Lynard Skynyrd, Allman Brothers Band & Co

Southern Rock Bands: Top 10 Alben

Fans dieser Stilrichtung behaupten: Southern Rock ist nicht einfach nur Musik. Southern Rock ist ein Glaubensbekenntnis, eine Lebensphilosophie und eigenständige Grundhaltung. Die würzige Mischung aus jaulenden Slide-Gitarren, Whisky-getränkten Gesängen, rauchgeschwängerten Riffs und dem Flair von Wein, Weib und Gesang – oder eigentlich: Bier, Barbecue und Bräute – zieht seit den frühen Siebzigern ganze Heerscharen von Fans in ihren Bann.

THE BLACK CROWES Cover

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Die bekanntesten Southern Rock Bands sind sicherlich vor allem Lynyrd Skynyrd und die Allman Brothers, daneben noch Blackfoot, Molly Hatchet und die Outlaws. Tolle Scheiben gibt es von den Südstaaten-Rockern zuhauf, darunter echte Klassiker des Genres.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und rein subjektiv habe ich einige der für mich wichtigsten Alben der zurückliegenden 35 Jahre aus meinem Archiv herausgekramt, um die Faszination dieser Musikrichtung mit konkreten Veröffentlichungen in Verbindung zu setzen. Wohl wissend, dass man über nichts so herrlich streiten kann wie über Musikgeschmack, stelle ich meine persönliche Best-Of-Southern-Rock-Liste vor, um gleichzeitig alle Leser wissen zu lassen, dass ich auch bei Bands wie Black Oak Arkansas, ZZ Top, Marshall Tucker Band, Atlanta Rhythm Section, Doobie Brothers, Jo Gun, Creedence Clearwater Revival, Mountain, Ozark Mountain Daredevils oder der Charlie Daniels Band und auch unbedingt Grateful Dead viele großartige Produktionen entdecken kann.

Es geht also um Southern Rock im weiteren und besten Sinne. Hier meine zehn ganz persönlichen Highlights.

LYNYRD SKYNYRD: NUTHIN‘ FANCY (1975)

An was denkt man, wenn der Name Lynyrd Skynyrd fällt? Natürlich an ,Freebird‘ mit seinem exstatischen Gitarrensolo und an die Hymne ,Sweet Home Alabama‘, die wütende Antwort der Band auf Neil Youngs ,Southern Man‘. Dennoch: Ihre wahre Reife erlangten Lynyrd Skynyrd erst Mitte der Siebziger mit ,Nuthin‘ Fancy‘, einem Füllhorn unterschiedlichster Ideen und fabelhafter Kompositionen. Die Band rockte geradeaus in ,Saturday Night Special‘ und zog in dem treibenden ,I’m A Country Boy‘ mit den Hobos, also den Schwarzfahrern der Eisenbahnlinien, quer durch die Südstaaten.

Sich selbst nannten die Band-Mitglieder ,Whiskey Rock-A-Roller‘ – ein Hinweis auf ihr Lieblingsgetränk, den später Zakk Wylde dazu animierte, sich öffentlich als überzeugter Biertrink-Südstaatler zu outen. Vor allem die Verbindung dreier exzellenter Gitarristen begeisterte auf ,Nuthin‘ Fancy‘. Ed King mit seiner unglaublich coolen Art, lang gedehnte Soli zu spielen und dabei niemals die Ruhe zu verlieren. Mal mit einer Fender Stratocaster, dann wieder auf einer wunderbaren Gibson SG war er für mich die Entdeckung überhaupt auf dieser Scheibe. Was sein Kollege Allen Collins auf dem Kasten hatte, wusste man bereits, auch er entlockte seiner Gibson Firebird tolle Töne. Über Gary Rossington muss man nichts mehr explizit sagen.

Er ist Mr. Lynyrd Skynyrd, allein der aus seiner Feder stammende Country-Song ,Am I Losin’‘ lohnte den Kauf des Albums. Und dann ist da noch der urwüchsige Gesang von Sänger Ronnie Van Zant, der mit blonder Mähne und rauem Stimmkolorit kleine Geschichten von Freiheit und Abenteuer, und – wenn dem Viehzüchter das Fell juckte – vom deftigen Umgang mit Frauen erzählte. Textauszug (,On The Hunt‘): „In those two things you must take pride, that’s a horse and a woman, yeah, well, both of them you ride.“ Kann man guten Südstaaten-Sex besser beschreiben? Diese Scheibe ist mein alltime fave!

