Die Paula fürs Grobe

Die Epiphone Björn Gelotte Signature Les Paul im Test

Epi Björn Gelotte

Nach 20 Jahren, in denen Björn Gelotte mit In Flames die CD-Schränke der Metal-Fans in regelmäßigen Abständen belieferte, ist es nun an der Zeit, dem bärtigen Schweden ein eigenes Signature-Model zu widmen. Dieses kommt aber überraschenderweise nicht von Gibson (deren Gitarren Gelotte jahrelang spielte), sondern von Epiphone und wurde von ihm kurzerhand zu seiner Nr.-1-Live-Gitarre erklärt.

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In Flames gehören definitiv zu den wichtigsten Metal-Bands der letzten 30 Jahre. Gegründet 1990, schafften sie es gegen Ende der 90er nach zahllosen Umbesetzungen ein Line-Up zu formieren, welches die Metal-Welt revolutionieren sollte. Mit ihrer Mixtur aus Härte, sehr tief gestimmten Gitarren und Melodien, die klar am schwedischen Folk orientiert sind, gelten In Flames als eine der wichtigsten Band bei der Begründung des sogenannten Göteborg- Sounds.

Neben Gitarrist Jesper Strömblad war es Björn Gelotte, welcher den Sound von In Flames absolut maßgeblich mitgestaltete. Dabei war eine schwarze Gibson Les Paul Custom mit EMG Pickups in Kombination mit einem Peavey 5150 (später auch gerne JVM-Marshalls) stets die Waffe der Wahl. Nun steht mit der Epiphone Björn Gelotte Les Paul eine genaue Nachbildung dieser Gitarre in den Startlöchern und das zu einem äußerst attraktiven Preis.

Konstruktion

Im Interview auf der Musikmesse in Frankfurt machte Gelotte sofort deutlich, dass ihm eine solide und stabile Konstruktion sehr wichtig sei. Glaubt man dann auch sofort, wenn man die schwarze Schönheit aus dem Case hebt. Satte 4,2 Kilogramm zeigt die Waage an, Hohlkammern dürfte man sich hier wohl gespart haben. Mehr ist eben manchmal doch mehr.

Die gesamte Gitarre ist aus Mahagoni, der Hals hat ein in ein cremefarbenes Binding eingefasstes Ebenholzgriffbrett. Hier sind leichte Unsauberkeiten im Übergang zum Holz zu sehen die aber rein optischer Natur sind. Die Bundierung und der Sattel zeigen sich tadellos. Bei der Halskonstruktion wurde das Konzept von „mehr Holz = mehr Ton“ fortgesetzt, das Profil hat richtig was auf den Rippen.

EMG 81 & 85

Die als „59 Custom“ bezeichnete Rundung erinnert sehr an das alte Roundback-Profil der Les Pauls der späten 50er-Jahre. Absolut sinnvoll, wenn man bedenkt, dass Herr Gelotte seine Les Paul auf Drop-A# runterstimmt. Bei entsprechend dicken Saiten hat man da besser einen massiven Hals. Wie bei der Gibson, die er lange spielte, kommen beim Epiphone-Modell Pickups von EMG zum Einsatz.

Es handelt sich um die häufig verwendete Kombination aus 81 (Steg) und dem etwas wärmer klingenden 85 (Neck). Hals und Korpus sind in einem deckenden und hochglänzenden Schwarz gehalten, was zusammen mit der goldenen Hardware und den goldenen Pickup-Covern einen edlen Eindruck macht. Dabei fällt auf, dass die EMG-Pickup-Kappen aus der Metal- Works-Serie ohne sichtbare Polepieces auskommen, was dem Ganzen einen modernen Look gibt.

Die Mechaniken stammen von Grover und arbeiten mit einer 18:1 Übersetzung genau. Auf der Kopfplatte zeigt sich neben Gelottes Signatur auch eine witzige Adaption des Jesterheads, dem Symbol von In Flames, welcher hier in der altbekannten Split-Diamond-Optik daherkommt. Als Brücken- und Saitenhalterkonstruktion findet die altbekannt- und -bewährte Kombination aus Tune-o-matic- Bridge und Stop Tailpiece Verwendung, alles in allem zeigt sich die Björn Gelotte Les Paul in einem altgediegenen Gewand mit ein paar modernen Details.

Gelotte mit Les Paul
Björn Gelotte mit seiner langjährigen No.-1-Les-Paul- Custom, die Pate für sein Signature- Instrument stand und die ein Autogramm von Billy Gibbons auf der Rückseite der Kopfplatte trägt.

 

Praxis

Der erste Eindruck bestätigt sich in den ersten Sekunden des Anspielens − hier hat man richtig was in der Hand. Trotzdem muss man sagen, dass die 4,2 Kilo einem nicht klobig oder unangenehm vorkommen. Aufgrund des massiven Halses ist das Gewicht über die gesamte Gitarre verteilt und das Instrument hängt vollkommen ausgewogen am Gurt. Das 59-Custom-Profil liegt angenehm in der Hand und ermöglich ein komfortables Spiel bis in die hohen Lagen. Sicher, für den ein oder anderen mag sich der dicke Hals zunächst etwas ungewohnt anfühlen, mit ein bisschen Gewöhnung sollte das aber kein Problem sein.

