Sach- & Krach-Geschichten!

Social Distortion: White Light White Heat White Trash

Social Distortion gelang 1996 mit ,White Light White Heat White Thrash‘ ein Meilenstein der Punk- und Rock-Geschichte. Zum 20. Geburtstag wollen wir uns damit doch noch mal genauer befassen.

(Bild: FFM SONY MUSIC)

1996. US-Präsident Bill Clinton tritt seine zweite Amtszeit an. Rapper Tupac Shakur wird erschossen. Kiss feiern ihre Reunion, und Social Distortion kehren – nach diversen Gefängnisaufenthalten von Frontman Mike Ness – mit ,White Light White Heat White Trash‘ zu ihren Punk-Wurzeln zurück. Standen die vorherigen Alben eher in der Tradition des Rockabilly, war der Sound auf dem neuen Werk – dessen Name natürlich auf das Velvet-Underground- Album ,White Light/White Heat‘ anspielt – wieder härter und direkter. Interessanterweise sollte es genau dieses Album werden, auf welches sich auch zwanzig Jahre später Anhänger aller Genres einigen können. Das scheint vor allem an dem wilden Stilmix aus Hardcore, Punk, Rock aber auch Rockabilly, Americana und klassischen Singer/ Songwriter-Elementen liegen, welcher trotz aller Diversität zu jeder Sekunde wie aus einem Guss klingt. Hier ist für jeden was dabei!

Anzeige

White Light White Heat White Trash

In den Jahren vor den Aufnahmen zu unserem Meilenstein-Album, hatte es Sänger und Gitarrist Mike Ness ziemlich schwer. Sein Drogenkonsum geriet derart aus den Fugen, dass die Band im Prinzip nicht mehr in der Lage war zu touren, geschweige denn, an neuer Musik zu arbeiten.

Nach einer kleinen Auszeit und einem gründlichen Entzug, begannen dann doch die Arbeiten zu ,White Light White Heat White Trash‘. Das Ergebnis ist ein Album, welches druckvoller, ehrlicher aber auch zeitloser, kaum klingen könnte. Schon bei den ersten Akkorden des Openers ,Dear Lover‘ wird klar, wohin die Reise geht. Nach einem kurzen Intro bricht der Sturm los und Ness singt mit verrauchter und Whiskey durchtränkter Stimme die ersten Zeilen: „Yeah, loving, Over and over again now, It ain’t nothing girl, ‘Till you’ve felt the pain.“ Gänsehaut pur! Die stampfende Power des Songs ist derart gewaltig und auf den Punkt gespielt, dass es eine wahre Freude ist.

Bassist John Maurer und Session-Drummer Deen Castronovo legen hier auf jeden Fall ein beachtlich groovendes Fundament. Es folgt ein wahres Feuerwerk der Punk-Rock-Hymnen. Mit ,Don‘t Drag Me Down‘, ,I was Wrong‘ (dem bis heute größten Radio-Hit der Band) und ,Through These Eyes‘ feuert Social Distortion einen Hit nach dem anderen ab, bevor die Stimmung bei ,Down On The World Again‘ ins Düstere kippt. Natürlich gehen die Jungs auch hier kein bisschen vom Gas- Pedal, es wird eher sogar noch ein wenig draufgetreten.

Danach folgen weitere Songs für die Ewigkeit wie das melodische ,When The Angels Sing‘ und das melancholischtraurige ,Pleasure Seeker‘, bevor mit dem großartigen Rolling-Stones-Cover ,Under My Thumb‘ der Sack zugemacht wird. Hört man sich die vorherigen Alben von Social Distortion an, fällt bei ,White Light White Heat White Trash‘ die fette und druckvolle Produktion auf, für die damals Michael Beinhorn verantwortlich war.

Der Mann hatte schließlich Erfahrung und zuvor bereits Bands wie den Red Hot Chili Peppers und Soundgarden einen ordentlich wuchtigen Sound verpasst. Außerdem sollte er nur zwei Jahre später zusammen mit Marilyn Manson dessen Erfolgs-Album ,Mechanical Animals‘ produzieren. Ein ziemlicher Tausendsassa also. Aber nicht alle Fans mochten den neuen Sound – viele sehnten sich zurück nach den räudigen Produktionen der Anfangstage und konnten mit der klanglichen Marschrichtung auf ,White Light White Heat White Trash‘ wenig anfangen. Besonders das Radio-Airplay der Single ,I was Wrong‘ war vielen ein Dorn im Auge.

(Bild: FFM SONY MUSIC)

Mike Ness und seine Mannen musste all das nicht weiter kümmern, denn der Erfolg des Albums sprach Bände. Vor allem öffnete die Rückbesinnung auf die alten Hardcore- und Punk-Wurzeln einige Türen in Europa, wo die Band zwar auch bekannt war, aber noch lange nicht einen solchen Status wie in den USA hatte. Auch textlich markiert ,White Light White Heat White Trash‘ eine Neuorientierung in der Karriere von Social Distortion. Nach 17 Jahren harter Arbeit, endlosen Touren, reichlich Drogen, Alkohol und Parties, schien Mike Ness ein neues und sicherlich gesünderes Kapitel in seinem Leben anbrechen zu wollen. Songs wie ,Dear Lover‘, ,I Was Wrong‘, ,Pleasure Seeker‘ oder das großartige ,Crown Of Thorns‘ schlagen einen sehr reflektierten und nachdenklichen Ton an. Ness behandelt seine destruktive Lebensweise hier mit harten und ehrlichen Worten, die auf einen reifer gewordenen und im Wandel begriffenen Mann schließen lassen.

Schlussendlich ist und bleibt ,White Light White Heat White Trash‘ meiner Meinung nach eines der wichtigsten – wenn nicht das wichtigste Punk-Rock-Album der 90er- Jahre. Der Einfluss, den diese Platte auf Bands wie The Offspring, Green Day und unzählige andere Punk-Musiker hatte, dürfte jedenfalls unbestritten sein.


Aus Gitarre & Bass 12/2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: