Fuuuuzzzzz!

Earthquaker Devices Dirt Transmitter, Red Witch Fuzz God II, EWS Little Fuzzy Drive und mehr im Test

Der Fuzz-Effekt ist gewissermaßen die Urmutter aller FX-Pedale. Es war zu Anfang der 1960er Jahre als er in Form simpelster Schaltungen der E-Gitarre zu neuen Sound-Dimensionen verhalf. Zu danken war das dem Erscheinen eines revolutionären elektronischen Bauteils, dem Transistor. Eigenartig daran: Der Charme des Fuzz-Effekts fesselt Gitarristen bis heute. Entsprechend reichhaltig ist das Angebot auf dem Markt. Bitte sehr, wir stellen einige Charakterköpfe der Spezies eingehend vor.

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So vielfältig bis unüberschaubar das Angebot auf dem Sektor der Effektpedale insgesamt geworden ist, so zahlreich sind auch die Fuzz-Modelle. Man steht fast hilflos davor als Konsument, oder?! Ja, mir geht es nicht anders. Ich habe mir vor einer Weile spontan überlegt, einfach mal alles, was es in der Richtung auf dem Markt gibt, zu bestellen und abzuarbeiten. Puh, zu mutig, die Realität hat mich schnell eingeholt. Man bekommt das nicht in den Griff, zu viel. Und kaum denkt man die Liste sei endlich vollzählig, ploppen schon wieder neue Modelle in den News-Meldungen hoch.

Na gut, bescheiden wir uns auf eine kleinere Auswahl, dafür aber auf besonders illustre Kandidaten führender Marken. Wir werden sehen, dass das Thema Fuzz- Effekt vielfältiger interpretiert und umgesetzt werden kann, als die eigentlich harmlos simple Grundtechnik vermuten lässt – und dass sich die tonalen Eigenheiten sehr breit spreizen. Wer im Übrigen mehr über die Hintergründe der Fuzz- Technik und der Pedal-Effekte an sich erfahren möchte, findet einen Haufen Informationen in unserem Sonderheft. Die Pedale weisen Hardware-seitig erhebliche Unterschiede in Konzept und Ausstattung auf, seitens der Bauweise aber nimmt sich unsere Testmannschaft untereinander nicht viel. Metallgehäuse, Platinenbauweise (zum Teil unter Verwendung von SMD-Bauteilen), Potis und Buchsen wie die übrige Substanz durchweg von bester Qualität. Keine Ausreißer, alle bestehen die Hardware-Prüfung mit Bravour. Und alle haben einen True-Bypass- Footswitch, d. h., ist der Effekt deaktiviert, kann die Elektronik das Gitarrensignal nicht (nachteilig) belasten.

Dirt Transmitter // Earthquaker Devices

Den Anfang macht ein Pedal, das eine einfache Schaltung im klassischen Stil mit Regelmöglichkeiten kombiniert, die die Frühzeit-Fuzzes noch nicht kannten. Im Zentrum der Signalbearbeitung stehen zwei Siliziumtransistoren vom Typ 2N1711. Das Besondere an diesem Halbleiter im Metallgehäuse ist die Low- Noise-Verstärkung. Mit Dirt ist der Verzerrungsgrad regelbar, Tone und Level variieren das Klangbild und die Signalstärke des Ausgangssignals. Bias steuert über einen weiten Bereich den Arbeitspunkt der Transistoren durch, bis dahin, dass sie spannungsmäßig „verhungern“.

