Gregor Hilden

Gregor Hilden gehört zu den besten Blues-Gitarristen dieses Landes. Vor allem Anhänger der gepflegteren Stilistik wissen die Gitarrenkunst von Gregor Hilden zu schätzen.

Gregor Hilden

Gregor Hilden gehört nicht zu den Musikern, die sich als reine Künstler verstehen. Ihn hat schon immer auch das Geschäft interessiert. Also kümmert er sich nicht nur um die eigene Karriere, um Auftrittsmöglichkeiten, die Veranstaltungsreihe „Greg’s Bluesnight“, seine CD-Produktionen und die Promotion allgemein, er ist auch als Sammler und Händler bekannt.

Seine weiße eBay-Bewertungs-Weste ist makellos; die von Gregor Hilden hier regelmäßig angebotenen Gitarren & Amps sind teils sehr gesuchte, teure Stücke. Und bei seinen Auktionen, wie auch im Shop von www.gregorhilden.de, findet man neben einem breiten Angebot an eigenen Aufnahmen auch CDs des legendären Tele-Players Danny Gatton, für die Hilden den Vertrieb übernommen hat.

Die Website von Gregor Hilden bietet auch einen Einblick in die exquisite Equipment-Sammlung des blauen Münsteraners: Da findet man nette Kleinigkeiten wie eine 1959er Les Paul Standard, eine ‘68er Goldtop, eine ‘59er Reissue, eine 1957er Les Paul Special, eine 1970er Telecaster Thinline, Strats, Zemaitis-Gitarren und, und … die mindestens ebenso edlen Amps sparen wir uns jetzt mal.

Und da ist noch eine wunderschöne Gibson ES-335 in Sunburst, Baujahr 1958, eines dieser schlichten, schönen und vor allem sehr gesuchten semiakustischen Modelle mit einfachen Punkteinlagen im Griffbrett.

„Man kann Rock mit ihr spielen, natürlich Blues, aber auch jazzige Sachen. Die ES-335 ist grundsätzlich eine sehr universelle E-Gitarre. Natürlich hat so ein altes Instrument darüber hinaus noch eine sehr spezielle Magie – und es ist natürlich eingespielt. Dass sich die molekulare Struktur des Holzes durch die übertragenen Schwingungen der Saiten über die Jahre verändert, ist ja inzwischen bekannt. So eine alte, viel gespielte Gitarre klingt einfach anders.“

Neben Anschlag & Vibrato, die für Gregor Hilden zentrale Pfeiler gitarristischen Ausdrucks bedeuten, sind auch Dynamik & Ton ihm sehr wichtig zwei musikalische Aspekte, die wesentlich vom Instrument selbst mitgeprägt werden. Und da greift Gregor gerne auch mal etwas tiefer in die Tasche: „Ich habe die Gitarre vor einigen Jahren in den USA gekauft. Damals war sie noch erschwinglich und hat wesentlich weniger gekostet, als sie heute wert ist.“

Was übersetzt heißt: Ein ansehnliches Exemplar der Gattung 1958er Gibson ES-335 kostet heute zwischen 15.000 und 23.000 $ – Tendenz steigend. Und dabei kann man nicht oft genug betonen, dass es sich bei solchen Sammlerstücken nicht zwingend auch um erstklassige Instrumente handelt.

„Aber bei Gibson-Gitarren der 50er Jahre habe ich noch keine wirklich schlechten Exemplare in der Hand gehabt“, meint Gregor Hilden. „Vielleicht liegt es aber wirklich daran, dass sie gespielt wurden und immer besser wurden. Und letztendlich ist es ja dann auch der Musiker, der den Ton macht. Wenn Leute auf Sessions mal mit meiner Gitarre spielen, dann klingen sie anders als ich. In jedem Fall kann so ein gutes altes Instrument sehr positive Dinge bei einem Musiker auslösen. Und wenn man solche Gitarren mag, dann inspiriert das natürlich. Diese Magie, alleine schon die optische, macht eine Menge aus.“

Was die Saitenstärken angeht, hat Gregor Hilden seine Vorlieben verändert. „Bei meinem ersten Album, das 1994 erschien, habe ich noch .009er-Sätze verwendet; und die Marke war mir damals egal. Dann kamen .010er-Saiten und seit zwei Jahren spiele ich überwiegend D’Addario-Sätze von .011 bis .052. Angeschlagen werden sie mit Dunlop Plektren in 2mm Dicke.“

Bei der Verstärkung fährt Gregor Hilden (live via A/B-Box) gerne zweigleisig. Zu seinen Favoriten für Lead-Sounds zählen zwei alte Kitty-Hawk-Combos (Standard und Junior), die klanglich und konzeptuell an Dumble-Amps angelehnt sind. Daneben zählen Fender-Amps wie der Vibrolux, insbesondere wegen des Clean-Sounds, zu seinen bevorzugten Verstärkern. Gelegentlich kommt noch ein Boss-Bluesdriver-Pedal (BD2) davor, etwas Hall, und das war’s. Alles andere ist Handarbeit.

http://www.gregsguitars.de/de/

Aus: Gitarre & Bass 05/2005