Signalretter!

Test: Emens.Labs Blue-P & Rosetta Stone MKIII

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(Bild: Dieter Stork)

Es muss ja nicht immer darum gehen, ein Gitarrensignal zu verändern oder gar zu verzerren. Warum nicht einmal das Gegenteil machen und Pedale anbieten, die ein vorhandenes Signal so gut wie möglich aufbereiten wollen? Genau diesen Ansatz verfolgt Oliver Gurok mit Emens.Labs.

Wenn auf der Website eines Herstellers mit der Aussage „Unser Spezialwissen liegt in der Prozessmesstechnik und analogen Sensorik für die Integration in verfahrenstechnischen Anlagen“ geworben wird, ist schnell klar: Hier ist deutsches Ingenieurswesen am Werk. Genau so verhält es sich bei Emens.Labs. Der Name steht für electromagnetic and electronic instruments – gesprochen wie „immens“ – und verweist zugleich auf zwei Welten, die hier auf bemerkenswerte Weise zusammenfinden: industrielle Messtechnik und kompromisslose Audiotechnik.

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Hinter Emens.Labs steht Oliver Gurok, Diplom-Ingenieur und Entwickler hochpräziser Sensor- und Messelektronik für die Rohstoffindustrie. Oliver fertigt jedes seiner Emens.Labs-Pedale in Handarbeit, und ausschließlich mit Komponenten lokaler Zulieferer. Anschließend wird jedes Gerät vollständig vermessen, dokumentiert, gereinigt und erst nach finaler Prüfung ausgeliefert.

Zwei dieser Pedale dürfen in diesem Test zeigen, wofür Emens.Labs steht: der Blue-P Presence- und Resonance-Booster, der im Kern das Verhalten einer gegengekoppelten Endstufe nachbildet, sowie der Rosetta Stone Mk3 Preamp, ein hoch entwickeltes Werkzeug zur klanglichen Formung und Bewahrung des Gitarrensignals. Zur Verfügung gestellt wurden die Pedale freundlicherweise von der Effekt Boutique.

OBERSTE LIGA!

Beide Pedale sitzen in 1,5 mm dicken, schwarz beschichteten Edelstahl-Gehäusen, die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch noch einen extrem hochwertigen Eindruck machen. Der hochlegierte, magnetisierbare Stahl ist laut Hersteller nicht nur unheimlich stabil, sondern schirmt das Innenleben der Geräte perfekt gegen die Einwirkung beispielsweise eines Trafos ab, so dass es zu weniger Nebengeräuschen kommen kann. Auch die matte Oberfläche der Pedale hat ihren Grund: so soll ungewollte Spiegelung von Bühnenscheinwerfern vermieden werden, welche die Bedienung im Livebetrieb erschweren könnte.

Die farblich abgesetzten Bedienfelder sind mit vier massiven Torx-Schrauben befestigt und problemlos ablesbar. Die verbauten Potis drehen weich und gleichmäßig, alle Schalter rasten schön definiert ein und die verbauten Soft-Style-Switches fühlen sich mit ihrem deutlich spürbaren Druckpunkt noch einmal hochwertiger an, als man es derzeit aus der Pedal-Industrie gewohnt ist.

Das nahezu lautlose Schalten ist nicht nur in Kombination mit einer ausgedehnten Effekt-Kette von Vorteil – im Gespräch erzählte mir Oliver Gurok, dass beispielsweise auch Musikerinnen und Musiker, deren Arbeitsplatz der Orchestergraben ist, den leisen Schaltvorgang durchaus zu schätzen wissen.

(Bild: Dieter Stork)

Im Inneren zeigen sich beide Geräte nicht nur penibel aufgeräumt, sondern beweisen, was im Bereich analoger SMD-Technik alles möglich ist. Beide Pedale haben sauber bestückte und verkabelte Platinen, die fest mit dem Gehäuse verbunden sind. Während das Blue-P-Pedal mit drei Reglern für Level, Presence und Resonance sowie einem kleinen Schalter zum Angleichen des Inputs auf Line- bzw. Instrumenten-Level auskommt, ist die Ausstattung beim Rosetta-Stone-MK3-Preamp schon etwas üppiger.

