Delay Pedal

Der Gitarrensound von The Edge, die Soli von Led Zeppelin und Jimi Hendrix‘ „And The Gods Made Love“ – alles wäre nicht vorstellbar ohne das Delay-Pedal. Über dieses kleine Effektgerät, das die Band-Echos der 70er Jahre beerbt und auf keinem gut sortierten Pedalboard fehlt, informieren wir hier.

TC Electronics Flashback 2 Delay
Ein einfaches Flashback Delay von TC Electronic

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Was ist ein Delay Pedal?

Als Delay bezeichnet man einen Effekt und die ihn erzeugende Schaltung, die eine oder mehrere Verzögerungen eines von ihr verarbeiteten Direktsignals bewirkt. Das bekannteste Delay Pedal für Deine Gitarre ist das Echo.

Die einstellbare Verzögerungszeit beträgt üblicherweise zwischen 50 ms und ein bis zwei Sekunden, sodass das Effektsignal getrennt vom Direktsignal hörbar ist. Die meisten Effektgeräte können Mehrfach-Delays mit verschiedenen, einzeln einstellbaren Verzögerungen, Signalrückführungen und Panoramapositionen erzeugen.

Damit lassen sich Spezialeffekte wie Ping-Pong-Delays, rhythmische Delays, Panning-Delays usw. erzeugen. Bei manchen Delay-Algorithmen kann man die Verzögerungszeit auch als Notenlänge eingeben.

Wie funktioniert ein Delay?

Um Delay- oder Echo-Effekte zu realisieren, musste man sich in der Vergangenheit mit magnetischen Aufzeichnungsgeräten behelfen, um ein Signal aufzuzeichnen und zeitverzögert wiederzugeben. Die meisten benutzten dafür eine Mechanik, die ein zu einer Endlosschleife zusammengefügtes, magnetisierbares Tonband transportierte. Ein Tape Delay zeichnet das Originalsignal auf und spielt es verzögert ab. Im Roland Space Echo und dem Watkins Copy Cat wird dazu ein Endlos-Band genutzt.

Auch Scheiben-Echo-Geräte wurden zur Produktion des beliebten Effekts eingesetzt. Hier rotierte eine Scheibe mit magnetisierbarer Randbeschichtung, und um diese Scheibe verteilt befand sich eine Vielzahl von Tonköpfen. Nur sehr wenige Gitarristen benutzten Reel-to-Reel-Tonband-Maschinen mit Dreikopf-Technik, die einen Echo Effekt erzeugen konnten.

Sony Tapedeck als Tape-Delay
Lindsay Buckinghams Sony Tapedeck, das als Booster und Echo-Maschine herhalten musste.

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Exemplarisch seien hier Lindsey Buckingham mit seinem Tape-Recorder Sony TC-630 von 1970 oder Ritchie Blackmore mit der Aiwa TP-1011 Bandmaschine von 1969 genannt. Blackmore benutzte seine Aiwa live und im Studio auch als Pre-Amp, Buckingham ließ sich später die Input-Sektion seiner Sony-Maschine in ein kleines Pedal einbauen.

Der Vintage-Sound des Roland Space Echo wird mittlerweile auch durch den Boss RE-20 geliefert:

Robert Fripp, der Gitarrist von King Crimson, verwendete für seine langen Delays und Loops gar zwei Revox A77 – später auch B77 und andere – nebeneinanderstehend. Die linke Maschine nahm das Signal auf, das gestraffte Band lief zu der rechtsstehenden Revox, wo es aufgespult und das extrem verzögerte Signal abgenommen wurde. Diese Anordnung – auch „Frippertronic“ genannt – ermöglichte schier unglaubliche Sounds, für die Fripp und sein Bruder im Geiste Brian Eno bekannt waren.

Hier ein klassischer Aufbau der Frippertronic-Anordnung:

Erst mit Erscheinen des BBD-MN3005-Chips wurde die Erzeugung von Echo-Effekten rein elektronisch – mithilfe eines Eimerkettenspeichers – möglich. Dieses BBD hatte 4096 Stufen und ließ größere Verzögerungen als 200 ms zu, abhängig von der Taktfrequenz.

