Starker Einstand

6 Tests! – Citadel Electronics Drive-, Comp-, Gate- & Phaser-Pedale

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VECTOR

(Bild: Dieter Stork)

Aller guten Dinge sind drei. Neben Overdrive und Distortion darf natürlich ein Fuzz-Pedal nicht fehlen. Und warum diesem Fuzz nicht noch ein kleines Extra in Form einer zusätzlichen oberen Oktave spendieren? Hendrix lässt grüßen. Interessanterweise hat sich Citadel gar nicht erst auf den alten Fuzz-Glaubenskrieg eingelassen und bei diesem Gerät sowohl Germanium- als auch Silizium-Halbleiter zur Erzeugung der Verzerrung verbaut.

Vor meinem cleanen Amp lässt das Vector-Pedal eine Lawine dreckiger und in den Mitten deutlich gescoopter Fuzz-Sounds auf mich herabregnen. Das Low-End ist gewaltig und es bedarf etwas Feingefühl im Umgang mit dem Tone-Regler, um hier die richtige Balance aus Bass-Wand und genug tonaler Information in den Mitten aus meinem Verstärker zu kitzeln.

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Während das Signal auf der ersten Hälfte des Regelwegs recht dumpf ist, nehmen die Höhen ca. ab der 13-Uhr-Stellung deutlich zu. Der Anteil der hohen Oktave kann mit dem „Octave”-Poti hinzugemischt werden. Hier handelt es sich natürlich nicht um modernes, polyphones Pitch-Shifting, sondern um den altbekannten Octafuzz-Sound der späten 60er-Jahre. Dieser ist vor allem mit Singlecoils gut hörbar und sorgt gerade auf den Diskantsaiten für authentische Blues-Rock-Sounds der Hippie-Ära.

Wer gerne noch ein bisschen mehr Dreck hinzufügen möchte, kann mit dem kleinen „Wear”-Mini-Poti den Klang einer sterbenden 9V-Batterie simulieren. Dreht man den Regler in Richtung der 14-Uhr-Stellung, wird der Sound deutlich stotteriger und erinnert zunehmend an einen alten, ausgeleierten Klettverschluss.

BUS DRIVER

(Bild: Dieter Stork)

Mit dem Bus Driver schickt Citadel Electronics einen Kompressor ins Rennen, der sich konzeptionell deutlich näher an klassischen Studio-Bus-Kompressoren als an typischen Pedalboard-Lösungen orientiert. Die Orientierung an SSL-Designs zeigt sich für mich ganz konkret in einer umfänglich ausgeführten Parametersektion samt Ratio-Switch, Auto-Release-Regelung sowie schaltbarem Sidechain-Filter.

Im praktischen Einsatz wird schnell klar, wie breit das Arbeitsfeld dieses Pedals tatsächlich ist: Über den Ratio-Schalter (2:1, 4:1, 10:1) kann ich den Grad der Kompression fein abstufen – von kaum wahrnehmbarer „Glue”-Kompression bis hin zu massiv eingeebneten, limitierten Signalen ist alles möglich.

Gerade in moderaten Einstellungen arbeitet der Bus Driver angenehm unauffällig und bleibt dabei erfreulich rauscharm, was ihn für mich auch als „Always on”-Kandidat interessant macht. Klanglich empfinde ich das Pedal als leicht höhenbetont. Das sorgt für zusätzliche Präsenz und hilft dabei, sich im Bandkontext gut durchzusetzen, verlangt aber je nach Amp-Setup ein wenig Feingefühl beim Gegensteuern.

In Kombination mit der schnellen, präzisen VCA-Charakteristik ergibt sich insgesamt ein sehr aufgeräumtes Klangbild, das vor allem in Kombination mit einer Singlecoil-Gitarre richtig Spaß macht. Besonders auffällig ist für mich das Makeup-Poti: Hier stehen derart hohe Gain-Reserven zur Verfügung, dass ich einen clean eingestellten Amp mühelos in die Sättigung treiben kann.

In dieser Konstellation funktioniert der Bus Driver für mich problemlos auch als Booster. Umgekehrt lässt sich das Pedal aber genauso gut als eine Art „Minus-Boost” einsetzen – drehe ich den Output gezielt zurück, bekomme ich einen bereits zerrenden Amp wieder etwas cleaner und kontrollierbarer.

Ein echtes Praxis-Highlight ist der Sidechain-High-Pass-Filter. In der 0-Hz-Stellung arbeitet der Kompressor ganz klassisch und reagiert stark auf das komplette Frequenzspektrum – inklusive Low-End, was bei starker Kompression schnell zu Pumpen führen kann. Schalte ich auf 100 oder 200 Hz, werden die tiefen Frequenzen zunehmend aus der Regelung herausgenommen.

Das sorgt dafür, dass das Low-End stabil bleibt, während Mitten und Höhen sauber komprimiert werden. Gerade meine Baritone Telecaster profitiert davon deutlich: mehr Druck untenrum, ohne dass die Kompression ständig das gesamte Klangbild „wegzieht”. Sehr gut gefällt mir auch der Einsatz vor einem bereits zerrenden Pedal.

