E-Bass

Wie ist der E-Bass entstanden? Welche Typen gibt es und was muss man beim Kauf gebrauchter E-Bässe beachten? Gitarre & Bass liefert die Antworten!

Schaubild Bass: Alle Teile erklärt
Schaubild: Der E-Bass Aufbau

Der E-Bass hat seine musikalische Rolle vom akustischen Kontrabass geerbt. Den Sprung von der ernsten Musik in die Unterhaltungsbranche schaffte der Bass Anfang der 1930er Jahre, wo er die seinerzeit im Jazz gebräuchliche Tuba nach und nach verdrängte. Da der Jazz rhythmisches, akzentuiertes Bass-Spiel erforderte, kam dem ursprünglichen Streichinstrument der Bogen abhanden – in der Unterhaltungsmusik wird der Kontrabass vorzugsweise gezupft.

 

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Wie ist der E-Bass entstanden?

Wo zuerst nur der Gesang per Mikrophon und Lautsprecher verstärkt wurde, hatte auch bald der Gitarrist einen eigenen Amp. Umso schwieriger wurde es für die akustische Bassgitarre, sich noch im Band-Sound durchzusetzen. Da aber die damals erhältlichen Verstärker nicht ausreichend leistungsstark und die untersten Klangbereiche von den Lautsprecherherstellern noch nicht erschlossen waren, war den frühen Elektro-Stehbässen kein Erfolg vergönnt.

In den 1940er Jahren war es endlich so weit: mit dynamischen Speaker-Systemen und leistungsfähigen Pentoden-Amps standen geeignete Mittel zur wirksamen Verstärkung tiefer Frequenzlagen bereit. Der New Yorker Bassist Everett Hull konstruierte ein Abnahmesystem für Kontrabass, indem er ein Mikrophon im Inneren des Korpus am Ende des Stachels (engl. peg) montierte – der E-Bass war geboren.

Aus der Kombination der Wörter amplified (dt. verstärkt) und peg wurde der Firmenname Ampeg geboren, einer der bekanntesten Hersteller von Bass-Verstärkeranlagen.

Fender Player Precision Bass
FOTO: Dieter Stork
Fender Player Precision Bass

Zunächst orientierte sich der E-Bass am akustischen Vorbild, bis Leo Fenders „elektrischer Brettbass“ im Jahre 1951 diese Instrumentengattung revolutionierte. Der „Precision Bass“, wie Fender sein Instrument nannte, sah ganz anders aus als die klassischen Bässe. Wegen des fehlenden Resonanzkörpers war der E-Bass leichter zu transportieren und auch günstiger im Preis. Eine weitere Innovation war das bundierte Griffbrett, auf dem man die Töne ohne hinzuschauen hundertprozentig präzise treffen konnte – daher der Name des Instruments. Der E-Bass Precision wurde in größeren Stückzahlen hergestellt und verkauft.

In seiner Konstruktion unterscheidet sich der E-Bass kaum von einer E-Gitarre. Beim elektrischen Bass kommen zur Erzeugung der tiefen Töne jedoch längere und dickere Saiten zum Einsatz, da die Saiten E/A/D/G des viersaitigen E-Basses eine Oktave tiefer gestimmt sind als die entsprechenden Gitarrensaiten.

Freilich wurden beim E-Bass gewisse Details im Laufe der Entwicklung anders gewichtet als bei der E-Gitarre, um dem Klangideal eines satten, sauberen Bass-Sounds näher zu kommen. Aber im Grunde bildet Fenders gitarrenähnlicher Precision Bass bis heute in den meisten Einzelheiten die Grundlage des typischen E-Basses.

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Welche E-Bass-Typen gibt es?

Im Wesentlichen kennen wir im E-Bass-Bau folgende Typen:

Schraubhals-Konstruktion

Bei diesen Bässen, die den Standard im Bass-Bau darstellen, wird der Hals an den Korpus angeschraubt, was eine perkussivere Tonartikulation begünstigt und dem E-Bass im Band-Kontext präzisere Konturen verleiht. Maßgebliche E-Bass-Modelle in diesem Bereich sind der Fender Precision und der Fender Jazz Bass.

