Boss Effekte

Geschichte, Seriennummern, Katalog & Zubehör: Hier erfährst du alles über Boss Effekte, die gefragtesten Effektgeräte auf dem Markt!

Boss Logo

Die Erfolgsstory der kleinen Treter wurde immer nur kurzfristig von moderner erscheinenden Technologien getrübt und die Boss-Pedale sind, so scheint es zumindest, letztendlich immer wieder gestärkt aus solchen Situationen hervorgegangen.

Boss BD-2 Blues Driver
Boss BD-2 Blues Driver

Boss ist nicht allein der uneingeschränkte Boss in den Effektbrettern dieser Welt. Da müssen in einem Atemzug vor allem Ibanez und DOD genannt werden, die ebenfalls über all die Jahre gute Effektpedale hergestellt haben.

Aber Boss, der von der engen Zusammenarbeit mit Mutterfirma Roland profitiert hat, ist sicherlich der innovativste und bestimmt der erfolgreichste Effektpedal-Hersteller. Schließlich hatte Boss immer wieder zur richtigen Zeit das richtige Pedal am Start. Nur einmal nicht: Der kultigste aller Verzerrer ist bis heute der Ibanez Tubescreamer TS-808 in seinen verschiedenen Inkarnationen geblieben. Und an dieser Position kann bis heute – ob zu Unrecht oder nicht, sei einmal dahin gestellt – kein SD- oder OD-Pedal von Boss rütteln.

<< Inhaltsverzeichnis >>

Boss-Story: Die Geschichte von Boss

Die Farben der Boss Effekte

Taschenbücher: Der Boss Katalog

Multi Bosse: Boss Multieffektgeräte

Helferlein: Boss Zubehör

Boss DS-1

Geheimtipp: Boss LS-2 Line Selector?

Boss Seriennummern

 

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Boss-Story: Die Geschichte von Boss

1976 wurde Boss als ein eigenständiger Firmenzweig des japanischen Musikelektronik-Herstellers Roland gegründet. Schon vorher gab es unter der Firmierung Roland einige Bodenpedale, die heute legendären Ruf genießen. Rolands AF-100 BeeBaa Fuzz, AF-60 BeeGee Fuzz/Booster, der AG-5 Funny Cat Verzerrer/Autowah, AP-7 Jet Phaser, AP-5 Phaser Five, AP-2 Phase II, AS-1 Sustainer, AW-10 Wah Beat und AD-50 Double Beat Fuzz Wah waren üppig ausgestattete und optisch dem Terminus „Tellerminen“ entsprechende Effekte, die zum Teil recht extreme Sounds zu Gehör brachten.

Schließlich waren die 60er Jahre gerade mal vorbei und psychedelische Waber-Klänge und kreissägenartige Zerr-Sounds vor allem in Japan sehr gewünscht. Das allererste Produkt von Rolands neuer Abteilung war jedoch nicht etwa ein Effektpedal, sondern ein Pickup für Akustik-Gitarre mit zusätzlichem Preamp, der The Boss hieß und nach dem die komplette Abteilung benannt wurde. Doch schon bald wurde es bunt und die ersten Boss-Effekte liefen vom Band.

Mit dabei Geräte, die sich heute nicht nur etabliert, sondern auch legendär nennen dürfen. Wie z. B. der CE-1 Chorus, der beliebteste Pedal-Chorus weltweit. Die erste Serie bestand aus eben jenem CE-1, DB-5 Driver (Distortion), DM-1 Delay Machine und BF-1 Flanger. Schon bald wurde die Gehäuseform auf die heute noch (!) verwendete umgestellt – die Boss-Designer hatten damals schon ein gutes Gespür für zeitlose Designs.

Noch ohne den rechten Boss-Stil: DB-5 Driver aus der ersten Boss-Serie
Noch ohne den rechten Boss-Stil: DB-5 Driver aus der ersten Boss-Serie

Und die Serie wurde um weitere Klang- und Gehäuse-Farben erweitert: CS-1 Compressor, PH-1 Phaser, OD-1 Overdrive, SP-1 Spectrum (parametrischer Filter), DS-1 Distortion, NF-1 Noise Gate, SG-1 Slowgear (lässt das Eingangssignal langsam anschwellen, wie Violineffekt), TW-1 Touch Wah, GE-6 Equalizer und eine aktualisierte Version des CE-1, der CE-2 Chorus.

