Senkrechtstart!

Guitar Summit 2017: Der Nachbericht

Vom 8. bis 10. September 2017 fand der erste Guitar Summit im Mannheimer Rosengarten statt, veranstaltet von GITARRE & BASS. Wir nehmen das Resümee gleich vorweg: Es waren drei tolle Tage für alle, die Gitarren und Gitarrenmusik lieben! Wie der Summit im Detail aussah? Hier könnt ihr es lesen!

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Zu Beginn erst einmal ein paar imposante Zahlen, bei denen die Augen von Musikern, Herstellern, Händlern und Musikfans ein komplettes Wochenende lang durchgehend leuchteten: 3 Tage, 6 Bühnen, mehr als 300 Marken an den Ständen von 160 Ausstellern auf gleich vier Ebenen, 4500 Besucher dazu satte 106 Workshops und Clinics sowie zahlreiche mitreißende Performances mit renommierten Künstlern auf der großen Bühne im Mozartsaal.

Der erste Guitar Summit, veranstaltet von GITARRE & BASS mit Unterstützung der Stadt Mannheim im stadteigenen Kongress- und Tagungszentrum ,Rosengarten`, konnte bereits vor Toresschluss am späten Sonntagnachmittag ein rundum positives Resümee ziehen. Überall sah man zufriedene Menschen, die stundenlang fachsimpeln, Kontakte knüpfen, Musik hören und spielen, Fragen stellen und beantworten und viele neue Inspirationen mit nach Hause nehmen konnten. Die erste Bestätigung für die Veranstalter bereits am frühen Freitagmorgen: Noch bevor pünktlich um 10 Uhr erstmals die Pforten öffneten, bildete sich vor dem Gebäude eine lange Schlange von Besuchern, die keine Minute der vielversprechenden Veranstaltung verpassen wollten.

Ihr frühes Erscheinen hatte gute Gründe, denn von Beginn an ging es in den heiligen Hallen Schlag auf Schlag. Marco Wriedt, Kopf, Gitarrist und Hauptsongschreiber der deutschen Band 21Octayne, war einer der ersten, der seine beeindruckenden Fingerfertigkeiten präsentierte und in einem interessanten Workshop die Fender American Professional Serie vorstellte. Eine der wichtigen Anlaufstellen für alle Summit-Besucher war von der ersten Minute an natürlich der Stand von GITARRE & BASS, an dem für kleines Geld das begehrte Guitar-Summit-T-Shirt und der coole Stoffbeutel, aber auch Freiexemplare unseres Magazins und zwei Hagstrom-Fantomen-Gitarren, die zur Verlosung standen, zu finden waren. Zumeist traf man hier auch den einen oder anderen Mitarbeiter unseres Hauses – für ein Familienfoto traf sich einmal sogar die gesamte Belegschaft auf einen Schlag – für einen regen Austausch. Der fand aber natürlich auch auf allen Ebenen und bei sämtlichen Ständen statt.

FREITAG: GENIALES FINGER-PICKING

In musikalischer Hinsicht stand der Eröffnungsfreitag vor allem im Zeichen der Acoustic-Fingerstyle-Künstler. Ein erster früher Höhepunkt fand bereits um 12 Uhr auf der sogenannten Acoustic Stage statt, als der Berliner Modern-Fingerstyle-Virtuose Tobias Rauscher lehrreiche Tricks zur Stärkung der Greifhand und kleine Kniffs für ein flüssiges Legato-Spiel demonstrierte.