Doch wie funktioniert ein solches Analog Delay auf BBD-Basis? Jedes BBD erhält die volle externe Beschaltung nebst Trimmer für Bias und Trimmer für die Output-Symmetrie – auch „Cancel“ genannt, da hier die Taktreste minimiert werden können. Den Anfang der BBD-Kette bildet ein 1024 Stufen langes MN3007, im Anschluss dann die beiden in Reihe geschalteten MN3005 (4096 Stufen).

Bei verschiedenen Effekten werden andere BBDs aktiv benutzt. Im Delay-Mode sind alle drei BBDs aktiv geschaltet. 1024 + 4096 + 4096 ist also hier die gesamt wirksame Stufenzahl. Nach der Triple-BBD-Kaskade folgt natürlich der passende Tiefpass-Filter (sechster Ordnung) und alles geht dann über Expander, Deemphasis und Buffer zum Output.

Die Erzeugung digitaler Delays kann grundsätzlich auf zwei Wegen geschehen: Entweder volle Digitalisierung des Signals wie es z. B. die Digitaldelays DD-7 oder DD-500 von Boss, Ibanez oder DigiTech machen, oder digitale Erzeugung eines Delays und Zumischung zum analog belassenen Originalsound, wie es viele sogenannte Analog-Delays aus dem Boutique-Bereich machen.

In der Boutique-Szene ist der PT2399 der beliebteste Chip, um ein analog-klingendes Echo zu bauen. Der IC arbeitet zwar digital – es findet aber im Gegensatz zu echten Digitaldelays keine A/D-Wandlung des gesamten Signals statt. Vorteile gegenüber dem Eimerkettenspeicher-Prinzip sind eine längere Verzögerung und deutlich geringere Nebengeräusche.

Bernd C. Meiser

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Was unterscheidet ein Delay von anderen Effekten?

Ähnlich wie beim Reverb handelt es sich beim Delay um einen Verzögerungseffekt, der mittels BBD-Schaltung, früher auch mit Platten- oder Band-Echos, hergestellt wird.

Eine BBD-Schaltung kann auch für andere Effekte eingesetzt werden, die dem Delay ähneln, sich jedoch in der Art und Länge der Tonverzögerung sowie der Tonproduktion mittels BBD unterscheiden. Hervorgehoben werden kann hier der Chorus/Flanger. Der Effekt benötigt nur eine recht bescheidene Verzögerung; da reicht das 1024-stufige NM3007.

Also wird für diese Effekte das Signal schon hier abgegriffen und nicht wie beim Delay mit weiteren in Reihe geschalteten BBDs weiterverarbeitet. Danach geht es aus dem jeweils aktiv geschalteten Tiefpass-Filter auf den Expander und geht über Deemphasis gepuffert zum Ausgang. Damit entsteht eine Verzögerung von circa 2.6 – 12 ms. Ähnlich verhält es sich bei Flangern.

Marc-Oliver Richter

Welche unterschiedlichen Delay Pedale gibt es?

Das Angebot analoger und digitaler Delays ist natürlich riesig. Nachfolgend sollen jedoch ein paar Modelle erwähnt werden, die einen guten Überblick über die Funktionsweise und Einsatzbereiche des Delay Effekt Pedals liefern und die Unterschiede zwischen analog und digital verdeutlichen.

Hier findest Du Soundbeispiele einer Vielzahl aktuell beliebter Delay-Pedale, unter anderem auch der kompletten Serie von Electro Harmonix:

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Analoge Delays

Der BOSS DM-2

Boss‘ erstes Analog-Delay, das DM-2, kam im Juni 1981 auf dem Markt und war damals eine kleine Sensation. Es ließen sich Delay-Zeiten von 20 bis 300 ms einstellen. Rein formal waren der DM-2 und andere BBD-Delays aufgebaut wie Flanger, doch musste fast alles den neuen Ansprüchen angepasst werden.