Zwei Pedaleffekte ergänzten das Treter-Programm: PW-1 Rocker Wah und PD-1 Rocker Distortion Pedal. Letztgenanntes ist ein reiner Verzerrer, dessen Zerrintensität mit dem Pedal geregelt werden kann. Diese Effektgeräte hatten im Vergleich zur damaligen Konkurrenz einige bahnbrechende Neuerungen aufzuweisen: Sie besaßen z. B. einen serienmäßigen Netzteil-Anschluss. Außerdem war das Batteriefach direkt und ohne Abschrauben der Bodenplatte zugänglich, und erstmalig wurde ein knackfreier, elektronischer Fußschalter verwendet.

Völlig neu war die so genannte Battery-Check-LED, die anfangs beim Einschalten des Effektes nur kurz aufleuchtete und damit „Batterie ok“ signalisierte! Erst in späteren Serien sollte diese LED bei eingeschaltetem Effekt als „Effekt On“-Indikator permanent aufleuchten. Die Bezeichnungen der einzelnen Geräte änderten sich im Laufe der Zeit immer nur dann, wenn ein Gerät in einer technisch verbesserten Version vorgestellt wurde.

Die meisten Effekte der ersten Generation wurden in den Folgejahren nahezu unverändert angeboten. Dennoch weiß der Kenner die Geräte des ersten Baujahres an einem unwichtigen Detail zu erkennen: Die Batteriefach-Schraube ist verchromt und lässt sich mit einer Münze öffnen! Anscheinend hatten Musiker nicht so oft Münzen in der Tasche, denn spätere Jahrgänge besitzen eine schwarze „Daumenschraube“, eine Rändelschraube, die sich bequem mit dem Daumen oder Finger drehen lässt. Natürlich trugen die Geräte den Hinweis auf ihr Ursprungsland, „Made in Japan“, auf der Unterseite.

Ab dem Ende der 80er Jahre wurden Boss-Geräte jedoch in Taiwan hergestellt, und das ist bis heute so geblieben. Die Geister streiten sich bis heute, ob die japanischen Bosse besser als ihre taiwanesischen Kollegen klingen. Wir jedenfalls hören keinen Unterschied, wobei allerdings nicht vergessen werden darf, dass es besonders in den ersten Jahren der japanischen Fertigung häufiger Toleranzen in der Qualität der Bauteile gab. So kann es durchaus sein, dass diese alten Geräte „anders“ als neuere, aber auch anders als gleichaltrige klingen – weil eben die Qualität der Bauteile schwankte.

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Die Farben der Boss Effekte

Waren die Roland-Effekte größtenteils grau in grau gestaltet, setzten die Boss-Designer auf Farbe! Und schufen damit einen Trend, der sich bis heute gehalten hat. Viele wissen nicht, dass die Farbgebung von Boss systematisiert ist und keineswegs ein anarchisches Durcheinander darstellt.

So haben Geräte mit gleichen oder ähnlichen Funktionen immer gleiche oder ähnliche Farben:

Overdrives Gelb
Metal-Verzerrer Schwarz
Kompressoren Blau
Distortion Pedale Orange
Delay Effekte Weiß
Phaser Grün
Flanger Violett

Drei Effektpedale von Boss

Bunt, bunter, Boss!

Die interne Firmenpolitik hat ein weiteres Bonbon parat: Niemals werden Geräte, die bereits aus dem Programm genommen wurden, wieder in der gleichen Form neu aufgelegt.

Daran hielt sich der Hersteller auch während des Vintage- und Retro-Booms der 90er Jahre. Keine Regel ohne Ausnahme: Das DD-3 Digital Delay wurde, um ein Delay für den unteren Preisbereich im Programm zu haben, Ende der 90er Jahre wieder angeboten.

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Taschenbücher: Der Boss Katalog

Prospekte-Sammler lieben ihn, den speziellen Boss-Katalog! Denn auch in der Präsentation seiner Produkte verließ Boss 1987 eingefahrene Wege und setzte mit dem so genannten „Pocket Dictionary“ einen weiteren Maßstab. In diesen kleinen, handlichen Katalogen waren nicht nur Produktinformationen enthalten, sondern auch Einstell-Beispiele von Boss-Geräten zur Erlangung populärer Sounds.