(Bild: Dieter Stork)

Regler/Schalter: Bias, Dirt, Tone, Level; True Bypass-FS (Status-LED)
Stromverbrauch: 4mA/9VDC
Preis UVP/Street: ca. € 219/185

Was im Extrem für richtig kaputtes, krankes Zerren sorgt. Im Prinzip ist das Feature aber nichts Neues. Andere Hersteller nutzen die Option ebenfalls, umeben das Spektrum zu erweitern. Denn die klassischen Fuzz-Schaltungen sind/waren wenig variabel. Denken wir an die Legende, mit der im Grunde das ganze Thema begann: das 1962 erschienene Fuzz Tone FZ1-Pedal von Maestro. Lautstärke und Fuzz-Intensität, das war‘s.Was danach auf den Markt kam, hatte lange auch nicht mehr zu bieten. Der Dirt Transmitter ohne Bias- und Tone-Regler … das wäre genauso und am Ende doch eher schmalspurig.

Im Sound ist das Pedal insofern speziell, als die Grundklangfarbe gar nicht betont kratzig oder tendenziell giftig wirkt, was bei Fuzzes eigentlich nicht selten ist. Der Ton ist dicht und satt in den Mitten (Standard: Bias aufgedreht), was Kraft und Tragfähigkeit generiert. Dank der hohen Gain-Reserven kommt auch eine Strat mit schwachen (Vintage-?) Singlecoil-Pickups zu fetter Distortion. Indes der Roll-Off-Effekt, das Ausdünnen des Klangbilds beim Herunterdrehen des Guitar-Volume, ist beimDirt Transmitter nur schwach ausgebildet. Das wird manchem sicher zusagen, denn das starke Abmagern ist doch etwas für spezielle Anwendungssituationen (vor einem hoch ausgesteuerten Retro-Vollröhren-Amp z. B.).

(Bild: Dieter Stork)

Günstig ist auch die Wirkungsweise des Tone-Potis, weil es gut kontrollierbar den Höhenbiss in den obersten Frequenzen dosiert. Das ist im Verbund mit der Bias- Regelung der Grund, warum der Dirt Transmitter überdurchschnittlich variabel ist. Einerseits kann er sich wie ein milder Vertreter seiner Gattung präsentieren, andererseits beherrscht er auch Facetten des „eklig-bösen“ Fuzzen. Abgesehen davon, dass er für sich genommen ein charakterstarker Verzerrer ist, funktioniert der Dirt Transmitter besonders gut als „Sound“-Booster vor einem selbst schon verzerrenden (Röhren-) Verstärker. Er macht das Klangbild mit Markanz fetter. Toll, unbedingt ausprobieren. Ansonsten schönen Dank für die oberamtlich hell leuchtende Status- LED.

Fuzz God II // Red Witch

Der Fuzz-Gott hat einen weiten Weg hinter sich gebracht um hier dabei zu sein. RedWitch ist in Neuseeland ansässig. Das Unternehmen existiert schon seit 2003, wurde von einem gegründet, der zuvor seinen eigenen Angaben nach 20 Jahre als Musiker in der Szene aktiv war (wie groß auch immer die Szene bei den Kiwis damals war ;-), Ben Fulton. Seine Pedale stehen in dem Ruf, speziell zu sein. Der Kick beim Fuzz God II, der relativ viele Bedienungselemente aufweist, liegt in der sogenannten Lightning-Sektion, die man mit demzweiten Fußschalter imGriff hat. Der Schaltkreis oszilliert von selbst, fiept im Leerlauf wie der VCO eines Synthis und kann in der Tonhöhe weit verändert werden (Wrath Poti). Spannend wird es, wenn man spielt. Der Fuzz God II benimmt sich in dem Modus anarchisch, die Töne kippen ins Falsett, im Ausklang drängelt sich der Fiep-VCO in den Vordergrund, eine experimentelle Sound-Ebene für exaltierte Tonsequenzen, völlig abgefahren. Kann mit dem Fußschalter schnell an/aus gestellt werden, sodass man mal eben zwischendurch mit irrwitzigen Sound-Clustern psychedelisch ausrasten kann. Nur bei diesem Zusatzeffekt ist das Wrath-Poti (Tönhöhe) in Betrieb. Der mit dem Ohrsymbol gekennzeichnete Mini- Switch fungiert als Lightning-Treble- Boost.

