Produkt: Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd
WahWah-Kompaktklasse

Test: Morley 20/20 Bad Horsie & Power Wah

Morley 2020 Wah Power Wah(Bild: Petia Chtarkova)

Die US Marke Morley kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, unter anderem erfanden ihre Gründer das Ölkannen-Delay (andere Geschichte), legendär ist sie aber vor allem wegen ihrer mittlerweile stattlichen Auswahl an hochwertigen Wah-Pedalen.

Morley setzte dabei immer schon auf einen Opto-Koppler bei der Steuerung des Effekts anstatt auf ein Potentiometer – weshalb Morley-Wahs als besonders verschleißfrei gelten. Leider galten sie auch immer schon als groß und schwer – dagegen geht die Firma seit einiger Zeit mit einer deutlichen Verkleinerung der Formate vor, ganz im Trend zum immer kleineren Pedal für die eng bepackten Boards von heute.

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BASICS

Mit der 20/20-Reihe stellt Morley nun die nächste Inkarnation ihrer legendären Designs vor – wir legen uns aus der Serie das Bad Horsie sowie das Power Wah unter den Fuß.

Mit knapp 900 Gramm Gewicht sind die beiden zwar deutlich leichter als ihre Vorgänger, im Vergleich zu anderen (Mini)-Wahs aber keine Fliegengewichte. Mit ca. 17 cm Länge sind die Morleys rund 6 cm kürzer als ein „Standard“-Wah, mit 10,5 cm Breite übertreffen sie dieses jedoch immer noch um ca. 3 cm.

Sollte die Größe eine Rolle spielen bei der Kaufentscheidung, muss man überlegen, ob einem Platzsparen in der Breite oder Tiefe des Pedalboards wichtiger ist. Ich persönlich muss meinen Fuß komplett auf dem Wah geparkt haben, um das richtige „Shaft“-Feeling (also rhythmisches Gewedel) im Gelenk zu haben und dabei tight zu bleiben – für Funk-Anwendungen ganz entscheidend!

Bei Mini-Wahs – so auch bei den Morleys – ragt mein Fuß allerdings vorne über das Pedal hinaus und stößt dort unschön an andere Geräte auf dem Board, was die Platzeinsparung eigentlich ad absurdum führt. Mini-Wahs kämen für mich nur für Swells o. ä. in Frage, die man auch zärtlich mit den Zehenspitzen hinbekommt. Das muss letztlich jeder selbst wissen bzw. ausprobieren und ist anwendungsabhängig.

Unabhängig vom Konzept ist an der Verarbeitung der beiden Pedale nichts auszusetzen. Wie immer bei Morley, könnte auch ein Panzer drüberfahren, ohne dass das Pedal Schaden nähme. Gerollter Stahl, rutschfeste Auflageflächen mit im Dunkeln leuchtendem Logo, leicht zugängliche Batteriefächer (9V-Netzteilbetrieb geht natürlich auch) und satt einrastende Buchsen sind Programm. Beide Wahs arbeiten mit einem sogar ausdrücklich beworbenen „20/20“-Buffer im Schaltkreis, weshalb Fuzz-Pedale auf jeden Fall vor ihnen in der Signalkette angeordnet werden sollten.

BAD HORSIE

Das 20/20 Bad Horsie ist die Variante von Steve Vais Signature-Wah-Pedal. Die Spezialität des Bad Horsie ist, dass es nicht, wie fast alle anderen Morley-Wahs, per seitlichem Druckschalter eingeschaltet wird, sondern mit dem Fuß auf der Klappe. Nimmt man ihn wieder runter, holt eine starke Feder das Gerät zurück in den Bypass-Modus. Der Schalter rechts übernimmt die Aktivierung eines zweiten Betriebsmodus – „Contour Wah“, in dem dann auch das linke der beiden Mini-Potis (Contour) aktiv ist. Das rechte ist ein Volume-Poti, mit dem sich das Wah-Signal ordentlich boosten lässt.