Die ersten Ausgabe enthielt z. B. Sound-Tipps für Journeys ,Seperate Ways‘, ,Every Breath You Take‘ von Police, ,Heartland‘ von Pat Matheny und ,Maniac‘ von Michael Sembello. Genau das tummelte sich schließlich damals in den internationalen Hitparaden. In dieser ersten Ausgabe des Pocket Dictionarys waren neben Altbekannten einige neue, absolute Highlights von Boss enthalten.

Boss goes Metal

So z. B. der HM-2, der erste Heavy-Metal-Verzerrer des Marktes, und bis heute einer der Bestseller des Boss-Programms. Sehr interessant war auch das VB-2 Vibrato, das mittlerweile ein begehrtes Sammlerstück ist und sogar in einigen modernen Modeling-Geräten digital simuliert wird. Auch der neue SD-1, ein verbesserter OD-1 mit zusätzlichem Tone-Regler, konnte vielen Gitarristen gefallen.

Mehr über den HM-2 und andere Metal-Pedale von Boss erfährst du in unserem Effektiv-Special: Distortion-Pedale!


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Und erstmals entdeckten vermehrt Tieftöner ein Boss-Effektgerät: Der OC-2 Octaver wurde von vielen bekannten Bassisten zum Andicken ihrer Basslinien benutzt. Dass das Gerät eigentlich ein Effekt war, der auf den Frequenzgang der E-Gitarre zugeschnitten war, spielte dabei keine Rolle, denn der Markt bot keine Alternative. Auch heute gehört der OC-2, obwohl es mittlerweile bass-spezifische Oktaver zuhauf gibt, zur Standardausrüstung vieler Bassisten, denn – er klingt einfach gut, auch wenn er bei der Oktavierung tieferer Töne schwächelt.

Das damalige Programm komplettierten NF-1 Noise Gate, CS-2 Compressor, GE-7 Equalizer, DS-1 Distortion, OD-1 Overdrive, PH-1R Phaser (verbesserter PH1 mit zusätzlichem Feedback-Regler), BF-2 Flanger, TW-1 Touch Wah, CE-3 Chorus, DM-3 Delay (ein gut klingendes Analog-Delay, baugleich mit dem DM-2), DD-2 Digital Delay, das Rocker Wah Pedal, Rocker Volumen Pedal PV-1, FV100/FV200 Volumen-Pedale, und auch die praktische BCB-6 Carrying Box, in der sechs Boss-Effekte friedlich nebeneinander Platz fanden.

Zudem haben die Roland-Verantwortlichen erstmals die Möglichkeit am Schopfe gepackt, preisgünstige Nebenprodukte ihrer erfolgreichen Synthesizer- und Drumcomputer-Produkte unter dem Tochter-Label Boss anzubieten, um eine Image-Verwässerung der Hauptmarke zu verhindern. So entstanden der Boss HC-2 Handclapper und der PC-2 Percussion Synthesizer, die von vielen Tanz- und Top-40-Bands eingesetzt wurden. Diese beiden sollten nicht die einzigen Boss-Geräte bleiben, die von Roland-Ingenieuren entwickelt wurden.

In der darauffolgenden Ausgabe des Pocket Dictionarys wird 1988 das bunte Boss-Allerlei weiter ergänzt. Neu sind das DSD-2 Sampler Delay, mit dem eine kurze Phrase eingespielt und permanent wiederholt werden kann, und der PH-2 Phaser. Die Micro Studio-Serie, 9,5″-Effektgeräte, war in erster Linie für Homerecording-Zwecke konzipiert. Aber viele Gitarristen machten sich die Qualität dieser – gegenüber „richtigen“ 19″-Geräten – preisgünstigen Geräte zu Nutze und schraubten sie in ihre Rack-Systeme. Diese Serie bestand aus RDD-10 Digital Delay, RBF-10 Flanger, RPH-10 Phaser, RCL Compressor/Limiter, RGE-10 Graphic Equalizer, RCE Digital Chorus Ensemble, RPQ-1 Preamp/Parametric EQ, RPS-10 Pitch Shifter/Delay und ROD-10 Overdrive/Distortion. 1989 war ein ungeheuer effektives und innovatives Jahr der Boss-Abteilung.