Die Werkseinstellung ist absolut in Ordnung, hier gibt es nichts zu bemängeln. Der akustische Eindruck allerdings überrascht dann doch ein wenig. Wer jetzt vermutet, dass diese Les Paul eher ein wenig wärmer und träger klingen könnte, wird sogleich eines Besseren belehrt. Die Ansprache im Ton ist schnell, das Attack knackig und der Ton brillant und dennoch ausgewogen.

Meine 4,8 Kilo schwere Mahagoni/Ahorn Strat mit Humbuckern und ebenfalls einem Ebenholzgriffbrett, wirkt dagegen deutlich langsamer und klingt viel weniger strahlend in den Höhen. Besonders in den oberen Mitten zeigt sich die Björn Gelotte Signature präsent und vor Kraft strotzend. Aber was ist schon die Signature-Gitarre eines In-Flames-Gitarristen in der Standard- Stimmung? Also schnell die ebenfalls zum Test vorliegenden D‘Addario NYXL 12-54 Saiten (siehe Seite 135!) aufgezogen und runtergestimmt.

Batteriefach E-Fach

Im Drop C Tuning spielt diese Gitarre ihr wahres Potential aus. Die Mitten verschieben sich merklich nach unten und es entsteht eine beeindruckende Wirkung in den Tiefmitten. Hier wird jetzt richtig Druck gemacht, sofort zwingen sich schwere und schleppende Riffs in die Finger. Aber der Reihe nach, erst mal schauen, was die Gitarre an gemäßigten Klängen zu bieten hat.

Am Verstärker mit einem cleanen bis leicht crunshigen Sound zeigt sich, wie gut das Instrument mit den verwendeten Pickups harmoniert. Matschige oder basslastige Sounds sucht man hier vergebens. Stattdessen unterstützt der EMG 81 am Steg das schnelle Ansprechverhalten und sorgt dafür, dass in tiefen Tunings die Klarheit über das gesamte Klangspektrum erhalten bleibt.

Der 85 am Hals zeigt sich im direkten Vergleich deutlich wärmer und singender, erhält aber trotzdem die klangliche Präsenz, die den Klang dieser Gitarre so sehr prägt. Das Attack wird schön dargestellt, der gesamte Klang wirkt sehr plastisch. Schalten wir nun ein bis zwei Gänge höher und gehen in den Vollgas-Modus. Hier ist dann endgültig klar, wofür dieses schwarze Schwergewicht entworfen wurde. Der Stegtonabnehmer macht jetzt richtig Druck, schafft es aber, besonders in den Bässen fokussiert und präzise zu klingen.

Headstock

Diese Eigenschaft des EMG 81 dürfte für Björn Gelotte besonders wichtig sein, wenn man bedenkt, dass sein Tuning noch deutlich tiefer und die verwendeten Saiten noch eine ganze Stufe dicker sind (das wollen wir dem armen Testinstrument lieber ersparen…). Singlenotes auf dem Halspickup klingen angenehm warm und haben ein langes und ausgeglichenes Sustain, aber auch Akkorde lösen hier noch schön transparent auf. Von dem kalten und sterilen Klang, der EMG-Pickups ja zuweilen nach gesagt wird, ist hier weit und breit nichts zu hören.

Ganz im Gegenteil: Die Björn Gelotte Signature Les Paul hat besonders am verzerrten Amp einen druckvollen, warmen aber jederzeit präzisen Klangcharakter, der perfekt geeignet ist, alle Bereiche von harter Musik abzudecken und es fast schon erzwingt, dass man dreckige, tiefe und drückende Riffs spielen will. Das heißt aber nicht, dass wir es hier mit einem One-Trick-Pony zu tun haben. Auch bluesige Licks à la Gary Moore oder Southern-Rock-Riffs der Marke Zakk Wylde sind eine wahre Freude auf diesem Instrument. Die Pickups zeigen sich sehr flexibel und man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, die Gitarre in eine Richtung zwingen zu müssen, die ihr nicht liegt.

Resümee

Dass der In-Flames-Gitarrist eine Signature- Gitarre bekommt, war eigentlich längst überfällig, ist die Band doch mittlerweile zu einer der größten europäischen Metal-Gruppen und Top-Festival-Acts überhaupt aufgestiegen. Dass diese Les Paul nun von Epiphone kommt und nicht von Gibson, mag vielleicht überraschen, der Qualität tut es jedoch keinerlei Abbruch.

Was die Firma mit dieser Interpretation der klassischen Les Paul abliefert, ist schlichtweg eine rundum tolle, vielseitige und großartig klingende Gitarre mit einer top Ausstattung zu einem Preis, der wirklich mehr als interessant ist (vor allem, wenn man das hochwertige Case bedenkt). Von der Bespielbarkeit über die Verarbeitung bis zum Klang lässt die schwarze Schönheit kaum Wünsche offen und dürfte zu den besten Gitarren gehören, die es in letzter Zeit von Epiphone gegeben hat.

 

Plus
• Spielbarkeit
• Optik
• Pickups
• Preis/Leistungsverhältnis
• Klangeigenschaften
Minus
• leichte Unsauberkeiten beim Neck-Binding

 

Übersicht

 

 

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