Neben einem Master, einem aktiven Bass- und einem Treble-Poti (beide Klangregler mit zusätzlich schaltbaren High- bzw. Lo-Cut-Filtern) bekommt man einen regelbaren, schmalbandigen Mid-Boost sowie einen zunächst etwas mysteriösen „7-Sound“-Regler.

Hinter diesem Poti verbirgt sich die Möglichkeit, die „Mittendelle“ des Tone-Stacks eines klassischen Fender-Amps zum Signal hinzuzumischen. Auch diesen beiden Reglern ist ein kleiner Frequenz-Wahlschalter zur Seite gestellt. Natürlich kann auch beim Rosetta-Stone-MK3-Preamp der Eingangspegel mittels Schalter gewählt werden, darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, zwischen einem gebufferten und dem guten, alten True Bypass zu wählen.

RETTUNGSWERKZEUGE

Aufgrund des Hinweises in der Bedienungsanleitung, dass der Rosetta-Stone-MK3-Preamp sich zur Verwendung beim Aufnehmen in einer DAW eignet, beginne ich meinen Test ausnahmsweise einmal in diesem Szenario. Die Signalkette ist denkbar einfach: Gitarre > Preamp > Audio-Interface. Mein kleines Focusrite Scarlett 2i2 ist sicher eines der am meisten verkauften Geräte im Homerecording-Sektor, steht aber nicht unbedingt im Verdacht, eine audiophile Offenbarung zu sein. Dementsprechend „unspannend“ klingt meine Gitarre bei deaktiviertem Preamp auch.

Das ändert sich schlagartig bei aktiviertem Pedal: Der Emens.Labs-Preamp haucht meinem Gitarrensignal sofort eine gehörige Spur Leben ein, was sich vor allem durch einen deutlich dichteren und brillanteren Klang in den Höhen bemerkbar macht.

Die Klangregler des Rosetta-Stone-MK3-Preamps greifen auf musikalische Weise ins Geschehen ein, verbiegen aber das Signal nicht zu stark. Der Mid-Boost des Pedals ist nicht etwa ein Booster, wie wir ihn beispielsweise von Tube Screamer und Co. kennen. Hier geht es vielmehr darum, die tonale Information der Gitarre ein wenig mehr herauszuarbeiten.

Meiner etwas blass klingenden Ibanez-Western-Gitarre verhilft dieses Feature beispielsweise in der 420-Hz-Stellung der Schaltung zu deutlich mehr klanglicher Fülle. Auch direkt vor einen Röhrenverstärker geschaltet, hat mir der Preamp ausgesprochen gut gefallen. Dem etwas blass klingenden clean Kanal meines Verstärkers verhilft das Pedal zu hörbar mehr Lebendigkeit mit einem Hauch Kompression.

Die Klangregelung bietet die Möglichkeit, feinfühlig zu justieren, ohne dass das Signal zu verbogen klingt. Wem der Ton – je nach verwendeter Gitarre – doch noch etwas zu hüftsteif ist, kann mittels des „7-Sound“-Potis noch ein wenig Fender-Amp-Feeling nachsteuern.

(Bild: Dieter Stork)

Dabei ist auf Linksanschlag des Reglers das Verhältnis zwischen „Fender-Sound“ und dem unbearbeiteten Signal bei einem Mischungsverhältnis von 80:20. Erst auf der 15-Uhr-Stellung des Potis ist dann der gänzlich neutrale Ton zu hören, sodass sich eine große Bandbreite an Sounds ergibt.

In der Bedienung wesentlich einfacher gestaltet sich die Benutzung des Blue-P-Boosters: Mit lediglich drei Reglern geht es hier erfreulich übersichtlich zu. Für den Praxistest schalte ich das Pedal in den FX-Loop eines Orange-Dual-Baby-Amps, der über keinerlei regelbare Gegenkopplung der Endstufe verfügt.

Da mir Oliver Gurok im Gespräch bereits sagte, dass dieses Pedal je nach verwendeter Gitarre, Verstärker und Tuning durchaus vorsichtig eingestellt werden will, starte ich zunächst einmal mit neutraler Lautstärke-Einstellung und beiden Klangreglern auf Linksanschlag.

