Echter Vintage-Charakter

Test: Fender Ltd. Edition Tone Master Princeton Reverb Wine Wheat – Volldigital!

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(Bild: DIETER_STORK)

Als Fender zur Jahrtausendwende den Cyber Twin vorstellte, befürchteten Amp-Aficionados die Apokalypse. Fender geht digital?! Gute Güte! Damals beschäftigte dieser Amp sogar noch zwei Vorstufenröhren.

Knapp 20 Jahre später folgte die Tone-Master-Reihe mit den 100% digitalen Deluxe-, Twin- und Super-Reverb-Combos. Und? Die meisten Röhrenverfechter machten nicht nur große Augen, sondern vor allem große Ohren. Auch der Tone Master Princeton Reverb gleicht, abgesehen vom Ltd. Edition Wine Vinylbezug und dem Tone Master Logo auf der Frontbespannung, seinem 64er Vorbild wie ein eineiiger Zwilling.

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Mich beeindruckt die Konsequenz, mit der der US-Hersteller die in China produzierte Tone-Master-Reihe durchzieht. Klar, die Leistung von Prozessoren steigt rasant, und der hier Agierende darf sich voll auf die Simulation eines einzigen Röhrenverstärkers mitsamt Reverb- und Tremolo-Effekten sowie zwei IR-Profilen von Lautsprecher/Mikrofon-Platzierungen konzentrieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Front Panel (Bild: Dieter Stork)

FLIEGENGEWICHT

Als treuer Fender-Pro-Junior-User schleppe ich seit 18 Jahren keine Verstärkerboliden und entsprechende Cabinets mehr. Daher bin ich mehr als überrascht, als ich den Princeton Reverb aus seinem Karton hieve. 9,21 kg inklusive Netzkabel und Fußschalter!

Dabei haust der Combo in einem soliden Kieferngehäuse und ist nicht einmal mit einem leichten Neodym-Speaker, sondern einem 10“ Jensen mit Keramikmagnet bestückt. In der vorliegenden Limited Edition kommt der Amp mit weinrotem Vinylbezug und Wheat-Frontbespannung, alternativ als „Jameson Edition“ auch in British Racing Green, das günstigere, 100% baugleiche Standardmodell im traditionellen Schwarz. Vier Stahlgleiter dienen als Füße, der solide Griff bietet hohen Tragekomfort.

An Gehäuseboden und -wand finden wir Klettbänder zur Fixierung von Netzkabel und Fußschalter während des Transports. Den Jensen C10R hat man mit 4 Schrauben an der Schallwand montiert und das direkt ins Chassis geführte Kabel lautsprecherseitig mit Steckschuhen angeschlossen. Das Ampchassis aus Alublech hängt an 4 Gewindeschrauben unter der Gehäusedecke.

Im Innern treffe ich auf sorgfältig montierte Platinen, die der Class-D-Endstufe mit Kühlprofilen. Alle Schalter, Potis, Anschlussbuchsen, die Netzbuchse und die Pilot Lamp hat man mit dem Chassis verschraubt. Ich konstatiere: Rundum sorgfältige solide Verarbeitung, auch des Holzgehäuses.

Die klassische Blackface-Front bietet wie beim Original zwei Inputs mit unterschiedlichen Eingangsempfindlichkeiten, die Regler Volume, Treble, Bass, Reverb, Speed und Intensity mit den typischen Witchhat-Knöpfen und die Betriebsanzeige. Selbige blinkt während der „Aufwärmphase“ abwechselnd rot und gelb. Mit Aufwärmphase ist hier das Booten der Software gemeint, das gerade mal 10 Sekunden in Anspruch nimmt.

Die danach gelb leuchtende Pilot Lamp signalisiert den Mute Mode. Kippt man den Hebel des Mute Switch nach oben, sind Endstufe und Speaker betriebsbereit und die Lampe leuchtet rot. Die Rückseite startet links mit der Netzkabelbuchse, gefolgt von den Schaltern Power und Mute.

Ein Output-Power-Drehschalter (Lautstärkereduzierung) bestimmt die Ausgangsleistung der Endstufe: 0,3 / 0,75 / 1,5 / 3 / 6 und 12 Watt. Die Sektion „Balanced Line Out“ umfasst Cab-Sim-Wahlschalter (off/1/2), Level-Regler, Ground Lift und XLR-Female-Buchse. Letztere ist recht unglücklich angebracht, da die Arretiernase des weiblichen XLR-Steckers durch den vorstehenden Gehäuserahmen nur schwer zugänglich ist und sich dieser daher nur schlecht lösen lässt. Man hätte die Buchse um 180° gedreht montieren sollen.