Zwei Sounds in einem Gerät

In der Ausgabe des nun nahezu jährlich erscheinenden Pocket Dictionarys wurden viele interessante Neuheiten vorgestellt, darunter auch die so genannten Turbo-Effekte OD-2 5 Jahre Boss Turbo Overdrive und DS-2 Turbo Distortion. Beide Geräte können mittels eines zusätzlichen Fußschalters einen zweiten Zerr-Sound abrufen.

Damit setzte Boss einen weiteren Meilenstein in der Historie der Effektpedale – zwei Sounds in einem Gerät gab es bis dato zumindest von den etablierten Herstellern zu musikerfreundlichen Preisen noch nicht. Auch der DF-2 Super Feedbacker & Distortion war innovativ und ist bis heute einmalig geblieben; er erzeugt bei nochmaligem Betätigen des Fußschalters ein täuschend echt klingendes Feedback.

Überhaupt wurde die Idee, zwei Effekte in einem Gerät unterzubringen, zur Strategie entwickelt: So setzten MZ-2 Digital Metalizer, ein Heavy-Metal-Verzerrer mit zusätzlicher digitaler Chorus-und Doubling-Sektion und DD-3 Digital Delay, ein 800-ms-Delay mit Hold-Funktion, interessante Kontraste zum grassierenden 19″-Multieffekt-Fieber. Doch damit nicht genug. Das Boss-Programm dieses Jahres hatte einige richtige Meilensteine zu bieten: Das RV-2 Digital Reverb war das erste digitale Hallgerät, das PS2 Pitch Shifter/Delay der erste Harmonizer im Bodenformat!

Vor Boss war Roland der Boss: Hier die Parade der Roland Bodeneffekte.
Vor Boss war Roland der Boss: Hier die Parade der Roland Bodeneffekte.

Der DC-3 Digital Dimension Chorus stellte die nun regelbare Version des Preset-Vorgängers DC-2 und damit die Bodenvariante des Roland Dimension D Rack-Effektes dar, der einen legendären, sehr räumlichen, aber nur kaum modulierenden Chorus-Effekt produziert. Populär wurde dieser Sound vor allem durch Andy Summers von The Police. Der HF-2 HighBand Flanger bearbeitete speziell die höheren Frequenzen und konnte so scharfe, aggressive Flangings erzeugen, während der FT-2 Dynamic Filter ein neues Touch Wah war.

Boss goes Bass

Erstmals bereicherten nun auch Effekte für Bass wie GE-7B Bass-Equalizer, CE-2B Bass-Chorus und BF-2B Bass-Flanger das Boss-Programm. Nach diesem gewaltigen Kreativschub zu Ende der 80er Jahre beschränkten sich die Boss-Entwickler in den 90er Jahren auf gelegentliche Updates der Bestseller. Das DD-5 wurde der Nachfolger des mittlerweile wieder aufgelegten DD-3. Es bot 2000 ms Delay-Effekt und zusätzlich Hold- und Reverse-Effekte. Der HM-2 Verzerrer wurde durch den kurzlebigen HM-3 Hyper Metal und später durch einen weiteren Klassiker, den MT-2 Metal Zone, ersetzt.

Einen ausführliche Test zum MT-2 findest du hier!

Der MT-2 war deshalb so beliebt, weil er neben seinem bekannten hochwertigen Grund-Sound eine parametrische Mittenregelung an Bord hatte und somit ungewöhnlich vielseitig einzusetzen war und auch extreme Sounds ermöglichte. Auf das Pitch Shifter Delay PS-3 folgte nun der HR-2 Harmonist, der neben starren Intervallen auch bis zu dreistimmige Harmonien erzeugen konnte. Ganz aktuell ist der PS-5 Super Shifter, der neben den gängigen Pitch-Shift- und Harmony-Effekten auch „Dive Bomb“-Effekte und Pedal-Pitch-Shifting à la Whammy liefert.

Alles Retro!

Der Retro-Boom ging auch an Boss nicht spurlos vorüber. Klassische 60s-Sounds wurden mehr oder weniger gut mit FZ-2 Hyper Fuzz, dessen Nachfolger FZ-3 Fuzz und dem TR-2 Tremolo getroffen.