(Bild: Dieter Stork)

Regler/Schalter: Volume, Fuzz, Wrath, Sputter; Awaken (True-Bypass-FS), Lightning Bolts (-FS, Wrath-On/Off, Status-LED), Lightning Gain, Treble Boost
Stromverbrauch: 2mA/9VDC
Preis UVP/Street: ca. € 235/199

Der andere halbiert bzw. verdoppelt die Gain-Intensität des Fuzz.Wobei nicht nur die Verzerrungen intensiver/schwächer werden. Auch das Klangbild an sich verändert sich massiv. Low-Gain zerrt ziemlich verhalten und wirkt dadurch hart, kratzig, ja irgendwie fies – böser Kreissägen- Fuzz-Gott. High-Gain bringt dagegen ein sehr fettes Klangbild zum Vorschein, satt wie beim Dirt Transmitter, aber mit einer viel schärferen Farbe in den Höhen. Fuzz regelt die Zerrintensität, hinter dem Begriff Splutter verbirgt sich eine Bias-Regelung, die die beiden BC109B-Transitoren in den „Hunger- Modus“ bringt, mit den bekannten Folgen, dass der Fuzz- Effekt brüchiger, grober im Ton wird.

(Bild: Dieter Stork)

Der Fuzz God II funktioniert vor verzerrenden Amps etc. und für sich alleine souverän. Wegen des in den Höhen scharfen Grund-Sounds wird der eine oder andere Anwender unter Umständen eine entsprechende Tonblende vermissen. Beim Herunterdrehen des Guitar- Volume kippt der Fuzz-Sound kräftig in der Intensität ab, das Klangbild wird in den unteren Frequenzen erheblich dünner; Retro-Verhalten wie bei den Frühzeit- Fuzz-Schaltungen. Die Status-LEDs leuchten hell mit weißem Licht.

Little Fuzzy Drive // EWS

Das kleine Pedal hat ein schweres Gehäuse und gewinnt dadurch unerwartet einen ziemlich sicheren Stand. Dank geschickter Anordnung der Platinen passt sogar eine 9-Volt-Blockbatterie hinein. Die Ausstattung bietet den Standard, den man sich bei Fuzz-Pedalen heutzutage als Minimum wünscht, neben Volume und Fuzz (-Intensität), eine Höhentonblende und einen Schalter für zwei Sound- Modes bzw. Gain-Ebenen. Beim Little Fuzzy Drive sind dies eine etwas offener klingende Sound-Variante mit moderaten Verzerrungen, sowie eine wesentlich fettere mit komplexer Textur in den Mitten und reichlich Distortion. Ausgerichtet auf die klassischen Fuzz-Tugenden liefert das Little Fuzzy Drive eher warme Klänge ohne akzentuierte Aggressivität, ähnlich dem Dirt Transmitter. Markant, ausdrucksstark, qualitativ auf hohem bis höchstem Niveau. Beim Herunterdrehen des Guitar-Volume nehmen die Verzerrungen gleichmäßig ab. Die LED leuchtet hell.

Regler/Schalter: Gain, Tone, Volume; True Bypass-FS (Status- LED, eisblau), Fuzzy Drive/Fat Fuzzy
Stromverbrauch: 4mA/9VDC
Preis UVP/Street: ca. € 188/159

Havalina // Way Huge

Das Havalina ist das einzige Fuzz-Pedal in der Runde mit einem von außen zugänglichen Batteriefach. Ein DC-Input ist natürlich trotzdem dran. Beeindruckend sind die Verarbeitung und der technische Aufwand. In das Alu-Gehäuse sind für die Schrauben der Bodenplatte Gewindeeinsätze eingelassen, der True-Bypass wird über ein Relais umgesetzt, das über eine eigene IC-Baugruppe angesteuert wird, im Signalweg finden sich überwiegend „große“ Bauteile wie man sie analog auch in Röhrenverstärkern finden kann.

