Yamaha AC3M im Test

 

Akustik-Gitarre von Yamaha
(Bild: Dieter Stork)

 

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Da flattert uns auf den letzten Drücker noch diese Steelstring aus dem Hause mit den drei Stimmgabeln in die Redaktion. OK – Spätschicht und rein damit ins Heft.

 

 

Denn die Neugier ist auf jeden Fall geweckt. Das war sie schon auf der Musikmesse in Frankfurt, wo man einen ersten Blick auf die A-Serie werfen konnte. Mit dieser will Yamaha einen frischen Wind in die Modellpalette bringen und Tradition mit modernsten Features zu etwas Neuem verbinden. Na gut, schön gesagt, aber wie macht man das? Man baut eine vollmassive Gitarre, bestückt sie mit einem hochmodernen PU-System und gewährleistet durch die Produktion in China einen attraktiven Preis. Doch der Reihe nach …

 

Konstruktion der Yamaha AC3M

Die AC3M ist ein Concert-Modell mit Cutaway. Die Decke besteht aus selektierter Sitka-Fichte und weist Yamahas Non-Scalloped-X-Bracing auf, Zargen und zweiteiliger Rücken sind aus massivem Mahagoni – eine Kombination, die ja schon mal eine gewisse klangliche Grundrichtung vorgibt. Der ausladend bauchige Ebenholzsteg bringt sicher viel Schwingung auf die Decke, das markante Schlagbrett mag manchen ein wenig an Taylor erinnern, zitiert aber die eigene Historie und war schon 1975 auf der N-1000 zu sehen. Zusammen mit dem sanft geformten Cutaway zeigt der Korpus jedenfalls sehr viel Eigencharakter.

Der dreiteilige Hals aus Mahagoni ist am 14. Bund angesetzt und trägt ein Ebenholzgriffbrett mit 20 Bünden. Man hat anscheinend besonderes Augenmerk auf diesen Neck gelegt, denn er ist an den Griffbrettkanten wunderbar verrundet, offenporig matt lackiert und wirkt, auch durch die perfekt eingesetzten Bundstäbchen, von Anfang an vertraut und wie schon eingespielt. Ein Highlight dieser Gitarre. Der sauber gearbeitete Sattel lenkt die Saiten zu den geschlossenen, verchromten Die-Cast-Mechaniken.

Nun aber mal zur Elektronik, die nicht mit zwei Worten abgehandelt ist: SRT heißt die Zauberformel und steht für Studio Response Technology. Zunächst einmal haben wir gewohnte Elemente, wie einen Piezo-Pickup (hier sechs Einzel-Abnehmer), verbunden mit einem Zargen-Cockpit mit Volume und Klangregelung (Low, Mid, High). Dann sind da ein Tuner und ein Notch-Filter – soweit alles bekannte Features auf einer E-Akustik. Das besondere, und dafür steht eben SRT, sind Sound-Models, die die Abnahme dieser Gitarre mit drei verschiedenen, hochwertigen Studio-Mikrofonen wiedergeben. Man hat grundsätzlich zunächst die Wahl zwischen Neumann U67 (Groß-Membran-Mikro), Neumann KM56 (Klein-Membran-Mikro) und Royer R-122 (Bändchen-Mikrofon). Es geht aber noch weiter, man kann nämlich mittels Focus/Wide-Taster zwischen trockener, direkter Nah-Abnahme und räumlicher Distanz- Abnahme wählen. Darüber hinaus kann man mit dem Resonance-Regler quasi den Winkel des Mikros zur Gitarre variieren und so mehr oder weniger „Body“ einfangen. Wow – da ist einiges geboten.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Die Yamaha AC3M in der Praxis

Ich möchte es gleich hier betonen: Wer diese Gitarre antesten möchte, sollte etwas Zeit und Muße mitbringen. Das erschließt sich alles nicht im Handumdrehen. Liebe auf den ersten Blick war es bei mir jedenfalls nicht. Aber nach zwanzig Minuten des Kennenlernens wollte ich sie gar nicht mehr aus der Hand geben. Vorab: Die Yamaha spielt sich sofort wie eine alte Bekannte, der Hals ist klasse, der akustische Sound ist sonor, abgehangen, ausgereift, hat dieses Mahagoni-Timbre. Per Piezo verstärkt kommt man auch sofort zu sehr befriedigenden Ergebnissen und hätte auch schon so eine top Bühnengitarre vor dem Bauch. Wenn man aber nach und nach dem Modeling auf die Schliche kommt, wird die AC3M zu etwas Besonderem. Bei Fingerstyle ist das am offensichtlichsten. Durch Beimischung eines der Mikros wird der Klang plötzlich luftig, räumlich, klar und erhält quasi eine dritte Dimension. Die Neumänner gestalten das etwas straffer und höhenbetonter, das Royer bringt eher weiche, rundliche Anteile – das ist im Wesentlichen Geschmackssache. Wie auch immer, die Mischung aus Piezo-Tightness und Mikro-Charakter bringt stets einen Gewinn. Egal ob Strumming oder Picking, Folk, Blues oder Jazz. Auch und ganz besonders bei Bottleneck-Einsatz geht die Sonne auf.

Ebenfalls wichtig in der Praxis: Das Batteriefach ist schnell und einfach auf der vorderen Zarge zu erreichen, ein vorderer Gurtpin ist bereits vorhanden und günstig positioniert und ein passgenauer Schallloch-Stopfen zur Feedback-Unterdrückung gehört, wie auch ein Koffer, zum Lieferumfang.

 

Resümee

Ein bärenstarkes Acoustic-Paket, das Yamaha da in den Ring schickt. Die Preisklasse rund um die 800 Euro (Ladenpreis) ist verdammt hart umkämpft, aber die AC3M besticht hier mit top Hölzern, wunderbarer Bespielbarkeit und enormen Möglichkeiten für den Band-Player und vielleicht besonders und gerade auch für den Bühnen-Solisten. Man muss ihr nur die Zeit geben, einen zu überzeugen.

 

Übersicht

Fabrikat: Yamaha

Modell: AC3M

Typ: Concert-Steelstring mit Cutaway und Pickup-System

Herkunftsland: China

Mechaniken: Die-Cast

Hals: Mahagoni

Sattel: Kunststoff

Griffbrett: Ebenholz

Radius: 12″

Halsform: C-Profil

Halsbreite: Sattel 44,1 mm; XII. 53,9 mm

Halsdicke: I. 21,3 mm; V. 21,3 mm; X. 22,1 mm

Bünde: 20

Mensur: 648 mm

Korpus: Mahagoni, massiv

Decke: Sitka-Fichte, massiv, selektiert

Oberflächen: Hals offenporig, matt; Korpus Hochglanz

Steg: Ebenholz

Stegeinlage: Kunststoff, kompensiert

Elektronik: System 63 SRT

Saitenlage: E-1st 2,5 mm; E-6th 2,8 mm

Saitenabstand Steg: E-1st – E-6th 55 mm

Gewicht: 2,05 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Yamaha Music Central

Europe GmbH

25462 Rellingen

www.yamaha.de

Zubehör: Koffer, Manual, Inbusschlüssel, 2 AA-Batterien Schalllochstopfen

Preis: ca. 909

 

Plus

  • Design
  • Verarbeitung
  • Hölzer, Hardware
  • Elektronik
  • A- und E-Klang
  • Preis/Leistung

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