Precision und Jazz im direkten Vergleich
Fender Precision und Jazz Bass im direkten Vergleich

E-Bass-Modelle mit eingeleimtem Hals

E-Bässe mit eingeleimtem Hals sind in der Konstruktion der Schraubhals-Bauweise recht ähnlich, bilden aber eher die Ausnahme. Die Hersteller Gibson und Guild wählten diese E-Bass-Bauweise öfter und auch frühe Ken-Smith-Bässe waren so gebaut.

Neck-Through-Body

Fenders Bauweise mit aufgeschraubtem Hals hat sich allgemein durchgesetzt, wenngleich auch in den 1970er und 1980er Jahren der „durchgehende Hals“ stark an Beliebtheit gewann. Dabei wird der Hals komplett bis zum Steg aus einem Stück – bzw. aus mehreren parallel verleimten Streifen – gearbeitet. Die Korpusteile werden bei diesem E-Bass seitlich angeleimt. Diese Bauart (engl. Neck-Through-Body) beschert ein besseres Sustain.

Fretless-Bässe

Hierunter versteht man E-Bässe, deren Griffbrett keine Bundstäbchen besitzt. Bundlose (engl. Fretless) Instrumente begünstigen eine fließende Spielweise, sind jedoch nicht einfach zu handhaben, was ihre Intonation betrifft. Dieser Typ E-Bass ist eher etwas für Spezialisten. Der Klangcharakter geht beim Fretless E-Bass ein wenig in Richtung Kontrabass. Der Jazz-Musiker Jaco Pastorius (1951 – 1987) gilt als Innovator auf dem Fretless.

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E-Bass mit Graphit-Hals

Geoff Gould und Rick Turner sind die Erfinder des „Graphithalses“, den sie zunächst als Verbesserung für die Alembic-Bässe entwickelt hatten; ein erster Prototyp wurde 1977 vorgestellt. Goulds Firma Modulus Graphite begann die Produktion von Graphithälsen für verschiedene Bassmarken, wobei als Pioniere vor allem Alembic und auch Music Man (für den Cutlass Bass) die neuen Hälse für ihren E-Bass verwendeten.

Viele Bassbauer – vor allem auch in Europa – nutzen dieses Wundermaterial nun mit Begeisterung für ihre Edelbässe, allen voran die englische Marke Status und auch der deutsche Hersteller SKC, der viele kleine und mittelständische Bassbauer mit Graphithälsen beliefert.

Headless-Bässe

Einen echten Boom der künstlichen Materialien im Bassbau löste eine sensationelle Basskonstruktion von Ned Steinberger aus. Der pechschwarze Steinberger-Headless-Bass bestand nicht nur komplett aus faserverstärktem Kunststoff, er hatte auch weder eine Kopfplatte noch einen konventionellen Korpus! Das Konstruktionsmerkmal der fehlenden Kopfplatte beim E-Bass wurde auch von anderen Herstellern übernommen, die Headless-Bässe aus konventionellen Materialien fertigen.

E-Bass mit Laminatbauweise

Während die ursprüngliche Fender-Halskonstruktion beim E-Bass aus einem Streifen Ahornholz bestand, ist es heute vor allem bei teureren Instrumenten üblich, den Hals aus mehreren, schmalen Holzstreifen zusammenzuleimen.

Hierbei werden oft verschiedene Holzarten miteinander kombiniert – auf diese Weise wird die Stabilität des Halses erhöht. Dies macht den E-Bass wiederum weniger empfindlich gegen Witterungseinflüsse. Ein besonders stabil konstruierter Hals lässt sich auch dünner formen und bietet dadurch eine leichtere Bespielbarkeit. Eine deutliche Verbesserung bietet die Multi-Laminatbauweise.

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E-Bass mit mehr als vier Saiten

Grundsätzlich hat sich im Bass-Bau der viersaitige Bass durchgesetzt. Allerdings existieren auch Modelle mit mehr Saiten. Neben dem fünfsaitigen E-Bass – zunächst oft mit zusätzlicher, hoher C-Saite, dann fast durchweg mit tiefer H-Saite ausgestattet – kamen auch bald sechssaitige Bässe auf den Markt (mit hohem C und tiefem H), die von einigen Bass-Stars virtuos eingesetzt wurden.

Mittlerweile sieht es fast so aus, als ob der Fünfsaiter neben dem ursprünglichen, viersaitigen E-Bass zum gleichberechtigten Standard-Instrument geworden ist, während die Sechssaiter nach einem zeitweiligen Boom nun wieder eher etwas für Spezialisten sind. Als Sonder-Spezies ist der achtsaitige E-Bass zu betrachten, der (ähnlich einer zwölfsaitigen Gitarre) mit vier zusätzlichen, hoch gestimmten Oktavsaiten ausgestattet sind, die gleichzeitig mit der jeweiligen Bass-Saite angeschlagen werden.

