Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Höfner-Gitarre und eine Matsuoka-Gitarre.
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Ein Freund von mir war im Besitz dieser wunderbaren Gitarre, die ihm leider gestohlen wurde. Ich habe bereits diverse Seiten durchsucht, konnte dieses spezielle Modell aber nicht finden. Vielleicht könnt ihr mir dabei weiterhelfen. – Stefan
Bei der Gitarre deines Freundes handelt es sich um eine Höfner 4572 (II) aus dem Jahr 1970, die natürlich in (West-)Deutschland gebaut wurde. Es war das zweite Modell, das Höfner unter dieser Bezeichnung führte. Es wurde etwa 1968 eingeführt und bis ca. 1988 produziert. Im Unterschied zu anderen „Thinline“-Modellen von Höfner hatte es einen angeschraubten Hals.
Charakteristisch für diese Epoche sind die sogenannten „Blade“-Pickups, anhand derer sich Höfner-Gitarren zeitlich relativ leicht einordnen lassen. Bei der gezeigten 4572 handelt es sich aber um ein ganz besonderes und seltenes Modell: Die auffällige Control-Platte am unteren Zargenrand weist darauf hin, dass es sich eventuell um ein Modell mit eingebauter aktiver Elektronik bzw. Effekten handelte, deren Controls sich auf dieser Platte befanden. Die Elektronik scheint beim Modell deines Freundes aber ausgebaut worden zu sein, sodass nur ein Poti übrig blieb und ein weiteres im Pickguard installiert wurde.
Zwar gab es auch andere Höfner-Thinline-Gitarren mit einem Control-Panel am unteren Zargenrand – die Modelle 4574 und 4575 –, aber bei einer 4572 habe ich so etwas noch nie gesehen, außer bei dem seltenen Modell mit eingebauter aktiver Elektronik bzw. Effekten wie Wah und Fuzz. Die normale 4572(II) ist nicht selten und erzielt auf dem Markt einen Preis von etwa 700 bis 800 Euro. Auf Kleinanzeigen kann man sie eventuell auch günstiger finden, dann aber sicherlich im unrestaurierten und entsprechend pflegebedürftigen Zustand.
Ich habe diese alte Konzertgitarre − Modell 41/320 von Ryoji Matsuoka Luthier − günstig erstanden. Sie ist bundrein und klingt wunderbar. Leider konnte ich im Internet keine näheren Informationen zu dieser Gitarre finden. Welche Hölzer wurden verbaut? Decke, Zargen und Boden sowie Hals und Griffbrett. Die Gitarre muss in den 70er/80er-Jahren gebaut worden sein. Wie war der damalige Verkaufspreis und wie hoch ist der heutige Wert? – Werner
Ryoji Matsuoka gründete seine Firma im Jahr 1959 in Nagoya. Er war weitgehend Autodidakt und orientierte sich an spanischen und deutschen Vorbildern wie Hauser und Ramírez. In seiner Werkstatt wurden sowohl Instrumente unter eigenem Namen als auch Gitarren für andere Marken, darunter Aria und teilweise Ibanez, produziert. Bis in die frühen 1980er-Jahre sollen die Spitzenmodelle noch stark von ihm persönlich überwacht bzw. gefertigt worden sein.
Die Firma existierte bis 2014, und heute gelten besonders die japanischen Originale aus den 1970er- und 1980er-Jahren als sammelwürdig. Das Modell 41 zählte zur Einsteiger- bzw. Mittelklasse und wurde aus folgenden Hölzern gefertigt: massive Fichtendecke, Mahagonihals, laminierte Palisander-Zargen und -Boden sowie ein Griffbrett aus Palisander. Der Neupreis für diese Modellklasse lag Ende der 1970er Jahre bei etwa 700 DM.
Was es heute „wert” ist, lässt sich schwer sagen, da es keinen allgemeingültigen Marktwert gibt und die reinen Angebote im Internet nichts darüber aussagen, ob und zu welchem Preis die Gitarren überhaupt verkauft werden. Ich würde einen Marktpreis zwischen 500 und 1.000 Euro als realistisch einschätzen, allerdings muss man Geduld mitbringen.