Kleine Früchtekiste

Crazy Tube Circuits Orama im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Dass sich Crazy Tube Circuits dem „Amp in a Box”-Prinzip verschrieben hat, ist grundsätzlich nichts Neues. Doch was passiert, wenn sich zu einem wahren Amp-Klassiker noch ein ebenso kultiges Fuzz-Pedal gesellt?

Beim Orama haben wir es grundsätzlich mit der Nachbildung eines Orange OR120 sowie einem Fuzz zu tun, das wiederum dem Peach Fuzz von Frantone nachempfunden wurde. Dieses Pedal war in den frühen 1990er-Jahren nicht nur einer der Wegbereiter für die Welle späterer Boutique-Pedale, sondern auch ein Standard-Verzerrer in zahllosen Rigs verschiedenster Rock- und Grunge-Bands der 1990er-Jahre.

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Da Fran Blanche die Herstellung ihrer Pedale von 2009 bis 2017 pausierte, entwickelte sich das Peach Fuzz schnell zu einem gefragten Gerät auf dem Gebrauchtmarkt.

ORANGE & PFIRSICH

Der Aufbau des Orama (griechisch für „Vision”) ist im Grunde recht simpel: Auf der linken Seite befindet sich die „OR120-Hälfte”. Neben Potis für Lautstärke, Gain, Höhen („kHz”) und Bässe („Hz”) verfügt sie noch über zwei Regler mit den Abkürzungen „F.A.T.” und „H.F.D.”. Dabei handelt es sich natürlich um eine Anspielung auf die Nomenklatur der alten Orange-Verstärker wie dem OR120.

Der F.A.T.-Drehschalter (steht für „Fatness Adjustment Tweak”) legt mit seinen sechs Rastpunkten fest, wie viele Bässe und Tiefmitten in die Gain-Stage des Pedals gelassen werden. Das „High Frequency Dynamics”-Poti arbeitet dagegen im Wesentlichen wie ein Presence-Regler und soll für zusätzlichen Biss sorgen.

Auf der rechten Pedalseite befindet sich die Fuzz-Sektion, die mit lediglich drei Reglern für „Volume”, „Fuzz” und „Tone” deutlich simpler gestaltet ist. Mithilfe eines kleinen Mini-Schalters lässt sich zwischen den beiden Voicings „Burn” und „Raw” wählen. Beide Hälften des Pedals sind individuell mit einem Soft-Style-Schalter aktivierbar, sodass jede Hälfte unabhängig genutzt werden kann.

Für etwas mehr Flexibilität in der Kooperation mit dem restlichen Pedalboard hat das Orama einen seriellen Einschleifweg verpasst bekommen. Alle Anschlüsse sind auf der Stirnseite angebracht. Insgesamt macht das knapp 400 g schwere Pedal einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck.

(Bild: Dieter Stork)

Im Inneren befinden sich zwei große Platinen, die übereinanderliegend montiert wurden. Interessant ist, dass die untere Platine mit einer Abdeckung aus transparentem Kunststoff versehen wurde – vermutlich als Isolationsschutz, um mechanische Kurzschlüsse mit dem Gehäuse sicher zu verhindern. Spannend ist auch, dass die 9 Volt des Netzteils intern auf 34 Volt hochgejubelt werden, um mehr Headroom zu ermöglichen.

OBSTSALAT

Beginnen möchte ich mit der Orange-Seite. Für den Test habe ich das Orama vor einen gänzlich cleanen Verstärker geschaltet. Ich beginne am Pedal mit fast ganz zugedrehtem Gain-Regler. Zu hören ist ein Sound, der erstaunlich sauber klingt, aber den typisch trockenen Orange-Charakter deutlich hervorscheinen lässt. Die knurrenden Tiefmitten und die eher weichen Höhen lassen eindeutig erkennen, woher hier der Wind weht.