 

THE ALLMAN BROTHERS BAND: LIVE AT FILLMORE EAST (1971)

Irgendwie verbindet die beiden wichtigsten Southern Rock-Bands, also Lynyrd Skynyrd und Allman Brothers Band, ein ähnliches Schicksal. Wie auch die Skynyrds, die durch den tragischen Flugzeugabsturz im Oktober 1977 mitten aus dem Leben gerissen und arg dezimiert wurden, musste die Allman Brothers Band den Verlust ihres Gitarristen und kreativen Kopfes Duane Allman beklagen. Am 29. Oktober 1971 starb Allman in Macon, Georgia an den Folgen eines Motorradunfalls. Kurz zuvor war der ultimative Südstaaten-Klassiker ,Live At Fillmore East‘ veröffentlicht worden und hatte innerhalb weniger Wochen den Menschen in ganz Amerika und Europa den Kopf verdreht.

Die DoLP ,Fillmore East‘ war der Durchbruch der Allman Brothers, ein Paradebeispiel für schwitzigen Rock mit starkem Blues-Einschlag und jenem trockenen Humor, für den die Musiker noch heute bekannt sind. Gab es den Begriff „Southern Rock“ damals eigentlich schon? Wenn nicht, dann wurde er am 12. und 13. März 1971 aus der Taufe gehoben, als sich die Band-Mitglieder durch ein atemberaubendes Set großer Rock- und Blues-Nummern spielten, aus denen vor allem Stücke wie ,Whipping Post‘, ,In Memory Of Elizabeth Reed‘, ,Stormy Monday‘ und ,Statesboro Blues‘ herausragten. Alle Beteiligten in diesem Konzert wirkten bis in die Haarspitzen motiviert, kein einziger Ton, der ohne besondere Bedeutung gespielt wurde, kein Arrangement, dass man hätte besser machen können.

 

EAGLES: DESPERADO (1973)

Mag sein, dass sich hier bereits erste Widerstände derjenigen regen, die das Eagles- Album ,Desperado‘ nicht im gleichen Kontext wie Skynyrd oder Allman Brothers sehen möchten. Für mich hat diese Scheibe alles das, was ich im Südstaaten-Rock immer schon mochte: eine bodenständige Mixtur aus Rock, Blues, Country, Bluegrass und Folk. Ihren kommerziellen Höhepunkt erreichten die Eagles ja später mit ,Hotel California‘, dermaßen authentisch und konzeptionell homogen wie bei der vertonten Geschichte über den Aufstieg und Fall der Doolin-Dalton-Bande waren sie jedoch nie wieder. Einfach nur grandios, wie Randy Meisner in ,Outlaw Man‘ seine Bass-Parts anlegt. Der Titel-Track, gesungen von Schlagzeuger Don Henley, ist eine Südstaatenhymne par excellence. Und bei ,Tequila Sunrise‘ kommt man allein schon wegen der Akustikgitarren vollends ins Schwärmen.

Ebenso hörenswert: Bernie Leadons Spiel auf Mandoline und akustischer Gitarre in den süchtig machenden Nummern ,Saturday Night‘ und ,Bitter Creek‘. Hier wird der klassische Western zum Hörvergnügen, schmeckt man beim Hören geradezu den lockeren Staub der Prärie. Ganz toll übrigens auch das Cover-Artwork, mit der zusammengeschossenen Doolin Dalton Gang, bestehend aus den Eagles plus John D. Souther und Jackson Browne. Hier griff wirklich jedes Detail ins andere. Kurz und gut: die perfekte Scheibe!

