Produkt: The Rolling Stones: Stories & Interviews
The Rolling Stones: Stories & Interviews
The Rolling Stones im Interview - das große Gitarre & Bass-Special
Neuauflage

The Rolling Stones: Goats Head Soup

(Bild: Polydor)

Nach überarbeiteten und erweiterten Neuauflagen von Albumklassikern wie ‚Their Satanic Majesties Request‘ (1967) oder ‚Exile On Main Street‘ (1972) haben die Rolling Stones nun abermals ihr Archiv geöffnet, um auf einer Deluxe-Edition die zehn Originaltitel ihrer 1973er-Scheibe ‚Goats Head Soup‘ mit alternativen Versionen, Outtakes und drei bislang unveröffentlichten Songs (unter anderem mit Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page) anzureichern.

Auch diese Version einer zunächst umstrittenen, aber in der Retrospektive rundum gelungenen Scheibe zeigt, dass damals Mick Taylor der heimliche Star der Gruppe war. Der englische Gitarrist hatte seinerzeit die volle Rückendeckung vor allem von Frontmann Mick Jagger, der zu Protokoll gab: „Mick passte perfekt in die Band. Als er kam, standen wir wegen eines Gigs im Hyde Park unter Druck, aber er bewährte sich auf Anhieb.“

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All das und noch viel mehr dokumentiert die, um diverse Bonustracks erweiterte, Neuauflage von ‚Goats Head Soup‘, die seit dem 4. September 2020 in den Läden steht und vor allem eines zeigt: So gut wie in ihrer Mick-Taylor-Phase waren die Rolling Stones nie wieder. Zu den Stones gekommen war der damals erst 20-Jährige im Juni 1969, gerade mal vier Tage, nachdem Gründungsmitglied Brian Jones die Gruppe verlassen hatte. Drei Wochen später war Jones tot, ertrunken im Pool seiner Villa in Nordengland. Seinen Nachfolger hatten die Stones von John Mayalls Bluesbreaker losgeeist.

„Ich rief John einfach an und bat ihn um Hilfe. Bereits zwei Tage später stand er mit Mick Taylor vor der Tür“, erzählt Mick Jagger. Beim legendären „Free Concert“ im Londoner Hyde Park vor 500.000 Zuschauern war Taylor am 5. Juli 1969 erstmals öffentlich zu sehen. In Gedenken an Jones ließ Jagger hunderte weißer Schmetterlinge fliegen und gab anschließend zu Protokoll: „Wir waren hin- und hergerissen, denn es war nicht nur ein Fest, sondern auch eine Beerdigung, eine Gedenkfeier.“ Im Hyde Park stellten die Stones ihre neueste Single vor: ‚Honky Tonk Women‘, einer der wohl coolsten Rocksongs aller Zeiten.

Auf ein ähnliches Kaliber hofften die Fans auch 1973 bei der Ankündigung von ‚Goats Head Soup‘. Doch die Stones befanden sich in einer schwierigen Lage. Die Band hatte Anfang der Siebziger dem bürgerlichen Leben vollends abgeschworen, hockte bei den Arbeiten an ‚Exile On Main Street‘ als Kommune im französischen Steuerexil, um ein Jahr später für die Aufnahmen zu ‚Goats Head Soup‘ zuerst nach Jamaika, dann weiter nach London und Los Angeles zu reisen. Zudem wurden Berichte von Drogenexzessen, öffentlichen Auseinandersetzungen mit den britischen Steuerbehörden und ausufernden Sexorgien kolportiert.

Mick Jagger genoss sein ausschweifendes Jetset-Leben, während sich Keith Richards in erschreckend kurzer Zeit eine Heroinsucht eingehandelt hatte. Der schwer angeschlagene Gitarrist verschlief viele Aufnahme-Sessions schlichtweg, um zu anderen Zeiten 24 Stunden am Stück hellwach und ohne seine Bandkollegen komplette Songs aufzunehmen. Mick Taylor war mit dieser Situation unzufrieden und verließ die Stones im Dezember 1974 wieder, auch weil er am Songwriting, das fest in Händen von Jagger und Keith Richards lag, kaum bis gar nicht teilhaben durfte, und deshalb nie ganz aus dem Schatten seiner berühmten Bühnenpartner heraustreten konnte.

Einen Ritterschlag der besonderen Sorte bekam ‚Goats Head Soup‘ erst kürzlich aus berufenem Munde: Bob Dylan persönlich kürte die Ballade ‚Angie‘, Kernstück der 1973er-Scheibe, zu einem der drei Songs, die er am liebsten selbst geschrieben hätte. Das gefühlvolle Lied, in dem Jagger eine unglückliche Liebesbeziehung aufarbeitet – bis heute hält sich das Gerücht, dass es sich dabei um Angela Bowie handelt, die damalige Ehefrau von David Bowie – kam für Fans der britischen Rockband wie aus heiterem Himmel. Denn auf dem Vorgängeralbum ‚Exile On Main Street‘ mit seinem knochentrockenen Rhythm’n’Blues und dessen Vorläufer, dem feurigen Rockriff-Opus ‚Sticky Fingers‘ (1971), hatte sich die Gruppe noch deutlich rauer gezeigt.

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2020)

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