(Bild: Dieter Stork)
75 Jahre jung wird der Fender Precision Bass in diesem Jahr! Auch wenn der neue Vintera III Preci nicht Teil des limitierten Anniversary Line-Ups ist, sind doch trotzdem an dieser Stelle Glückwünsche fällig – auf die nächsten 75!
Bekanntlich sah der Precision anfangs noch anders aus und bekam seine endgültige Form erst 1957 (das nächste Jubiläum ist also schon in Sichtweite!). Im konstanten Bemühen, der Fender-Historie nochmal neue Nuancen zu entlocken, hat die Firma für dieses Exemplar als zeitliche Orientierung die späten 1960er ausgegeben.
Laut Marketing war dies ein entscheidender Moment für das Vermächtnis der glücklicherweise noch sehr lebendigen Firma Fender, der bis heute gesuchte Specs hervorbrachte.
ÄRA-AKKURAT
Wie üblich sind die American-Vintage-Bässe auf ein exaktes Jahr festgelegt, während die mexikanischen Gegenstücke eher Jahrzehnten zugeordnet werden – oder eben einem Zeitraum. Das erweist sich hier als geschickter Schachzug, dazu gleich mehr. Beim Korpus hat sich nichts Neues getan, und warum auch? Der Body hat den klassischen Schnitt mit gut ausgeprägten Shapings und ist aus Erle.
Die saubere Poly-Lackierung ist ein schönes Lake Placid Blue, ein eher kühles, intensives Blau mit feinem Metallic-Effekt, das es in der Vintera-II-Reihe schon beim Jazz Bass und Bass VI gab. Das Besondere an den späten 60ern bei Fender ist, dass man wieder Ahorngriffbretter bestellen konnte.
Während die ersten Precis allesamt One-Piece-Maple-Necks hatten, wurden diese Ende der 50er durch Ahornhälse mit Palisandergriffbrett abgelöst. Nun also wieder Ahorn, aber nicht einteilig, sondern ebenfalls aufgeleimt, weshalb der Hals auch keinen Skunk-Streifen hat.
Schlau daran ist, dass Fender als „Late ’60s” eben auch Palisandergriffbretter anbieten kann. Entsprechend gibt es Lake Placid Blue und Sunburst mit Ahorn, Schwarz und Firemist Gold mit Palisander. Allen gemeinsam ist der Radius von 7,25 Zoll und eine Sattelbreite von 1 ⅝ Zoll. Im Fender-Jargon ist das ein B-Neck, zwischen dem A-Neck beim Jazz Bass und dem breiteren C-Neck (nicht zu verwechseln mit dem C-Neck-Shape) der Ur-P-Bässe.
Die Bünde laufen unter „Vintage Tall”, schmales Material mit genug Höhe für die eine oder andere zukünftige Abrichtung. Wie es sich für die dargestellte Bauzeit gehört, ist das alles in hochglänzenden Lack gehüllt, mit einer schönen “gealterten” Färbung. Ein schönes Detail ist der Logo-Aufkleber auf der Kopfplatte, der anders als bei den Vintera II jetzt korrekt auf dem Lack sitzt. Ebenfalls aufs Angenehmste fallen mir die Mechaniken auf.
Für eine kurze Zeit Ende der 60er verbaute Fender Tuner mit runden Lollipop-Flügeln neben den üblichen Clovers. Ich mag die leicht veränderte Optik an der Kopfplatte sehr. Die Neuauflagen am Testbass drehen nicht so leicht und gleichmäßig wie Schaller oder Gotoh, halten dann aber souverän die Stimmung. Ein Niederhalter drückt D und G fester in den gut gekerbten Sattel, die A-Saite macht dank der zylindrischen Wickelachse auch keine Probleme.
(Bild: Dieter Stork)
Die Brücke am anderen Ende ist der Vintage-Blechwinkel mit Riffelachsen, bei dem neben Oktave und Saitenhöhe auch der Saitenabstand veränderbar ist. Bei den Pickups muss ich immer schmunzeln, weil es vor allem da immer klingt, als hätte sich Fender nach Jahrzehnten vintage-orientierter neuer alter Bassmodelle endlich mal daran gemacht, die Pickups wie früher zu bauen.
Vintera I hatte „neue Abnehmer mit dem spezifischen Ton der Dekade”, Vintera II „vintage-abgestimmte Abnehmer für authentischen Ton”. Für Vintera III haben die Entwickler „die originalen Archive durchforstet, um an die jeweilige Ära angepasste Abnehmer im Vintage-Stil zu entwickeln”.
Konkret ist das dann ein Split Coil mit Alnico-Magneten und mittlerem Output. Das Pickguard um den Pickup ist dreischichtig weiß/schwarz/weiß und beherbergt die Regler für Lautstärke und Ton sowie die Ausgangsbuchse. Wie gehabt fehlen die Chrom-Cover für Brücke und Tonabnehmer beim Mexikaner. Löcher, die eine Demontage simulieren, gibt es ebenfalls nicht. Dafür aber die „Tugbar”, die Fingerstütze unterhalb der Saiten, die meistens wegen ihres Im-Weg-Seins abgebaut wird.
