„Wir haben die gleiche Erfahrung gemacht, wie alle Bands, die vier, fünf Jahrzehnte zugange sind: Die Leute wollen nichts Neues.“

BAP auf Zeitreise: Wolfgang Niedecken & Ulrich Rode im Interview

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(Bild: Matthias Mineur)

Wer in diesem Jahr auf einem Konzert der Kölsch-Rocker BAP war, hat die wohl beste Besetzung in der fast 50-jährigen Karriere der Band gesehen. Woran dies liegt? An der erstklassigen neunköpfigen Besetzung inklusive Bläsersektion sowie einer Rückbesinnung auf die Urtugenden der Gruppe.

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Dafür verantwortlich ist natürlich Frontmann Wolfgang Niedecken, aber auch sein Leadgitarrist Ulrich „Ulle“ Rode. Wir haben uns mit beiden auf der Freilichtbühne Wiesmoor am Nachmittag ihrer ‚Zeitreise‘-Show getroffen. Hier sind die Interviews!


(Bild: Matthias Mineur)

WOLFGANG NIEDECKEN

Wolfgang, dein derzeitiges Bühnenequipment als spartanisch zu bezeichnen ist fast noch untertrieben, oder?

Ich habe keine Zeit, mich um Technik zu kümmern, deshalb habe ich früher nur eine akustische Gitarre mit Tonabnehmer oder eine Telecaster mit möglichst wenig Knöpfen gespielt. Ich bin auf der Bühne der Gastgeber, muss die Sachen anmoderieren, das Programm in einen Bogen bringen und schauen, dass es den Zuschauern gutgeht.

Deine derzeitige Akustikgitarre ist eine Gibson Hummingbird!

Zu meinen beiden wunderbaren Gibsons habe ich ein geradezu sentimentales Verhältnis, denn wichtige Stones-Platten wurden mit Hummingbirds aufgenommen.

Niedeckens Gibson Hummingbirds
Niedeckens Gibson Hummingbirds

Du hast die Gitarren regulär gekauft?

Meine Frau hat sie ausgesucht. Sie hat sich in einem Kölner Geschäft verschiedenste Modelle vorspielen lassen und eines davon ausgewählt. Von der Hummingbird war unser damaliger Gitarrist Helmut Krumminga so begeistert, dass er sich auch eine besorgt hat, sozusagen als Doppelkauf. Anschließend habe ich mir noch eine zweite zugelegt, die etwas dunklere, die ich mittlerweile am liebsten spiele. Zur darauffolgenden Tour hatte ich dann entschieden, nur noch akustische Gitarren zu spielen.

Diese Entscheidung hast du allerdings rückgängig gemacht!

Ich habe während der aktuellen Tournee gemerkt, dass ich für einige Stücke von ‚Zwesche Salzjebäck un Bier‘ auch eine elektrische Gitarre gebrauchen könnte. Eigentlich hätte ich gerne meine geliebte Telecaster wieder rausgeholt, doch von der musste ich mich aufgrund meines Schlaganfalls und eines sehr schmerzhaften Bandscheibenvorfalls leider auf der Bühne verabschieden. Bemerkenswerterweise ist mir der Bandscheibenvorfall schlimmer in Erinnerung geblieben als der Schlaganfall. Zum Glück haben wir ihn ohne Operation, nur mit Physiotherapie behoben. Ich mache konsequent jeden Morgen meine Übungen, damit die Muskulatur das übernimmt, was normalerweise das Rückgrat übernehmen würde.

Außerdem hat dir die Firma Duesenberg angeboten, eine extrem leichte Wolfgang-Niedecken-Signature-Gitarre zu bauen.

Richtig. Wenn du sie nur am Gitarrengurt hast, kippt sie mit dem Hals runter, so leicht ist der Korpus. Anschließend hat mir unser Tontechniker Schnalli ein kleines Stressbrett gebaut, damit ich mich um nichts mehr kümmern muss. Ich will meinen Mitmusikern nicht die Ohren vollschrammeln, Schnalli kann meinen Sound vom FOH aus wunderbar regeln, und ich habe alles direkt auf den Ohren. Ich kann also ordentlich reinhalten und muss mir keine Sorgen machen, dass ich meinen Kollegen den Spaß verderbe.

