Ausgezeichnete Ergonomie trifft auf ausdrucksstarken Klang

Vom Schleier keine Spur: Meta Guitars Veil-B6 Short Scale im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Aufsehenerregend, individuell und innovativ – so lässt sich der französische Hersteller Meta Guitars am ehesten beschreiben. In diesem Test habe ich das Vergnügen, mir vom Entwicklergeist und Fortschritt einen eigenen Eindruck zu machen. Das Testobjekt ist dabei ein etwas untypischer „Short“-scale Bass.

Es ist etwas über zwei Jahre her, dass ich das erste Mal ein Instrument aus dem Hause Meta Guitars in den Händen hielt. Nachzulesen sind meine Eindrücke in der Ausgabe 2/2024. Damals war ich bereits sehr angetan vom Konzept und der Verarbeitung. Lediglich mit der Hardware konnte ich mich nicht so recht anfreunden. In diesen zwei Jahren war man bei Meta Guitars aber nicht untätig und hat an vielversprechenden Detailverbesserungen gearbeitet.

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METAEBENE

Frederic, kurz „Fred“, ist ein sympathischer Zeitgenosse, dessen Leidenschaft und Tatendrang für sein Handwerk und die Musik im persönlichen Gespräch sofort deutlich werden. Auf dem letztjährigen Guitar Summit konnte ich bereits einen Blick auf die Neuentwicklungen werfen, für ausgiebige Tests bleibt zuhause aber natürlich viel mehr Zeit.

Beworben wird diese sechssaitige Version des Modells „Veil“ als Shortscale-Bass, das ist jedoch etwas Interpretationssache. Anders als für Sechssaiter üblich ist das Instrument nicht auf HEADGC, sondern EADGCF gestimmt, wobei sich die Fächerung der Mensur auf 34″-31,5″ beläuft. Für die E-Saite ist somit die reguläre Longscale-Mensur gegeben, nach oben hin beginnt dann der Short- bzw. Mediumscale Bereich. In den meisten handelsüblichen Gitarrentaschen sollte der Bass Platz finden, zumindest war dies bei meinen Taschen kein Problem. Ein angenehmer Vorteil von kopflosen Designs, so bleibt das Packmaß kleiner.

Geliefert wird der Bass in einem hochwertigen Softcase von Gator, mit hochwertigem Einstellwerkzeug sowie einem Echtheitszertifikat, das auch über die Spezifikationen des Instruments Auskunft gibt.

Mit etwas über 4 kg ist das Exemplar zwar kein super Leichtgewicht, aber keinesfalls schwer oder gar unhandlich. Im Gegenteil.

Durch den massiven Lindekorpus besitzt der Bass eine gute Gewichtsverteilung mit leichtem Hang zur Hecklastigkeit und bleibt so stets in einer für mich angenehmen Spielposition. Für längere Sessions bevorzuge ich allerdings auch im Sitzen einen Gurt. Das liegt vornehmlich an meiner Präferenz für höhere Spielpositionen und weniger an der Ergonomie des Instruments. Letztere ist nämlich ausdrücklich positiv hervorzuheben – nicht nur in puncto Balance, sondern auch in Bezug auf Hals und Bespielbarkeit.

(Bild: Dieter Stork)

Der angeleimte Hals aus Kirschholz endet in einem großzügigen Cutaway, das uneingeschränkten Zugriff auf die höchsten Lagen liefert. Mit Blick auf die Stimmung und Saitenzahl lädt der Bass so zum Akkordspiel ein, sei es nur als Fill oder aber als Hauptbestandteil des Spiels. Dank der butterweich verrundeten Bünde und des flachen Halsprofils sind schnelle Lagenwechsel auch kein Problem. Wohl auch wegen des „Novums“ der Besaitung nutze ich diese Möglichkeiten auch recht oft und ertappe mich dabei, wie ich, ähnlich wie beim Spiel auf der Gitarre, auch mal volle Akkorde oder sogar kleinere Ausflüge ins Shredding zum Besten gebe.

(Bild: Dieter Stork)

Auf dem kleinen Kopfstück, das passend zum Korpus im gleichen Türkis lackiert ist, prangt nicht nur das Herstellerlogo, es bietet auch eine weitere Funktion. Rückseitig befindet sich ein magnetischer Deckel, der zum einen den Zugang zum Halsstab verdeckt sowie auch die Saitenaufnahme. Anders als bei vielen anderen Headless-Lösungen werden die Saiten hier nicht am Sattel geklemmt, sondern an der Bridge und am Sattel werden lediglich die Ball-Ends gehalten. Bei früheren Modellen von Meta wurde eine Brückenkonstruktion verbaut, die sowohl beim Saitenwechsel als auch beim Setup sehr fummelig zu bedienen war. Mittlerweile verbaut Meta eine clevere Konstruktion aus eigener Entwicklung.

(Bild: Dieter Stork)

Der Grundgedanke hinter der neuen Hardware ist, sie so bedienfreundlich wie möglich zu gestalten. Zu diesem Zweck ist sie so konzipiert, dass nur ein Sechskantschlüssel in einer einzigen Größe erforderlich ist, um alle relevanten Änderungen vornehmen zu können. Zum Verstellen der Saitenhöhe wird einfach das Spokewheel mit dem eingesteckten Schlüssel gedreht. Das Vorgehen dürfte vielen von den korpusseitig zu bedienenden Halsstäben einiger Instrumente bekannt sein. Mit der gleichen Schlüsselgröße werden auch die Madenschrauben zum Klemmen des offenen Saitenendes sowie die unter den Rändelschrauben „versteckten“ Schrauben zur Einstellung der Intonation bedient.

Das Konzept gefällt mir gut, macht einen wertigen Eindruck und funktioniert in der Praxis ausgezeichnet. Dass die Rändelschrauben farblich zu den Messingelementen am Sattel, der Bridge und den Side-Dots am Griffbrett passen, zeugt von einem guten Auge für Details und rundet das Design geschmackvoll ab. Das Gleiche gilt für die Potiknöpfe und Pickup-Abdeckungen, die aus dem gleichen Holz wie Hals und Griffbrett gefertigt sind. Man bekommt den Eindruck, dass hier gezielt mit Farbpaletten gearbeitet wird, um ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Gefällt! Unter den Spulenabdeckungen befinden sich Nordstrand-Big-Blade-Tonabnehmer, die für einen kräftigen Sound sorgen sollen.

Sound und Resümee auf Seite 2

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