 

THE BLACK CROWES: THE SOUTHERN HARMONY AND MUSICAL COMPANION (1992)

Der Titel dieses Meisterwerks stammte aus einem Gospel-Songbook und veranlasste damals Sänger Rich Robinson zu dem –zumindest umstrittenen – Statement: „Wir wollen beweisen, dass wir echte und überzeugte Südstaatler sind.“ Wer Robinson kennt, weiß wie ironisch er diesen Kommentar gemeint hatte. Denn überzeugt waren die Black Crowes von gar nichts, außer von ihren eigenen Qualitäten. Ihre Streitsucht ist legendär und sicherlich eine den wichtigsten Impulsgeber der Truppe.

Anfang der Neunziger wurde die Band von ZZ Top während einer laufenden Tournee gefeuert, weil sie sich auf offener Bühne über den Biersponsor des Texas-Trios mokiert hatte. „ZZ Top sind zu alt und zu klein, um mich zu feuern“, gab Chris Robinson anschließend großmäulig und trotzig zu Protokoll, um damit den Rauschmiss als seine freiwillige Entscheidung darzustellen.

Speziell zwei Songs machten ,The Southern Harmony And Musical Companion‘ zu einem echten Meisterwerk: ,Sting Me‘ mit grandiosem Gitarren-Riffing, einer fabelhaften Hammond-Orgel von Neuzugang Ed Harsh und seinem unverhohlenen Jugend-Pathos, sowie ,Remedy‘, eine geradezu klassisch wirkende Rhythm-&-Blues-Nummer mit den Brüdern Chris und Rich Robinson im Epizentrum des Klangbebens. Klangen die beiden auf dem Überraschungsdebüt ,Shake Your Moneymaker‘ noch melancholischer, griffen sie nun handfest ins Geschehen ein.

Alles ist auf dieser Scheibe zu finden, was das Herz begehrt:

Rock, Blues, Soul, Gospel, Country und sogar Anleihen bei den Siebzigern in ,Sometimes Salvation‘, dem Kernstück des Albums.

Und hat jemals eine andere Band so fantastisch Bob Marley gecovert wie die Black Crowes in ,Time Will Tell‘? Mir fällt nur Eric Clapton als ernstzunehmender Vergleich ein.

 

 

JOHN BUTLER TRIO: SUNRISE OVER SEA (2005)

Kann man Southern Rock auch in Australien spielen? Man kann! Ich weiß nicht einmal, ob John Butler selbst weiß, wie nahe er mit seinem Album ,Sunrise Over Sea‘ an die Wurzeln dieses Genres heranreichte. Fakt ist:

Mit atemberaubender und vor allem ganz ungewöhnlicher Spieltechnik landete Butler ein absolutes Meisterwerk voller Country, Rock, Blues, Reggae und eben auch Südstaaten-Flair. Unglaublich, wie cool er zu Werke geht und gleichzeitig die Virtuosität in Person zu sein scheint. Wer ihn einmal live gesehen hat, wie er da hockt mit seinem Arsenal an Gitarren, Dobros und Banjos, fühlt sich automatisch an den jungen Ben Harper erinnert, aber auch an Leo Kottke und phasenweise Bob Dylan.

,Sunrise Over Sea‘, erreichte in „down under“ binnen zehn Tagen Doppelplatin-Status, bekam drei Awards der „Australia Recording Industry Association“ (quasi das Pendant zum amerikanischen Grammy) und hatte mit ,Zebra‘ einen echten Single-Hit, der monatelang Platz 1 der Charts belagerte. Und auch thematisch könnte er durchaus ein Vorbild für seine amerikanischen Kollegen sein: Butler erzählt in seinen Liedern von Umweltaktivisten, die Leib und Leben riskieren, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Toller Typ, grandioses Werk mit gleich mehreren Songs, die man mit auf eine einsame Insel nehmen würde.

 

LYNYRD SKYNYRD: ONE MORE FROM THE ROAD (1976)

Leute, es nützt nichts, aber ,One More From The Road‘ muss einfach in dieser Liste auftauchen – auch wenn es bereits die zweite Nennung von Lynyrd Skynyrd ist. Denn ähnlich wie ,Live At Fillmore East‘ der Allman Brothers begann quasi mit ,One More From The Road‘ eine Reihe tragischer Ereignisse, die Skynyrd und die Southern Community arg dezimierte. Gitarrist Gary Rossington wurde bei einem Autounfall in Jacksonville verletzt und musste eine Zeitlang pausieren. Zudem verließ Ed King die Gruppe. Auf dem großartigen ,One More From The Road’, aufgenommen im Juli 1976 im Fabulous Fox Theatre in Atlanta/Georgia, spielte für ihn bereits Steve Gaines, ebenfalls ein ganz hervorragender Saitenakrobat.