Beim Test zeigt sich, dass es nicht ausreicht, einfach den Fuß auf das Pedal zu setzen, um es zu aktivieren. Man muss schon drücken – wenn auch bei Weitem nicht so beherzt wie bei einem anderen Wah, wo ein mechanischer Schalter per Druck mit dem Fuß aktiviert wird. Im Unterschied zu einem „normalen“ Wah steigt man also nicht mit dem voll durchgedrückten Filtersound in den Betrieb ein, sondern am „unteren“ Ende des Sounds.

Die Feder, die das Pedal steuert, ist dabei so fest eingestellt, dass es bei Loslassen sofort in die Ausgangsposition – und damit Bypass – zurückschnellt. „Cocked Wah“-Sounds (also der Sound eines festgestellten Wahs) sind also nur möglich, wenn man das Pedal mit dem Fuß in Position hält.

Beim rhythmischen Spielen merkt man im Feeling keinen Unterschied zu einem „normalen“ Wah, obwohl am unteren Ende des Regelwegs der Bypass-Ton erklingt. Bei Swells jedoch ist ein Sound-Sprung zwischen Bypass und Wah-Sound zumindest im Heimbetrieb deutlich hörbar, was auch für Recordings wichtig ist. Dazu kommt ein hochfrequentes Rauschen im Betrieb. Das ist nicht ungewöhnlich für ein Wah, aber im direkten Vergleich stärker als bei anderen.

Im „Contour“-Modus lässt sich die Spannweite des Wah-Filter einstellen – von ganz sanft bis sehr schrill. Insgesamt hat das Bad Horsie einen recht vokalen, weichen Charakter, und beackert klanglich eher Vox- als Cry Baby-Territorium.

Morley 2020 Wah Power Wah(Bild: Petia Chtarkova)

POWER WAH

Das Power Wah ist die Neuauflage eines Morley-Klassikers aus den 1970er-Jahren. Seine Spezialität: Es hat einen 20dB Boost an Bord – und eignet sich damit als Werkzeug vor allem für das Solospiel. Anders als beim Bad Horsie muss man es mit dem Druckschalter rechts aktivieren. Dieser für Morley typische zusätzliche Bewegungsablauf ist für so manchen Wah-Spieler dem echten Feeling abträglich – Geschmackssache.

Wie beim Bad Horsie steigt man auch hier im tiefen Frequenzbereich des Wahs in den Sound ein – genau anders herum als bei „normalen“ Wahs. Das ist einfach Gewöhnungssache. Anders als das Bad Horsie hat das Power Wah keine Rückholfeder, man kann die Klappe also genau so positionieren, wie man sie braucht – feststehende Wah-Sounds sind also möglich.

Allerdings macht einem da der Charakter des Pedals, je nachdem, was für einen Sound man anstrebt, eventuell einen Strich durch die Rechnung: Es boostet nämlich eher nicht die Mitten wie andere Wahs, sondern die Höhen. Die Frequenzkurve beim Drücken der Klappe ist auch relativ steil: Nach einem kurzen Bassbereich kommt man ganz plötzlich, ohne großen Übergang, in recht schrille Höhenbereiche.

Das schon vom Bad Horsie bekannte Rauschen ist nur in diesem Tonbereich deutlich, aber ebenfalls stärker als bei anderen Wahs. Das Boost-Poti links bietet überraschend erst bei 12-Uhr-Stellung Unity Gain (also gleiche Lautstärke wie Bypass), kann also als Minusbooster fungieren. Das kann Sinn machen, wenn man zum Beispiel einen Wah-Part während der Strophe hat und dem Sänger nicht aufdringlich mit geboosteten Frequenzen in die Quere kommen will. Ab 12 Uhr am Poti dient es dann als Boost für Leads.

RESÜMEE

Das Bad Horsie ist für jene Morley-Fans gedacht, die der seitliche Schalter für den Betrieb des Wahs stört, die eher vokale Swells für ihre Soli suchen und tonal bei den tiefen Frequenzen in den Wah-Sound einsteigen wollen, wenn sie loslegen. Ich würde mir etwas weniger Rauschen und einen geschmeidigeren Übergang vom Bypass- in den Wah-Modus wünschen. Das Power Wah ist ein Spezialist für bestimmte Anwendungen, vor allem schreiende Leads!

Internet: www.morleyproducts.com

Preis (Street): Bad Horsie ca. € 199, Power Wah ca. € 185

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