(Bild: Dieter Stork)

Regler/Schalter: Volume, Fuzz, Tone; True Bypass-FS (Status-LED, eisblau)
Stromverbrauch: 3mA/9VDC
Preis UVP/Street: ca. € 177/159

Die Schaltung basiert auf drei Germanium- Transistoren vom Typ 1T308B russischer Herkunft. Offiziell verlautbart Way Huge, das Pedal sei inspiriert „von einem Vintage-3-Transistoren-Design, das … den neuen Rock-Sound einführte“. Was damit wohl gemeint ist? Womöglich der legendäre Tone Bender MK2 von Sola Sound?

Wer weiß. Fakt ist, das Havalina beschränkt sich auf das Wesentliche. Volume, Fuzz (-intensität) und eine passive Höhen-Tonblende, das muss reichen. Und tut es auch. Das Pedal gehört zur Spezies der harten Fuzzes, sprich es verzerrt mit harschem, kratzigem Charakter. Weiter Gain-Bereich, das Sustain der Noten wird nachhaltig unterstützt, die Höhenblende macht sich bezahlt, weil sie das Havalina auch etwas gnädiger, weicher stimmen kann. Der Effekt entwickelt eine eigene Qualität, wenn er vor einem (stärker) verzerrenden Amp aktiviert ist. Er provoziert Oberwellen in den oberen Mitten und Höhen, die das Klangbild reicher, lebendiger und singender machen. Das hat viel Charme. Flux-Kompensator für die Retro- Reise in die Sounds der 1960er/1970er- Jahre. Röhren-Amp auf Anschlag (na ja, ganz muss nicht … ), ‘nen ollen Marshall oder so, schon ist man da, voraus in die Vergangenheit (äähh … wieso klinge ich plötzlich wie der junge Jimmy Page?!). Die Zerr-Intensität und das Tonvolumen kippen deutlich ab, wenn man das Guitar-Volume ein Stück zurücknimmt.

(Bild: Dieter Stork)

Alles gut soweit, sehr gut, aber es gibt genau an diesem Punkt ein Manko. Mit dem Herunterregeln des Guitar-Volume steigt sukzessive ein hochfrequentes Rauschen an. Am Nullpunkt zischt es ziemlich heftig. Hat offensichtlich wechselwirkend mit der Impedanz der Gitarrenelektrik zu tun. Aktive Tonabnehmer, niederohmige Elektriken kann man vergessen, da rauscht es von vornherein zu intensiv. Egal wie, ich würde ziemlich sicher ein Noise-Gate benutzen wollen. Das wäre es mir auch wert, allein schon für den interessanten Ton, den des Havalina als Booster produziert. Aber Obacht, das Pedal ist leider ein Auslaufmodell. Warum wir es dann überhaupt noch testen?! Eben drum, weil es speziell ist und Interessierte wissen sollten, dass sie sich sputen müssen, wenn sie den charmanten Sonderling noch ergattern wollen.

Hoof Reaper // Earthquaker Devices

Voll der Luxus: der Hoof Reaper vereint zwei separate Fuzz-Sektionen mit einem zuschaltbaren Octave-Effekt. Dieser liegt als erster im Signalweg, gefolgt vom Tone Reaper und dem Hoof-Fuzz, die man beide schon als eigene Pedal-Modelle kennt. Der Tone Reaper wird allerdings nicht mehr hergestellt. Seine Technik ist ein gradliniges, wenig aufwendiges Hybrid- Design, es sind zwei Silizium- und ein Germanium-Transistor am Start. Der Klangcharakter ist eher dezent. Dass es sich um Fuzz-Distortion handelt ist unverkennbar, aber der Ton ist im Frequenzgang ausbalanciert, füllig ohne besonders fett zu sein, dicht in den Verzerrungen, aber doch transparent und nur verhalten aggressiv in der Mittelstellung des Tone-Potis. Nach links öffnet sich das Höhenspektrum, wird etwas schärfer, während sich parallel im Bassbereich und den unteren Mitten das Klangbild verschlankt. Tone-Poti nach rechts und es geschieht – wie zu erwarten – das Gegenteil, Höhen relativ gesehen weiter abgedeckt, das Volumen unten herum nimmt zu.