Loyal wie die Musiker nun einmal waren stimmten sie schon zu Beginn des Set eine Hommage an ihre Plattenfirma an (,Working For MCA‘) und beendeten es mit dem unwiderstehlichen ,T For Texas‘. Dazu kam eine schwitzige Version von J. J. Cales ,Call Me The Breeze‘, natürlich der größte Hit ,Sweet Home Alabama‘ und eine mehr als 14minütige Version ihrer Hymne auf Freiheit und Abenteuer, genannt ,Freebird‘. Klare Höhepunkte einer Scheibe, die aber auch in den eher unspektakulären Nummern wie ,Travelin’ Man‘, vor allem aber ,Simple Man‘ und der verkappten Drogenanklage ,The Needle And The Spoon‘ einfach nur herrlich klingt. Übrigens:

Es empfiehlt sich unbedingt die vor fünf Jahren erschienene Deluxe-Edition zuzulegen, mit alternativen Versionen einiger Songs. Denn darauf ist die ,Freebird‘-Fassung zu hören, die Allen Collins am 8. Juli 1976 tatsächlich gespielt hat. Auf der ersten Version (damals noch in Vinyl) war eine Overdub-Version vom August 1976 (aus den ,Criteria Studios) zu hören, die Collins in angeblich 29 Varianten einspielte.

 

RIDE & GLORY: PRIDE & GLORY (1994)

Dass Zakk Wylde ein ausgemachter Southern-Rock-Fan ist, wissen Insider schon seit vielen Jahren. Immer wieder gerne spielt er mit seinen Freunden von Lynyrd Skynyrd und versuchte es 1994 mit einer eigenen Band ähnlichen Kalibers. Zuvor war der gerade mal 18jährige Gitarrenwunderknabe für die Band von Ozzy Osbourne engagiert worden und hatte dem früheren Black-Sabbath-Frontmann tatkräftig dabei geholfen, Klassiker wie ,No More Tears‘ zu komponieren.

Mit seiner eigenen Band Pride & Glory (Spitzname: The Band Of Beers) stürzte sich Wylde in ein kurzes und heftiges Abenteuer, dass allerdings nicht zum gewünschten Erfolg führte, auch wenn allein in Amerika fast 100.000 Exemplare des Albums über den Tisch gingen. Die Fans liebten die Scheibe, doch vor allem in Europa blieb sie hinter den Erwartungen zurück. Weshalb? Vielleicht weil sie aus heiterem Himmel kam und es Wylde noch an der entsprechenden Reputation fehlte. Dennoch ist das Werk ein Paradebeispiel, wie sich das Genre hätte weiterentwickeln können, hätten andere Bands diesen Faden aufgegriffen und weitergesponnen.

Es ist Wylde pur, seine Sicht der Dinge, ohne Kompromisse. Übrigens sollte man in diesem Zusammenhang unbedingt auch Zakk Wyldes erstes Soloalbum ,Book Of Shadows‘ (1996) erwähnen. Der Mann spielt nicht nur erstklassig Gitarre, sondern ist ein ebenso gefühlvoller wie ausdrucksstarker Pianist mit einer Stimme, die auch Ronnie Van Zant, dem verstorbenen Skynyrd-Sänger, zur Ehre gereicht hätte. Ein komplettes Album voller Akustikballaden von einem der wildesten Saitendehner der Gegenwart: Was wie ein Widerspruch klingt, offenbart sich auf dieser Scheibe als grandioses Kontrastprogramm mit Tiefenwirkung.