Electric Upright

Eine Besonderheit unter den E-Bässen stellen die elektrifizierten Standbässe dar. Diese können im Stehen gespielt werden, da der Korpus wie bei einem Kontrabass auf einem „Stachel“ sitzt. Auch der E-Bass Electric Upright ist eher etwas für Spezialisten.

E-Bass mit Hohlkorpus

Neben E-Bässen mit Korpussen aus massiven Holzstücken (engl. Solid Bodies) existieren auch Modelle mit hohlem Korpus. Zu den bekanntesten gehört der so genannte „Beatle Bass“ von Höfner. Paul McCartney machte diesen E-Bass, der wegen seiner geigenartigen Form „Violin Bass 500/1“ hieß, während seiner Zeit mit den Beatles äußerst populär.

Digital-Bass

Das vorerst letzte Wort im E-Bass-Bau hat wohl der Herstellers Line 6 mit seinen Variax-Bässen. Diese Instrumente erzeugen den Klang mit digitaler Technik (Emulation) und bieten die populärsten Bass-Sounds diverser Instrumentenklassiker, die per Dreh-Regler abrufbar sind. Der Variax sieht eigentlich aus wie ein normaler E-Bass, er hat jedoch aufgrund der Digital-Technik keine Tonabnehmer mehr.

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Gebrauchten E-Bass kaufen

Da es bei optischen Mängeln, z. B. Lackbeschädigungen, mitunter schwierig sein kann, die eigene „Unschuld“ zwecks Garantiereklamation zu beweisen, tut man gut daran, die Geräte vor dem Kauf auf solche Mängel hin sorgfältig zu überprüfen.

James Jamerson

Lackmäßig sind bei Instrumenten grundsätzlich die Übergangsbereiche zwischen Hals und Korpus/Kopfplatte und die Griffbrettkanten am kritischsten und sollten daher auf Lackrisse und Ablösungen (Lufteinschluss) untersucht werden.

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Futuristische Bässe: Zukunft war schon immer

Futuristische Bässe

Wenn man glaubt, dass besonders moderne Designs vor allem der neuesten Zeit entspringen, sollte man mit Demut weit zurückschauen. Denn bei den E-Bässen war ja lange Zeit fast alles, was einst als Neuentwicklung präsentiert wurde, seinen Vorgängern in irgendetwas voraus.

1957 Fender Precision Bass
FOTO: Franz Holtmann
1957 Fender Precision Bass

Und so wurde Fenders Precision Bass, auf dem man seit 1951 mit Bünden präzise intonieren kann, zwar erst von den vorherrschenden Kontrabassern als dürres Brett und gitarrenhafter Bastard verspottet. Aber genau darum ging es ja, nämlich den klobigen Resonanzkorpus loszuwerden und ein Bass-Instrument zu schaffen, welches komfortabler zu transportieren und auch für einen Gitarristen spielbar ist. Mithilfe elektrischer Verstärkung ergab sich daraus eine radikale Modernisierung in der Musikwelt, die akustischen „Hundehütten“- Bässe verschwanden in den meisten Bands, und der „Fenderbass“ hat seine Dominanz nie mehr abgegeben. Ganz am Anfang hat der berühmte Leo gehörig in die Zukunft gedacht.

BassLabs L-Bow
Wie einst bei Rolands GR-77-Synthbass besitzt BassLabs L-Bow einen Stützbogen zwischen Body und Kopfplatte.

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HiFi-Sounds

Was heute längst als Vintage gilt, war zum Erscheinungsdatum also brandaktuell und mitunter auch zukunftsweisend. In gewisser Weise gehört dazu auch der Rickenbacker 4001 mit seinem brillanten Sound und der „Stereo“-Schaltung. Der Brillanzklang stammt aus einer Zeit, wo die Bands zunehmend große Hallen beschallen mussten, ohne dass dafür ausreichend potente Saalbeschallungs-Anlagen zur Verfügung standen. Notgedrungen wurde die Bühnenanlage immer größer und der helltönende Ricky bewahrte den Basston davor, zu wummerig und dröhnend aus der Monsterbackline zu kommen. Und die Rick-O-Sound-Schaltung erlaubte es, Steg- und Hals-Pickup über getrennte Bassanlagen zu verstärken, was zwar nicht wirklich Stereo ist, aber im Jahrzehnt der aufkommenden Stereophonie doch euphorisch als Verkaufsargument genutzt wurde.