Wenn man den Gain-Regler weiter aufdreht, produziert das Orama einen schönen, offenen Crunch-Sound, der ordentlich Schub bietet, aber den Klangcharakter unterschiedlicher Gitarren wunderbar erhält. Das Zusammenspiel aus Gain-Regler und F.A.T.-Drehschalter erweist sich als ausgesprochen praktisch. Je nach Bassgehalt der Gitarre lässt sich der Sound bei Bedarf entschlanken, ohne dass das Ergebnis zu ausgedünnt klingt.

Mit Gain auf Vollanschlag liefert die linke Seite des Orama einen schönen, satt-mittigen Overdrive, dem die bereits erwähnte Transparenz auch hier nicht abhandenkommt. Kurz gesagt: Vor einem richtig cleanen Verstärker und in Kombination mit einem Reverb im Effektweg würde mir dieses Pedal als Zerr-Grundsound absolut ausreichen.

Die Fuzz-Seite des Orama hingegen lässt mich zunächst ein wenig ratlos zurück. Der Sound klingt zwar unglaublich fett, in den Mitten ist er aber so zurückgenommen, dass die tonale Information ein wenig auf der Strecke bleibt. Hier ist ein wenig Feingefühl im Umgang mit dem Tone-Regler erforderlich, um einen Sweet Spot zu finden, in dem der Sound wieder etwas mehr Mitten erhält, ohne in den Höhen zu scharf zu klingen.

Der kleine Voicing-Schalter bietet die Wahl zwischen viel Low-End („Raw”) und noch mehr Low-End („Burn”). Dieser Effekt relativiert sich jedoch, wenn man beide Seiten des Orama aktiviert. Hier wird der Bassgehalt der Fuzz-Hälfte ein wenig in die Schranken gewiesen, und mittels der Klangregelung lässt sich auch die Mittenbadewanne wieder ein bisschen mit Ton füllen. Mir hat das Fuzz tendenziell eher für Soli- oder Lead-Passagen gefallen, da die Kompression und das Sustain hier eine gute Basis für wilde Eskapaden bieten.

RESÜMEE

Grundsätzlich liefert Crazy Tube Circuits mit dem Orama wieder einmal ein tolles Pedal ab. Dessen eine Hälfte könnte vor allem als Plattform für einen Grundsound dienen. Die Nachbildung des Orange-OR120-Amps finde ich durchaus gelungen und kann mir gut vorstellen, dass sich mit diesem Sound allein schon ein ganzer Konzertabend bestreiten ließe.

Wenn man nun auch noch die Fuzz-Hälfte des Pedals hinzunimmt, bekommt man eine enorme klangliche Flexibilität geboten, ohne dass der Sound auch nur im Entferntesten gewöhnlich oder gar langweilig wird. Die Nachbildung des legendären Peach Fuzz klingt mit ihrem etwas überbordenden Bassgehalt durchaus speziell, was bei Fans dieses Sounds aber mit Sicherheit auf Begeisterung stoßen wird. Zusammengeschaltet harmonieren beide Pedalsektionen wunderbar miteinander, sodass sowohl Frantone- als auch (Vintage-)Orange-Fans hier auf ihre Kosten kommen.

Plus

  • hohe klangliche Flexibilität
  • Verarbeitung
  • F.A.T.-Schaltung sehr wirkungsvoll
  • Konzept
  • kaum Nebengeräusche
  • FX-Loop

Minus

  • Standalone-Fuzz-Sounds etwas undefiniert

Übersicht

Fabrikat Crazy Tube Circuits
Modell Orama
Typ Preamp/Fuzz-Pedal
Herkunftsland Griechenland
Gehäuse 119 x 96 x 52 mm
Regler Master, H.F.D., Gain, F.A.T., Hz, KHz, Volume, Fuzz, Ton
Anschlüsse In, Out, Send, Return
Schalter 2x Bypass, Minischalter für Burn/Raw
Stromzufuhr 9V DC (Minuspol innen, max. 82mA), nicht im Lieferumfang enthalten
Preis (Street) ca. € 289

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)

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