Mix’n’Match

Test: Shergold Telstar Standard Bass

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(Bild: Dieter Stork)

‚Telstar‘ ist der Titel eines 1962 in London aufgenommenen Instrumental-Stücks. Von Joe Meek geschrieben und von ihm mit für die damalige Zeit so kreativem, wie extremen Einsatz von Kompression und Limiting aufgenommen, ließ er die Band „The Tornados“ spielen, deren Rhythmusgitarrist der Vater von Matt Bellamy von Muse ist. Für ein Instrument von Shergold war es allerdings noch zu früh.

Die Wurzeln von Shergold reichen dabei ebenfalls tief in die britische Gitarren- und Bass-Historie, es geht aber etwas später los: Ende der 1960er gegründet, um Holzarbeiten für unter anderem Hayman und Burns auszuführen, gab es ab 1975 Instrumente unter eigenem Label, die ihre größte Präsenz im Gitarre/Bass-Double-Neck von Mike Rutherford/Genesis und in den Händen von Bernhard Sumner und Peter Hook bei Joy Division und New Order erfuhren. Die neuen Shergolds kommen aus Fernost und sind Entwürfe von Patrick Eggle, der nach dem Neustart der Firma jetzt seit zehn Jahren mit an Bord ist.

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Aufbau

Beim Telstar Bass hat er sich weniger in der firmeneigenen Historie bedient, sondern diverse Elemente querbeet zusammengefügt. Unverkennbar trägt der sauber in Champagne Gold gehüllte Korpus aus Pappel Telecaster-ähnliche Züge. Die werden aber mit einem Hauch Offset versehen, so dass sich leichte Jazz Bass Vibes einstellen.

Abgerundet (oder, eher, im Gegenteil, ver-eckigt?) wird das Ganze auf der Decke mit einer erhöhten Mitte, die Anklänge an den Thunderbird Bass hat. Ist es beim Gibson ein Design-Element, das sich aus dem durchgehenden Hals ergibt, habe ich es hier mit einem Schraubhalsbass zu tun und einem rein optischen Statement. Mehr Shaping gibt es dann auch nicht, der Boden ist komplett plan.

Das reduzierte, einschichtige Pickguard hat Anklänge an die Cabronita-Tele, die Control Plate wiederum ist dem Ur-Precision entlehnt. Drei Potis mit kleinen Metallknöpfen drängeln sich hier, zweimal Volume, einmal Tone, regeln die beiden Pickups, die auf den Namen FilterSonic hören, und eindeutig gretschig rüberkommen. Platziert sind sie nahe an Hals und Brücke, es sind Humbucker mit Alnico-V-Magneten.

Die Unterfütterung ist fester Schaumstoff, was guten Widerstand beim Daumenauflegen bietet, allerdings nur wenig Spielraum nach unten und gar keinen näher an die Saiten zulässt. Ich kann aber schon vorwegnehmen, dass die Abstimmung für mich perfekt ist. Die Brücke ist eine etwas modernere Blechwinkel-Interpretation, in der dickeren Grundplatte laufen die Madenschrauben der Saitenreiter in Rillen gegen seitliches Verrutschen, Oktave und Saitenlage sind einstellbar.

Der Hals ist aus hartem, kanadischem, zu einem nicht zu dunklen Karamell-Ton gerösteten Ahorn. Das Griffbrett ist aus Indian Laurel, einem seit ein paar Jahren gerne genommenen Palisander-Ersatz, der beim Testbass mit schöner Maserung und rötlich-brauner Farbe dem „Original“ sehr nahe kommt. Dots vorne und in der Flanke geben Orientierung zwischen den 20 sauber eingesetzten Bünden. Die Griffbrettkanten sind leicht abgerundet, was das angenehme Gefühl eines schon eingespielten Halses vermittelt – kleine Ursache, große Wirkung.

Die Kopfplatte des Telstar ist in Korpusfarbe lackiert und trägt neben dem Schriftzug noch die schicken Rallye-Streifen des Shergold-Logos. Für meinen Geschmack könnte sie etwas weniger generisch (wenn auch in sich stimmig und gelungen) aussehen, aber das Riesen-Paddel der Originale passt auch nicht so wirklich zum Bass.

Gekapselte Mechaniken im Gotoh-Stil stimmen die werkseitig aufgezogenen D‘Addario-Saiten, bei denen ein Niederhalter zwischen D- und G-Saite den nötigen Andruck im akkurat gekerbten Sattel aus synthetischem Knochen herstellt.

(Bild: Dieter Stork)

An der Kopfplatte ist der offene Zugang zum Zwei-Wege-Stahlstab – eine Konstruktion, die Shergold in Pionierarbeit tatsächlich schon in den 70ern verwendet hat. Aus alt mach neu.