Man kam um einen Kompander nicht umher, denn gegenüber den BBDs mit 1024 stages hatten die 4096-Typen merklich mehr Rauschen und nur eine eingeschränkte Dynamik zu bieten, was man nur mit einem Kompander (plus Pre-/-Einheiten) wieder wettmachen konnte. Mit niedrig werdender Taktfrequenz wird das Signal durch das BBD langsamer transportiert, was einer längeren Verzögerung gleichkommt.

Boss DM-2 Analog Delay
Der Analog-Pionier: Boss DM-2

Im Prinzip stellt die Schaltung des alten Boss-Delays das Grundprinzip aller Delays dar. Das Nachfolgemodell DM-3 ist im Prinzip gleich aufgebaut, nur das BBD mit passend zugehörigem Takt-Generator wurde durch das neuere und leistungsfähigere MN3205 sowie den neueren Kompander-Typ uPC1571C ersetzt. Auch die Konkurrenzprodukte von Ibanez, z. B. das ADL, sind so aufgebaut.

Hier der Sound eines alten DM-2 im Vergleich zum aktuellen DM-2W-Modell:

Der Ibanez AD80

Ibanez‘ Analog Delay AD80 (am Markt von 1979 bis 1981) war ein Pedal, das mit zwei 9-V-Batterieblöcken versorgt wurde. Als BBD kam der MN3005 zum Einsatz, der wie der Rest der Schaltung mit einer 12-V-Spannung betrieben wurde. Die Anhebung des Treble-Bereichs war deutlich höher als bei Boss – das konnte man auch tun, man hatte ja eine merklich höhere Betriebsspannung mit 12 Volt zur Verfügung, also auch einen größeren Headroom, der entsprechend genutzt wurde.

Nach dem BBD wurde ein Level-Trimmer geschaltet, mit dem man den „Gleichlauf“ der Kompressor- und Expander-Kennlinie einstellen konnte, damit diese auch wirklich spiegelbildlich zueinander arbeiten. Bei den Effektpedalen von Boss verzichtete man hingegen auf diesen Trimmer. Dank einer aufwendigeren Konstruktion des Filterblocks und der Parameter-Belegung schafft Ibanez es, auf eine immerhin 400 ms lange Delay-Time zu kommen.

Bernd C. Meiser

Ibanez AD-80 Analog Delay
Analog-Echos müssen pink sein – hier der Boss-Konkurrent Ibanez AD80.

Hier ein Strat-Sound mit AD80, ein Hauptgewinn für Vintage-Fans:

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Digitale Delays

Der Line 6 DL4

Der Delay Modeler DL4 beherrscht die digitale Simulation der bekanntesten und beliebtesten Hall-Klassiker, die teilweise nicht mehr mit noch so viel Geld und guten Worten abzustauben oder gänzlich vom Markt verschwunden sind. Line6 simuliert diese Effekte zwar, allerdings bleiben deren mechanische Probleme auf Wunsch außen vor. Der Delay Modeler kommt mit 15 Delay-Presets und einer maximalen Delay Time von 2,5 Sekunden.

Die vier stabilen Fußtaster aus Metall rufen im Delay-Modus drei Programme auf, mit dem ganz rechten (Tap Tempo) lässt sich durch zweimaliges Treten die Delay-Zeit auf das Song-Tempo abstimmen. Ab Werk ist der Delay Modeler mit True Bypass geschaltet, was bedeutet, dass im Bypass-Modus das Eingangssignal der E-Gitarre direkt auf den Ausgang geroutet wird, die Delay-Wiederholungen somit nicht ausklingen können.

Udo Klinkhammer und Dieter Roesberg

Beispiele für die verschiedenen Einstellungen des DL4 sind hier versammelt:

Einen ausführlichen Test des DL4 gibt es bei uns zum kostenlosen Download!

Der Strymon TimeLine

Beim Strymon TimeLine erwarten uns unter anderem erstklassige AD- und DA-Wandler, ein super flinker Signalprozessor, sowie ein parallel zur Echoerzeugung nutzbarer Looper. Das kompakte Alugehäuse stellt über acht Regler, einen Stufendrehschalter für die Delay-Auswahl, ein Display, drei Fußtaster ohne merklichen Druckpunkt, verschraubte Klinkenbuchsen und zwei MIDI-Anschlüsse die Kommunikation zwischen Device und Außenwelt her.

