Produkt: Robert Cray im Interview
Robert Cray im Interview
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Meilenstein 1994: ZZ Top – Antenna

ZZ TOP 3: Billy Gibbons, Frank Beard und Dusty Hill (Bild: RCA/BMG/Bill Bernstein/Barbara Labarge)

2019 war das texanische Bluesrock-Trio auf Jubiläumstour. Billy Gibbons (voc, g), Dusty Hill (b, voc) und Frank Beard (dr) feierten gemeinsame 50 Jahre. Das Geheimnis für diese unglaublich lange Zusammenarbeit wird in der Dokumentation „ZZ Top: That Little Ol’ Band from Texas“ (2019, R: Sam Dunn) verraten: „Getrennte Tour-Busse.“

Seit 1969 sind ZZ Top also am Start, wobei Hill und Beard etwas später zur Band stießen. Mit den beiden neuen wurde ,ZZ Top‘s First Album‘ (1970) eingespielt. Bereits hier gibt‘s diesen Mix aus Blues und Rock, der von satten Gitarren-Riffs und treibenden Grooves befeuert wird. Und das Debüt bot auch schon einige für die Zeit abgefahrene Gitarren-Sounds, ein Markenzeichen von Billy Gibbons bis heute.

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In den 70ern erschienen u.a. solche Meilensteine wie ‚Tres Hombres‘, ,Fandango!‘ und ,Degüello‘ – Southern Rock, Blues und Boogie allererster Kajüte! In den 80ern wandelte sich das Bild. Der Sound wurde dank Synthesizern und des Einsatzes neuer Studiotechnik wie Samplern bombastischer. Die Alben ,Eliminator‘ ,Afterburner‘ und ,Recycler‘ gingen mit Hits wie ,Gimme All Your Lovin‘, ‚Sharp Dressed Man‘ oder ,Sleeping Bag‘ durch die Decke und ZZ Top avancierten zum Stadion-Act. Großen Anteil daran hatten die kultigen Videoclips auf dem damals neuen Musiksender MTV, deren Möglichkeiten Billy & Co für sich schnell entdeckten.

(Bild: RCA/BMG/Bill Bernstein/Barbara Labarge)

Doch der neue Sound und das neue Image fiel bei den Puristen unter den Fans durch. Erst 1994 – zum 25. Bandjubiläum – erschien ein Album, das die ZZ-Top-Sounds der 70er und die der 80er miteinander verband. Schon das schwarzweiße Album-Cover von ,Antenna‘ wies darauf hin, dass man sich vom Gigantismus verabschiedet hatte. Zwar bot die Single ,Pincushion‘ wieder einige elektronische Spielereien, doch die ultrafetten Gitarren-Sounds dominierten von Beginn an. Gleiches galt für die scharfen Rocker ,World Of Swirl‘ und ,PCH‘. Und in ,Girl In A T-Shirt‘ verschmolz ein treibender Groove mit geradezu schrägen Breaks und Bottleneck-Gitarren – schon recht skurril, so etwas kannte man von ZZ Top seit dem 79er ,Degüello‘.

Absolut scharf kommt das schnelle ,Antenna Head‘, ein gerader Rocker mit einem eingängigen Refrain. Schließlich heißt es auch auf diesem Album: It‘s Bluestime! ,Cover Your Rig‘ basiert auf so einem richtig fiesen Riff, und in der Strophe laufen auch mal nur Drums und Bass durch. Tja und das Solo ist wirklich ein Knaller.

Wie Billy mit Pausen arbeitet, Pinch-Harmonics setzt und Bendings lange aushält, erinnert an Songs wie ,Blue Jean Blues‘ oder ,Jesus Just Left Chicago‘.

Billy Gibbons ist einerseits ein Instrumentalist der alten Schule, der weniger mehr sein lässt und Wert auf Ton und Stil legt, und andererseits ein Sound- und Equipment-Freak. So erzählte Gitarrentechniker Jimi Emerson einmal Folgendes: „Auf ,Antenna‘ probierten wir alles mögliche aus. Billy liebt Innovation und kam jeden Tag mit etwas Neuem im Studio an. Je nachdem was der Song erforderte, haben wir einen 1949er Fender-Dual-Professional-Combo oder einen Rockman, einen Peavey-Preamp oder Zoom-Prozessoren eingesetzt. Auf den meisten Gitarren-Tracks kann man allerdings einen Marshall-JMP1-Röhrenpreamp hören – ohne Speaker, direkt ins Pult gespielt.“

Auf der Antenna-Tour sah man Gibbons u.a. mit schwarzen Fender-Esquire-Modellen aus dem Custom-Shop. Durch aufwendige Einlegearbeiten kamen die Instrumente sehr opulent daher. Eine der Gitarren besaß sogar ein Korpus-/Hals-Binding aus einer hell leuchtenden Neonröhre. Zudem waren alle mit Seymour-Duncan-Tonabnehmern bestückt. Billy Gibbons spielte einen dünnen .008er-Saitensatz. Jim Emerson kommentierte: „Billy spielt nicht sehr kräftig. Er hat einen ziemlich leichten Anschlag und verwendet ein ziemlich dickes Pick, was das wieder ausgleicht.“

Dusty Hill benutzte live damals drei Telecaster-Bässe ebenfalls aus Fenders Custom-Shop, die mit Pickups von Seymour Duncan bestückt waren. Dusty spielte GHS Super Steels in der Stärke „Medium Light“. Verstärkt wurde über ein aufwendiges Rack-System, das aus Peavey Autograph Equalizer, Digitech GSP 2101 Preamp/Effektprozessor, Mesa/Boogie Simul Class 2:Ninety Endstufe und 4x12er-Boxen bestand. Zum Schluß: Natürlich spielten Dusty und Billy auf dieser Tour auch ihre legendären „White Poodle“-Explorers.

Insgesamt also viel HiTech für einen erdigen Sound, den ZZ Top auf ,Antenna‘ zu großen Teilen wiederentdeckt hatten. Damit lagen sie im Jahrzehnt von US-Grungerock und UK-Britrock letztlich voll im Trend. Eine Verwechslung war allerdings ausgeschlossen, denn dieser typisch tiefe und raue Gesang und die teils harsch verzerrten und extrem coolen Gitarren-Sounds erkannte man nach drei Sekunden. Rückblickend verwies ,Antenna‘ auf den klanglich extremeren Nachfolger ,Rhythmeen‘ (1996). Beide Alben waren für die „Little ol‘ Band from Texas“ ein wichtiger Schritt hinüber in die 2000er. Aktuell greift das Artwork der Best-Of-Compilation ,Goin‘ 50‘ jenes von ,Antenna‘ auf, eben mit der skizzierten Band vor jetzt farbigem Hintergrund. Also, vielleicht noch ein Grund, in diesen 90er-Klassiker wieder reinzuhören.

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2019)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Eine der geilsten Bands die ich je gehört und gesehen habe.

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    1. Es geht einfach nicht besser!!!👍

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