Duesenberg Starplayer TV Rebound in Black und Sunburst
Duesenberg Starplayer TV Rebound in Black und Sunburst

Haben Duesenberg bestimmte Wünsche berücksichtigt?

Der Hals darf nicht zu dünn sein, ich bin Rhythmusgitarrist und könnte sonst bei einigen Akkorden Probleme bekommen. Ich möchte nicht groß darüber nachdenken, was ich spiele, denn wenn die Griffe zu kompliziert sind und ich an der Gitarre herunterschauen muss, kann ich nicht mehr singen.

Nach welchem Vorbild ist dein Amp-Emulationspedal programmiert?

Schnalli weiß natürlich, auf welche Sounds ich stehe, er hat mir für die E-Gitarre einen schönen, leicht angezerrten crunchy Sound programmiert. Beim Pedal handelt es sich um das Universal Audio Lion 68 Super Lead, also quasi die Marshall-Variante.

Niedeckens Pedalboard mit dem Universal Audio Lion 68 Super Lead (Bild: Matthias Mineur)

Du hast aber sicherheitshalber auch noch deinen ENGL als Ersatz dabei, richtig?

Mit dem ENGL habe ich früher live gespielt. Davor hatte ich immer Marshalls, aber das war natürlich völliger Quatsch. Ich bin kein Sologitarrist, das ist jetzt der Ulle, bei dem steht mein Marshall als Backup auf der Bühne. Irgendwie stören diese Dinger auch den Gesamteindruck. Wenn ich mir das aktuelle Bühnenbild anschaue, und hinter mir würde ein großer Verstärker stehen, von dem ich weiß: „Boah, der ist jetzt zu laut, das knallt mir in die Mikrofone!“, während gleichzeitig die Kollegen denken: „Scheiße, muss der Alte überhaupt noch so viel Gitarre spielen?“ Das macht keinen Sinn.

Spielst du zuhause oft Gitarre?

Ja, regelmäßig.

Mit der Hummingbird?

Zuhause spiele ich meistens mit einer wunderschönen Martin-Signature, die ich auch bei meinen Solo-Auftritten dabeihabe. Eine Gitarre mit wirklich sehr schönem Style, mit ein bisschen Schnickschnack, kleinen Symbolen auf dem Griffbrett, und so weiter. Für die Solo-Gigs ist das super, aber bei der Martin hätte ich Angst, sie mit der gesamten Band zu spielen. Vielleicht tue ich der Martin unrecht, aber bei den Hummingbirds habe ich das Gefühl, dass sie robuster sind.

Wie viele Gitarren besitzt du generell?

So genau weiß ich es nicht, ich schätze irgendwas um die 25.

BAPs Gitarrentechniker Carsten Klick (Bild: Matthias Mineur)

Du bist also kein Sammler?

Nein. Ich besitze ein paar wirklich schöne Dinger, aber die würde ich nicht unbedingt auf der Bühne spielen. Ich habe zum Beispiel eine wunderbare Gibson Goldtop von 1952, die ich irgendwann für wenig Geld in einem Second-Hand-Laden gefunden habe und die ziemlich runtergerockt und mehr grün als golden ist (lacht), aber irgendwann hat meine Crew zu mir gesagt: „Du, hör mal, bring sie lieber nicht mehr mit, wäre zu schade, wenn sie mal umfällt und dann kaputt ist.“

Wie sieht dein In-Ear-Monitormix aus?

