In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre spielte sich das norwegische Quintett an die Spitze der skandinavischen Rockwelle, zu der auch die Hellacopters oder die Backyard Babies gehörten. 2005 war dann vorläufig Schluss.
Mit ‚Same Drug New High‘ meldeten sie sich nach 22 Jahren zurück. Wir sprachen mit Gründungsmitglied Arne Skagen, besser bekannt als Captain Poon, über das Equipment von damals und heute.
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Arne, ich habe in meinem Archiv einen Live-Gear-Report von 2002 gefunden. Du hast damals vor allem Gitarren mit P90-Pickups gespielt, bevorzugt mit einem einzelnen Tonabnehmer. Du hattest eine weiße SG Junior und eine Les Paul Junior als Spare.
Stimmt, das war seinerzeit mein Setup. Heute ist das etwas anders. Mittlerweile spiele ich vor allem Les-Paul-Style-Modelle mit Humbuckern – und dazu eine Gitarre, die seit 2004 an meiner Wand gehangen hat. Wir waren damals mit Monster Magnet auf Tour und haben Duesenberg in Hannover besucht.
Dort gaben sie mir eine Diego Gitarre im Strat-Style. Aber sie hat mich nie wirklich angesprochen. Vor etwa einem Jahr habe ich den Steg-Pickup gewechselt und einen DiMarzio Mini-Humbucker eingebaut. Damit hat sich der Sound der Gitarre massiv verändert.
Ich dachte immer, dass die Fender Stratocaster die lahmste Gitarre der Welt ist. Aber auf einmal klang dieses Teil richtig gut. Ich hatte keine Wahl, ich musste sie einfach spielen. Außerdem stehe ich aktuell sehr auf meine Edwards Les Paul.
Edwards ist ein Sub-Label von ESP und wird vor allem auf dem japanischen Markt angeboten. Wie bist du an sie gekommen?
Unser anderer Gitarrist Raldo [Useless] ist der größte Geek, wenn es um alle Art von Effektpedalen und Gitarren geht. Eigentlich solltest du mit ihm sprechen. Jedenfalls, die Geschichte ist die: Ich bin vorletzten Sommer 50 Jahre alt geworden, und die Jungs wollten mir ein besonderes Geschenk machen.
Also haben sie sich zusammengetan und mir diese Edwards im Les Paul Custom-Style gekauft. Das ist eine richtig coole Gitarre. Sie wurde sofort meine erste Wahl. Bis dahin hatte ich eine Greco Les Paul aus den späten 1970er-Jahren benutzt.
Diese beiden Modelle sind aktuell meine Hauptgitarren. Aber generell habe ich zu viele. Wenn du Gitarre spielst und ein Instrument siehst, das dich anspricht und cool aussieht, wirst du schnell schwach. Und schon hast du sie gekauft …
Ist Edwards in Norwegen in Musikläden erhältlich? Hier in Deutschland ist die Marke kaum oder nur sehr begrenzt verfügbar.
Nein. Ich denke, Raldo hat sie auf Ebay oder einer ähnlichen Plattform gefunden. Sie ist schon etwas älter, aber genau weiß ich das nicht.
Die aktuelle Hauptbesetzung: die Greco Les Paul aus den späten Siebzigern, ganz rechts die cremefarbene Edwards Les Paul Custom – das Geburtstagsgeschenk seiner Bandkollegen zum 50. (Bild: Skagen)
Du bist also zu Humbuckern gewechselt und spielst heute vor allem Les Pauls. Gibt es einen speziellen Grund dafür?
Ich denke, ich wollte einfach ein bisschen heavier klingen. Früher habe ich immer Peavey-5150-Amps benutzt, wir hatten damals einen Endorsement-Deal mit ihnen. Als wir angefangen haben, mit Gluecifer für die Reunion zu proben, bin ich zu einem Marshall JCM800 gewechselt.
Ich spiele über den High-Kanal, brauche also kein Fuzz-Pedal. Ich benutze nur Booster und die Verzerrung des Amps. Für mich klingt es so sehr gut.
Als Gitarrist versuchst du ja immer viele verschiedene Dinge – und für einen kurzen Zeitraum glaubst du, dass du jetzt endlich den perfekten Sound gefunden hast. Zwei Wochen später denkst du dann, dass es wahrscheinlich doch besser ist, wie du es vorher gemacht hast. Grundsätzlich habe ich ein ziemlich simples Setup.
Es ist eine Kombination, die eigentlich immer funktioniert. Eine Les Paul über einen JCM ist schon mal mehr als die halbe Miete.
Stimmt. Damit kann man eigentlich nichts falsch machen.
Was für ein Boost-Pedal verwendest du?
