Wer die Effekte von Thorn kennt, weiß, dass hier in Sachen Specs nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Das ist beim Tremolo-Pedal nicht anders. Entsprechend reicht die Sound-Palette von der Standard-Range bis hin zu ziemlich abgefahrenen Klängen, die man fast nicht mehr einer Gitarre zuordnen kann.
Wer bei großen Musikhäusern nach Tremolo-Pedalen sucht, findet je nach Sortiment über 40 Ausführungen zwischen rund € 20 und € 270 – und zwar Stand-Alone-Varianten, keine Kombi-Präparate, die etwa noch einen zusätzlichen Hall enthalten. Wie will sich ein weiteres Gerät da sinnvoll platzieren? Antwort Thorn: Mit einer üppigen Ausstattung und Features, die viele andere Pedale so nicht haben.
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Der Tremonator kommt mit fünf Potis, einem Minischalter sowie einem zusätzlichen Tap-Tempo-Switch. Im Einzelnen: Rate kontrolliert ganz klassisch die Geschwindigkeit des Effekts, über den Schalter links daneben lässt sich zwischen den Wellenformen Sinus und Rechteck, also eher sanft oder kantig, wählen. Mix regelt das Verhältnis von Original- zu Effektsignal, und das von komplett trocken bis hin zu „Wet only” – was Experimentierfreudigen schon mal jede Menge Möglichkeiten eröffnet.
Zusätzlich ist Thorns Tremolo mit einem Volume-Poti bestückt, das den Ausgangspegel steuert und so eventuelle Lautstärke-Differenzen ausgleichen kann, die bei bestimmten Effekt-Settings auftreten können.
Bis hierhin ist die Ausstattung schon recht üppig, aber noch konventionell, doch mit den weiteren Bedienelementen wird es nun um einiges spezieller: Mit einem zweiten Fußschalter lässt sich das Tempo auch per Fußtritt einstellen, noch ausgefuchster wird die Regelung der Geschwindigkeit via „Multiplier”. Über diesen Regler lässt sich das gewählte Tempo auf Wunsch bis zu achtfach multiplizieren, was zu kreativen Spielereien geradezu einlädt.
(Bild: Dieter Stork)
Die finale Stufe zündet dann „Symmetry”: Dieser Regler verändert das Längenverhältnis zwischen an- und absteigendem Effekt, in extremeren Settings entstehen dabei Sounds, die eher nach Synthesizer klingen und sich für rhythmische Sondereffekte geradezu aufdrängen. In kurz: Man kann dem Tremonator neben klassischen auch völlig abgefahrene Sounds entlocken.
Im Einsatz
Beginnen wir traditionell und belassen Mix und Symmetry zunächst in neutraler Mittelstellung und den Multiplier im 1:1 Setting. Dann haben wir es mit einem Tremolo zu tun, das die beiden bevorzugten Wellenformen anbietet und sich über den Tap-Tempo-Schalter komfortabel in der Geschwindigkeit steuern lässt. Der Volume-Regler korrigiert entsprechende Lautstärke-Differenzen.
Dies in Kombination mit einem sehr soliden Gehäuse und einer – auch in ausgeschaltetem Zustand – übersichtlich im Tempo blinkenden LED rundet eine erste Stufe ab, die die meisten klassischen Einsatzzwecke bestens abdeckt. Die Sounds passen, die Bedienung ebenfalls. Hier gibt es nichts zu meckern, für ein ausgewogenes Preis/Leistungs-Verhältnis sorgt dann jedoch der Mehrwert, den das Pedal neben diesen Optionen bietet.
(Bild: Dieter Stork)
Der große Andy Summers hat einmal in einem Interview gesagt, dass er seine Effekte beim Experimentieren gerne wie ein Chefkoch auf einer Arbeitsplatte vor sich hat, damit er jederzeit an den Settings herumspielen kann. Er würde dieses Pedal wohl lieben, denn mit den beiden oben erwähnten Potis lässt sich das Konventionelle im Ton sukzessive ausblenden, bis im Extremfall nur noch eine Art Klicken überbleibt – auf dem Weg dahin bietet der Tremonator zudem reichlich Spannweite zwischen diesen Polen. Insofern ist „Flex Trem” als Untertitel auf dem Gehäuse absolut korrekt gewählt.
Resümee
Wer Tremolo als Effekt mag, gerne mit Sounds experimentiert und mehr möchte als die Standard-Regler für Geschwindigkeit und Intensität, findet mit Thorns Tremonator ein passendes Werkzeug, das ganz neue Optionen eröffnen kann. Natürlich lassen sich dem Pedal auch sehr komfortabel klassische „Laut/Leise”- oder „An/Aus”-Klänge entlocken. Fazit: Alles dran. Und noch ein bisschen mehr.