Ich mag es, wenn meine Stimme schön eingebettet ist und ich mich trotzdem gut hören kann. Wie man mir erzählt hat, gibt es Kollegen, die ihre Stimme möglichst deutlich hören wollen. Ich dagegen habe es am liebsten, wenn sie eingebettet ist und ich auch noch ein bisschen kämpfen muss, um mich durchzusetzen. Denn sonst werde ich zu faul, zu leise. Deshalb bin ich zum Beispiel beim Soundcheck ganz schlecht. Ich bin halt eine Rampensau, ich spiele und singe völlig anders, wenn ich vor Leuten stehe.

Ist der Monitormix für dich schwieriger geworden, seitdem Bläser in der Band sind?

Nein, überhaupt nicht, sondern sogar deutlich einfacher. Das Geheimnis ist, dass die jetzige Band sehr songtauglich spielt. Von allen Gitarristen, mit denen ich jemals gespielt habe, spielt Ulle am songtauglichsten. Er spielt einfach, er drängelt sich nicht vor.

Und deshalb klingt ihr jetzt wieder wie die Originalbesetzung?

Besser gesagt: So hätten wir damals gerne geklungen! Die Menschen sollten sich mal unser erstes Live-Album und das Live-Album von dieser Tour nebeneinander anhören und dann fair beurteilen. Damals waren wir eine wild gewordene Amateur-Kapelle, das sind wir jetzt nicht mehr. Ich habe mir unsere Wacken-Show direkt nachts im Fernsehen angeschaut: Mein lieber Freund, das war ein Brett! Es hat durch den Bläsersatz eine schöne zusätzliche Farbe bekommen, die den Arrangements guttut.

Wird es in dieser Besetzung also demnächst ein neues Studioalbum geben?

Schauen wir mal. Ich habe ein paar Ideen für nächstes Jahr, unserem Jubiläumsjahr, da müsste man eigentlich eine neue Platte machen. Wir haben allerdings die gleiche Erfahrung gemacht, wie alle Bands, die vier, fünf Jahrzehnte zugange sind: Die Leute wollen nichts Neues. Billy Joel hat gesagt, ihm würde nichts mehr einfallen, deswegen würde er keine neue Platte mehr machen. Das ist natürlich Quatsch, eine kleine Notlüge, Billy Joel würde mit Sicherheit noch ganz viel einfallen. Unser letztes Studioalbum ‚Alles fließt‘ halte ich für unser bestes Werk überhaupt. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass man den Leuten mit stinkendem Fisch hinterherläuft, wenn man einen der neueren Songs spielt. Das ist zwar traurig, aber damit müssen alle klarkommen.

BAPs Leadgitarrist Ulrich Rode im Interview auf Seite 2

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Bei BAP bin ich wohl sehr altmodisch. Die Arrangements mit Bläsern sowie einige andere neuere Arrangements gefallen mir überhaupt nicht.
    ..und ohne Major sowieso nicht 😀

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    1. Da bin ich der gleichen Meinung.

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    2. …ohne den Major existiert BAP überhaupt nicht!!!

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      1. Mensch, Leute … das “früher war alles besser” sollten wir doch nicht von denen übernehmen, die sowieso alles besser wissen und denen Veränderungen anscheinend weh tun. Alles zu seiner Zeit.
        Der Major war genial, andere Bandmitglieder auch und 2026 spielt BAP mit neuen fantastischen Musikern, die sich dazu auch noch gut verstehen und dabei auf die alten guten Zeiten aufbauen. Ohne Vergangenheit keine Zukunft! WN ist eine coole Socke, freundlich und ohne Dünkel zu jedermann und darf doch seine aktuelle Band wertschätzen! Insbesondere Ulle Rode, der sein elegantes Spiel auf alte Werte aufbaut und damit zitiert. Auch er schätzt den Major und seine Licks, bringt aber eigene Interpretationen ein. Ohne das alte zu verleugnen. Mit hohem technischen Können. Dazu ist er der musikalische Leiter, motiviert die Band, drängt sich aber nicht nach vorn und nimmt alle mit auf die Reise. WN kann sich total auf ihn und seine Band verlassen und sich auf das konzentrieren, was er soll: Frontmann, Botschafter der BAP-Musik und Texte, Mahner und Identifikationsfigur. BAP’s Musik und seine Inhalte sind gerade in den heutigen Zeiten so wichtig!