Ganz nebenbei war Rickenbackers erstes Bassmodell 4000 von 1957 das erste Elektrobrett mit durchgehendem Hals, was sich natürlich positiv im Resonanzverhalten bemerkbar machte. 1968 versuchte sich der Hersteller zudem an schräg eingesetzten „Slanted Frets“, um die Bespielbarkeit zu erleichtern. Selbst wenn sich diese Schrägbünde nicht weiter durchsetzen konnte, zeigt der Versuch doch den Innovationswillen der Marke.

In diesem Sinne hat auch die Zusammenarbeit von Gibson mit dem Gitarristen Les Paul interessante Ergebnisse hervorgebracht, die allerdings den Zeitbedürfnissen ziemlich weit voraus waren. Da Les Paul seit jeher mit diversen Aufnahmetricks arbeitete, war die unkomplizierte Anpassung des Instruments an das Studio-Mischpult sein besonderer Wunsch. Deshalb brachte Gibson nicht nur eine Recording-Gitarre mit extrem niederohmigen Tonabnehmern heraus, sondern 1969 auch einen entsprechenden Bass, der ohne Weiteres direkt ins Aufnahme-Equipment gespielt werden konnte und darüber hinaus mit verlustfreier und besonders nebengeräuscharmer Übertragung sowie erweitertem Frequenzumfang punktete. Leider ging der Nutzen des niederohmigen Les Paul Basses (und seiner direkten Triumph-Nachfolgemodelle) damals an den normalen Bedürfnissen der Live-Musiker vorbei und ist trotz der guten Ideen eher als Flop zu bezeichnen. Erst mehr als zehn Jahre später konnten die englischen Wal-Bässe mit ausgefeilter Elektronik inklusive symmetrischem DI-Ausgang dieses Anwendungsfeld mit einigem Erfolg besetzen.

Zurück in die späten Sixties: In dieser Zeit arbeitete das Alembic-Team an der Verbesserung des Klangspektrums, wobei man zum einen mit exotischen Holzkombinationen und massiger Messing-Hardware, zum anderen aber auch mit elektronischen Hilfsmitteln klarere Höhen und einen strahlenderen Basston erreichen wollte. Der Edelbass mit aktiver Elektronik war geboren, das erste Exemplar wurde für Jack Casady von Jefferson Airplane gebaut. Und ohne ein solch hochgezüchtetes Instrument wäre auch der kristallklare Virtuosen-Sound von Stanley Clarke nicht machbar gewesen.

Alembic Headless Bass
Bei diesem seltenen Alembic-Headless spielen klassische Formdetails mit moderner Technik zusammen.

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Besser als Holz

Die extrem steife Konstruktion der mehrstreifig verleimten Alembic-Hälse führte eindrucksvoll vor, wieviel mehr an Klangdetails man aus einem Bass herausholen kann, wenn man dessen Hals stabiler als in der traditionellen, einstreiftigen Bauweise herstellt. Das führte konsequenterweise dazu, diese Idee auch mit anderen Materialien weiter zu verfolgen. 1974 gründete Travis Bean eine Firma, die Gitarren und Bässe mit durchgehendem Aluminiumhals fertigte, um noch mehr Brillanz und Sustain herauszukitzeln. Heute sind historische Exemplare dieser Marke sehr gesucht, damals scheiterte die Innovation allerdings am kalten Spielgefühl und wurde kein Bestseller.

Etwas erfolgreicher mit einer ähnlichen Idee war Kramer, wo man ab 1975 ein T-förmiges Halsprofil mit eingesetzten Holzwangen kombinierte, um ihm etwas von der gefühlten Kälte zu nehmen. Während Travis Bean die Fertigung schon 1979 wieder einstellte, verkaufte Kramer seine Aluhals-Bässe immerhin bis in die Mitte der Achtziger. Zu den bemerkenswerten Metall-Designs der 1980er gehört noch der aus Magnesiumguss bestehende Staccato MG Bass von Mick Jaggers Bruder Chris.

