Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
Gitarre & Bass 8/2019 Digital
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Kleinstbesteck

Test: Keeley Electronics DDR Drive Delay Reverb

(Bild: Tom Schäfer)

Klar gibt es kompakte Pedale mit kombinierten Boost/Overdrive und Reverb-Effekten, aber mit getrennt regelbaren Sektionen habe ich bislang lediglich das Analog Alien Rumble Seat und das BiltWorth BW-1 auf dem Schirm, welche allerdings größere Gehäuse besitzen und erheblich teurer sind.

Robert Keeley präsentierte kürzlich das DDR, eine Kombi aus Overdrive und Delay/Reverb, deren Module mit Drive und Wet bezeichnet sind. Während die Drive-Sektion über die gewohnten Regler Drive, Tone und Level verfügt und ein Style-Schalter die Wahl von Crunch- oder Lead-Overdrive erlaubt, bietet die Wet-Abteilung Delay und Reverb, deren Klangcharakter per Vintage/Modern Switch variiert werden kann. Somit besteht die Wahl zwischen Tape und Digital Delay bzw. Spring und Plate Reverb.

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Zur Klarstellung: Der User muss sich zwischen Delay und Reverb entscheiden. Beides simultan geht nicht, was in der Praxis auch eher selten Verwendung findet. Mangels Platz blieb Keeley nichts anderes übrig, als den Wet-Reglern Doppelfunktionen aufzubürden. Auch die dreipoligen In- und Output-Buchsen bieten Besonderes, denn über diese lassen sich externe Effekte seriell einschleifen oder die beiden Effektmodule separat z. B. in einen FX Switcher/Looper einbinden. Des Weiteren gestattet ein Schalter die Wahl zwischen True oder Trails Bypass der Delay- und Reverb-Effekte.

Mechanik

Ein stabiles Alugussgehäuse mit verschraubtem Boden umgibt das Keeley DDR. Potis, Klinkenbuchsen und Fußschalter hat man mit dem Gehäuse verschraubt. Die oberen Minikippschalter und die an der rechten Seite versenkt angebrachten Schiebeschalter für Trails und TRS Insert wie auch der Netzteilanschluss werden indes von der Platine getragen.

Trails- und TRS-Insert-Schalter (Bild: Tom Schäfer)

Die Drehknöpfe wurden auf den Alu-Achsen der hochwertigen Potis verschraubt. Das alles macht einen überaus soliden Eindruck und wurde vorbildlich verarbeitet. Zwar dürfte die relativ geringe Leuchtstärke der kleinen orangen Status-LEDs auf dunklen Bühnen ausreichen, bei hellem Tageslicht und Sonneneinstrahlung sind sie jedoch kaum bis nicht mehr zu erkennen.

Klein aber oho!

Bei mittlerer Anschlagsintensität und einem Vintage-PAF-Humbucker startet die Drive-Sektion bei komplett abgedrehtem Drive-Regler (7 Uhr) mit dezentem Anzerren, und zwar unabhängig vom gewählten Style (Crunch oder Lead Drive). Dagegen bleibt das DDR bei Vintage-Strat-Einspulern und gleicher Einstellung völlig clean. Beim Aktivieren des Drive-Moduls ist allerdings ein gewisser Höhenverlust festzustellen, den das sehr wirkungsvoll eingreifende Tone-Poti jedoch problemlos kompensieren kann. Bei zugedrehtem Drive und Level auf etwa 13:30 Uhr liefert das DDR Unity Gain, d. h. die Ausgangspegel von ein- und ausgeschaltetem Overdrive sind identisch.

Steuert man Level voll aus, hält das Pedal also noch reichlich Reserven für einen Solo-Boost bereit. Über den gesamten Regelbereich steigert Drive völlig kontinuierlich die Zerrintensität, selbst auf den letzten Millimetern nimmt sie noch zu. Klasse, denn so lässt sich der Sound fein und präzise aussteuern. Der Overdrive klingt bei jeder Einstellung deutlich nach Röhre – sehr natürlich, warm, homogen und dynamisch mit präziser druckvoller Ansprache. Was Robert Keeley hier als Crunch Style bezeichnet (modifiziertes Bluesbreaker-Pedal), mag im unteren Drive-Bereich noch zutreffen, am Ende der Fahnenstange entlocke ich dem DDR jedoch druckvoll punchende Rhythmus- und wunderbar singende, akzentuierte Leadsounds mit reichlich Potenzial für dynamisches, nuanciertes Spiel und Tonbildung.

Das Beste: Drehe ich das Volume-Poti meiner Les Paul auf 2, steht mir bei nicht übermäßigem Anschlag ein trefflicher Klarklang zur Verfügung. Ideal für „Heimwerker“: Man kann Level auf Zimmerlautstärke reduzieren, und der Röhrenamp klingt immer noch lebendig und offen bei gesunder Dynamik. Mit zunehmendem Drive greifen natürlich auch die Höhen verstärkt ins Klangbild ein. Kein Problem, Tone auf 12 Uhr und das Ergebnis stimmt wieder.

