Den Himmel rocken!

Test der Hopf Electric Guitars Skyrocket

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(Bild: Dieter Stork)

Die Familie Hopf kann sich auf eine lange Tradition im Gitarrenbau berufen. Zeitgemäße Geschichte schrieb sie in den 60er-Jahren mit augenfälligen Entwürfen elektrischer Instrumente, wie der legendären, chromglänzenden Hopf Saturn 63. Hopf Electric Guitars knüpft mit fortgeschriebenen Designs an diese Zeit des Aufbruchs in die Moderne an.

In bester Familientradition gründeten die Brüder Daniel, Patrick und Christopher Hopf im Jahr 2022 Hopf Electric Guitars. Der heute in Hannover ansässigen Firma steht Daniel Hopf geschäftsführend vor. Wie schon in Generationen zuvor, so zieht Hopf Electric Guitars auch aktuell wieder externe Gitarrenbauer zur Wiederbelebung seiner elektrischen Designs bei, und da will man absolut nicht tief greifen. Für die Neuinterpretation der Hopf-Ikone Saturn 63 gewann man Boris Dommenget (Test von Heinz Rebellius in G&B 5/24), für die Skyrocket den nicht weniger renommierten Nick Page.

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HIMMEL …

Zum Test liegt uns der erste Prototyp der Skyrocket vor, drei weitere von insgesamt fünf der ersten Kleinserie sind bereits in Arbeit. Dieses nachgeschöpfte Design zitiert schon noch die typische Saturn-Silhouette, weist aber ansonsten unverkennbar die individuelle gestalterische und handwerkliche Handschrift des Nick Page auf.

Die Details: Vor Aufsetzen der Decke aus Aluminium, verziert mit floralen Ranken und Hopf-Insignien, wurden dem knapp 4,5 cm starken Korpus der Skyrocket aus einteiligem Khaya-Mahagoni seitlich vier Hohlkammern gesetzt. Robuste Zargenränder und ein gut breiter Mittelblock blieben allerdings stehen. Am Boden oben finden wir eine kleine Auskehlung zur verbesserten Anlage ohne Rippenstauchung. Eine Aluplatte mit Namensprägung, Nick-Page- und Prototyp-1-Kennzeichnung deckt das E-Fach ab.

Der in Höhe des 18. Bundes eingeleimte Hals aus feinem Cedro zeigt dann aber nicht die angedeutete Hockeyschlägerform der Saturn, sondern ist mit der nach oben gedrehten Nase, der leicht abgewinkelten und mit einem Ahornfurnier besetzten Kopfplatte eher dem Gestaltungsrepertoire von Nick zuzuordnen. Die Wickelzylinder der Kluson-Mechaniken mit weißen Wirbelknöpfen wurden vertieft angebracht, um den Andruckwinkel auf den Sattel zu verbessern.

(Bild: Dieter Stork)

Vom Kopf her ist auch der Zugriff auf den Zweiwege-Halsstab möglich. Das Halsprofil wird mit „59″ angegeben, ist aber von der Stärke her eher den früheren Gibsons vergleichbar. Diesem kraftvoll rundlich ausgelegten Hals wurde ein Griffbrett aus Palisander aufgesetzt, in dem 22 mittelstarke Jumbobünde (6105) und Dots zur Lagenkennung aus Celluloid MOT (Mother Of Toilet Seat) Platz fanden. Über den Sattel aus Knochen werden die Saiten mit 628 mm-Mensur hinüber zur Göldo-G-Type-Rollenbrücke mit kleinen Messingrollen geführt, um danach vom Bigsby B7 Vibrato gekontert zu werden.

Elektrik: Zwei schmale, in Alu-Rähmchen aufgehängte Sidewinder-Pickups von Amber mit einer Einzelreihe von mittig gesetzten Polschrauben stehen mit generellen Volume- und Tone-Reglern (CTS Pots) in Verbindung, deren griffig geriffelte Metallknöpfe mit einem Hopf-H verziert sind. Geschaltet wird konventionell per Dreiwege-Toggle.

