Produkt: Gitarre & Bass 1/2019 Digital
Gitarre & Bass 1/2019 Digital
Robert Ford +++ Nita Strauss +++ Kaki King +++ The Baseballs +++ Dirty Loops +++ Cab Modeling: Impulse Responses selbst gemacht
Halte das untere Ende gedrückt!

Test: Jackson X Concert Bass CBXNTM IV

(Bild: Dieter Stork)

Halte das untere Ende gedrückt! … okay, auf Englisch klingt das cooler: Hold down the low end. Das, verspricht Jackson, kann man mit dem X Concert Bass und zwar mit „klassisch-brutalem“ Stil. Wenn das dem zartbesaiteten Tester mal nicht zu viel wird …

So brutal wirkt er doch gar nicht, eher wie ein freundliches Sammelsurium aus der eigenen Geschichte und der des Mutterhauses Fender. Na, gucken wir mal.

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FAMILIENANGELEGENHEIT

Einiges am CBXNTM ist ganz typisch Jackson. Das fängt an mit der zackigen Kopfplatte. Die ist nach hinten geneigt, ein Saitenniederhalter ist somit verzichtbar. Bei dieser Form ist es schier unmöglich, einen geraden Zug der Saiten zu den geschlossenen Mechaniken hinzubekommen, das Stimmen geht aber trotzdem sauber von der Hand. Wie in den 80ern ist der Hals durchgehend und aus Ahorn. Laut Website ist der einteilig mit Grafiteinlagen.

Während letztere eh nicht zu sehen sind, verschwindet jegliche Halsnaht wie auch der Übergang zu den Korpusflügeln aus Pappel unter der perfekten, weißen Lackierung. Das Griffbrett mit Compound-Radius von 12 auf 16 Zoll ist aus Ahorn, und samt dem Headstock mit schwarzem Binding versehen. Die Fender-Leihgaben fangen an mit den schwarzen Blockeinlagen, die deutlich mehr mit dem Jazz Bass der 70er zu tun hat als mit den sonst üblichen Sharkfin-Inlays.

Auch die HiMass-Brücke kommt aus dem Mutterkonzern. Hier ist die Fender-Variante der BadAss natürlich mit Jackson gelabelt. Eingestellt werden können die Saitenhöhe und die Oktave, der Saitenabstand ist (korrekt) vorgegeben. Ganz und gar fenderig sind die Potiknöpfe, wie man sie vom Jazz Bass kennt. Hier kontrollieren zwei große jeweils die Lautstärke eines Pickups, die drei kleinen regeln Höhen, Mitten, und Bässe.

Den Ton dafür liefert ein klassisches PJ-Pärchen. Die gab es auf den ersten Concert-Bässen auch schon, aber nicht mit offenen Polepieces (der moderne, aktive Look war angesagt) und nicht mit dem P-Pickup richtig herum. Das Schlagbrett ist eine freundliche Leihgabe aus dem Hause Fender, eine Variation über das Thema „Prä-1957er Precision Bass“ in einlagigem Schwarz. Ein paar Fussel sind hier durch die Endkontrolle gerutscht, so wie kurioserweise auch eine der Befestigungsschrauben wohl aus dem Kästchen für die E-Fach Deckelschrauben gegriffen wurde und schwarz ist unter sonst verchromten. Ein Schmunzelfehler …

(Bild: Dieter Stork)

Ein Blick ins E-Fach zeigt insgesamt saubere Verarbeitung, aber auch ein gehöriges Sparpotential was die Kabellängen angeht. Ja nun, solange es sich nicht störend bemerkbar macht … Ganz prima dagegen das Batteriefach mit einem leicht zu öffnenden Klappdeckel, die Batterie kann ganz easy ab- und wieder angeklippt werden. Das ist gut so, denn eine Passiv-Option, die von den Tonabnehmern möglich wäre, gibt es hier nicht.