(Bild: Dieter Stork)

Regler/Schalter: Sektion 1: Tone, Shift (Tone), Level, Fuzz; Sektion 2: Tone, Fuzz, Level; Hoof-FS, Octave-FS, Reaper-FS (drei Status-LED, weiß)
Stromverbrauch: 6mA/9VDC
Preis UVP/Street: ca. € 442/369

Markant ist am Reaper, dass beim Anschlag der Saiten die für nicht wenige Fuzz-Pedale typische Wah-artige Mittennase besonders akzentuiert hervortritt. Lässt sich noch weiter provozieren, wenn man nahe am Steg anschlägt. Die Gain- Reserven liegen im mittleren Bereich. Beim Zurückdrehen des Guitar-Volume kippen die Verzerrungen nicht an einem Punkt deutlich ab, sondern verringern sich mehr oder weniger gleichmäßig. Dem eher transparenten Fuzzen des Tone Reaper steht mit dem Hoof eine voluminösere Variante mit mehr Aggressivität gegenüber. Der Schaltkreis ist erheblich aufwendiger. Wieder treten Silizium- und Germanium-Transistoren im Team an, zusätzlich noch unterstützt von mehreren Dioden. Die Technik soll an den (Big-) Muff angelehnt sein. Die Verwandtschaft im Ton kann ich durch direkten Vergleich bestätigen, weil ich seit Urzeiten ein Modell von 1975 besitze. Viel Gain und Sustain wie beim Vorbild, doch ist der Hoof um Längen variabler. Weil sein Shift-Poti die Ansatzfrequenz des Tone-Reglers variiert, primär in den Höhen, doch das Mittenspektrum profitiert auch noch spürbar davon. Beim Zurückdrehen des Guitar- Volume kippen die Verzerrungen nach einem kurzen Stück des Regelwegs deutlich ab und nehmen dann gleichmäßig weiter ab.

Der Octave-Effekt verschlankt – wie üblich bei diesem FX-Typ – das Gitarrensignal und zerrt brüchig. Alleine an den Start gebracht nur etwas für Maso-Ästheten. Fuzz oder Distortion zuschalten, dann geht die Sonne auf, Hoof & Reaper fuzzen heiserer und bekommen neuen Odem eingehaucht. Die Octave-Sektion brilliert nämlich damit, dass sie sich expressiv spielen lässt und den (an sich monophonen) Zusatzton laut und kräftig erzeugt. Es sei angemerkt, dass der Effekttyp gerade bei Zweiklängen (Grundton plus Quarte/große Terz) besonders reizvoll wird.

(Bild: Dieter Stork)

Ab von der Qualität der Sounds gewinnt das Hoof Reaper-Pedal letztenendes auch noch dadurch, dass man die Effekte gleichzeitig benutzen kann. Dass bietet noch einiges an zusätzlichem Potential. Ist aber auch nicht gerade billig die Kiste. Die LEDs leuchten ausreichend hell.

The Fuzz // Carl Martin

Man erkennt es schon an der Ausstattung bzw. dem Dreiband-EQ: The Fuzz will klanglich besonders variabel sein. Das technische Konzept ist eigen. Hier regieren nicht „altertümliche“ Transistoren, sondern diverse ICs. Die Schaltung ist offensichtlich mit einem großen Anteil an Handarbeit aufgebaut. Die 9VDC-Eingangsspannung wird mit einem speziellen Schaltkreis auf +-12 Volt umgeformt, um die Dynamik des Signals aufzuwerten. Das Ganze hat im Strombedarf seinen „Preis“. Während die anderen Fuzz-Pedale in diesem Test weit unter 10mA verbrauchen, verlangt The Fuzz nach einem kräftigen Netzteil mit mindestens 200mA Belastbarkeit.

