(Bild: Dieter Stork)
Die erste Serien-E-Gitarre der Welt war eine Lap Steel. Duesenberg transformiert diese Gitarren-Spezies seit einigen Jahren erfolgreich in die heutige Gegenwart.
Es war das Jahr 1932, als die Firma Rickenbacker das Modell A-22 vorstellte. Diese Lap Steel Gitarre war aus einem Stück Aluminium gegossen und mit ihrem kleinen runden Korpus sah sie aus wie eine Bratpfanne. Der Spitzname „Frying Pan“ wurde zur inoffiziellen Modellbezeichnung.
Auf der Denmark Street in London oder auf der 8th Avenue in Nashville kann man so ein Instrument auch heute noch für ca. € 6000 bis 7000 erstehen. Unser Testmodell aus Hannover kostet etwa ein Drittel dessen, hat einiges zu bieten und sieht wirklich beeindruckend gut aus.
Alles aus einer Hand
Die Kalico stellt mit ihrer Korpusform und ihrer Kompaktheit eine wunderbare Ergänzung zu den Fairytale-Modellen dar. Sie wirkt traditioneller – verweist auf Instrumente der 30er/40er wie die Gibson EH-150 oder Rickenbacker Style B – ist aber gespickt mit modernen Features. Und was auffällt: alles an dieser Gitarre – bis hin zu den Saiten – ist von Duesenberg.
Die durchgehende Korpus/Hals-Planke ist aus Korina, trägt eine Decke aus geflammtem Ahorn und weist eine gleichbleibende Stärke von 39 mm auf. Stabil! Das Griffbrett … nein, man greift ja nicht, das Fretboard … nee, richtige Frets gibt’s nicht, die Halsauflage ist aus eloxiertem Aluminium.
(Bild: Dieter Stork)
Bei einer angenehm kurzen Mensur von 610 mm finden wir 27 silbrig gelaserte Bünde und in Größe und Gestaltung variierende Rauten zur Orientierung in den Lagen. Aber wieso läuft ein 5 mm breiter Schlitz mittig vom nullten bis zum siebenundzwanzigsten Bund? Da kommen wir zu einem ersten Highlight, welches die Fairytale-Modelle allerdings auch schon hatten.
Es ist der sogenannte Easy Shift Capo installiert. Er ist dauerhaft am Instrument verbaut und lässt sich in besagtem Schlitz beliebig durch die Lagen bewegen. Gesichert durch eine Rändelschraube, garantiert er präzise Intonation. Genial!
Die recht massive Kopfplatte bringt viel Art-Déco-Stilistik ins Spiel. Die hauseigenen Z-Tuner kommen als geschlossene Die-Cast-Mechaniken mit Stairstep-Stimmwirbeln und auch das Trussrod-Cover und das Firmen-„D“ bedienen diesen 30er-Jahre-Vibe. Auf der Rückseite ist dann noch ein Knopf aus Metall – er ermöglicht es, die Kalico auf den Tisch zu legen, ohne dass die Stimmwirbel zu Schaden kommen. Clever!
(Bild: Dieter Stork)
Am anderen Ende der Saiten wartet das nächste Highlight, die Bridge: Die Grundplatte ist der einer Telecaster nicht ganz unähnlich. Die Saiten laufen über sechs Roller-Nuts, sodass bei Bendings keine Verstimmungsprobleme auftauchen. Wieso Bendings? Weil der Multibender an Bord ist.
Ab Werk sind zwei Hebel installiert, die auf die gängigsten Bendings eingestellt sind. Die Kalico ist ab Werk auf Open D gestimmt, wobei der eine Hebel die zweite Saite von A einen Ganzton auf H bendet und der andere Hebel die dritte Saite einen Halbton von Fis auf G bendet. Man kann die Bending-Spanne ändern, man kann die Hebel für andere Saiten einsetzen, und man kann das System auf bis zu fünf Hebel aufstocken.
Das bringt einen klanglich einen großen Schritt weit in Richtung Pedal-Steel-Sound … und das ohne komplizierte Fußpedale und Kniehebel. Ein Druck des Handballens auf den/die richtigen Hebel sorgt für herrliche Country-Sounds, Dur/Moll-Fades usw.
Das nächste spannende Bauteil ist der Pickup. Es ist der von Duesenberg entwickelte Split/King, der, obwohl einziger Tonabnehmer an Bord, mit einem Drei-Wege-Toggleswitch verbunden ist. Interessanterweise haben wir hier keinen Humbucker, dem man eine Spule abschalten kann, sondern einen Singlecoil, dem man eine Spule zuschalten kann … big difference.