Schalte ich den Bus Driver beispielsweise vor das moderat eingestellte Particle Drive, wird der Sound hörbar griffiger: Das Attack tritt klarer hervor, das Sustain nimmt zu und insgesamt fühlt sich das Spiel direkter und definierter an, ohne dass der Grundcharakter des nachfolgenden Pedals verloren geht.

PLANETAR PHASE

Ein sechsstufiger VCA-Phaser mag jetzt auf den ersten Blick nicht besonders innovativ erscheinen – Citadel hat seiner Variante dieses Pedalklassikers jedoch einen eigenen Twist verpasst. Während die Potis für „Rate”, „Depth” und „Resonance” sozusagen zur Grundausstattung der Phaser-Welt gehören, bringt der „Offset”-Regler eine schöne Möglichkeit, den Klang des Effekts zu beeinflussen. Hier wird nämlich die zentrale Mittenfrequenz des Phasereffekts verschoben.

Für den Test stelle ich mir zunächst ein ganz langsames Phasing à la Eddie Van Halen ein und lasse dabei sowohl „Offset” als auch „Resonance” auf Linksanschlag. Der Sound hat, je nach Position des „Depth”-Potis, eine schöne Tiefe und Wärme.

„Resonance” bestimmt nun, wie viel Signal abermals durch den Feedback-Loop des Pedals geschickt wird. Dreht man den Regler langsam auf, wird der Sound in den Mitten ausgehöhlter und neigt auf Vollanschlag dazu, im Attack regelrecht giftig und aggressiv zu werden, was einen durchaus reizvollen, „noisigen” Charme hat.

Der „Offset”-Regler bietet zu guter Letzt die Möglichkeit, das Signal in eine hellere, etwas modernere Ecke zu schieben. Am besten gefallen haben mir bei diesem Phaser richtig schnelle, Rotovibe-artige Settings, die mich automatisch auf den Hals-Singlecoil meiner Strat schalten und Erinnerungen an alte Robin-Trower-Sounds wach werden lassen.

RESÜMEE

Sicher hat Citadel das Gitarren-Effektpedal nicht neu erfunden und ich tue mich noch ein bisschen schwer damit, die fraglos toll klingenden Pedale am Markt einzuordnen. Sicher sagen lässt sich jedoch, dass man hier eine Menge Pedal für sein Geld bekommt.

Schlaue Features, wirklich tolle Sounds und eine durch die Bank hochwertige Verarbeitung sorgen für Spaß in der Anwendung. Vor allem das Overtuber Overdrive und der Bus-Driver-Kompressor haben mir in dieser Hinsicht ausgesprochen gut gefallen.

Hier bekommt man zwei wirklich außerordentlich gut klingende Pedale mit Funktionen, die sich nicht nur in der Bedienungsanleitung gut lesen, sondern auch in der Nutzung einen echten Mehrwert bieten. Wir dürfen also gespannt sein, was da in Zukunft noch kommt.

Plus

  • Ausstattung
  • echtes Röhren-Overdrive (Overtuber)
  • Side-Chain-Feature (Bus Driver Kompressor)
  • Verarbeitung
  • intuitive Bedienbarkeit
  • Preisgestaltung

Übersicht

Fabrikat Citadel Electronics Citadel Electronics Citadel Electronics Citadel Electronics Citadel Electronics Citadel Electronics
Modell Overtuber Particle Drive Dynagate Vector Bus Driver Planetary Phase
Gerätetyp Röhren Overdrive Distortion Noise Gate Octafuzz VCA Kompressor VCA Phaser
Herkunftsland China China China China China China
Gehäuse Aluminium Aluminium Aluminium Aluminium Aluminium Aluminium
Anschlüsse Input, Output, Stromversorgung Input, Output, Stromversorgung Input, Output, Send, Return, Stromversorgung Input, Output, Stromversorgung Input, Output, Stromversorgung Input, Output, Stromversorgung
Regler Level, Tone, Body, Girth, Gain Level, Tone, Drive, Gate Threshold Level, Tone, Octave, Fuzz Compression, Makeup, Attack, Release Rate, Depth, Offset, Resonance
Schalter Boost On/Off, Bypass, Initial State Bypass, Initial State Bypass, Hard/Soft Bypass, Initial State Bypass, Ratio, Side Chain, Auto Release Bypass, Initial State, Bypass Mom/Latch
Stromversorgung 9V, 500mA keine Batterie 9V, 100mA, keine Batterie 9V, 150mA, eine Batterie 9V, 50mA, keine Batterie 9V, 150mA, keine Batterie 9V, 100mA, keine Batterie
Maße 136 x 87 x 57 BHT/mm 114 x 62 x 5 BHT/mm 114 x 62 x 58 BHT/mm 114 x 62 x 58 BHT/mm 114 x 62 x 58 BHT/mm 114 x 62 x 58 BHT/mm
Preis (Street) ca. € 299 ca. € 159 ca. € 189 ca. € 149 ca. € 189 ca. € 169

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)

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