Der Anschluss für den mitgelieferten Fußschalter (Reverb/Tremolo) vervollständigt die Rückseite. Mittig zwischen den Schaltern Mute und Output Power hat Fender – etwas unpraktisch – auf der Chassis-Unterseite den Port für Firmware Updates angebracht, bestehend aus Mikro-USB-Buchse, 2 Minitastern und roter Status-LED. Warum nutzt Fender nicht das inzwischen gebräuchlichere und etwas stabilere USB-C-Format für den Anschluss?

Rückseite offen (Sicht auf Netzkabel und Fußschalter im Gehäuse verstaut) (Bild: Dieter Stork)

KLANGVOLLES KRAFTPAKET

Nicht nur der Klang, sondern auch die Arbeitsweise der Regler wurde authentisch nachgebildet. So emuliert der digitale 2-Band-EQ exakt die Wirkungsweise der passiven Klangreglung des 64er Röhrenklassikers. Auch hier hängt der Sound von der Interaktion beider Potis ab, da das Anheben oder Absenken der Höhen und Bässe indirekt die Mitten beeinflusst.

So führen weniger Bässe und Höhen zu relativ stärkeren Mitten und umgekehrt. Zudem interagiert die Klangreglung mit dem rückseitigen Power Soak, der die Sättigung des Endstufensounds beeinflusst, ohne den EQ-Charakter zu verändern.

Da mir für einen Direktvergleich keine adäquaten Original-Amps aus den Mitt-60ern zur Verfügung stehen, die ja aufgrund von Röhren, Bauteiltoleranzen und möglichem „Verschleiß“ der Speaker ohnehin sehr unterschiedlich klingen können, muss ich mich auf meine Ohren verlassen. Zudem gibt es im Netz genügend aufschlussreiche Videos mit A/B-Vergleichen. Dennoch bieten meine Pro Juniors (2001 Custom Shop USA Tweed Relic, 15 Watt, 1x Jensen P10R) eine gewisse Orientierungshilfe in puncto Break Up und Verzerrung.

USB Port (Unterseite Amp-Chassis) (Bild: Dieter Stork)

Gleich vorweg: Der Tone Master Princeton Reverb kann ordentlich laut. Seine 50-Watt-Endstufe drückt ziemlich genau das raus, was sein 12-Watt-Röhrenbruder macht. Mit P90s und PAF-Style-Humbuckern enden bei mittelkräftigem Anschlag die Clean-Reserven des Princeton bei Volume 5-6, Strat-Singlecoils erzeugen ab 8 natürliche und recht homogene Breakups (erste Röhren-Sättigung).

Bis dahin liefert der Amp typisch fendrige, vollmundige, spritzige, dynamische und durchsetzungsstarke Klarklänge, die mit den wirkungsvoll agierenden Klangreglern, dem Volume-Poti der Gitarre und nicht zuletzt auch durch die Spielweise beeinflusst werden können. Höhere Volume-Settings liefern die typische, in den Höhen leicht kratzige Fender-Verzerrung.

Blick ins Amp-Chassis (Bild: Dieter Stork)

Der digitale Hall zeigt eindeutigen Spring-Reverb-Charakter, lang ausklingend und üppig. Meines Erachtens ist man mit Reverb-Einstellungen von 4-5 schon allerbestens bedient, darüber hinaus verursacht der Hall nämlich ein leicht undifferenziertes Klangbild. Ohnehin ist mir persönlich der mit ca. 5 Sekunden Decay Time zu lang, wenngleich cleane Arpeggios durch die Intensität förmlich im Kölner Dom zu schweben scheinen.

Unterm Strich aber hat man den legendären Hall der langen Fender-Hallspiralen 1:1 modelliert. Das Tremolo (Lautstärkemodulation) wurde im Signalweg hinter dem Reverb angeordnet, tönt insgesamt eher dezent mit weicher Modulation – ich tippe mal auf Dreieckswelle. Speed bietet ein breites praxisorientiertes Spektrum von Geschwindigkeiten.

Mit seiner kraftvollen 50-Watt-Endstufe lässt sich der Princeton in einer nicht übermäßig lauten Band problemlos einsetzen. Bei Bedarf stünde ja noch der Line Out mit Speaker Simulationen zur Verfügung, wobei der Jensen parallel mitläuft. Die Position 1 der Cab Sim bietet eine Impulsantwort (IR), die mit einem Shure SM-57 in Nahposition für ausgeprägten Attack, Definition und etwas mehr Schärfe erstellt wurde, während in Stellung 2 ein Royer R121 Bändchenmikrofon für weicheren Klang und wärmere Basswiedergabe zum Einsatz kam.