Die Sidewinder sind speziell von Amber Pickups für dieses Instrument angefertigte Humbucker mit vertikal angelegten Spulen, die sich trotz ihres Formats in Sachen Sound im Fahrwasser alter PAFs bewegen sollen. Gibson stattete übrigens in den 60er-Jahren die EB-0 Bässe mit ähnlich konstruierten Sidewinder-Pickups aus.

Das Instrument ist rundum dünn mit klarem Nitrolack versiegelt. Die ganze Arbeit glänzt im individuellen Personalstil des Nick Page und strahlt profunde Handwerkskunst aus.

… UND ERDE

Die Skyrocket liegt sehr gefällig auf dem Knie, fügt sich mit ihrer kleinen Anlagebucht aber auch sanft und mit guter Ausrichtung stehend an. Der recht rundliche, aber auch haptisch elegant gestaltete Hals füllt die Hand absolut angenehm und vermittelt ein ungemein festes Spielgefühl bei perfekt tief eingerichteter Saitenlage.

Die glanzpolierten Medium-Jumbo-Bünde reichen für maximal breite Auflagefläche der Saiten bis zum äußersten Griffbrettrand, wo sie mit sorgfältiger Verrundung abschließen. Nick: „Mach ich immer so. Nichts ist doch blöder, als ein E-Slipping auf den hohen Bünden!” (Seitliches Abrutschen der hohen E-Saite vom Griffbrett bei stark abgefasten Bundenden – besonders bei der Bespannung mit dünnen Saiten oftmals ein Problem).

Der Mahagoni-Body mit Hohlkammern lässt auf die Aludecke durchblicken (Bild: Dieter Stork)

Erfreulich dann sofort das akustische Potential der Skyrocket, welches sich schon auf den ersten Anschlag hin mit drahtig-vitalem Schwingvermögen offenbart. Die Mischung aus teilgehöhltem Korpus und substanziellem Cedro-Hals vermittelt einen perkussiv umrissenen, sich schnell entfaltenden Ton von einer gewissen Leichtigkeit, der aber dennoch über eine gute Standfestigkeit verfügt. Akkorde erweisen sich als stimmlich klar definiert, ohne es an harmonischer Geschlossenheit fehlen zu lassen. Da steigt die Spannung, was wohl die speziellen Sidewinder-Pickups von Amber von diesen guten Voraussetzungen umzusetzen vermögen.

Hals aus Cedro mit Palisandergriffbrett (Bild: Dieter Stork)

 

Der Tonabnehmer in Halsposition überträgt in klaren Verstärkereinstellungen Mehrklänge breit aufgezogen und höchst differenziert in ihre Stimmen aufgelöst. Sehr präzise wird damit die harmonische Darstellung ausgeleuchtet: die Bässe gut eingehegt, die Mitten eher transparent als fett ausgebaut und darüber stimmig abschließend das silbrige Höhentop. Die hervorragende Klarheit und Definition bewährt sich ohne Frage dann auch im Overdrive, wo wir uns von süßen, weich anschmelzenden Fusion-Jazz-Sounds bis hin zu schnalzenden Leads ein Spektrum höchst eleganter Sounds erschließen können.

Custom Sidewinder Pickups von Amber mit vertikal angelegten Spulen. (Bild: Dieter Stork)

Wechseln wir auf den Steg-Pickup, so geht es dynamisch leicht nach vorn. Es bleibt auch viel von der zuvor schon gehörten Transparenz erhalten. Keine sumpfigen Mitten trüben den charaktervollen Ausdruck. Natürlich engt sich das Klangbild positionsbedingt ein, lässt die Bässe knackig-holzig hervortreten, drückt es etwas kompakter und mit verstärkter Präsenz nach vorn durch. Dennoch bleibt der Sound ausgeglichen, ohne Ausreißer in den maßgeblichen Frequenzen.

Davon profitiert selbstredend rhythmisch bewegliches Spiel in der Abteilung Clean, aber keineswegs zu Ungunsten der geballten Faust in eskalierenden Gain-Einstellungen. In Zerre genommen, erhebt sich ein stark definierter Ton mit überraschend viel Twang, dem einfliegende Obertöne ein farbstarkes Ambiente verleihen. Satt im perkussiv markanten Anriss und ausgesprochen dynamisch über den Anschlag gestaltbar.