 

GOV´T MULE: LIVE AT ROSELAND BALLROOM (1996)

Sicherlich kein Zufall, dass vier meiner zehn Südstaaten-Rock-Lieblingsscheiben live aufgenommen wurden. Einerseits besitzen gerade die Bands in diesem Genre offenkundig die Stärke, auf der Bühne über sich selbst hinauszuwachsen und den Studioversionen ihrer Songs noch bessere Live-Fassungen gegenüber zu stellen. Andererseits ist Southern Rock für mich gleichzusetzen mit Lebendigkeit, ausladenden Soli und der Möglichkeit, zu dieser Musik zu tanzen. Es ist wohl kein Zufall, dass Gov’t Mule ihren Fans generell erlauben, die Shows aufzuzeichnen.

,Live At Roseland Ballroom‘ ist eines von mehreren tollen Alben der Gruppe, an deren Spitze der aktive Allman-Bruder Waren Haynes steht. Übrigens hat der Band-Name Gov’t Mule nichts mit einem militärischem Rang zu tun, sondern ist ein amerikanischer Slangbegriff für den (runden) Hintern einer Frau. Auch die Geschichte dieser Band ist gezeichnet von Tragik und Verlust. Entstanden ist die Truppe aus einer Abspaltung von den Allman Brothers, wo Warren Haynes, der Gitarrist, und Allen Woody, der Bassist, zwei bei Motorradunfällen ums Leben gekommene Musiker ersetzt hatten. Im Spätsommer 2000 starb dann plötzlich auch Allen Woody – die gewohnte Tragik also. Auf ,Live At The Roseland Ballroom‘ war das unschlagbare Gespann Haynes/Woody plus Schlagzeuger Matt Abts noch vereint, spielte ein fabelhafte, 16minütige Version des Instrumentals ,Trane‘ Die Improvisationskunst des Trios und seine Gabe, mit nur drei Instrumenten packende Musik zu machen, fasziniert bei diesem Neujahrskonzert 1995/96, das quasi roh belassen wurde. Einfach nur toll, wie der ,Kind Of Bird‘ noch höher hinausfliegt als im Original der Allman Brothers Band. Außerdem höre und bestaune man das Slide-Gitarrenspiel Haynes in ,Mule‘: pure Emotion, pure Leidenschaft.

Und vom Steppenwolf-Stück ,Don‘t Step On The Grass, Sam‘ kann man in dieser Fassung nur begeistert sein. Gibt es einen Wermutstropfen auf diesem Album? Wenn überhaupt, dann nur die Tatsache, dass Gov’t Mule an diesem Abend (noch) nicht Little Feats ,Spanish Moon‘ intonierten. Man muss es gehört haben!

 

DEREK TRUCKS: THE DEREK TRUCKS BAND (1998)

Derek Trucks gilt als Shooting-Star unter den neuen Blues-Gitarristen und wurde bereits in jungen Jahren anerkanntes Mitglied der aktuellen Besetzung der Allman Brothers Band. Er ist der Neffe von Allman-Schlagzeuger Butch Trucks und wurde über ihn in die legendäre Formation gehievt. Trucks ist ein auffallend ruhiger und angenehm bescheidener Musiker, der auf der Bühne ebenso versiert Blues-Rock wie auch Southern-Rock, Jazz, Country, Folk und World-Music anstimmt. Vor allem seine Slide-Technik ist atemberaubend.

Seine flinken Finger huschen mühelos übers Griffbrett seiner Gitarre, mit der er fließend zwischen Improvisationen und feststehenden Bestandteilen der Songs variiert. Trucks spielt ausschließlich mit den Fingern – vielleicht das Geheimnis seines ausgesprochen warmen und bestens in den Gesamtklang seiner exquisiten Band eingebetteten Sounds. All sein Können konnte man bereits auf dem Debütalbum der Derek Trucks Band erkennen, das in Deutschland 1998 erschien und in rein instrumentalen Stücken das außergewöhnliche Talent des seinerzeit gerade mal 19jährigen Saitentalentes dokumentierte.

