Der Design-Funktions-Spagat

Ovation C2078AXP-AF, A-Gitarre im Test

Edelhölzer und Plastik, Extravaganz und Bühnen- Alltag – diese Gegensätze will und wollte Ovation schon immer, und mit der Elite Plus Serie ganz besonders, unter einen Hut bringen.

(Bild: Dieter Stork)

Und das tut der Hersteller mit der wechselhaften Geschichte wie stets auf seine unverwechselbare eigene Art und Weise. Die C2078AXP präsentiert sich dabei in nicht weniger als zwölf Finishes.

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Konstruktion

Zur Sache: Unser Testinstrument kommt (selbstverständlich) mit Lyracord-Body im Deep-Contour-Format und Cutaway. Die Decke fungiert als wahrer Hingucker mit Okume-Furnier (ein eher weiches Holz aus Kamerun und Gabun mit interessanter wechselhafter Maserung, auch Gabun-Mahagoni genannt) und dem markanten Multi-Soundhole-Design mit 15 Schalllöchern im vorderen Bereich der Decke. Verzierungen aus verschiedenfarbigem Edelholz betonen das Ganze. Für elegante Kontur sorgen das ebenholzfarbene Binding und die Deckeneinfassung (Purfling) aus Abalone. Ganz auf Funktion setzt dann wieder der Steg. Er ist aus Ebenholz und verzichtet auf die gewohnten Pins zur Fixierung der Saiten. Diese können eingefädelt werden (Topload) – das ist praktisch und geht schnell. Die höhen- und längenkompensierte Stegeinlage aus Kunststoff gibt den Saiten Auflage und schickt sie über eine Distanz von 642 mm zum Sattel aus ABS (Acrylnitril- Butadien-Styrol).

Der Hals ist am 14. Bund angesetzt und besonders stabil aus Mahagoni mit zwei Ahorn-Streifen gefertigt. Das Griffbrett aus Ebenholz ist mit 17 vollständigen und fünf Teilbünden versehen – es verjüngt sich zum Diskant hin, der 22. Bund ist nur noch auf H- und E-Saite spielbar. Schicke Abalone-Inlays (auch schon im 1. Bund) stärken Optik und Orientierung. Die ganz typische Ovation-Kopfplatte mit schwarzem Layer ist unterhalb des Sattels angesetzt, dort mittels Volute besonders verstärkt und mit goldenen geschlossenen Mechaniken bestückt, die mit ihren Stimmwirbeln aus Ebenholz sehr edel rüberkommen. Eine Gitarre wie diese Elite-Plus-Ovation ist in allererster Linie für die Bühne konzipiert – da kommt dem Pickup/Preamp- System besondere Bedeutung zu. Und der OP Pro Studio Preamp bietet auch Besonderes, denn neben den üblichen Features wie Volume, 3-Band-Klangreglung und Stimmgerät gibt es hier noch einen Drive-Regler und einen Expressor-Fader. Was die können, schauen wir uns gleich an.

(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Die Ausformung des Korpus ermöglicht sehr bequemes Spielen im Sitzen und Stehen. Der kräftige, matt belassene Hals greift sich gut, die Bünde sind erstklassig poliert und verrundet – das läuft sofort wie geschmiert. Auch die gute Saitenlage befördert das exzellente Spielgefühl – und das, dank des Cutaways, auch bis in die höchsten Lagen.

Eines muss bei alledem klar sein: Die Ovation kann konstruktionsbedingt rein unverstärkt nicht die Wucht und Klangfülle einer Dreadnought der gleichen Preisliga erreichen. Sie liefert aber gleichwohl ein fein detailliertes, stimmiges rundes Klangbild etwa auf dem Lautstärke-Level einer Archtop-Acoustic mit F-Löchern. Witziger Effekt: nach wenigen Spielminuten empfindet man das Klangbild als normal laut, wohlklingend ist es ja sowieso. Jetzt zur Hauptdisziplin einer jeden Ovation – Kabel rein. Der Klinkeneingang ist vom hinteren Gurtpin abgekoppelt, das finde ich gut – man muss nur beim Abstellen in einen Gitarren-Ständer etwas auf den Klinkenstecker aufpassen. Die C2078 punktet sofort mit einem ungemein frischen Sound, der Durchsetzungskraft und Natürlichkeit optimal kombiniert. Der Grundklang ist dabei ganz und gar typisch Ovation. Wer das grundsätzlich nicht mag, ist hier falsch.

Ich möchte aber behaupten, dass jeder, der in einer Band Akustik-Gitarre spielt, mit diesem Elite Plus Modell erstklassig dastehen würde. Die Klangregler arbeiten moderat aber praxistauglich und mit Drive und Expressor lässt sich der Sound wunderbar nach Bedarf verdichten. Das verwandelt einerseits hartes, vielleicht sogar ungehobeltes Strumming in eine homogene Klangwand, andererseits bringt es Fingerpickings effektiv nach vorne und verleiht den Einzeltönen Kraft. Über Anlage, Amp, Pult, Monitor etc. ist die Ovation ohne Zweifel ein schlagkräftiges Profi-Instrument.

Resümee

Den Bistro-Gig ohne Anlage macht man sicher mit einer anderen Acoustic, aber am Kabel ist die Ovation – wie ihre Vorfahren seit jeher – eine Macht, mit der man jederzeit professionelle Ergebnisse abliefern kann. Die Optik ist etwas Besonderes, Bespielbarkeit und Verarbeitung sind erstklassig. Ein superstabiler passgenauer Koffer ist auch dabei. Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung ist kerngesund. Bitte antesten.

Plus

  • Design, Materialien
  • Bespielbarkeit, Handling
  • Verarbeitung, Werkseinstellung
  • optimiert für Band und Bühne

Aus Gitarre & Bass 05/2017

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