An der Werkseinstellung gibt es absolut nichts zu meckern, pflichtschuldig drehe ich natürlich trotzdem an allen Stellschrauben und kann konstatieren: Alles fein. So auf dem Schoß macht sich der Telstar sehr gut, bestens ausbalanciert (auch dank der normal dimensionierten Kopfplatte), der Hals liegt angenehmstens in der Hand, Saitenlage, Shaping, und die schon angesprochenen Rolled Edges des Griffbretts schaffen maximalen Komfort.

Die kurze Mensur lädt eh zum entspannten Spiel ein, was gerne bis in die höchsten Lagen gehen darf. Auch die letzten Bünde sind dank des abgerundeten Halsfußes locker erreichbar.

Bei Gretsch-artigen Tonabnehmern erwarte ich reflexartig immer ein gut ausgeprägtes Höhenbild – und die FilterSonics enttäuschen nicht. Der Abnehmer am Hals liefert ein solides Fundament, ist aber weit davon entfernt, in den Bässen zu schwimmen. Stattdessen gibt es ein eher schlankes Klangbild mit perligen Höhen. Toller Sound!

Ordentlich Bonuspunkte gibt es noch dafür obendrauf, dass die Wiedergabe der Saiten untereinander absolut ausgeglichen ist. Ob das jetzt eine physikalische Tatsache ist oder nur mein persönlicher Eindruck, bei Kurzmensurern kommt es bei mir häufiger vor, dass die drei oberen Saiten ein gutes Klangbild mit gutem Punch hören lassen, die E-Saite dagegen aber merklich abfällt. Nicht so beim Shergold!

Der Wechsel von Hals solo zum Stegpickup ist dafür etwas mühsam. Zwar sieht das Reglerensemble auf der Chromplatte stylish aus, die Regler laufen gut und lassen zwar nicht die allerfeinsten Mischungen zu, aber doch mehr als ein Dreiwegschalter, aber die Knöpfe sitzen einfach verdammt eng zusammen. Da ist Fingerspitzengefühl angesagt.

So, nun aber zum Stegabnehmer. Der entwickelt dafür, dass er so stegnah verbaut ist, eine erstaunliche Tragfähigkeit. Dank des auch hier trockenen Fundaments nimmt er eine Basszugabe am Amp dankbar an und bleibt trotzdem schön konkret, was bei härterem Spiel in Kombination mit dem ausgeprägten Höhenanteil einen sehr eigenen, sehr schön aggressiven Ton gibt.

(Bild: Dieter Stork)

Laufen beide Pickups im Tandem, stellt sich eine leicht hohle Note ein, die oft bei so weit gespreizten Abnehmern zu hören ist. Beim Telstar ist das aber eher eine Nuance, im Wesentlichen glänzt der Ton mit guten Bässen und schimmernden Höhen, was, nachdem ich mich kurz auf den Pickup am Halsansatz einstellen musste, einen erstaunlich erwachsenen Slap-Ton ermöglicht.

Fürs Fingerspiel nehme ich lieber den einen oder anderen Pickup leicht zurück, was mehr Mitten zurückbringt – eher hohe am Hals, tiefere am Steg. In Kombination mit der gut funktionierenden Höhenblende ist da eine große Bandbreite an Sounds rauszuspielen.

Resümee

Patrick Eggle hat für Shergold in den großen Topf gegriffen, diverse Gitarren- und Bass-Designelemente herausgefischt und zu einem überraschend frischen und stimmigen Bass zusammengesetzt! Die Regler sind etwas eng beieinander und die Kopfplatte hätte ich mir etwas origineller gewünscht, kann aber auch mit der realisierten gut leben. Aber sonst überzeugt mich der Telstar Bass auf ganzer Linie.

Beste Bespielbarkeit und reichlich ebenso nutzbare wie eigene Sounds mit einer E-Saite, die nochmal Sonderlob verdient, verpackt in einen originellen Entwurf, der mehr ist, als die Summe seiner geliehenen Teile – das macht wirklich Spaß und ist darüber hinaus auch noch günstig zu haben. Für Shortscale-Freund:innen und solchen, die es werden wollen, zum Antesten unbedingt empfohlen!

Plus

  • Sounds
  • Bespielbarkeit
  • Pickups
  • Ausgewogenheit der Saiten
  • Verarbeitung
  • Optik

Minus

  • Regler eng zusammen

Übersicht

Fabrikat Shergold
Modell Telstar Standard Bass
Typ viersaitiger Shortscale-E-Bass
Herkunftsland China
Hardware chrom, solide Brücke, gekapselte Tuner
Hals gerösteter Ahorn, 2-Wege Trussrod
Griffbrett Indian Laurel
Halsbreite Sattel 38 mm, XII. 55.4 mm
Bünde 20
Mensur 30 Zoll
Korpus Pappel
Oberflächen Korpus und Headstockfront hochglanz, Hals matt
Tonabnehmer FilterSonics
Elektronik passiv
Bedienfeld Volume, Volume, Ton
Saitenabstände Steg ca. 19 mm
Gewicht 3,6 kg
Internet www.shergoldguitars.com
Zubehör Inbusschlüssel
Preis (UVP) ca. € 549

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)

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