Vor acht Jahren spielte Trucks zwar noch nicht ganz so reif und rund, wie er es heutzutage tut, dafür war aber ,The Derek Trucks Band‘ eine solche Überraschung, dass die Presse ihn wie einen neuen Messias bejubelte. Mir liegt dieses Album deshalb besonders am Herzen, weil es dem Hörer die Möglichkeit gab, ein blutjunges Talent dabei zu beobachten, wie es heranreift. Sein Debüt ist sicherlich nicht perfekt, zeigt bei den Arrangements kleinere Schwächen und wirkt an der einen oder anderen Stelle sogar noch etwas naiv. Aber gerade das macht den Reiz der Platte aus. Seine Förderer hatten den Mut, Trucks roh und unbehandelt zu lassen. Ihnen dankt er mit einer der authentischsten Debütscheiben des Genres aller Zeiten, vielleicht vergleichbar mit ,Pronounced Lehnerd Skehnerd‘, dem Erstwerk der Skynyrds.

 

LITTLE FEAT: WAITING FOR COLUMBUS (1978)

Wir sind bei Platz 10 angekommen: Ja, ich gebe zu, dass Little Feat eigentlich als Synonym eines erstklassigen Rhythm ‘n‘ Blues gelten. Aber dennoch: Erinnern wir uns an Songs wie ,Dixie Chicken‘, an Lowell Georges Fernfahrer-Hymne ,Willin’‘ und an all die verrückten Ideen, die man beispielsweise auf ,Sailin‘ Shoes‘ finden konnte. Deshalb bleibe ich dabei: Zumindest phasenweise speisten auch Little Feat ihre Songs mit einem gehörigen Southern-Rock-Esprit. Und wo besser als auf dem ultimativen Meisterwerk der Gruppe, dem unglaublich dichten Live-Opus ,Waiting For Columbus‘ kann man dies besser hören? Der Opener ,Join The Band‘ präsentierte die Band beim Warmsingen in der Garderobe, der eigentliche Beginn der Konzertes ,Fat Man In The Bathtub‘ war ein rhythmisch raffiniert angelegter Rock-Song mit grandioser Slide-Gitarre, in dem sich George autobiographisch mit seiner Drogensucht auseinandersetzte.

Es folgte mit ,Oh Atlanta‘ ein straighter, rollender und von Paynes Honky-Tonk-Piano getriebener Boogie-Rocker, Georges Hommage an seine bevorzugte amerikanische Südstaaten-Stadt und quasi seine Version von ,Sweet Home Alabama‘ (Lynyrd Skynyrd) und ,Southern Man‘ (Neil Young). Mittelpunkt des Albums ist natürlich eben jenes neunminütige ,Dixie Chicken‘, ein absoluter Klassiker der Rock-Geschichte, gesungen von George und basierend auf Honky-Tonk-Piano und einer leicht angezerrten Rhythmusgitarre, versetzt mit heulenden Slide-Tönen und raffinierten Jazz-Phrasen. Im Mittelteil fühlt man sich zeitweise in einen Western-Saloon zurückversetzt, in dem knapp bekleideten Mädels auf der Bühne tanzen. Ein Genuss!

 


Das war also eine mögliche Top-10-Liste des Southern-Rock. Ebenfalls noch erwähnen sollte man unbedingt die folgenden großartigen Bands und Instrumentalisten:

MOLLY HATCHET: FLIRTIN WITH DESASTER (1979)

Ähnlich wie Zakk Wylde entwickelte sich auch Molly Hatchet später zu einer stetig härter werdenden Band, die von Puristen nicht mehr dem Southern-Rock-Genre, sondern eher dem Hard & Heavy-Terrain zugerechnet wurde. Doch Ende der Siebziger waren die Blues- und Country-Einflüsse noch deutlich zu spüren.

WALTER TROUT BAND: TRANSITION (1992)

Es soll ja mittlerweile Zeitzeugen geben, die sich über die allzu ausschweifenden Soloexzesse des früheren Canned-Heat-Mitglieds beschweren. In seinen Konzerten spielt Trout leider nicht immer so songdienlich, wie er es 1992 auf seinem fabelhaften ,Transition‘ tat. Knackige Stücke, kernige Soli und ein Gesang, der sofort ins Ohr ging. Für mich immer wieder ein Genuss, im Gegensatz zu so manch nervendem Gig.

BLACKFOOT: MARAUDER (1981)

Heute spielt Blackfoots Bandleader Rickey Medlocke bei Lynyrd Skynyrd übrigens zusammen mit Urmitglied Gary Rossington und Hughie Thomasson von den Outlaws. ,Marauder‘ aus dem Jahr 1981 war meines Erachtens die stärkste aller Blackfoot-Scheiben, ließ sie doch vor allem das fabelhafte Gitarrenspiel Medlockes permanent durchschimmern.