Das Original-Signal bleibt immer auf der analogen Ebene und damit auch völlig latenzfrei. Man hat die Wahl zwischen Relais-gesteuertem True Bypass und analog gepuffertem Bypass mit schaltbarer Trials-Funktion, bei der die Echos beim Abschalten noch ausklingen. Trickreich gibt sich auch die Eingangs- und Ausgangsschaltung.

Mit einem Mini-Schalter auf der Rückseite lässt sich von Voll-Stereo auf Mono umschalten, wobei im Mono-Modus die nun freien Anschlüsse einen Pedal-internen Einschleifweg für ein weiteres Effektpedal bilden. Ein Expression-Pedal oder ein externer Fußschalter zur Parameter-Steuerung oder Tap-Tempo-Eingabe kann ebenfalls angeschlossen werden.

Strymon TimeLine Digital Delay Pedal
Strymon TimeLine Digital Delay Pedal

Thomas Jeschonnek

Hier präsentiert der Hersteller seinen TimeLine:

Auch zum TimeLine-Modell findest Du einen ausführlichen Test zum freien Download bei uns!

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Wie werden Delay Pedale eingesetzt?

Delay Effekt Pedale sind vielseitig einsetzbar. Die Gitarren-Effekte eignen sich in Kombination mit einem Reverb dazu, großflächige Klangmuster zu erzeugen, die vor allem im Post-Rock und in diese Elemente adaptierenden Stilen verbreitet sind. Andererseits kann die rhythmische Wiederholung des Eingangssignals eines Delays auch so gesteuert werden, dass eine gewisse Dopplung des Eingangsriffs erzeugt wird. Damit lässt sich der Delay-Sound auch bestens für rhythmische Passagen nutzen. Völlig klar ist, dass auch Melodielinien durch den Einsatz des Delays gewinnen.

Was Du mit Deinem Delay anstellen kannst, siehst Du hier:

Delay-Effektgeräte werden auch in der Produktion von elektronischer Musik und als DJ-Equipment eingesetzt. Hier wird das Eingangssignal zumeist von Synthesizern produziert und mit einem Delay modelliert.

Ein schönes Beispiel für den Einsatz eines Strymon TimeLine mit Synthesizer findest Du hier:

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Welches Delay verwendet The Edge?

The Edge (U2) ist bekannt für seinen charakteristischen Delay-Sound. Dieser bedarf klarerweise einer feinen Modellierung mittels Effektpedalen und ergibt sich auch aus dem restlichen Setup von The Edge. Eine hinreichend ähnliche Klangfarbe ist jedoch schon mit einem passend eingestellten Electro Harmonix Memory Man oder anderen, nicht zu exklusiven Pedalen zu mischen.

Hier sind ein paar Klangbeispiele mit den für sie nötigen Effektpedalen und Einstellungen:

Delay für den Bass?

Obwohl Delay-Effekte bei der Gitarre weit verbreitet sind, findet man sie beim E-Bass eher selten. Das hat damit zu tun, dass Delays den Sound sehr breit, flächig und bisweilen schwer kontrollierbar machen. Bei Gitarren-Melodien entsteht so eine besonders dichte Atmosphäre, die dem Spiel häufig mehr Ausdruck verleiht, am Bass sind Delays hingegen nicht unproblematisch: Die tiefen Töne des Basses fangen schnell an zu matschen und büßen an Ortbarkeit ein. Delays kommen für die meisten Bassisten daher nur für hohe Melodie-Läufe in Frage, bei denen sie einen ähnlichen Zweck wie bei der Gitarre erfüllen.

Da sich diese Aufgabe allerdings auch mit einem Gitarren-Delay-Pedal bewältigen lässt, gibt es so gut wie keine Delay-Effekte, die speziell für den E-Bass gedacht sind.

Andreas Sindt

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