Beide IRs klingen absolut brauchbar und praxisnah. Der Output-Power-Schalter ermöglicht praktikable Leistungsreduzierungen ohne nennenswerte Sound-Beeinflussung. Daher ist sogar Zimmerlautstärke möglich.

Als Pedalboard-Plattform eignet sich der Tone Master Princeton Reverb im Grunde hervorragend. Während Modulation- und Delay-Effekte keinerlei Probleme bereiten, gibt sich der Amp in Sachen Overdrive, Distortion, Fuzz und Konsorten wählerisch und tönt da mitunter leicht pappig. Möglicherweise eine Folge suboptimaler Anpassung des jeweiligen Effektpedals. Mit meinen Pedalen (Carl Martin Greg Howe´s Signature Lick Box, Mad Professor Bluebird, J. Rockett Archer Icon, 45 Caliber und The Dude) versteht sich der Princeton indes bestens.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

So gespannt, gleichermaßen aber auch erwartungslos ich vor diesem Test des volldigitalen Fender Princeton Reverb war, so angefixt bin ich danach. Niemals hätte ich gedacht, dass Fender den Amp in Puncto Klangfülle, Dynamik, Lautstärke und nicht zuletzt Effekten dermaßen authentisch hinbekommt. Aber klar, rückt man ihm quasi mit dem Audiomikroskop auf den Leib, lassen sich marginale und somit vernachlässigbare Unterschiede betreffend der Ansprache ausmachen.

Das massive Kieferngehäuse kommt der Klangfülle zugute. Da die Kooperationsbereitschaft mit Verzerrern etwas eingeschränkt ist, empfiehlt sich die Suche nach einem entsprechend kompatiblen Pedal. Dies kennt man jedoch auch von Tubeamps.

Nicht nur die exzellenten Clean- und Breakup-Sounds, sondern auch die Federhall- und Tremolo-Simulationen verleihen dem Princeton Reverb echten Vintage-Charakter. Mein Tipp: Unbedingt mal (vorbehaltlos) antesten.

Plus

  • geringes Gewicht
  • klanglich sehr nah am Original
  • exzellente Cleane bis Breakup-Sounds
  • Ansprache & Dynamik
  • nebengeräuscharm
  • authentisches Reverb und Tremolo
  • 6-fach Output Power
  • XLR Line Out & Cab Sims
  • Effizienz der Klangregler
  • Bedienung
  • Verarbeitung

Minus

  • Platzierung und Format des USB-Ports
  • Handhabung des XLR-Anschlusses

Übersicht

Fabrikat Fender
Modell Ltd. Edition Tone Master Princeton Reverb Wine Wheat
Gerätetyp -Gitarren-Verstärker, Combo
Herkunftsland China
Technik DSP Modeling, Class-D Endstufe
Röhrenbestückung –
Leistung 50 Watt/8 Ohm
Lautsprecher 1x 10“ Jensen C10R, 8 Ohm, Keramikmagnet
Gehäuse Kiefer, massiv, 19 mm, Rückwände 9 mm, Vinylbezug Wine Wheat, Frontbespannung, 4 Stahlfüße, 1 Tragegriff
Chassis Alublech, hängend montiert
Anschlüsse Front: 2x Input (0/-6dB); Rückseite: Netzkabel, Line Out (XLR sym.), Foot Switch (Reverb/Vibrato)
Regler Front: Volume, Treble, Bass, Reverb, Speed, Intensity; Rückseite: Line Out Level
Schalter Rückseite: Power, Mute, Output Power (6-fach Drehschalter), Cab Sim (off/1/2), Ground Lift
Betriebsanzeige Pilot Lamp
Effekte Reverb, Tremolo
Einschleifweg –
Sonstiges Unterseite: Micro-USB, Minitaster und LED für Firmware- und IR-Updates
Gewicht (ohne Fußschalter) 8,68 kg
Maße 510 x 415 x 240/225 BHT/mm
Zubehör Netzkabel, Manual, Cover, Zweifachfußschalter mit 3,5m TS-Kabel
Internet de.fender.com
Preis (Street) ca. € 1049

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Für rund 100 Euro weniger bekommt man den Vibro Champ Reverb. Der ist zwar ähnlich grausig verarbeitet, schuftet aber im Signalweg und beim Tremolo traditionell mit Röhren … 😉

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