THE OUTLAWS: THE OUTLAWS (1975)

Das Debüt-Album der Outlaws ist schlichtweg ein kleines Meisterwerk. Voller treibender Songs und großer Melodien, gespielt von drei Sängern und Gitarristen und einer perfekt abgestimmten Rhythmustruppe. Manche sagen, dass dies weniger Southern Rock als vielmehr ein Country-Rock-Album sei. Ich aber behaupte: Allein das fast zehnminütige ,Green Grass & High Tides‘ darf sich mit Skynyrds ,Free Bird‘ messen lassen. ✖38 SPECIAL: WILD EYES SOUTHERN BOYS (1981)

Der Ableger von Lynyrd Skynyrd war zwar nur einige wenige Jahre wirklich lupenreiner Südstaaten-Rock und verwässerte dann seine Stilmittel in Richtung eines radiofreundlichen Mainstreams. Aber ,Wild Eyes Southern Boys‘ zeigte die Band so, wie man sie sich als europäischer Südstaatler immer gewünscht hatte. Dazu gab es mit ,First Time Around‘ und ,Bring It On‘ zwei der härtesten 38-Special-Songs überhaupt.

DICKEY BETTS & GREAT SOUTHERN (1977)

Dickey Betts hatte eine tolle Mannschaft am Start: Dan Toler, Ken Tibbets, Tom Broone, Jerry Thompson und Doni Sharbono – sie alle sind Meister ihres Fachs. Kein Wunder also, dass dieser Truppe ein druckvolles Rock-Album gelang, das sich durchaus mit den Werken der Allman Brothers messen lassen konnte und immerhin Platz 31 der amerikanischen Billboard-Charts enterte.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Irgendwie stimmt da einiges nicht, Little Feat und die Eagles kommen aus Kalifornien, John Butler aus Australien, die Walter Trout Band wird in der Regel nicht dazugezählt, und die Allman Brothers Band, musikalisch wohl am interessanten, haben nicht soviel mit Southern Rock zu tun, sind eher eine Jam Band, eine Überarbeitung wäre sinnvoll.

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  2. …eine Band, die den Southern Rock wirklich lebendig hält, wurde hier überhaupt nicht erwähnt…
    Blackberry Smoke aus Atlanta… “Little piece of Dixie oder “Whippoorwill” sind wahre Perlen!

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    1. Yes – da liegst Du völlig richtig! Über diese fantastische Band hatten wir neulich einen Artikel…

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    2. Absolut Klaus. Seh ich genauso. Die gehören aufjedenfall erwähnt und vorallem in jede gut sortierte Southern Rock Sammlung.

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  3. the CadillacThree sollen unbedingt auch dazu und
    Dan Patlansky spielt seine Gitarre wie kein anderer live ein Highlight!!!

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  4. Hallo,
    bis auf die Eagles, die für mich mehr Westcoast verkörpern, eine stimmige Liste in meinen Augen. Klar, dem einen fehlt dies, dem anderen das, mir z.B. ZZTop “Degüello” oder Stevie Ray Vaughan “Texas Flood”, aber dennoch kann ich mich als Southern-Rock-Fan mit den genannten Alben anfreunden.
    Vor allem die Nennung von Gov´t Mule erfreut mich, leider werden sie oft übersehen.#