Der Lead Style, angelehnt an den legendären Tube Screamer, erhöht das Gain nur in Maßen, bringt aber einen Schub unterer Mitten, der den Sound anfettet. Zwar tönt es zunächst nicht mehr ganz so offen wie im Crunch-Betrieb, dreht man jedoch Tone z. B. auf 15 Uhr, sind Transparenz und Durchsetzungsvermögen wieder hergestellt.

Wir machen rüber und wechseln zum Wet-Modul des DDR, genauer zum Delay. Vintage bietet ein typisches Tape Delay mit bei jedem Echo kontinuierlich abnehmenden Höhen und Bässen und einem Hauch von Gleichlaufschwankungen. Dagegen wartet Modern mit einem Digital Delay auf, dessen Effektsignale klanglich nahezu unverändert wiederholt werden. Die Delay Times beider Styles sind mit jeweils (geschätzten) 10 bis (gestoppten) 1000 Millisekunden großzügig bemessen. Den Doppelfunktionen der Regler geschuldet, hat man Feedback mit Decay beschriftet. Ein Layout wie Feedback/Decay oder FB/Decay wäre sicherlich konkreter gewesen. Während Blend (Effects Level) bei 14 Uhr gleichlaute Direkt- und Effektsignale liefert, erzeugt Decay (Feedback) auf etwa 15 Uhr Endlos-Echos. Erst höhere Settings bewirken Selbstoszillationen.

Per Kippschalter aktiviert man die Reverb-Sektion, bei der Blend eine Mischung aus 100% Direktsignal bis etwa 50/50 Direct/Reverb ermöglicht. Decay bestimmt die Ausklingdauer des Halls, Tone fungiert als Höhenfilter und simuliert damit die Wandbeschaffenheit der Räume. Auch hier hätte ich mir ein verständlicheres Layout wie beispielsweise Time/Tone gewünscht. Vintage erzeugt hier einen authentischen Federhall mit den typischen mechanischen Nebengeräuschen der Spiralen, dessen Klang sich von warm bis luftig offen variieren lässt. Die Decay Time reicht hier von ca. 300 ms bis 7 Sekunden. Modern liefert einen dichten, klar und natürlich klingenden Plattenhall mit Abklingdauer von 300 ms bis zu sensationellen 50 Sekunden.

Neben erstklassigen Drive- und Wet-Sounds punktet das Keeley DDR auch mit praktischen Zusatz-Features wie den beiden seitlichen Schiebeschaltern, obgleich sich diese nur mit einem spitzen Werkzeug betätigen lassen. Trails On bewirkt, dass die Effektsignale von Delay und Reverb nach Ausschalten des Wet-Moduls nicht einfach abgeschnitten werden sondern den Regler-Settings entsprechend ausklingen. TRS Insert On ermöglicht es, über die Ein- und Ausgänge, für die ja dreipolige Klinkenbuchsen verwendet wurden, mithilfe entsprechender Split-Kabel (2x Mono- auf 1x Stereoklinke) externe Effektgeräte zwischen die Drive- und Wet-Module seriell einzuschleifen. Auf die gleiche Weise lassen sich beide Module auch separat z. B. in einem FX Switcher/Looper betreiben.

Mit Ausnahme der aufgrund ihrer Doppelfunktionen etwas unglücklich betitelten Regler lässt sich das Keeley DDR leicht und intuitiv handhaben. Problematisch wird es allerdings, wenn man spontan zwischen Delay und Reverb umschalten will. Möchte man von einem zum anderen Wet-Effekt wechseln, muss man alle drei Regler zum Teil erheblich nachjustieren um praxistaugliche Settings zu erzielen. Ich würde mir für jeden der beiden Effekte getrennte Mini-Potis ohne Doppelfunktionen wünschen.

(Bild: Tom Schäfer)

Resümee

Mit dem DDR Drive Delay Reverb hat Robert Keeley erneut ein heißes Eisen im Feuer. Drei der meistgenutzten Effekte im Kompaktformat! Ein Traum für jeden reisefreudigen und/oder -pflichtigen Gitarristen. Zudem rangieren alle drei Effekte klanglich in der Oberliga. Das Overdrive-Modul liefert vom ersten Anzerren bis zu (kultivierten) Sustain-reichen Leadsounds ein breites Spektrum an Zerrfacetten, feinfühlig einstellbar, homogen, dynamisch und durchsetzungsstark und lässt sogar einen Röhrenamp bei Schlafzimmerpegel gut klingen! Die Delay- und Reverb-Effekte stehen dem Overdrive qualitativ in nichts nach, klingen sauber und sehr natürlich und lassen sich, nachdem man die Doppelfunktionen der Decay- und Time-Regler verinnerlicht hat, intuitiv bedienen.

PLUS

  • Overdrive- & Delay/Reverb-Sounds
  • Dynamik & Durchsetzungsvermögen
  • geringe Nebengeräusche
  • flexible Anschluss- & Einsatzmöglichkeiten
  • kompaktes Format
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistung

MINUS

  • LED-Leuchtstärke
  • Reglerkorrekturen beim Wechsel der Wet-Effekte

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2019)

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