Ich habe vor kurzem ein MXR Timmy von Dunlop bekommen [dazu sitzt ein Xotic EP Boost auf dem Board, Am. d. A.]. Das funktioniert sehr gut. Wenn du als Basis die Verzerrung aus dem JCM benutzt, bleibt alles sehr kontrolliert, der Ton ist ziemlich klar.
In diesem Kontext unterscheiden sich die Boost-Pedale dann sehr deutlich voneinander, sie klingen nicht ähnlich oder gar gleich. Das macht es schwer und leicht zugleich – einerseits ist es schwer, das perfekte zu finden. Aber wenn du es findest, hast du dein Ziel erreicht.
Was ist noch auf deinem Pedalboard?
Nicht sehr viel. Ich verwende ein Wah-Pedal [Dunlop Cry Baby Standard], ein Tremolo [Mad Professor Mellow Yellow], einen Phaser [MXR Phase 95] und dazu einen Hall [Electro-Harmonix Holy Grail]. Insgesamt sind es sechs Pedale, wenn ich das richtig auf dem Schirm habe. Mehr brauche ich nicht.
Kein Delay?
Nein, ich benutze kein Delay.
Sechs Pedale, mehr braucht Captain Poon nicht: Xotic EP Booster und MXR Timmy fürs Anschieben des JCM800, dazu Mad Professor Mellow Yellow (Tremolo), MXR Phase 95, ein Dunlop-Wah und der Electro-Harmonix Holy Grail für den Hall. (Bild: Skagen)
Das ist ziemlich überschaubar.
Wie gesagt, ich bin kein Typ für ausgefallenes Zeug. Da gibt es ganz andere Beispiele. Schau dir etwa eine Band wie The War on Drugs an – ihr Gitarrist Adam Granduciel hat ein Pedalboard, das wie ein Halbmond um ihn herumläuft. Das ist sehr beeindruckend, weil er weiß, wie man es benutzt.
Live hörst du diese ganzen verschiedenen Sounds. Aber bei vielen Konzerten ist das nicht so. Die Gitarristen haben zwar eine Tonne Equipment auf der Bühne, aber du hörst kaum Unterschiede, weil der Grundsound so verzerrt ist, dass die Effekte beinahe verschwinden.
Ich finde, wenn man einen Effekt einsetzt, sollte er auch deutlich zu hören sein. So gehe ich die Sache zumindest an.
In dem anfangs angesprochenen Artikel war Raldo mit Humbucker-Gitarren zu sehen, etwa einer Flying V und einer Les Paul. Du hattest damals neben den P90-Modellen auch eine Telecaster im Setup. Wie sieht es heute aus? Spielt ihr beide Humbucker?
Ja, er spielt meistens ebenfalls Les Paul.
Habt ihr euch dabei Gedanken gemacht, wie sich die Sounds am besten kombinieren lassen?
An so etwas verschwenden wir keine allzu großen Gedanken. Raldo spielt über einen Hiwatt-Amp mit passenden Boxen, ich benutze wie erwähnt den Marshall über zwei custom made Cabinets. Außerdem hat er unter anderem ein Distortion-Pedal im Setup.
Es gibt also automatisch Unterschiede bei den Sounds. Dazu kommt, dass unser Toningenieur, der schon seit vielen Jahren mit uns arbeitet und auch das Album gemischt hat, sehr gut darin ist, unsere Sounds zu separieren. Das macht auch live einen großen Unterschied.
Eine letzte Frage bezüglich der Gitarren von damals: Die SG und Les Paul Juniors waren Gitarren mit nur einem Pickup. Manche Gitarristen sind der Ansicht, dass Gitarren mit nur einem Tonabnehmer besser klingen, weil dabei die Saitenschwingung nicht durch den Hals-Pickup beeinflusst wird.
Gitarristen erzählen viel. Weniger als die Hälfte davon ergibt einen Sinn. Vielleicht sind es auch nur 20%. Aber das ist wohl das Dümmste, was ich je gehört habe.
Ich habe sechs Gitarren mit nur einem Pickup. Die klingen nicht deswegen besonders gut, weil sie nur einen Tonabnehmer haben. Nur einen Pickup zu haben, bedeutet, dass das der einzige Sound ist, den du bekommst. Wenn du diesen Sound magst: großartig.
Ich denke, die meisten Rock-Gitarristen benutzen eh vor allem den Steg-Pickup und den Hals-Tonabnehmer höchstens mal, wenn überhaupt, für Soli. Wenn du diesen tieferen Sound nicht brauchst, ist eine Junior eine sehr gute Wahl. Völlig in Ordnung. Aber sie klingt nicht unbedingt besser, weil sie nur einen Pickup hat.
Du denkst also, das ist eher im Bereich der Mythen angesiedelt.