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  5. Dieses ewige (unnötige!) Streitthema,in welche Schublade passt welche Band hinein,nervt irgendwie total ab! Vielleicht haben die stetigen Nörgler und Besserwisser es immer noch nicht bemerkt,dass es mittlerweile sehr viele Bands gibt,die sich selbst weder musikalisch noch stilistisch eingruppieren (wollen).Mal ganz weit ausgeholt,z.B. die damaligen “Heavy Metal Kids” in der Originalbesetzung mit ihrem einzigartigen Sänger Gary Holton,der dann bekanntlich leider sehr früh an seiner Drogensucht starb.Diese Band war damals weder im Heavy Metal Rock angesiedelt,noch in einem bestimmten Musikstyle eingruppiert,sondern weitestgehend künstlerisch sowie musikalisch völlig unabhängig.Vielleicht mögen manche “Insider” ihren damaligen Musikstil sogar als frühen Punk-oder Glam-Rock bezeichnen,andere evtl. als Pop-Rock beziffern,alles egal,denn mitunter gab es auch völlig unerwartet einen Songtitel mit vernehmlichen Reaggae Rythmus,der sich da spontan “Run around Eyes” nannte.Es gab auch schöne softe Balladen (“It’s The Same”) und durchaus groovige Rocksongs (“Hangin’ on”) und einen Punksong (“Delirious”) von den Heavy Metal Kids. Schön,dass bis heute Newcomer Bands existieren,die sich explizit nicht in eine Schublade stecken lassen wollen! Ja,ja,alles reine Geschmackssache.Es ist doch toll,dass Musik bis dato so vielfältig blieb,völlig unterschiedlich,manchmal unberechenbar und oft überraschend ist.Verbannt diese armseligen Schubladentheorien endlich in die Wüste,zeigt mehr Toleranz und erfreut euch über die beinahe unendliche Schaffenskraft bekannter,vergangener und zukünftiger Musiker,die uns immer wieder mit neuen Songs überraschen möchten! Konservativ und angestaubt war gestern,genial modern und total aufgeschlossen ist heute dafür ad hoc schwer angesagt.Auch,und gerade im Musik Genre der Neuzeit.🍌

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  6. Dem Schreiberling ist offenbar durchgegangen, dass uns der liebe Hughie Thomasson schon vor ein paar Jahren leider für immer verlassen hat. Ich hatte ihn zusammen mit Skynyrd vor etlichen Jahren mal live auf der Bonner Museumsmeile gesehen…

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    1. Korrekt. Von den alten Recken, ab nun von Skynyrd, Outlaws, Allman BB, Molly Hatchet, sind nicht mehr viele unter uns. Vermutlich haben sie aber längst ‘ne neue Allstars Band da oben am laufen – munkelt man ……;)

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  7. Hey Leute, der autor beschreibt seine PERSÖNLICHE Lieblinge, jeder hat die seinen, und wie kann man diese seine persönliche Liste kritisieren, was da fehlt? Für mich ists eine Reise in vergangene Jahre mit vielen Erinnerungen und mit der inspirierenden Anregung, mir bestimmte Songs nochmal mit Freude anzuhören.
    Peter

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  8. Oh ja, alles wunderbare Bands mit tollen Alben. Ein ganz heisser Tip für alle Southern Rock Fans ist aber auf alle Fälle das Outlaws Album “Bring it back alive”. Ein Gitarren Feuerwerk. Unbedingt anhören!!!

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  9. Hier werden Bands in den Southern Rock Topf geworfen, die da absolut nicht reingehören. Walter Trout nicht, schon wegen des Datums (1992) nicht. Denn Southern Rock war Anfang der 80s durch ! Was jedoch nicht heisst, das es immer wieder tolle Bands gab, und gibt. Swamp Da Vamp z.B. Blackberry Smoke etc. Ich denke das sich Southern Rock Fans darauf einigen können, das die verschiedensten Spielarten wie Blues, R&B, Country, Hardrock etc. Einfluss in die Musik finden.

    Deshalb aber gleich alles in den Southern Rock Topf werfen ? Eagels ? ZZ Top ? Grateful Dead ?

    Als Musik Journalist hätte ich mir schon etwas mehr Sachkenntniss von Matthias Mineur erwartet. Auch wenn seine Aufzählung sehr persönlich ist, so ist doch einiges davon kein Southern Rock !

    Aber einem Punkt stimme ich ihm doch unbedingt zu; es lohnt sich absolut diese Bands zu entdecken 🙂

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  10. …und Rich Robinson ist nicht der Sänger der Black Crowes, am Mikro steht dessen Bruder Chris.

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  11. Schon mal was von Georgia Satellites gehört? Ganz wichtige Band für das Genre…

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  1. Allman Brothers Erben: Warren Haynes & Gov’t Mule › GITARRE & BASS

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