Gelungener Einstieg in die Profi-Klasse!

Test: Palmer Orbit 11 – Ein Kraftzwerg!

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(Bild: Adam Hall)

Palmer ist kein Hersteller, der für seine Lautsprecher bekannt ist. Eigentlich sind wir ja kein Studio-Magazin, bei den Eckdaten konnte unser Autor jedoch nicht anders, als auf einen Test zu beharren.

Auf dem Papier handelt es sich um die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau. Phasenlinear, 3-Wege koaxial, Cardioid-Charakteristik, DSP korrigiert und ein Frequenzgang, der bis in die 20 Hz hereinreicht.

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Eine gute Abhöre ist auch im Heimstudio unabdingbar, wenn man aufgenommenes Material mischen und produzieren will. Auch zum Musikgenuss eignen sich Referenzmonitore durchaus (einige mehr, andere weniger).

Mittlerweile ist der Markt für derartige Produkte gigantisch und zwischen € 50 bis € 15.000 pro Lautsprecher werden wirklich alle Preissegmente bedient. Wer sich etwas mit der Materie auseinandergesetzt hat, dürfte bei den Ausstattungsmerkmalen der Palmer Orbit 11 ob des aufgerufenen Preises stutzig geworden sein.

ÜBERSICHT

Auf dem Papier lesen sich die Spezifikationen wie die eines absoluten „State of the Art“-Produkts. Auf einige Punkte gehe ich der Übersicht halber kurz ein:

Der extrem weite Frequenzgang, der bis in die 20-Hz-Region reicht, macht die Verwendung eines Subwoofers obsolet und ermöglicht am Arbeitsplatz die Beurteilung auch extrem tiefer Subbassanteile im Mix. Vorausgesetzt der Raum grätscht hier nicht rein, dazu später mehr.

(Bild: Adam Hall)

Mit Cardioid-Charakteristik ist ein Abstrahlverhalten von Lautsprechern bezeichnet, das den Schall wirklich nur nach vorn abstrahlt und nicht auch zusätzlich zu den Seiten oder nach hinten. Hierdurch werden störende Reflektionen vom Raum deutlich reduziert, was insbesondere in nicht ganz optimal behandelten Räumen für ein klareres Klangbild sorgen kann.

Bei 3-Wege-Systemen teilen sich zwei Lautsprecher die Wiedergabe von Bässen und Mitten. Bei üblichen 2-Wege-Boxen übernimmt der Tieftöner auch die Wiedergabe der Mitten bis zu den Hochmitten. Durch die Aufteilung können die Lautsprecher optimaler auf ihren Arbeitsbereich abgestimmt und Verzerrungen und Intermodulationen reduziert werden. Im Ergebnis ist der Klang dadurch differenzierter und aufgeräumter.

Bei koaxialen Lautsprechern liegen mindestens zwei Lautsprecher auf einer (akustischen) Achse und nicht wie sonst üblich vertikal übereinander. Dies hat den Vorteil, dass Laufzeitunterschiede bereits mechanisch kompensiert werden und vor allem die Abstrahlcharakteristik der Lautsprecher deutlich näher an die einer idealen Punktschallquelle herankommt. Insbesondere im Nahfeld kann das den Klang kohärenter und die Stereobühne ortbarer und differenzierter machen.

Eine phasenlineare Wiedergabe dient dem gleichen Zweck. Gibt es (mehrere) Sprünge im Phasengang eines Lautsprechers, so erreichen Höhen und Mitten unser Ohr zeitlich versetzt. Je größer der Versatz, desto verwaschener und in Extremfällen auch anstrengender ist der Klang. Bei Phasenlinearität ist eine zeitlich kohärente Wiedergabe gewährleistet.

(Bild: Adam Hall)

Erreicht werden lineare Phasen- und Amplitudengänge einerseits natürlich durch eine durchdachte mechanische Konstruktion, aber die vollständige Abstimmung und Korrektur wird am Ende durch einen internen DSP erreicht. Dieser Funktionsumfang ist grundsätzlich nichts Neues auf dem Markt, allerdings musste man dafür bisher mehrere (!) tausend Euro einplanen. Pro Lautsprecher.