PRÄZISER PRECI
Die Intonation und die Saitenlage sind direkt aus dem tauglichen Gigbag heraus gut eingestellt. Nur die Halskrümmung ist mir zu stark. Ausgerechnet. Bei einem Vintage-Darsteller muss das nämlich so: Zum Einstellen am Halsende müssen die Saiten entspannt und der Hals abgeschraubt werden.
Nach einem Dreh mit dem Hosco Phillips Head Truss Rod Wrench (gefällt mir besser als normale Schraubendreher) kommt der Hals wieder dran, die Saiten werden wieder in Tune gebracht – und wenn es noch nicht richtig passt, geht’s von vorne los. Zum Glück bei mir nicht nötig, eine Runde reicht schon. Damit ist die Bespielbarkeit aber auch richtig gut! Die Balance im Sitzen ist wie erwartet gut, am Gurt geht es auch aufgrund des sehr komfortablen Gewichts etwas in die Waagerechte, was sich mit dem richtigen Gurt gut kompensieren lässt.
(Bild: Dieter Stork)
Betreten wir nun also den Klangraum, der beim Precision Bass größer ist, als manche denken mögen. Von sumpfig-schwammig über warm und satt, von konkret trocken zu beißend aggressiv reicht das Spektrum, was dem Modell schon seit Jahrzehnten seinen Platz in praktisch jeder Musikrichtung verschafft.
Erstmal fällt mir allerdings etwas ganz anderes auf, was ich mit Precis so gar nicht verbinde: Der Testbass ist ziemlich empfindlich für Einstreuungen vom Amp oder Rechner. Ein Blick unter das Pickguard zeigt saubere Verarbeitung, gute Potis und Buchse, und keinerlei Auffälligkeiten.
Seltsam. Mit etwas mehr Abstand und passendem Winkel zur Strahlungsquelle ist dann alles fein, und der Bass darf endlich hören lassen, was er kann. Passend zur eher kühlen, hellen Optik ordnet er sich in die trockene Ecke ein, mit gesundem Biss. Dabei sind Bass und Mitten nicht unterrepräsentiert, dank der konkreten Ausrichtung verträgt der Vintera auch zusätzlichen Bassschub vom Amp, ohne ins Schwimmen zu kommen.
Die passive Tonblende lässt sich wunderbar einsetzen, um dem Sound die harten Kanten zu nehmen. Andererseits lässt sich der Bass mit härterem Einsteigen, je nach Neigung auch gerne plus Pick oder Slap, schön ins Knallige steigern, was tatsächlich eher edel denn pöhlig klingt. Ob das jetzt Ergebnis der fleißigen Suche im Archiv und des daraufhin entwickelten Tonabnehmers ist, oder einfach „nur” die Summe aller Teile: Es funktioniert, sehr gut sogar! Ein feiner Preci, nicht mehr, aber vor allem nicht weniger.
RESÜMEE
Als mit allen Bässen gewaschener Tester wäre es leicht, in Zynismus zu verfallen und den Vintera III Late ’60s Precision Bass mit „kenn ich schon, der nächste bitte” abzukanzeln.
(Bild: Dieter Stork)
Tatsächlich kann ich bei mir aber keine Preci-Müdigkeit bemerken und stelle stattdessen fest: Wenn ich das ganze sich gefühlt immer wiederholende Marketing beiseitelasse, bleibt einfach ein guter Bass übrig! Zudem hat es, soweit ich informiert bin, die Kombination mit Maple-Cap-Hals und Lollipop-Tunern noch nie als Reissue in Serie gegeben.
Auch hier wieder: feine Details für (angehende) Vintage-Nerds. Ansonsten ist es für mich ein gutes Instrument zu einem sehr fairen Preis, das in Sachen Bespielbarkeit und klarem Precision-Sound keine Wünsche offen lässt.
Wem der Sinn nach einem modernen Fender Precision steht, hat im ähnlichen Preisrahmen mit dem Player II Mod P-Bass oder dem brandneuen, limitierten Player Fusion Alternativen.
PLUS
- Sound
- Bespielbarkeit
- Optik
- Verarbeitung
- Lollipop-Tuner
MINUS
- Empfindlichkeit gegenüber Einstreuungen (beim Testbass)
ÜBERSICHT
|
|
| Fabrikat |
Fender |
| Modell |
Vintera III Late ’60s Precision Bass |
| Typ |
viersaitiger Schraubhals-E-Bass |
| Herkunftsland |
Mexiko |
| Mechaniken |
chrom, Vintage-Rillen-Brücke, offene Lollipop-Mechaniken |
| Hals |
Ahorn |
| Griffbrett |
Ahorn |
| Halsbreite |
Sattel 41,3 mm, XII. 57,5 mm |
| Bünde |
20 |
| Mensur |
34 Zoll |
| Korpus |
Erle |
| Oberflächen |
Polyurethan Hochglanz |
| Tonabnehmer |
passiv; Vintage-Style Late ’60s Split Single-Coil |
| Elektronik |
passiv |
| Bedienfeld |
Volume, Höhenblende |
| Saitenabstände Steg |
justierbar, 20 mm |
| Gewicht |
ca. 3,76 kg |
| Lefthand-Option |
nein |
| Internet |
www.fender.de |
| Zubehör |
Gigbag |
| Preis (UVP) |
€ 1299 |
(erschienen in Gitarre & Bass 08/2026)