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  2. Ich musste nur bei den Worten “…wohl beste Besetzung in der fast 50-jährigen Karriere der Band…” lachen, weil ich nicht weiß, welches Qualitätskriterium hier angewandt wird und ja irgendwie all die richtig richtig guten Bandmitglieder im Laufe der BAP-Geschichte unrecht tun.
    Es war ja nicht nur der Major, dessen Riffs ja bis heute gefeiert werden, auch die anderen “damals” und “damals2” und “damals3” fand ich einfach nur gut.
    Es geht doch hier um ein geniales Gesamtwerk rund um Herrn Niedecken, der ja auch ohne die Musik schon eine verehrenswerte Persönlichkeit ist.
    Mein Vorschlag ist, stellt doch in einer langen endlosen Reihe von kleinen Artikeln jeden der Musiker und Techniker ! von BAP kurz vor, warum sie so prägend waren und was sie heute machen.
    Dann ist das Gesamtpaket sicherlich mit solchen Vokabeln noch beinahe untertrieben: GENIAL in jedem Wort, Ton und Motivation für junge engagierte Musiker-, egal ob “-Innen” oder “-open air”…
    Das versteht wohl nur jemand der Dota´s Lied “Tontechniker” kennt ( siehe etwa auf YouTube: “https://www.youtube.com/watch?v=pLiRntniB5s” ==> “Dota kehr @ kfz marburg 14/1/25 live, „tontechniker/innen oder auch open air“ :)”
    Natürlich auch als Tipp gemeint, mal über Dota und ihre Musik zu berichten….
    Ich habe jedenfalls BAP in jedem Jahrzehnt und in jeder Besetzung seit dem ersten Konzert in der Bremer Uni-Mensa einfach nur abgefeiert:
    D A N K E an A L L E !

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  3. Der Niedecken ist immer noch auf Egotour, alle anderen sind weggeätzt.
    Aber das ist ja etwas, das man von den Alpha-Tieren gewohnt ist.

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    1. Aus welcher Quelle hast du das denn, das Wolfgang Niedecken alle anderen ehmaligen Bandmitglieder weggeätzt hat? Klaus Heuer u Wolfgang Niedecken sind bis heute immer noch gut befreundet. Mit den anderen ehmaligen Mitgliedern ist das ähnlich. Es ist doch völlig normal, dass es in so einem Bandgefüge mit mehreren Alphatieren auch mal kracht. Aber das Wolfgang Niedecken die ehmaligen Bandmitglieder alle wegeätzt hat, scheint mir doch sehr weit hergeholt

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  4. Ich muss zustimmen, die Aussage “die wohl beste Besetzung in der fast 50-jährigen Karriere der Band” ist einfach hanebüchen.
    Wer die Band in ihrer Blütezeit erlebt hat, weiß, dass BAP über viele Jahre eine klasse Band war, wenn auch nicht perfekt.

    Dagegen kann die heutige Truppe nicht anstinken. Wie auch? Es sind ja nur eingekaufte Söldner, die spielen das und wie WN es will.

    Und genau das ist das Problem, es ist weit und breit keiner dabei, der auch nur annähernd so gut Songs schreiben kann wie dmit Abstand beste Musiker der Truppe. Kurz, er fehlt hinten und vorne. Und jetzt wäre es eine gute Gelegenheit, ihn wieder an Bord zu nehmen und es wieder miteinander zu probieren. Wann, wenn nicht jetzt?

    Allerdings glaube ich nicht, dass das passieren wird, denn WN hat es sich in seiner Wohlfühlecke gemütlich eingerichtet. Es ist ja von den damaligen Mitmusikern keiner mehr an Bord, was irgendwie schon tief blicken lässt.
    WN bestimmt allein, was gemacht wird.
    Und genauso klingt es dann leider auch mit seiner Cover-Band. Gähn!

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