Dreht man von da aus behutsam (!!!) das Resonance-Poti auf, wird schon ab der Neun-Uhr-Position deutlich, dass sich bei hoher Lautstärke eine reguläre 2x12er-Gitarrenbox mühelos pulverisieren lässt. Will sagen: Das Low-End meines Testverstärkers macht einen ganz gewaltigen Satz nach vorne, und sofort bekommt der Amp eine ganz andere Tiefenstaffelung in den unteren Registern.

Interessant finde ich, dass dieser Effekt keineswegs so klingt, als habe man am EQ des Orange einfach mehr Bässe hinzugeregelt. Vielmehr hat man das Gefühl, dass die Lautsprecher mehr Luft bewegen und der Gesamt-Sound dynamischer und plastischer wird.

Gleiches gilt für den Presence-Bereich. Auch hier hat man den Eindruck, dass dem Klangbild eine neue Farbe hinzugemischt wird, anstatt eine bereits vorhandene hervorzuheben. Das Attack wird deutlich in den Vordergrund gerückt, und der gesamte Sound bekommt mehr Biss und Brillanz.

Das Master-Volume-Poti diente mir im Test in erster Linie dazu, den Gesamtpegel wieder so anzugleichen, dass beim Aktivieren des Pedals nicht zwangsläufig ein Lautstärkesprung entsteht. Will man das Gerät aber beispielsweise als Booster für ein Solo verwenden, lässt sich mit einer moderaten Pegelanhebung und einem leichten Presence-Boost deutlich mehr Beinfreiheit im Mix einer Band erzielen. Zwar sind die beiden Shelf-Filter des Blue-P-Boosters nach oben (14 kHz) und nach unten (60 Hz) begrenzt – trotzdem rate ich wirklich dazu, dieses Pedal feinfühlig und mit etwas Vorsicht einzustellen.

Da sich die Pegelanhebung der Filter und des Master-Volume addieren, sind hier bis zu +24 dB möglich, was ggf. Endstufe und Speaker vor kritische Herausforderungen stellen kann. Im direkten Vergleich mit der Endstufenregelung eines alten Peavey 5150 fällt auf, dass das Emens.Labs-Pedal deutlich effektiver arbeitet und bei Bedarf viel deutlicher ins klangliche Geschehen eingreift. Trotzdem klingt der Effekt bemerkenswert authentisch und kann einem etwas blass klingenden Amp absolut auf die Sprünge helfen.

RESÜMEE

In einem Markt rappelvoll mit allerhand Signalverbiegern, -zerstörern und -verfremdern ist es doch mal ein erfrischender Ansatz, den Sound der E-Gitarre bestmöglich dastehen zu lassen. In der Praxis machen die beiden Emens.Labs-Pedale genau das ganz hervorragend. Sei es, um einem etwas eindimensional klingenden Verstärker mittels nachgebildeter Gegenkopplung der Endstufe zu mehr klanglicher Tiefe oder im Falle des Rosetta-Stone-MK3-Preamps einem Signal vor einem Verstärker oder einem Audio-Interface zu mehr Fülle und Transparenz zu verhelfen.

Beide Geräte haben mir in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich ausgesprochen gut gefallen. Einzig beim Blue-P-Booster sollte man sich der Holzhammer-Qualität der Regelwege bewusst sein. Sicher, die Preise sind natürlich nicht ohne. Aber bedenkt man, dass von der Entwicklung über das Design alle Fertigungsschritte in Deutschland erfolgen, finde ich das vertretbar.

Plus

  • Verarbeitung
  • Konzept
  • Klangqualität
  • Vielseitiger Anwendungsbereich

Übersicht

Fabrikat Emens.Labs Emens.Labs
Modell Rosetta-Stone-MK3 Blue P Booster
Typ Preamp Shelf Filter Booster
Herkunftsland Deutschland Deutschland
Technik Analoge SMD Konstruktion Analoge SMD Konstruktion
Gehäuse Edelstahl, pulverbeschichtet Edelstahl, pulverbeschichtet
Anschlüsse Input, Output, 9V Netzteil Input, Output, 9V Netzteil
Regler Master, Bass, Treble, Mid Boost, 7 Sound Master, Resonance, Treble
Schalter Bypass, Input Level, Bypass-Type, Bass Cut, High Cut, Notch Frequenz, Mid Boost Frequenz Bypass
Maße (BHT) 105x110x35mm 70x110x35mm
Preis ca. € 439 ca. € 299

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)

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