa Hecker

          Hey Christoph, das Marshall-Special liegt mittlerweile 5 Jahre zurück. Ich werde aber mal nachforschen, wer damals die Gewinner waren! Bester Gruß

          Antworten
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