Dass sich das kühle Metall nicht dauerhaft halten konnte, geht letztendlich wieder auf den Dunstkreis der Klanghexer von Alembic zurück. Denn dort begann man unter Anleitung von Geoff Gould schon Mitte der Siebziger mit einem anderen Material zu experimentieren, welches im darauffolgenden Jahrzehnt einigen Wirbel verursachen sollte, noch stabiler und viel leichter als Metall war und sich dabei nicht so kalt anfasste. Gould gründete bald die Firma Modulus Graphite, um Hälse aus Kohlefaser-verstärktem Kunststoff herzustellen. Auch der legendäre Cutlass Bass von Music Man (1983 bis 1984) hatte einen Modulus-Graphithals.

Ins allgemeine Bewusstsein kam das neue Material allerdings eher durch Ned Steinberger, der mit seinem radikal aufs Wesentliche reduzierten Headless nun wirklich für alle sichtbar die Zukunft im Instrumentenbau einläutete: Keine Kopfplatte, kein Korpus, Tuner am anderen Saitenende, kein Gramm Holz. 1979 krempelte sein L2, der komplett aus faserverstärktem Komposit-Material gefertigt war, alle bisherigen Vorstellungen des Bass-Designs spektakulär um. Zumal das neue Material auch hervorragende Klangeigenschaften aufwies, endlos lang und extrem gleichmäßig mit weitem Frequenzbereich schwingt und sich damit dem traditionellen Werkstoff Holz objektiv überlegen zeigte.

In den Eighties war die Graphitbauweise der Renner und wurde von etlichen Herstellern in aller Welt übernommen, wobei der relativ hohe Herstellungsaufwand eines Graphithalses auch einen entsprechenden Preis zur Folge hatte. Nichtsdestotrotz waren neben Steinberger entsprechend ausgerüstete Bässe von Status, Vigier, Zon, SKC, Clover und anderen die modernen Bassträume der 1980er-Jahre, zeitgleich wurde eine aktive Elektronik praktisch zum Standard aller modernen Bässe.

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Design & Ergonomie

Steinbergers Reduktionskonzept war übrigens nicht mit Graphitlaminat möglich, Headless-Modelle gab es nun auch mit traditionellen Materialien. Washburn, Hohner und andere Marken brachten das Design kostengünstig unter die Leute, Warwick startete seine Firmenkarriere mit dem edelhölzernen Nobby Meidel Bass, sogar Gibson hatte mit seinem futuristisch kantigen 20/20 ein Steinberger-Design im Programm und Spector baute mit dem hölzernen NSX ebenfalls eine unverkennbar vom Meister entworfene Reduktions-Variante.

Steinberger Bass
Seit Steinberger kann man einen Bass vom anderen Ende her stimmen.

Apropos Spector: Auch in der eher traditionellen Formgebung mit Kopfplatte hat sich der geniale Ned Steinberger verewigt und für Stuart Spector das NS-Design entworfen. 1979 ging der NS mit seinem hohlgewölbten Korpus und harmonisch gerundeten Formen in Serie, um mit ergonomischer Perfektion neue Maßstäbe zu setzen, die auch das Erfolgsmodell Streamer von Warwick inspirierten. Auch bei den ab 1987 eingeführten Soundgear-Flundern von Ibanez sind noch gewisse Einflüsse zu erkennen, auch wenn es sich um eigenständige Designs handelt, die aber in jeder Hinsicht den Spielkomfort in den Vordergrund stellen.

Steinberger war in dieser Dekade mit Sicherheit der einflussreichste Entwickler, und obwohl der Bass-Boom der 1980er zahlreiche phantasievolle Formen und wirklich hochmoderne Instrumente hervorbrachte, hatten davon nur wenige eine vergleichbar sinnreiche Innovationstiefe.

Extrem eigenständig und futuristisch geformt kamen ab 1983 allerdings die Factor-Bässe von Philipp Kubicki rüber, besonders das Ex(tension)-Modell. Im Prinzip ein Headless, wurde hier der Tonumfang für die E-Saite in ausgesprochen kluger Weise nach unten hin um zwei Halbtöne erweitert, wobei man mit dem Daumen einen Kapo-Hebel bedienen konnte, der wahlweise das konventionelle E oder das tiefere D zur Wahl stellte. Drop-D-Mechaniken für konventionelle Bässe gibt es zwar auch, aber das Kubicki-System hat dabei den Vorteil, dass auch auf der zum D hin erweiterten Saite alle Töne an der gewohnten Stelle findet! Zugleich bietet der Factor eine leicht beherrschbare Medium-Mensur, während die erweiterte tiefe Saite im D-Modus extralang ist und entsprechend gewaltig klingt. Auch der aufwendige Tuning-Steg, der die Saiten nach dem Ratschen-Prinzip aufwickelt und klapperfreie Edelstahl-Saitenreiter besitzt, ist bislang unkopiert geblieben.