BEST OF BOTH WORLDS

Stabil gibt der Concert X Neckthrough sich am Gurt, mit dezenter und undramatischer Tendenz zur Waagerechten. Wer seine Halsrückseite gerne holzig-matt hat, der findet hier mit einer Hochglanzlackierung vielleicht nicht die ideale Spielwiese. Ich mag beides, solange der Lack nicht klebrig ist, und das ist er hier definitiv nicht. „Lightning fast“ soll er sein, und die Bespielbarkeit ist tatsächlich ausgesprochen flott. Grenzen setzen da nur das eher konservative untere Cutaway und der etwas scharfkantige Sattel, der mir immer wieder in den Zeigefinger sägt, wenn ich zu schnell unten ankomme. Dafür ist er sauber gekerbt und flutscht beim Stimmen gut, am anderen Ende ist der Übergang zum Korpus so smooth wie es eben mit einem durchgehenden Hals geht, dazwischen sind die Bünde sauber abgerichtet

Der Ton am Amp ist hell, aber nicht grell oder unangenehm – man hört die Bauweise der Pickups mit keramischen Barrenmagneten. Trotz traditioneller Optik ist der Grund-Sound also eher modern und passt fantastisch zum aktiven EQ! Aber der Reihe nach. Der P-Pickup solo bringt den typischen rauen, kehligen Sound, vor allem wenn man etwas mehr reinlangt, lässt im Vergleich aber viele passive Bässe dumpf wirken. Auch der J-Kollege am Steg hat diese brillanten Höhen, aber auch ohne EQ-Einsatz alleine durchaus genug Tragkraft und hält auch in der Lautstärke gut mit dem P mit.

Zusammengenommen entsteht der typische PJ-Ton mit charakteristischen Auslöschungen, etwas weniger glatt als JJ-Bässe und auch hier wieder mit sehr gut ausgeleuchtetem Treble und klarer Piano-Note. Was der CBXNTM nicht gut hinbekommt, sind feine Mischungen. Dreht man einen Pickup einen Millimeter zurück, hört man den leiseren noch, einen Millimeter weiter ist er praktisch aus … So etwas wie Steg voll auf, Hals auf 75% kann der Bass einfach nicht, da hätte man genauso gut einen Dreiweg-Schalter einbauen können. Ich denke mal, andere Potis oder eine Schaltung mit Volume und einem guten Balance-Poti würden da mehr bringen.

Zurück zu den positiven Dingen. Sehr auffällig finde ich, wie gut die Pickups mit dem EQ harmonieren. Da kann man fröhlich drehen, selbst voll auf oder ganz zu, und bekommt trotzdem musikalisch nutzbare Ergebnisse. Bei den eh schon hell klingenden Pickups (die trotzdem ein fettes Fundament haben, nicht, dass wir uns da missverstehen) ist ein voller Trebleboost natürlich eher weniger nötig, aber selbst das funktioniert genauso wie Höhen und Mitten komplett zu, Bässe voll auf. Klingt komisch, ist aber so – probiert‘s aus!

RESÜMEE

Der X Concert Bass CBXNTM hat für einen Bass dieser Preisklasse schon ganz exzellente Eigenschaften. Durchgehender Hals, eine sehr flotte Bespielbarkeit, angenehmes Gewicht, klasse Hardware, gute Pickups und eine gute Klangregelung mit entsprechend tollem Sound legen für mich mehr positive Argumente in die Waagschale als die Regelcharakteristik der Volume-Potis und der scharfkantige Sattel an negativen bringen. Den Sattel kann man selber schnell entgraten und auch die Potis wären schnell getauscht. Für mich eine sehr gelungene Kombination aus traditionellen Fender-Elementen und ebenso traditionellen Jackson-Elementen mit einer eigenen Stimme und eigenem Charakter mit großartigem Preis-Leistungs-Verhältnis. Definitiv ein Anspieltipp!

PLUS

  • Sound und EQ
  • Bespielbarkeit
  • Optik

MINUS

  • Charakteristik Volume-Potis
  • scharfkantiger Sattel

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2020)

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
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