Erstmals in Deutschland auf der Bühne stand der russische YouTube-Star Alexandr Misko, der den Besuchern unter dem augenzwinkernden Motto „The Beauty Of Open Tunings“ (O-Ton: „So kann man auch mit Akustik-Gitarren Heavy Metal spielen!“) seine Interpretation von Nirvanas ,Smells Like Teen Spirit‘ präsentierte. Als ihm während seiner Technikdemonstration das Mikro aus der Halterung rutschte, erklärte er kurzerhand: „Sorry, in Russia we don´t have microphones, just a lot of Wodka.“

Einen ähnlich skurrilen Sinn für Humor zeichnet auch den britischen PercussiveFingerstyle-Star Jon Gomm aus. Der virtuose Perfektionist hatte seine berühmte „Wilma“ des nordirischen Gitarrenbauers George Lowden mitgebracht, der man ihre 20-jährige Beanspruchung deutlich ansah. In einem rappelvollen WorkshopRaum fand Gomms Mischung aus Blues, Soul, Rock und sogar Metal-Einflüssen großen Anklang, immer wieder ein echter Hinhörer seine atemberaubende AkustikGitarrenversion von Chaka Khans ,Ain´t Nobody‘.

Nicht weniger eindrucksvoll war die Performance von Maneli Jamal mit seiner Cole-Clark-Signature-Gitarre. Sein Spiel ist von unglaublicher rhythmischer Exaktheit und absolut perfekter Tonbildung gekennzeichnet, ein Hörerlebnis der besonderen Art. Jamal teilte sich die Bühne mit dem 13-jährigen Kroaten Frano Zivkovic, den viele Gitarrenfans von seinen gemeinsamen Auftritten mit Tommy Emmanuel kennen.

Zum Abschluss eines in jeder Hinsicht gelungenen ersten Summit-Tages standen dann ab 18 Uhr nacheinander Tobias Rauscher, Alexandr Misko, Maneli Jamal und Jon Gomm auf der Bühne des Mozart-Saals und begeisterten vor voll besetzten Stuhlreihen. Gomm kam, ganz der eigenwillige Brite, zunächst mit Kapuzenpulli, unter dem sein zuweilen schelmisches Grinsen über die Absurditäten des Alltags nur ansatzweise zu sehen war. Umso offensichtlicher sein packendes Songwriting und seine unglaublichen Darbietungen auf „Wilma“.

ROCK UND BLUES AM SAMSTAG

Der Summit-Samstag war im Vergleich zum eher Acoustic-orientierten Freitag deutlich rockiger. Passend dazu hatten Besucher dank einer einzigartigen Aktion von Musik Produktiv die Möglichkeit, im sogenannten ,Tubeamp-Finity‘-Raum insgesamt 64 verschiedene Röhrenverstärker mit 43 Boxen zu kombinieren und das für sich „perfekte Paar“ zu finden. Natürlich wurde dieses Angebot reichlich genutzt, weshalb der Lautstärke-Pegel in der AmpWorld-Area deutlich höher war als in den erstaunlich leisen übrigen Etagen. Für prominente Summit-Besucher wie Alex Beyrodt (Primal Fear, Voodoo Circle) oder Axel Ritt (Grave Digger) keine ungewohnte Situation. Dabei mussten beide viele Autogramme geben und sich für Selfies zur Verfügung stellen.

Ein Wahnsinns-Andrang herrschte beim Workshop von Guthrie Govan: Natürlich wollten zahllose Summit-Besucher einem der ungewöhnlichsten Rockgitarristen der Gegenwart ganz genau auf die Finger schauen, sodass der Workshop-Saal auf Ebene 2 kurzzeitig aus allen Nähten zu platzen drohte. Guthries geniale Performance war Gänsehaut pur, allein er war den Eintritt zum Summit wert!

Dem Workshop von Victor Smolski auf der Amp World Stage konnte der Lautstärkepegel aus der Amp World Area nichts anhaben. Der ehemalige Gitarrist von Rage, der vor wenigen Tagen das zweite Album seiner neuen Band Almanac veröffentlich hat, demonstrierte echte Metal-Power. Zwischen den Songs, die er mit vollem Körpereinsatz performte, gab der Weißrusse spannende Tipps zum Songwriting und Arrangieren.

Am frühen Abend entschädigte die bei ihrem Workshop leider verhinderte Ida Nielsen mit einem wahren Rhythmusfeuerwerk, zumal sie mit Holger Stonjek, dem Chef von Sandberg Guitars, als zweiten Bassisten auf der Bühne stand. Mit einer bärenstarken Show läutete Nielsen einen Funk- und Rock-geladenen Abend ein.