Atlansia Bass
Atlansia zeigt in jedem Detail neue Durchdachtheit

Ein weiterer Meister der Innovation kam aus Japan. Nobuaki Hayashi arbeitete ab Mitte der 1970er als Chefdesigner für Aria und schuf dort unter dem Pseudonym H. Noble unter anderem die Edelmodelle der Pro-II-Serie. Anfang der Achtziger gründete er seine eigene Firma Atlansia, die 1982 erste eigene Designs vorstellte, die fast alles bislang Dagewesene ziemlich konventionell aussehen ließen. Und das nicht nur wegen der ungemein phantasievollen Formen, sondern auch wegen der ungewöhnlichen Detaillösungen, bei denen durchweg alles irgendwie anders und durchdachter war als bei anderen Bässen.

Schon das extrafette Ovalprofil der Hälse war furchterregend, aber dann doch verblüffend ergonomisch, alle Hardware-Parts ungemein zweckmäßig und dabei klangstärker als üblich konstruiert, sehr auffällig vor allem auch die Einzel-Tonabnehmer für jede Saite, deren Sound durch verdrehen der Polstücke zur Saitenachse variiert werden konnte. Seine Ideenflut und zahlreiche Patente brachte Hayashi nicht nur in eigene Instrumente ein, sondern fertigt auch Teile für andere Hersteller, und wer seine aktuelle Website durchforstet, lernt das Universaltalent nicht nur als genialen Designer und Erfinder, sondern auch als Künstler und Maschinenkonstrukteur kennen.

Die 1980er-Dekade war zweifellos die kreativste in der Bass-Entwicklung und hat auch etliche deutsche Marken an den Start gebracht, von denen etliche heute in der Qualität zur Weltspitze gehören. LeFay brachte dabei wohl die gewagtesten Formen heraus, die nicht nur mit aufwendiger Eigenständigkeit im Design, sondern auch mit klanglichen Spitzenleistungen überzeugen konnten.

LeFay
LeFay bringt die flache Flunderform zum Singen

Und es musste noch nicht einmal nach Bass klingen, was man auf den tiefen Saiten spielte. Schon zu Beginn der Achtziger brachte Roland den analogen Bass-Synthesizer GR-33B heraus, mit dem er seinem Keyboarder mächtig Konkurrenz machen konnte. Das MIDI-gesteuerte Nachfolgemodell GR77B erweiterte zwar die Sound-Auswahl nochmals enorm und wurde auch mit einem nun angemessen futuristisch aussehenden Viersaiter angespielt, aber das zeitverzögerte und teils unzuverlässige Tracking sorgte dafür, dass daraus kein Bestseller wurde.

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Post 80s Kickback

Nach den Innovations-Exzessen der Achtziger schlug das Pendel im darauf folgenden Jahrzehnt eher in die Gegenrichtung aus und Vintage wurde zur dominierenden Modeerscheinung. Was nicht bedeutet, dass es gar keine zukunftsweisenden Ideen mehr gab. Parker Guitars brachte die Steife des Carbon-Laminatis in neuer Weise ins Spiel, indem man damit eine hölzerne Kernkonstruktion stützend umhüllte. Und Dingwall machte das Novax-System mit gefächerten Bünden populär, welches für die tiefen Saiten eine günstigere, längere Mensur bereitstellt als für die höheren. Auch stellte Gitarre & Bass im August 1996 die ersten beiden Bässe von Jens Ritter vor, aus denen sich im Laufe der folgenden Jahre eine ganz neue Verschmelzung von Musikinstrument und Kunstwerk entwickeln sollte.

Doch der allgemeine Hunger nach der guten, alten Zeit ließ zunächst die traditionellen Designs im Fender-Stil wieder kräftig an Boden gewinnen und der Jazz Bass wurde zum Wunschinstrument der breiten Masse. Dies natürlich nicht nur in der reinen Urform, sondern von diversen Instrumentenbauern gehörig aufgepeppt und klanglich aktualisiert, wobei neben vielen anderen Roger Sadowsky zu nennen ist.