Mit knapp unter € 800 pro Lautsprecher setzt Palmer hier ein deutliches Statement und sorgt für Furore im Netz. In der Vergangenheit hatte ich bereits ein anderes Paar Monitore des Herstellers im Test (Ausgabe 9/2022), das jedoch in einer gänzlich anderen Preisklasse spielte.

HARDWARE & EINRICHTUNG

Mit knapp 14 Kilogramm pro Lautsprecher sind die Orbit 11 alles andere als Leichtgewichte. Praktischerweise befindet sich im Karton statt einfacher Plastikfolie eine Tasche mit Tragegriffen, die den Lautsprecher umhüllt. Dadurch lässt er sich sehr angenehm herausheben.

Ursache für das stattliche Gewicht ist das aus massivem Alu gefertigte Gehäuse. Gleichzeitig hat ein so massives Gehäuse auch bei gehobenen Lautstärken keine Probleme mit Gehäuseresonanzen und zusätzlich funktioniert es als großer Kühlkörper für die verbaute Leistungselektronik.

Unter der Haube werden vier Lautsprecher von insgesamt 400 Watt Verstärkerleistung angetrieben. Insbesondere für die beiden Tieftöner ist diese Leistung auch notwendig, denn um derartigen Tiefbass aus dem kleinen Gehäuse zu pressen, müssen die Pappen auf Hochtouren arbeiten und das braucht eben Leistung.

Dank des geschlossenen Gehäuses muss bei der Aufstellung keine Rücksicht auf etwaiges Verdecken der sonst oft vorhandenen Bassreflex-Ports genommen werden. Da die Cardioid-Charakteristik nur für Mittel- und Hochtöner gilt und nicht für die Tieftöner, muss die Nähe zur Wand dennoch bei der Aufstellung berücksichtigt werden, im kleinen Raum also möglichst dicht an eben jener. So vermeidet man Auslöschungen im Tiefbass.

Damit der Lautsprecher auch wandnah aufgestellt werden kann, sind alle Anschlüsse tief im Gehäuse versenkt, sodass nichts über die Rückseite herausragt. Neben den obligatorischen Anschlüssen für Netzspannung und analoges Eingangssignal finden sich auch zwei weitere XLR-Buchsen am Panel. Bei diesen handelt es sich um Ein- und Ausgänge für das digitale AES-Format.

Auf der Oberseite ist ein rückseitig beleuchtetes Bedienpanel eingelassen, dessen Menüpunkte sich durch Drücken auf die ebenfalls dort eingelassenen Taster navigieren lassen. Neben den Einstellungsmöglichkeiten zur Vorverstärkung des Analogsignals und der Wahl zwischen analog und digital sind hier auch diverse EQ-Optionen anwählbar, die das Klangbild an die Aufstellung anpassen sollen.

(Bild: Adam Hall)

Dazu gehören neben EQ für Bässe, Mitten und Höhen auch diverse Einstellungen für die Aufstellung an der Wand und auf der Tischplatte. Da ich die Aufstellungskorrektur mittels „ARC Studio System“ vornehme, belasse ich den Monitor nach dem Funktionstest der Optionen in Neutralstellung und lasse die Kompensation für die Reflektionen der Tischplatte vom ARC übernehmen.

Bei meinen Testexemplaren ist der AES-Eingang leider nicht wirklich nutzbar, da hier aufgrund eines Fehlers in der Firmware eine extreme Absenkung der Höhen stattfindet. Der Hersteller hat mir jedoch versichert, dass der Fehler bereits behoben wurde und ein Service für die betroffenen, sich noch im Umlauf befindlichen Exemplare eingerichtet wurde. Ich nutze also die analogen Ausgänge meines RME ADI 2/4, um die Lautsprecher zu füttern.

Weiterlesen auf Seite 2…

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