Zoom NEURIG: Neural-Modeler mit eigener DNA-Engine, NAM-Captures und KI-App
von Redaktion,
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(Bild: Zoom Corporation)
Mit dem NEURIG stellt Zoom einen kompakten Amp- und Effekt-Modeler mit Akku vor, der zwei Ansätze verbindet: eine neue, selbst entwickelte Neural-Engine namens DNA und die Unterstützung des offenen NAM-Formats samt eigener Capture-Funktion. Hinzu kommen KI-Funktionen per App.
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Das Kernstück trägt den Namen DNA, kurz für „Dynamic Neural Archive“. Klassische Captures bilden einen Verstärker in genau einer Reglerstellung ab, jede Änderung am Gain oder am EQ erfordert ein neues Capture. DNA soll dagegen gelernt haben, wie ein Amp über den gesamten Regelweg reagiert, also auch das Zusammenspiel von Gain- und Klangreglern. Laut Zoom ist die Technik zum Patent angemeldet. An Bord sind 30 DNA-Modelle von Amps und Effekten, insgesamt bietet der NEURIG 139 Effekte von Drive über Modulation bis zu Delay und Hall.
(Bild: Zoom Corporation)
NAM A2 Lite und eigene Captures
Zusätzlich lädt der NEURIG Modelle im Format des Neural Amp Modeler, kurz NAM. Das Open-Source-Projekt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem verbreiteten Standard für Amp-Captures entwickelt. Über die Plattform TONE3000 stehen laut Zoom mehr als 700.000 kostenlose Captures und Impulsantworten bereit, die sich per App direkt auf das Pedal laden lassen.
Unterstützt wird die neue NAM-Generation A2, allerdings in der Variante A2 Lite. Dabei handelt es sich um dasselbe Modell, das für leistungsschwächere Hardware kleiner gerechnet wird. Nach Angaben von TONE3000 liegt A2 Lite in der Genauigkeit etwa auf dem Niveau der ersten NAM-Generation, während die volle Variante A2 Full noch präziser arbeitet. Diese läuft unter anderem im deutlich teureren Darkglass Anagram.
Neu ist, dass der NEURIG auch selbst Captures erstellen kann. Dazu wird ein Amp, ein Pedal oder eine komplette Signalkette angeschlossen, das Gerät schickt die Aufnahmen per WLAN zur Berechnung an TONE3000 und erhält eine fertige NAM-Datei zurück. Eine Internetverbindung ist dafür also nötig. Zoom bezeichnet den NEURIG als erstes Effektpedal, das NAM-A2-Captures erzeugen kann. Die Funktion soll laut Hersteller ab Dezember verfügbar sein.
Für Lautsprechersimulationen gibt es 22 sogenannte Multi-Layer-IRs. Jede besteht aus drei Impulsantworten, die bei unterschiedlicher Lautstärke aufgenommen wurden, damit die Box je nach Pegel anders reagiert. Mikrofon und Mikrofonposition sind wählbar, zudem gibt es 50 Speicherplätze für eigene IRs.
KI-Funktionen in der App
Bearbeitet wird der NEURIG wahlweise am Gerät oder über die kostenlose App SessionZ Pedal, die per Bluetooth verbunden wird. Dort sitzen auch die KI-Funktionen. Rig AI stellt einen Sound nach Textbeschreibung zusammen, etwa nach dem Gitarrenton eines bestimmten Songs oder einer gewünschten Stimmung. Die AI Stem Separation zerlegt Songs auf dem Smartphone in Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug, sodass sich einzelne Spuren zum Üben ausblenden oder isolieren lassen.
Mit Session Z PLAY lässt sich Musik von YouTube oder aus der eigenen Bibliothek per Bluetooth auf das Pedal streamen. Wiedergabe, Pause und Spulen steuert man dabei über die Fußschalter, außerdem soll das System auf Knopfdruck einen passenden Gitarrensound zum laufenden Titel erzeugen. Wie gut das in der Praxis funktioniert, muss ein Test zeigen. Weitere App-Funktionen will Zoom per Update nachreichen.
(Bild: Zoom Corporation)
Rigs, Akku und Anschlüsse
Sounds organisiert der NEURIG in sogenannten Rigs. Ein Rig kann bis zu 14 Amps und Effekte enthalten, auch in parallelen Signalwegen, und bietet vier Presets, zwischen denen man live umschaltet. So lassen sich etwa unterschiedliche Signale an Bühnen-Amp und PA schicken. Ab Werk sind 75 Rigs gespeichert, Platz gibt es für 200. Beim Umschalten soll es keine Aussetzer geben, Delay- und Hallfahnen klingen aus. Intern rechnet das Gerät mit 32 Bit Fließkomma.
Bedient wird der NEURIG über zwei kleine Touch-Displays, einen Master- und einen Control-Regler sowie vier Fußschalter. Zooms bisheriges Touch-Flaggschiff G6 setzte noch auf ein einzelnes Display und ein integriertes Expression-Pedal. Ein solches lässt sich beim NEURIG optional anschließen. Mit 236 × 121 × 54 mm und 850 g ist das Gerät boardtauglich. Der integrierte Akku mit 2.900 mAh soll rund 4,5 Stunden durchhalten und lädt in etwa drei Stunden über USB-C, über das der NEURIG auch direkt betrieben werden kann.
An Anschlüssen gibt es Input, Stereo-Ausgänge, Send/Return, das sich auch als zusätzlicher Ein- und Ausgang nutzen lässt, einen Kopfhörerausgang, MIDI In/Out im 3,5-mm-Format sowie eine Buchse für Expression-Pedal oder Fußschalter. Über USB-C arbeitet der NEURIG als Audio-Interface mit zwei Ein- und Ausgängen. Ein Looper mit 45 Sekunden Stereo-Aufnahmezeit, ein Stimmgerät mit Unterstützung für offene Stimmungen und 7-Saiter sowie Firmware-Updates per WLAN runden die Ausstattung ab.
Mit dem Preis von € 349 positioniert Zoom den NEURIG zwischen günstigen NAM-fähigen Kompaktgeräten wie dem Valeton GP-50 und den großen Modeling-Boards.