Charme-Offensive

Test: Lâg T270PE / T270DCE / T270ASCE

Lag T270PE - T270DCE - T270ASCE
(Bild: Dieter Stork)

Die Überschrift war tatsächlich das Erste, was mir in den Sinn kam, als ich die drei Acoustics aus Südfrankreich auspackte. Sie verströmen sofort eine große Portion des typischen rauen Charmes, der allen Lâg-Modellen zu eigen ist.

schlangenholz

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Das 270er-Trio aus der Tramontane-Serie besteht aus einem Parlor- einem Dreadnought- und einem Auditorium-Slim-Modell. Die Gitarren sind mit massiven AA-Sitka-Fichtendecken ausgestattet, die satiniert, und ohne Binding auf den Korpus gesetzt sind. Dieser bietet eine ganz besondere Optik – er ist aus laminiertem Mexican Snakewood gefertigt.

(Brosimum guianense – ein hartes, stark gemasertes Laubbaum-Holz aus Mexiko und Mittel- bis Südamerika, auf Deutsch auch Schlangenholz oder Letternholzbaum genannt)

Auch der Body hat ein Matt-Finish – das sieht schon stark aus. Die Hälse sind aus Khaya und jeweils am 14. Bund angesetzt. Sie bieten allesamt 20 säuberlich eingesetzte Bünde und eine Mensur von 650 mm. Orientierungshilfen gibt es – in Gestalt kleiner Dot-Inlays – nur auf den Griffbrettkanten.

Die Saiten schwingen zwischen Stegeinlage und Sattel aus schwarzem Graphit – die Kopfplatten sind typisch Lâg: mit eingelegtem Namenszug aus Ahorn und schwarzen Mechaniken (Ratio 1:18) mit dem bekannten Wappen des Languedoc auf den Gehäusen, welches ja auch immer Teil der Schalllochumrandung ist.

Alle drei Lâgs sind bühnentauglich dank des Fishman-INK3-Pickup-Systems. Die Regeleinheit auf der Zarge baut erfreulich flach, stört so nicht/kaum die Silhouette des Instruments und bietet Zugriff auf Volume, Bass, Middle und Treble sowie ein Stimmgerät.

klangbilder

Die offenporig belassenen Hälse fühlen sich einfach gut an, jedes der drei Modelle liegt auf seine Weise angenehm am Spieler – die Parlor, weil sie so klein ist; die ASCE, weil sie so flach ist (max. Zargentiefe = 8 cm) und die Dreadnought, weil das so vertraut ist.

Die Klangbilder punkten voll im Positiven. Schon die Kleinste klingt vollmundig, trocken und abgehangen, liefert aber auch frische Höhen und vor allem ein beeindruckendes Sustain – der ganze Korpus schwingt intensiv. Die große Schwester legt Schlachtschiff-mäßig bei Bässen und Lautstärke noch einen drauf.

Das flache Auditorium-Modell – wie die Dreadnought mit Cutaway versehen – singt ein etwas anderes Lied: sie klingt unverstärkt etwas flachbrüstiger, hängt dafür aber am Player wie eine E-Gitarre – ist eben einfach für die Bühne konzipiert. Am Amp sind diese Defizite dann auch wie weggeblasen, da spielt die Slimline auf Augenhöhe. Am besten gefällt mir hier allerdings die Parlor, die am deutlichsten ihren Charakter ins Elektrische zu übertragen vermag – die Dreadnought klingt hier auch gut, wirkt aber etwas beliebig.

resümee

Ich drücke es mal so aus: Nach dem Auspacken und erstem Anspielen hätte ich die Tramontanes in einer deutlich höheren Preisklasse vermutet. Ein Design mit ganz viel Eigencharakter, tolle Hölzer, super Haptik und überzeugende Sounds – das Verhältnis zwischen Preis und Leistung lässt einen staunen. Lâg produziert in einer eigenen Fabrik in China, diese Strategie scheint absolut Sinn zu machen. Meine persönliche Siegerin ist die Parlor, aber alle drei Snakewood-Lâgs sind unbedingt zum Antesten empfohlen.

Lag T270PE - T270DCE - T270ASCE

Lag T270PE - T270DCE - T270ASCE

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(erschienen in Gitarre & Bass 08/2018)

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