Zu den echten Innovationen der Nineties muss man allerdings das Lightwave-System von Christopher Willcox zählen, welches die Saitenschwingungen nicht wie konventionelle Pickups per Magnetismus oder wie Piezos als Körperschall abtastet, sondern mit Lichtwellen. Zon und einige andere Hersteller montierten die Licht-Tonabnehmer ab 2000 auf diverse Instrumente, doch insbesondere aufgrund des Stromhungers verschwand der Lichtton bald wieder aus dem Fokus der Bassisten.

Einen neuen Anlauf, die traditionellen Hölzer durch ressourcenschonendere Materialien zu ersetzen, starteten Cort und Ibanez mit dem Kunststoff Luthite, der problemlos auch die Fertigung aufwendigerer Body-Formen ermöglichte. Der extrem unsymmetrische Cort Curbow und die Ergodyne-Modelle von Ibanez sind als Beispiele im Gedächtnis haften geblieben, allerdings auch, dass Luthite eher schwerer als die üblichen Hölzer war und trotzdem eine weichere, empfindlichere Oberfläche aufwies. Ibanez beendete die Versuche im Jahr 2006.

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Individualität

Zu den neuen Design-Stars der 2000er mauserte sich das Gespann von Claudia und Claudio Pagelli aus der Schweiz, deren einzigartiges Diva-Bassdesign später zu einer kurzzeitigen Kooperation mit dem deutschen Hersteller Marleaux führte. Die Befreiung von konventionellen Formzwängen führte auch der Pagelli Splash Bass (Test in G&B 11/2002) eindrucksvoll vor. Zu den echten Avantgardisten dieser Zeit gehörte auch Michael Spalt, der seine praxistauglichen Instrumente mit kunstvoll in Gießharz gebetteten Stil-Arrangements bereicherte. Absolut futuristisch beispielsweise sein UFO-Bass, der 2007 in diesem Magazin vorgestellt wurde.

Lace Helix
Im Lace Helix sitzen Magnet-Pickups, bei denen das Gehäuse die Wicklung ist.

Nicht weniger Raumschiff-mäßig kommen die Hohlinstrumente des deutschen Hersteller BassLab rüber, deren spezielle Laminat-Bauweise aus Kunststoff absolute Formfreiheit bietet. Dabei ist das besonders resonante Klangverhalten dem eines akustischen Musikinstruments weitaus ähnlicher als den üblichen Brettbässen und wirkt sich auch im Elektroton stark aus. Konventionell in Holz brachte hingegen die US-Marke Lace 2008 den spacig geformten Helix Bass heraus, dessen eigentliche Innovation in den neuartigen Alumitone-Pickups steckte. Hier ist das Aluminium-‚Gehäuse‘ die eigentliche Wicklung, deren extrem niederohmiger und schwacher Output durch einen angeflanschten Aufwärtsübertrager auf brauchbare Pegelwerte gebracht wird. Die niederländische Firma Aristides bescherte dem künstlichen Material für den Instrumentenbau einen weiteren Anlauf und verwendet beim 2011 herausgebrachten 050 Bass eine ausgeklügelte Mixtur aus Kunstharzen mit mikrofeinen Glaskörpern, die am Ende bei ausgezeichneten Schwingungs-Eigenschaften verblüffend warm rüberkommt. Und das sowohl im Klang wie auch im Spielgefühl.

Wie auch immer ein moderner Bass aussieht und welche technischen Neuigkeiten darin stecken, in der letzten Zeit sind es nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Hersteller, die zunehmend auf Individualität setzen und sogar sehr kompromisslose Spezialbässe bauen.

Natürlich waren die innovativsten Ideen und abgefahrensten Instrumente immer nur einer kleinen Gemeinde von Bassmaniacs vorbehalten, allein schon wegen des Preises. Aber etliche Verbesserungen haben es dann auch in die normalen Preiskategorien geschafft, und ohne die Futuristen unter den Bass-Entwicklern wäre es wohl für immer beim dumpfen Bass-Plomm geblieben.

Und nun, möchtest du auf deiner Bassgitarre spielen? Kein Problem – hier gibts alles zum Thema Bass lernen und hier im Video schon mal ein paar der bekanntesten Basslines:

(Text: Dirk Groll)

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