Die reichhaltige Zerrerfraktion wurde durch PW-1 Powerdriver, OD-3 Overdrive und den sehr erfolgreichen BD-2 Bluesdriver erweitert. Das AW-3 Auto Wah ersetzte das betagte AW-2 und konnte mit seinen so genannten Humanizer-Wah-Sounds einige wirklich abgefahrene Effekte erzeugen.

Der altehrwürdige PH-2 Phaser durfte sich ebenfalls zur Ruhe setzen und machte seinem Nachfolger, dem PH-3, Platz. Der PH-3 produziert Phaser-Sounds in verschiedenen Stufen (4/8/12 Stage Phasing), und in seiner neuesten Version auch Rise- oder Fall-Effekte. Die Phaser-Bewegung scheint hier nie anzukommen, der Effekt läuft permanent weiter, entweder nach oben oder nach unten. Und auch das klingt ziemlich abgefahren!

Zudem gibt es einen Anschluss für das EV-5 Expression Pedal, mit dem die Geschwindigkeit oder die Tiefe des Phasings in real time geregelt werden kann. Und mittels der Tap-Tempo-Funktion lässt sich der Effekt zudem in seiner Geschwindigkeit mit dem Timing der gespielten Musik synchronisieren. Dies alles passiert natürlich bei einem Gerät, das in einem normalen Fußboden-Format gebaut ist.

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Multi Bosse: Boss Multieffektgeräte

Noch haben sie keinen Kultstatus wie die bunten Stallgefährten. Und das, obwohl sie sich bereits seit Mitte der 80er Jahre im Boss-Programm tummeln. Dies liegt sicherlich nicht an der Qualität der Geräte, sondern eher an der Produktgattung. Und ob eins dieser Multieffekte jemals Kultstatus erreichen wird, werden uns unsere Kinder vielleicht berichten. Dabei gehören die Boss-Multieffektgeräte bei vielen Gitarristen zum Standard-Setup.

Der erste programmierbare Multieffekt mit MIDI-Funktionen trug allerdings nicht den Namen Boss, sondern war den Roland-Bossen interessant und gut genug, ihn unter ihrem Namen der Weltöffentlichkeit vorzustellen. Dabei hatte der Roland GP-8, der 1987 das Licht der Welt erblickte und bereits bei der Geburt seine Größe von den damals angesagten 19″ erreicht hatte, ein reinrassiges Boss-Innenleben!

Er beinhaltete acht unabhängig oder zusammen einsetzbare Effekte. Anfang der 90er Jahre folgte dann mit dem Boss ME-5 der erste vollprogrammierbare Bodenmultieffekt – nicht zu Unrecht ein weiterer Boss-Bestseller, denn er lieferte den bekannten Sound und war einfach zu bedienen.

Repräsentiert die neue Boss-„Twin“- Generation: GP-20 Amp Factory
Repräsentiert die neue Boss-„Twin“- Generation: GP-20 Amp Factory

Ein ebenso interessantes, aber leider kurzlebiges Bodenmulti-Effektgerät stellte das ME-X dar, das mehrere Einschubplätze für zusätzliche Boss-Effektpedale bot, die in den Signalweg integriert werden konnten. Das Nachfolgergerät war das ME-8, von dem es auch eine Bass-Version gab; das ME-8B ließ die Tieftönenden endlich effektiv arbeiten. Doch erst mit dem GT-5 sollte Boss, das sich in all den Jahren gerade in dem Multieffekt-Bereich sehr starker Konkurrenz erwehren musste, erneut ein großer Wurf gelingen.

Hier wurden zum ersten Mal die Roland-typischen COSM-Modeling-Sounds im einem Bodeneffektgerät zusammen mit den üblichen analogen und digitalen Effekten verwendet. Der aktuelle GT-6 ist ein würdiger Nachfolger des erfolgreichen GT-5.

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Helferlein: Boss Zubehör

Natürlich gibt es gerade im Zubehörbereich jede Menge Möglichkeiten, sich als Hersteller auszutoben. Auch hier hat Roland sein Sub-Label Boss benutzt, um preisgünstige Accessoires anzubieten.

