(Bild: Taichi Nishimaki)
Also entstehen manche Grooves auch einfach aus Jams?
Ja. Und ich glaube, genau das ist einer der Gründe, warum unsere Musik – besonders bei den Fearless Flyers – oft missverstanden wird. Viele denken, wir jammen einfach über einen E7#9-Akkord. Natürlich tun wir das auch.
Aber jeder sucht darin seinen Platz. Jeder hat eine eigene Aufgabe. Wir versuchen, uns gegenseitig nicht in die Quere zu kommen.
Wenn ich aber Leute auf Jamsessions beobachte, sehe ich oft eine andere Herangehensweise. Da heißt es einfach: „Wir spielen jetzt E7#9“ und dann spielt jeder vor sich hin. Das ist zwar nicht falsch, aber erst wenn jeder seinen Platz innerhalb des Arrangements findet, beginnt es plötzlich, sich wie ein Song anzufühlen.
Dann entsteht etwas, womit sich Menschen verbinden können. Wenn alle einfach nur denselben Akkord spielen, wird es ziemlich schnell langweilig.
Auf einer Jamsession kann man ja aber kaum etwas anderes machen, als einfach drauflos zu spielen. Man kann den Groove nicht wirklich ausarbeiten …
Doch, das kann man. Man muss einfach zuhören und sich anpassen. Wenn der Schlagzeuger etwas spielt und der Bassist etwas ergänzt, solltest du darauf achten, wo sie ihre Akzente setzen und wo Lücken entstehen – also wo Platz ist, damit du dich einklinken oder bewusst dagegen spielen kannst.
Manchmal dauert es acht Takte, manchmal sechzehn, bis man seinen Platz gefunden hat. Aber genau darum geht es: einen Part zu finden, der mit dem funktioniert, was alle anderen gerade machen. Wenn ich mit meiner Band jamme, weiß ich, dass wir nach 30 Sekunden etwas gefunden haben, das funktioniert.
Ob das schon die perfekte Version ist? Vielleicht nicht, aber manchmal haben wir Glück. Wenn jeder mit der Haltung spielt, selbst etwas Interessantes beizutragen und gleichzeitig den anderen ebenfalls Raum dafür zu geben, entsteht Magie. Man findet Platz für sich selbst und für die anderen. Eigentlich ist das auch eine Lektion fürs Leben.
Gear
Es fällt auf, dass du keine Vintage-Gitarren verwendest. Wie kommt’s?
Zum Glück besitze ich keine einzige Vintage-Strat, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Ich brauche unbedingt 22 Bünde. Warum ich darauf so fixiert bin, weiß ich selbst nicht. Aber ältere Strats hatten eben nur 21 Bünde.
Brauche ich den 22. Bund überhaupt? Nicht wirklich, denn eigentlich geht es nur um das hohe D. Irgendwie fühlt es sich für mich einfach falsch an, wenn dieser Ton fehlt. Das hat mir eine Menge Geld gespart. (lacht)
Hatte deine erste Strat also auch schon 22 Bünde?
Ja. Das war eine Highway One Strat. Das war damals einfach die amerikanische Strat, die ich mir leisten konnte. Es war das günstigste Modell, und ich habe sie gebraucht gekauft in einem Laden in Minneapolis.
Meine allererste Gitarre allerdings habe ich für 50 Dollar in einem Pfandhaus gekauft. Das war eine weiße Gretsch-Traveling-Wilburys-Gitarre. Damals wusste ich noch gar nicht, wer die Traveling Wilburys überhaupt waren. Die einzelnen Musiker kannte ich natürlich, aber die Band sagte mir nichts.
Für mich war das einfach eine 50-Dollar-Gitarre, und ich wollte Gitarre spielen. Mehr konnte ich mir nicht leisten. In den ersten beiden Wochen hatte sie nur fünf Saiten.
Irgendwann sagte mein Vater: „Wir sollten dir wohl mal einen Satz Saiten besorgen.“ Also kauften wir einen Satz, lernten gemeinsam, wie man sie aufzieht, und ich spielte diese Gitarre eine Zeit lang – bis schließlich die Strat kam.
Tour-Equipment
(Bild: Marian Menge)
- Fender Cory Wong Signature
- Music Man StingRay II
- Wampler Cory Wong Compressor & Boost
- Jackson Audio The Optimist Dual Overdrive & EQ
- Hotone Wong Press Volume Exp Wah
- Neural DSP Quad Cortex
(erschienen in Gitarre & Bass 10/2026)