Der steigerte sich weiter von Minute zu Minute, nachdem Thomas Blugs Rock Anarchie die Bühne geentert hatte und nacheinander Gregor Hilden, Dennis Hormes, Victor Smolski, Jen Majura und Guthrie Govan zu sich holte. Geboten wurden Rock-Klassiker, die es in sich hatten: Blug und Smolski feuerten ein siedend-heißes ,Highway Star‘ (Deep Purple) aus der Hüfte, Jen Majura brachte ein kerniges Medley aus ,Whole Lotta Love‘ (Led Zeppelin) und ,Back In Black‘ (AC/DC), und Govan versetzte mit einer fesselnden Version von ,Walking On The Moon‘ (The Police) das Publikum in Begeisterung. Rasanter hätte der rockige Summit-Samstagabend kaum starten können, bevor die deutschen Instrumental-Progrocker Long Distance Calling ein eindrucksvolles und atmosphärisches Set ablieferten. Die Band gab bekannt, dass vor wenigen Wochen die Arbeiten an ihrem neuen Album abgeschlossen wurden, man darf sich also schon jetzt auf ein weiteres LDC-Meisterwerk freuen. Schon mal vormerken: Wir werden eine große Story zur Veröffentlichung bringen!

ENGLUND & SMOLSKI – METALKORYPHÄEN AM SONNTAG

Am Abend zuvor noch mit seiner Metal-Band The Haunted im ,The Crypt‘ südlich von Stockholm auf der Bühne, traf der schwedische Gitarrist, Songschreiber und Produzent Ola Englund rechtzeitig zu seinem Workshop am Sonntagvormittag ein. Obwohl er in der vorherigen Nacht kaum ein Auge zugemacht hatte, gab er gleich zwei ausgeschlafene Performances, eine zum Thema Selbstmarketing – ein Bereich, der in Zeiten sinkender Verkaufszahlen von CDs/Alben immer wichtiger wird – und zu Modeling-Amps.

Nach seinen beiden spektakulären Auftritten am Samstag war auch Victor Smolski am Sonntag noch einmal zu sehen. Im Workshop-Saal auf Ebene 2 gab er wertvolle Tipps zum Thema „Unverkrampft bei Vollgas!“. Um 16.30 Uhr war dann noch einmal Jen Majura zu sehen. Thema ihres Workshops: „Gear Talk: Das richtige Kabel.“

Einen etwas anderen Aspekt bei GitarrenAmps stellte Thomas Dill auf der Amp World Stage vor: „Kemper Profiler & Effekte“. Hochinteressant und sicherlich zukunftweisend. Aber ist dies wirklich die alleinige Zukunft der Verstärker-Schmiede? David Jordan von Long Distance Calling kommentierte anschließend treffend: „Wer glaubt, er kann es sich einfach machen, indem er sich einen Modeling-Amp kauft, irrt gewaltig. Mit diesen Geräten muss man sich intensiv beschäftigen, wenn sie wirklich gut klingen sollen. Nimmt man sich jedoch diese Zeit, haben die Amps natürlich viele Vorteile.“

FAZIT

Der erste Guitar Summit verlangte wahrlich nach einer Fortsetzung! In diesem Punkt waren sich alle einig und wollen wiederkommen, wenn wir das nächste Mal die Pforten öffnen. Wann das sein wird? Haltet die Augen auf, wir geben es zeitnah bekannt! Einen ausführlichen Überblick der Guitar-Summit-Gear-Highlights wird es in der nächsten Ausgabe geben.

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Ein Kommentar zu “Guitar Summit 2017: Der Nachbericht”
  1. Bodo Flach

    Ich war an allen drei Tagen auf dem Guitar-Summit! Es war fantastisch! Es hat nach meiner Beobachtung nichts gefehlt. Alles und alle waren da. Weiter so! Rosengarten war ein guter Standort!

    Antworten
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