MA-15 Micro Monitor Amp, der HA-5 Play Bus Kopfhörerverstärker oder der MG-10 Amplifier waren sicherlich keine bahnbrechenden Produkte, aber sie waren günstig und taten ihren Dienst. Sehr nützlich war sicherlich auch der FA-1 FET Amplifier, ein Vorverstärker, der z. B. für die Hochverstärkung von Akustik-Pickups oft genutzt wurde. Eher der Abteilung Kurioses zuzuordnen ist jedoch der MA1 Mascot Amplifier – ein Gitarrenverstärker im Format eines Bodeneffektes, der verständlicherweise mehr (kr)ächzte als klang.

Legendär sind die Dr.-Rhythm-Geräte, die sich im Laufe der Zeit zu einer richtigen kleinen Ärzte-Gemeinschaft entwickelt haben. Nicht nur günstige Rhythmusmaschinen wie die DR-770 Dr. Rhythm, sondern auch für neue Klientels wie DJs konzipierte Maschinen wie DR-202 Dr. Groove, DR-670 Dr. Groove und der SP-303 Dr. Sample, ein preiswerter Sampler mit DJ-typischer Bedienung, sind erhältlich.

Als Assistenzärzte für Rhythmusstörungen fungieren die beiden Dr. Beat-Kollegen DB-88 und DB-66. Die erfolgreichsten Stimmgeräte der Gitarrengeschichte wurden ebenfalls von Boss konzipiert und gebaut. Besonders das TU-12H befindet sich mehr als ein Jahrzehnt unverändert im Programm und wird mittlerweile durch vier andere Geräte ergänzt. Dabei ist der neue TU-70 weltweit der erste Gitarren- und Bass-Tuner mit beleuchtetem LED-Display.

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Boss DS-1

In Sachen Schaltungsdesign ist Boss immer für Außergewöhnliches zu haben gewesen. Mit seinem klassischen DS-1 Distortion verhält es sich da nicht anders. Und das mit großem Erfolg, denn der DS-1 ist das dienstälteste Boss-Gerät überhaupt. Es befindet sich seit 1978 unverändert bis heute im Programm. Wir wollen uns einmal anschauen, wie dieser Renner genauer funktioniert.

DS-1 schaltkreis

Das Gitarrensignal wird nach üblicher Manier mittels eines Impedanzwandlers in die Elektronik eingekoppelt. Danach verzweigt es sich in den Bypass und den Effektzweig. Abb. 1 zeigt den vereinfachten Effektzweig ohne Bypass/FET-Schalter und entsprechende Schaltlogik. Dann trifft das Signal auf einen alten Bekannten: ein klassischer Silizium-Transistor im Stil der Legenden der späten 60er Jahre, z. B. Vox Supa Tone-Bender und Sola Sound Jumbo Tone-Bender, der Vorläufer des Electro Harmonix Big Muff! Der Sound wird hier mit dezent-britischem Charme „angecruncht“.

Der niederohmige Transistoreingang in Verbindung mit dem 47nF-Kondensator ergibt eine recht hohe Grenzfrequenz (fg ≈ 600Hz) und beschneidet die Bässe wie ein Treble Booster. Durch den davor geschalteten Impedanzwandler und die deshalb abgekoppelte PU-Induktivität verhält sich diese Transistorstufe bei hohen Frequenzen etwas anders als der klassische Treble Booster und liefert kristallklare Höhen.

Boss DS-1
FOTO: Dieter Stork
Der Boss DS-1 in knalligem Orange

Die Verstärkung der gegengekoppelten Stufe beträgt etwa 100. Ihre eigentliche Stärke liegt in der unaufdringlichen Oberwellenerzeugung, in dem etwas wirren asymmetrischen Softclipping, das bei hartem Saitenanschlag very fuzzy klingt! Die im Anschluss folgende Si-Diode schützt den OP-Eingang vor allzu hohen negativen Signalspitzen.

Ein SD-1 im Zakk-Wylde-Design
Ein SD-1 im Zakk-Wylde-Design

Der OP selbst ist standardmäßig mit einer moderat einstellbaren Verstärkung zwischen 1 und 22 beschaltet; mit steigender Verstärkung werden die Bässe und die oberen Höhen zusätzlich etwas beschnitten, was dem Ton gut bekommt. Denn es verhindert die „Kettensäge“ im Stil von z. B. einem MXR Distortion+, der ebenfalls mit einem – allerdings ungefilterten – OP und nachfolgendem Dioden-Clipping arbeitet. Nach dieser kunstvollen Signalbearbeitung, die ab einer gewissen OP-Verstärkung in ein sauberes symmetrisches Clippen übergeht, trifft das Signal auf den üblichen Satz antiparallel geschalteter Dioden, hier Silizium-Kleinsignal-Typen.

