Produkt: Gitarre & Bass 9/2019
Gitarre & Bass 9/2019
SPECIAL: Endlich Nichtrauscher! Der große Noise-Gate-Test +++ INTERVIEWS: Michael Schenker, Geddy Lee, Jack White & The Raconteurs... +++ TEST: PRS SE Paul's Guitar, Warwick RockBass Corvette Taranis, Furch Vintage 1 OOM SR...u.v.m
Feines Handwerk aus den Dolomiten

Test: Thomas 0050

Thomas 0050(Bild: Dieter Stork)

Dass diese Gitarre zum Test vorliegt, ist dem 2019er Guitar Summit zu verdanken, wo ich die großartigen Instrumente von Thomas Guitars aus Südtirol entdeckte.

Ausgestellt wurden die Modelle vom Gitarren Studio Neustadt, welches uns diese Double-0 auch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

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Die beiden Masterminds hinter Thomas Guitars sind der Deutsche Klaus Eilken und der aus Bozen in Südtirol stammende Thomas Orgler. Beide erlernten ihr Handwerk in Mittenwald und taten sich 2010 zusammen, um ihre Gitarren-Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Wir sprechen hier sämtlich über Highend-Instrumente bis hin zu einem Modell mit einer Decke aus 3000 Jahre alter Alaska-Gletscher-Fichte zum Preis von € 28.000.

Ganz so wild lässt es unsere Test-Gitarre nicht krachen, aber das Attribut „Highend“ erfüllt sie allemal.

Thomas 0050
Die offenen Schertler-Mechaniken (Bild: Dieter Stork)

HANDWERKS-KUNST

Das erste was auffällt, wenn man die 0050 aus dem schicken Koffer nimmt, ist, wie federleicht sie ist. Gerade mal 1,6 kg werden später von der Waage angezeigt. Dann betrachtet man dieses exquisite Stück Handwerk von allen Seiten und lässt Design, Hölzer, Detail-Widmung und Präzision auf sich wirken. Über diese Thomas-Steelstring einen kritisch distanzierten Test zu verfassen, wird nicht ganz leicht werden. Und der Artikel könnte auch längst fertig sein, aber wenn man erst mal einen Akkord angeschlagen hat, hört man so schnell nicht wieder auf zu spielen.

Jetzt aber mal zu den Fakten: Beim Korpus der Double-0 haben wir es mit einer massiven Decke aus Fichte zu tun, die aus dem Latemar, einem Gebirgsmassiv der Dolomiten, stammt. Die Zargen und der Boden sind aus spektakulär gemasertem Quilted Sapele Mahogany gefertigt. Für das optisch effektvolle Binding kam dunkles Macassar Ebenholz zum Einsatz. Noch mehr Trennschärfe wird durch das messerscharf präzise geschnittene helle Lining beiderseits des Bindings erzielt – Zirbelkiefer kam hier zur Verwendung.

Ein weiteres Highlight ist die Schalllocheinfassung aus recht stark changierendem Ebenholz. Interessanter Hintergrund: Das Holz kommt aus Kamerun von der Crelicam Company, die verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung von Ebenholz zum Ziel hat. Einer der verantwortlichen Partner ist Bob Taylor, Mastermind von Taylor Guitars.

Auch der Steg inklusive der Saiten-Pins ist aus Ebenholz. Die Saiten-Ausgänge sind geschlitzt, sodass die Strings ohne starken Knick zur Stegeinlage aus Knochen laufen. Dann schwingen sie frei über eine Distanz von 650 mm und überqueren dabei den Hals aus Sapele, der am 14. Bund an den Korpus angesetzt ist. Er ist mit einem Griffbrett aus Ebenholz belegt, das keinerlei Inlays aufweist, dafür aber 20 absolut perfekt eingesetzte Bünde aus Stainless Steel – echte Handschmeichler.

Die Saiten gelangen zum Knochensattel, der unverrückbar in einem Schlitz ruht und letztlich zu den offenen Schertler-Mechaniken mit Ebenholz-Stimmwirbeln. Die sehr stilvolle Kopfplatte hat eine Oberfläche aus zwei Sorten Ebenholz, in den hellen Bereich ist das Firmenlogo metallisch glänzend eingelassen. Auch der Zugang zum Halsstellstab ist hier unter einem Abdeckplättchen zu finden.

Die Thomas 0050 weist übrigens keine Gurtpins auf, dafür aber Verarbeitungs-Perfektion bis ins kleinste Detail und eine absolut auf den Punkt gebrachte Werkseinstellung und -abrichtung.

Thomas 0050
Wunderbar gefeilter und präzise fixierter Knochensattel (Bild: Dieter Stork)

KLANG-KULTUR

Um mich kurz zu wiederholen – hat man einmal angefangen diese Double-0 zu spielen, hängt man am Haken. Der hochglanzlackierte Hals liegt satt in der Hand und das gut 44 mm breite Griffbrett (am Sattel) bietet komfortable Platzbedingungen für die Spielhand. Hört man die ersten Akkorde, kommen einem nur drei Buchstaben in den Sinn: W-o-w … und dahinter ein Ausrufezeichen.

So ein dezidiertes, aufgeklartes, komplett ausgeleuchtetes Klangbild hört man nicht alle Tage. Nicht leicht in Worte zu fassen. Die Dynamik-Range ist beeindruckend. Selbst wenn die Saiten nur leicht mit der Fingerkuppe gestrichen werden, entfaltet sich schon ein vollmundiger Sound mit Strahlkraft, der einen fast glauben lässt, da wäre ein Hall-Effekt mit im Spiel.

Gibt man etwas Gas mit dem Plektrum, entfaltet sich ein Powersound mit gehöriger Lautstärke und endlosem Sustain, der aber auch bei ungehobeltem Strumming nie die Contenance verliert. Jegliche Ausdrucksmöglichkeiten sind dem Spieler hier geboten, jede Stilistik kann hier perfekt umgesetzt werden. Die Thomas 0050 giert geradezu nach Input und setzt ihn mit extrem lebendiger Ansprache und optimaler Tiefenschärfe um.

Thomas 0050
Die Schlitze im Steg verhindern starkes Knicken der Saiten (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

So ein altgedienter Tester wie ich hat schon viele teure und auch sehr teure Gitarre in der Hand gehabt, aber die Thomas ist wirklich ein Highlight. Ich wünschte, ich hätte die Wortgewalt meines geschätzten Kollegen Franz Holtmann, um diese Eindrücke in klangvolle Worte zu fassen, die das vermitteln könnten. So bleibt mir nur zu sagen: Fahrt nach Neustadt zum Gitarren Studio oder kommt zum nächsten Guitar Summit und gönnt euch den Augen- und Ohrenschmaus, den diese Thomas 0050 zu bieten hat. Aber Achtung: der „Haben-will-Faktor“ ist enorm!

PLUS

  • Design
  • Wahl der Hölzer und Hardware
  • ultimative Verarbeitung, Lackierung, Werkseinstellung
  • Bespielbarkeit, Handling
  • Klang, Dynamik, Ansprache

Thomas 0050

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2020)

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