Die Schaltposition Mitte ergänzt das Repertoire mit leicht hohl klingendem, schön glasigem Glocken-Ton, der uns in allen Amp-Positionen attraktive Sounds an die Hand gibt.

Und die Affinität zu alten PAFs? Ist schon etwas hergebetet. Mal abgesehen davon, dass die auch nicht gerade für besonders großen Output bekannt sind, und nicht wissend, wie sie denn in der Skyrocket klingen würden, können wir aber davon ausgehen, dass die Sidewinder-Pickups doch eher wie gute Mini-Humbucker klingen, also etwas weniger Volumen transportieren und ein leicht höher gesetztes Klangspektrum vermitteln. Das ist nun aber keineswegs nachteilig zu beurteilen, denn die Sounds sind originell, verfügen über eine leichtfüßige Flexibilität und lassen sich demgemäß geschmeidig in das jeweils gewünschte Setting einpassen.

Ist der Tone-Regler nicht etwas weit weg, nach hinten platziert? Nick: „Mach ich bewusst so. Jeder Gitarrist will einen, braucht den in der Regel aber gar nicht. Blöd nur, wenn man den aus Versehen verstellt … ” (lacht).

Und ja: Ein Bigsby ist ein Bigsby! Das gute, alte Accessoire zur gefälligen Tonverbiegung funktioniert in seinem begrenzten Rahmen wie gewohnt ordentlich und hat natürlich den Coolness-Faktor auf seiner Seite.

RESÜMEE

Das ist ja mal eine Ansage: Der von Nick Page gefertigte Prototyp der Skyrocket von Hopf Electric Guitars ist ein Ass im Aufschlag, eine 12 auf die Nase, kurz: ein Gewinnertyp! Spielen kann man vieles, und Charakter soll bitte der Spieler haben, aber obwohl wir natürlich auch mit jedem Kaufhaushobel gepflegten Krach machen können, so ist es uns doch nicht egal, was wir da in die Hand nehmen und wie wir uns damit fühlen.

Mit etwas Pech ist das Arbeitsgerät der Freude dann auch schon mal teuer. Mit Auto verkaufen und den Kollegen sagen „ihr müsst mich jetzt halt einfach mal abholen” sparst du bei den momentanen Spritpreisen das Instrument nach ein paar Monaten zwar raus, man muss sich den Anspruch auf Fremdtransport aber auch leisten können (spielt ja nicht jeder bei Helene).

Im Ernst: Die Skyrocket ist eine Nachschöpfung frühen deutschen Gitarren-Designs auf höchstem Custom Shop Niveau. Nick Page versteht sein Handwerk, hat das Konzept auch ganz in seinem gestalterischen Sinne ausgelegt und will alles, nur nicht Mainstream. Dass ein Unikat wie dieses seinen Preis hat, überrascht natürlich nicht. Tolle Arbeit!

Kopfplatte mit versenkten Wickelzylindern für guten Sattelandruck (Bild: Dieter Stork)

Plus

  • stilvolles Design
  • Konstruktion
  • Hölzer
  • Amber Sidewinder Pickups
  • originelle Sounds mit bester Anpassungsfähigkeit
  • super Spieleigenschaften

Übersicht

Fabrikat Hopf Electric Guitars
Modell Skyrocket
Typ Semisolidbody
Herkunftsland Deutschland
Mechaniken Kluson White Buttons
Hals Cedro, geleimt
Sattel Knochen
Griffbrett Palisander
Radius 12″
Halsform 59
Halsbreite Sattel 42,8 mm; XII. 52,1 mm
Halsdicke I. 23,8 mm; V. 24,3 mm; XII. 25,3 mm
Bünde 22, medium (6105)
Mensur 628 mm
Korpus Khaya Mahagoni, Hohlkammern, Decke Aluminium
Oberflächen Natur, Nitro
Schlagbrett
Tonabnehmer Amber Sidewinder Pickups (Hals 7,2 kOhm; Steg 8,6 kOhm)
Bedienfeld 1x Volume, 1x Tone, 3-Weg-Schalter
Steg Göldo G-Style Rollenbrücke, Bigsby B7
Hardware Nickel
Gewicht 3,4 kg
Lefthand-Option ja
Internet hopf-eguitars.com
Zubehör Koffer
Preis ca. € 5900

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)

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