Regler/Schalter: Level, Deep, High, Gain, Bass, Middle, Treble; True Bypass-FS
Stromverbrauch: 200mA/9VDC
Preis UVP/Street: ca. € 271/229

Der EQ wird noch unterstützt durch die beiden Regler Deep und High, die offensichtlich gleich da am Werk sind, wo die Verzerrungen erzeugt werden. Sie haben großen Einfluss auf das Klangbild und sind in der Lage es massiv zu verändern. Luftig dünn, basslastig und fett in den Tiefmitten, schneidend scharf oder mildtätig … – The Fuzz ist zumindest in diesem Testfeld definitiv das Pedal mit der größten Variabilität. Auch im Charakter der Fuzz-Verzerrungen unterscheidet es sich von den anderen. Ihnen haftet wenig Exzentrisches an, sie sind nicht wirklich aggressiv. So gibt The Fuzz quasi den Gentleman im Feld von hemdsärmeligen Naturburschen. Wer das Urtümliche und Ungestüme im Fuzz sucht, ist bei Carl Martins Interpretation an der falschen Adresse. Das Pedal ist dafür umso geeigneter für Kollegen, die einen Fuzz wollen, der sich im Sound ein wenig in Richtung eines normalen Distortion-Pedals bewegt. Die Gain-Reserven liegen auf mittlerem Niveau, beim Herunterregeln des Guitar-Volume nimmt die Verzerrungsintensität gleichmäßig, stufenlos ab. Die rot leuchtende LED könnte etwas heller strahlen.

Resümee

Und der Sieger ist … Nein, mit dem Ansatz eine Rangliste zu formulieren, kann man an das Fazit nicht herangehen. Denn die hier vorgestellten Fuzz-Pedale sind markante und interessante Individuen, die überzeugen, jedes auf seine Art.Wir können aber klassifizieren. Vollfetten Fuzz ohne dominante Schärfe in den Höhen liefern in bester Klangkultur der Little Fuzzy Drive und der ungleich variablere Dirt Transmitter. Wer die harschen Töne bevorzugt, ist mit dem abgedrehten Fuzz God II (leider ohne Tone-Regler) und dem Havalina gut bedient. Der Hoof Reaper kann beides exzellent, und mehr, dank des Octave-Effekts, was allerdings auch einen ziemlich hoch angesetzten Preis hat. Wer es dezent möchte: Carl Martins The Fuzz überzeugt mit kaum schlagbarer Variabilität im Sound und einem tendenziell milden Zerr-Charakter.


Soundfiles

Hinweise zu den Soundfiles

Für die Aufnahmen kamen zwei Mikrofone mit Großflächenmembran zum Einsatz, ein AM11 mit von Groove-Tubes/Alesis und ein C414 von AKG, platziert vor einem Greenback von Celestion im 4×12-Cab. Als Verstärker kam der DCP100 von Marble-Amps/NL zum Einsatz. Die Töne lieferte eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg).

Die Clips wurden über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt und gemastert. Das Plug-In „Platinum-Reverb“ steuerte die Raumsimulationen bei.

Die Clips sprechen für sich. Zur besseren Vergleichbarkeit habe ich immer wieder dasselbe Thema gespielt, bei unterschiedlicher Fuzz-Intensität. Die Clips „Reaper“ und „Hoof“ entstammen ein und demselben Gerät. Gute Reise beim psychodelic Trip mit dem Fuzz God im Clip 4.

Weil der Havalina eigentümliche Dinge mit den Mitten macht, wenn der Fuzz vor einem verzerrenden Amp (oder Distortion-Pedal)  verwendet wird, präsentiert der Clip 7 eine Kostprobe davon (Crunch Kanal des Marble DCP100 aktiviert).

Ich wünsche viel Vergnügen, und…,  wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer!

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.


Aus Gitarre & Bass 04/2017

 

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