Der so erzwungene Hard-Clip ist typisch für Distortion-Effekte und sorgt zusammen mit der hohen Verstärkung für ein langes Sustain. Der parallel zu den Dioden liegende 10nF-Kondensator filtert allzu harsche und biestige Oberwellen heraus.

Im Anschluss daran erfolgt das Aufsplitten des Signals in ein Tief- und Hochpassfilter. Dazwischen befindet sich als Brücke das Ton-Poti mit seinem recht beachtlichen Einstellbereich zwischen Buttercreme-soft und Glasbruch-schrill. Bei runtergeregeltem bis leicht aktiviertem Distortion und maximal eingestelltem Level tönt allein der „fuzzy“ Transistor; bei festem Anschlag kommt zusätzlich ein gehaltvolles Hardclipping dazu.

Der Ton ist dabei hochdynamisch mit viel Vintage-Flair und lässt sich bestens als schmutzig-glasiger Treble Booster nutzen, um einen Röhren-Amp Frequenzgang-korrigierend nach alter Väter Sitte im Stil eines Hardrockers kräftig zu übersteuern. Mit aufgedrehtem Distortion-Regler sowie leicht abgesenkten Höhen nebst clean eingestelltem Amp lässt sich der klassische Hardrock-/Heavy-Ton der Mitt-70er Jahre auch bei moderaten Lautstärken leicht erzielen. Die Stärken des DS-1 liegen eindeutig in dynamischen und anschlagsbetonten Vintage-Distortion-Sounds – zum gnadenlosen „Absägen“ ist dieses Teil weniger geeignet.

>>Hier gibt’s noch mehr Infos zum Boss Distortion DS-1<<

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Geheimtipp: Boss LS-2 Line Selector?

Das am meisten unterschätzte Boss-Gerät ist der LS-2 Line Selector. Dieser weißliche Knabe ist so unauffällig, dass wir ihn bisher gar nicht erwähnt haben – ein Grund mit, ihn hier in exponierter Stellung zu präsentieren. Der LS-2 ist weniger ein Effekt, dafür aber außergewöhnlich effektiv.

Auch wenn er nur die Helferlein-Rolle auf dem Effektbrett einnimmt. Doch er glänzt mit verborgenen Qualitäten. Eigentlich als eine Art Mini-Looper zur Verwaltung diverser Bodeneffekte konzipiert, sorgt er für Ordnung im Treter-Wirrwar.

Zwei Einschleifwege können dabei in sechs unterschiedliche Looping-Arten geschaltet werden. Nebenbei kann der LS-2 als Power-Supply der angeschlossenen Effekte fungieren – und wer mal keine Effektloops benutzen, dafür aber lieber drei Amps betreiben will, kann im Output-Select-Mode mit dem LS-2 zwischen diesen Amps hin und her schalten. Wer die Möglichkeiten dieses Gerätes begreift, findet mit dem LS-2 einen Freund fürs Leben.

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Boss Seriennummern

Die Platzierung der Seriennummern wurde insgesamt viermal geändert. Zuerst war die vier- bis fünfstellige Nummer im Gehäuse gleich neben dem Schalter platziert. In der zweiten Generation befanden sich die nun bereits sechsstelligen Zahlen auf einem Aufkleber, der auf dem Boden des Batteriefachs klebte.

Boss Seriennummer Boss Seriennummer

Dieses Foto zeigt noch die Zahlen in einer schmalen Schrift. In der Mitte der zweiten Ära wurde eine fettere Schrifttype gewählt. Die dritte Generation zeigt die Seriennummern nun auf einem schmalen Aufkleber, der sich unten auf der Gehäuserückseite befindet.

Die Nummer besteht – wie auch in der vierten Periode – nun aus zwei Buchstaben und einer fünfstelligen Zahl. Bis heute sind die Seriennummern auf der Rückseite verblieben.

Text: Olaf Markfeld & Heinz Rebellius

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