(Bild: Franz Holtmann)
Gitarren von Guild sind so etwas wie die Underdogs in der Geschichte des amerikanischen Gitarrenbaus. Dabei wurden besonders in der frühen Bauphase in Hoboken/New Jersey großartige Instrumente gebaut.
Das Duane Eddy Model gehört zu den wenigen Guild-Produkten, die einen gewissen Status am Vintage-Markt erreichen konnten. Eddy kontaktierte um 1960 herum verschiedene Hersteller, um das Interesse für ein Duane Eddy Model zu erkunden. Er hatte mit ‚Peter Gunn‘ und ‚Rebel Rouser‘ große Instrumental-Hits gelandet und war zu dieser Zeit auf der Höhe seiner Popularität.
Den ersten Teil seiner Karriere hatte er mit einer Gretsch 6120 bestritten, aber 1960 zeigte sich der „King of Twang“ auch schon mit einer blonden X-175-Archtop von Guild. Auf der NAMM Show 1961 in Chicago fanden erste Gespräche mit Guild statt, kurz darauf besuchte Eddy die Fabrik in Hoboken, wo man die Details für ein Duane Eddy Model besprach. Das Design beruhte weitgehend auf dem Top-of-the-Line-Model Stuart X-500, das gerade erst mit DeArmond Pickups ausgestattet worden war.
Duane wollte es lediglich schmaler, dazu noch ein Master Volume und ein Bigsby Tremolo. Duane Eddy blieb seiner persönlichen Guild übrigens lebenslang treu. Er starb am 30. April 2024 kurz nach seinem 86. Geburtstag in Franklin/Tennessee.
Beim Guild Archtop-Modell X-500 B, ausgestattet mit zwei Tonabnehmern, vergoldeter Hardware und einem venezianischen Cutaway, handelt es sich um eine attraktiv gestaltete 17-Zoll-Hollowbody-Electric, die 1953 erstmals angeboten wurde.
Ihre Ähnlichkeit mit der Epiphone Zephyr De Luxe aus den frühen 50er-Jahren, also der Zeit vor der Übernahme durch Gibson, ist kein Zufall. Die Epiphone-Produktion in New York kam im Jahr 1951 durch einen Streik über vier Monate lang zum Erliegen, was Epiphone bewog, nach Philadelphia umzuziehen.
(Bild: Franz Holtmann)
Viele der bewährten Gitarrenbauer waren zu diesem Wechsel nicht bereit und fanden bei Guild in Hoboken/New Jersey eine neue Anstellung. Kein Wunder also, dass ihr Know-how und ihre Erfahrung in die frühen Guild-Designs Eingang fanden. 1961 bekam das Modell „white-faced“ DeArmond Pickups, die sich auch Duane Eddy wohl nicht ohne Grund für sein eigenes Modell wünschte. Schauen wir uns diese speziell konstruierten Pickups doch einmal genauer an:
Rowe Industries aus Toledo/Ohio war ein amerikanischer Pickup-Hersteller, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Gretsch Gitarrengeschichte schrieb. Er fertigte aber auch Pickups für viele andere Hersteller, darunter Guild, Epiphone und Danelectro. Firmenchef Horace „Bud“ Rowe hatte mit Harry DeArmond einen erfindungsreichen Mann an der Seite.
Harry hatte bereits seit den 30er-Jahren an Tonabnehmern gearbeitet und gilt als einer der ersten überhaupt, die einen magnetischen Pickup auf eine Akustik- oder Archtop-Gitarre schraubten. Ursprünglich als Gretsch-DeArmond Fidelatone bekannt, war der von Harry entwickelte DynaSonic Single-Coil ab den späten 40er-Jahren der Standard-Tonabnehmer bei Gretsch. Er zeichnete sich durch besondere Klarheit, ausdrucksstarke Höhen und eine straffe Basswiedergabe aus.
Ab 1949 belieferte Rowe Industries Gretsch mit einem Single-Coil-Tonabnehmer namens DeArmond 200. Bei dem später in DynaSonic umbenannten 200 handelte es sich um eine komplexe Konstruktion. Die großen Alnico-V-Polepieces ließen sich durch Federn einzeln in der Höhe einstellen.
Die Magnete waren allerdings so stark, dass sie, zu hoch angebracht, die Saitenschwingungen beeinträchtigen konnten. Der aus Bakelit gefertigte Spulenkörper war mit Draht der Stärke AWG 43 bewickelt. Bei Gretsch war nicht ohne Grund zu lesen: „DynaSonic-Tonabnehmer liefern einen Klang von unvergleichlicher Kraft und Signaltreue!“
Auf der Summer NAMM Show 1957 in Chicago wurde dann allerdings der hauseigene Filter‘Tron Pickup vorgestellt. Der von Ray Butts entwickelte Humbucker ersetzte sukzessive ab 1958 die DynaSonic-Tonabnehmer.
DynaSonic Pickups wurden von Spielern wie Duane Eddy und Cliff Gallup geliebt, andere, darunter Chet Atkins, mochten sie nicht besonders. Seth Lover von Gibson fand den Tonabnehmer aber doch so gut, dass er darauf mit dem P90/Staple Pickup mit den eckigen Magneten antwortete, der z. B. auf frühen Les-Paul-Custom-Modellen in der Halsposition zu finden ist.
Twang, Jazz, Surf
(Bild: Franz Holtmann)
Zurück zur X-500-Archtop-Gitarre, die in einem Prospekt von Guild wie folgt beschrieben wurde: „Dies ist das Nonplusultra unter den E-Gitarren, der Stolz von Guilds Ingenieuren und Holzhandwerkern. Der schnell reagierende 5-teilige Hals ist aus ausgewähltem Ahorn und Walnussholz gefertigt, das Ebenholzgriffbrett verfügt über Deluxe-Positionsmarkierungen aus Perlmutt. Der Cutaway-Korpus der Stuart ist 17“ breit, 21“ lang und 3 1/2“ tief. Zargen und Boden sind aus stark geflammtem Ahorn gefertigt, die Decke besteht aus ausgesuchter, fein gemaserter Fichte.
Decke und Boden sind mit 8-lagigem Binding eingefasst. Auch Hals und Kopfplatte sind eingefasst. Die X-500 hat zwei Tonabnehmer mit separaten Ton- und Lautstärkereglern eingebaut. Individuelle Stellschrauben sorgen für tonale Ausgewogenheit im gesamten Bereich.“
Die Guild X-500 veränderte sich im Laufe der Jahre nur wenig und blieb bis 1994 im Guild-Sortiment.
(Bild: Franz Holtmann)
Das gezeigte Modell der X-500 B aus dem Jahre 1961 verfügt über einen prachtvoll gemaserten Korpus aus Quilted Maple (laminiert) mit einer Zargentiefe am Halsansatz von 8 cm, was uns eine bequeme Armauflage bietet. Der griffig profilierte Hals fällt absolut komfortabel in die Hand (Sattelbreite 43,4 mm) und sofort erweist die stolze Archtop sich als elektrisch potentes Instrument mit trockenem, nach Holz schmeckendem Ton. Perkussiv in der Ansprache, souverän in der Tonfarbe und mit ausgesprochen starker Präsenz und Projektionskraft in der Darstellung. Ein ungemein charaktervolles Top-Instrument seiner Zeit!
Da Guild-Gitarren in der Sammlergunst nicht wirklich vorne stehen, lassen sich originale High-End-Archtops wie die Stuart X-500 zu moderaten Preisen finden. Für die selten angebotenen Instrumente werden in Bestzustand derzeit um die € 6000 verlangt.
(erschienen in Gitarre & Bass 10/2026)