Definitiv [lacht].
Bild: Skagen
Bild: Skagen
Ihr habt eine Tour zum Album gespielt. Wie war es?
Es war eine Erleichterung. Endlich ist es soweit und wir stehen wieder gemeinsam auf der Bühne. Wir haben viel geprobt und uns dabei um all die wichtigen Dinge gekümmert.
Es ist eine Sache, eine Platte aufzunehmen. Aber dann musst du das im Studio perfektionierte Resultat auch live umsetzen, dafür braucht es jede Menge Proben. Das eine oder andere muss man dabei ein klein wenig ändern, damit es auf der Bühne funktioniert.
Es fühlt sich sehr gut an, wenn das Publikum dir vermittelt, dass du diesen Job gescheit erfüllt hast. Die Resonanz war hervorragend.
Ihr habt auf der Tour immer ein paar Shows am Stück gespielt und seid dazwischen zurück nach Norwegen gegangen.
Korrekt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist natürlich, dass wir es uns erlauben können. Viele Bands haben diese Wahl nicht, denn es ist teurer und zieht die Sache in die Länge.
Es gibt also gute Gründe, warum man es nicht so machen sollte, und stattdessen drei oder vier Wochen am Stück unterwegs sein sollte. Dann ist die Angelegenheit erledigt und man kann sich auf etwas anderes konzentrieren. Aber in unserem Fall ist es so, dass wir bei unserer Wiedervereinigung sehr fokussiert darauf waren, diesen neuen Abschnitt als großen Bonus in unserem Leben zu betrachten und ihn entsprechend zu würdigen.
Als wir uns 2005 getrennt haben, waren wir extrem müde voneinander. Wenn du die ganze Zeit von den gleichen Leuten umgeben bist, hast du am Ende nicht mehr viel zu reden, denn du erlebst ja dieselben Dinge. Was anfangs sehr aufregend war, wurde am Ende fast schon zur Arbeit.
Dieses Mal sollte es etwas sein, das vor allem Spaß macht. Dafür war es sehr wichtig, uns nicht mehr aufzubürden, als wir geben können. Wir kennen uns seit langer Zeit und wissen, was funktioniert und was nicht. Es fühlt sich gut an, wenn man weiß, dass man nach Hause kommen und sein Ding machen kann, um dann ein paar Tage später wieder aufzubrechen und loszulegen.
Du bist 1974 geboren. Wer hat dich zur Gitarre gebracht?
Angus Young. Ich habe meine erste AC/DC-Show gesehen, als ich 13 Jahre alt war. Bis dahin wurde mir in den Musikstunden in der Schule erzählt, welche Vorschriften und Regeln es gibt, wenn man Gitarre spielen will. So etwas ist natürlich ein bisschen langweilig und wenig motivierend.
Als ich dann dieses Konzert erlebte, änderte sich alles. So kann man also auch Gitarre spielen! Das hat das Ganze sofort viel interessanter gemacht. Kurz darauf war ich zum ersten Mal mit einer elektrischen Gitarre und einem Schlagzeuger in einem Raum.
(Bild: Laukli)
War das auch der Moment, als du entschieden hast, dass Gibson-Gitarren für dich cool sind?
Absolut. Als Riesenfan von Angus Young war das einzige, was ich in meinem Leben wollte, eine Gibson SG. Aber ich musste mich damals noch drei oder vier Jahre gedulden, bis es soweit war und ich mir eine leisten konnte. Als dieser Moment schließlich kam, habe ich sofort zugeschlagen.
Seitdem bist du diesem Standpunkt seitdem treu geblieben. Kommen wir am Ende aber noch mal zu der von dir erwähnten Diego Strat. Es hat lange gedauert, bis du dieses Instrument für dich entdeckt hast. Aber nun hast du sie auch gleich im Video eurer aktuellen Single ‚I’m Ready‘ verewigt.
Und es gab auch direkt Leute, die fragten, warum ich eine Strat spiele. „Was zur Hölle macht der da? Wie lahm ist denn das?“ Aber wisst ihr was: Ihr könnt mich mal.
Jeder hat zu allem eine Meinung. Aber man muss sie sich ja nicht unbedingt anhören.
Immerhin hast du ja früher auch schon eine Tele auf der Bühne gespielt, hattest also zumindest ein gewisses Interesse an Fender-artigen Gitarren.
Naja … Sagen wir es so: Ich hatte eine Telecaster. Für ein paar Songs unsers Albums ‚Basement Apes‘ aus dem Jahr 2002 passte sie sehr gut. Aber das war auch der einzige Grund. Ich war nie ein Telecaster-Typ.
Vielleicht solltest du mal einen Mini-Humbucker in eine packen … Danke für das Gespräch!