(Bild: Dieter Stork)
In der dritten Toggle-Position ist dann noch ein Kondensator mit im Spiel. Geregelt wird das Ganze per Volume- und Tone-Poti. Auf der Rückseite des Korpus finden wir einen Kunststoffdeckel, der Zugang zu den Potis ermöglicht, und zwei Moosgummistreifen über die gesamte Länge, die sehr effektiv für Rutschfestigkeit sorgen.
Zuletzt darf der erstklassige Koffer nicht unerwähnt bleiben. Die Kalico ruht passgenau und sicher darin, und es gibt zwei Zubehörfächer, in denen sich allerhand Case-Candies finden lassen – bis hin zu einem Päckchen Pflaster für blutig gespielte Finger, was bei einer Lap Steel eigentlich nicht passieren sollte 🙂 … ein Steelbar wäre hier das i-Tüpfelchen.
From Hank to Hendrix
… so heißt ein alter Neil-Young-Song, und das beschreibt eigentlich sehr gut die Vielseitigkeit dieser Lap Steel. Man kann auf C6 stimmen, den Amp leicht ancrunchen, Tone-Regler nicht ganz auf, und bekommt einen wunderbaren LoFi-Honky-Tonk- oder Western-Swing-Sound, wobei es einem völlig freisteht, wie man die Handhebel justiert und einsetzt.
Man kann aber auch auf Open-D stimmen, die Handhebel nach hinten wegdrehen, den Overdrive aufdrehen und bekommt einen exzellenten Rock/Blues/Westcoast/Solo-Sound, der mich an David Lindley denken lässt (Hörprobe: ‚Running on Empty‘, Jackson Browne). Hier blüht die Kalico so richtig auf.
(Bild: Dieter Stork)
Die stimmliche Vielseitigkeit ist angesichts des nur einen Pickups erstaunlich. Der Tonabnehmer ist in allen drei Toggle-Positionen kraftvoll und ausdrucksstark, Overdrive-Sounds lassen sich per Volume-Regler gut aufklaren. Der Tone-Regler lässt sich ebenfalls gut nutzen für Swells oder bei höhenlastigen Amps.
Der Easy Shift Capo lässt sich präzise und verstimmungsfrei auf jedem beliebigen Bund fixieren, sodass man in jeder Tonart mit Leersaiten arbeiten kann.
Resümee
Es ist sehr lobenswert, wie konsequent und hingebungsvoll sich Duesenberg dem Thema Lap Steel (nicht erst seit der Kalico) widmet. Auf diesem professionellen Niveau stehen die Hannoveraner im Grunde „allein auf weiter Flur“. Man merkt an den Detaillösungen, dass da echte Liebe zur, und ganz viel Know-how über die Lap-Steel-Gitarre im Spiel sind.
Die Kalico sieht super aus, ist tadellos verarbeitet und hebt mit ihren Features und Möglichkeiten diese Instrumenten-Spezies auf das nächst höhere Level. Das hat natürlich seinen Preis, der aber in jeder Hinsicht gerechtfertigt ist.
Plus
- Art-Déco-Design
- Hölzer, Hardware
- Verarbeitung, Werkseinstellung
- Capo-, Bender-Funktionen
- Pickup mit 3 Klangstufen
- Vielseitigkeit Sound/Stilistik
- erfüllt Profi-Ansprüche
Übersicht
| Fabrikat |
Duesenberg |
| Modell |
Kalico |
| Typ |
Lap Steel Guitar |
| Herkunftsland |
Kroatien/Deutschland |
| Mechaniken |
Duesenberg Z-Tuners |
| Korpus/Hals |
Korina |
| Sattel |
Duesenberg Roller Nut |
| Griffbrett |
Schwarz eloxiertes Aluminium |
| Radius |
– |
| Halsform |
Square-Neck |
| Halsbreite |
65 mm |
| Halsdicke |
44 mm |
| Bünde |
27 |
| Mensur |
610 mm |
| Saiten |
Duesenberg Custom 0.16 – 0.56 |
| Decke |
Ahorn, geflammt |
| Oberflächen |
Highgloss |
| Brücke |
Duesenberg Multibender |
| Besonderheit |
Duesenberg Easy Shift Capo |
| Elektronik |
Duesenberg Split/King Pickup, 1 Volume, 1 Tone, 3-Wege Toggleswitch |
| Saitenabstand |
1st – 6th durchgehend 54 mm |
| Gewicht |
3,2 kg |
| Lefthand-Option |
nein |
| Internet |
duesenberg.de |
| Zubehör |
guter Koffer, Manual, Inbusschlüssel, Ersatzfedern, Tuch, Aufkleber, Pflaster |
| Preis (Street) |
ca. € 2150 |
(erschienen in Gitarre & Bass 10/2026)