Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
Realität oder Illusion?
Eric Clapton, George Harrison, Frank Zappa, Angus Young, Derek Trucks

Vintage Guitar Stories: Gibson SG Standard 1965

Gibson 1965 SG Standard(Bild: Holtmann)

1965 gilt als das letzte Jahr der zweiten großen Phase in der E-Gitarrenproduktion der Gibson Company. Nach der damals geschäftlich schwierigen, aber im Nachhinein prägenden ersten Phase mit den Les-Paul-Modellen, der Erfindung der Modernistic Guitars Explorer und Flying V, wie auch der Einführung der ES-Reihe in den 50er-Jahren, markiert die erste Hälfte der 60er-Jahre nochmals eine Zeitspanne, in der hochklassige Instrumente das Werk in Kalamazoo verließen.

1965 stemmte die Gibson Company einen Rekord. Im letzten Jahr seiner Präsidentschaft war es Ted McCarty gelungen, den Absatz auf mehr als 100.000 Gibson- und Epiphone-Gitarren aus US-Produktion zu steigern. In seiner Zeit wuchs auch der Mitarbeiterstamm von 150 auf über 1200 Mitarbeiter. Mit McCarty endeten dann aber auch die „Classic Years“ der Gibson-Produktion. Danach gingen die Umsätze zurück, Probleme mit Gewerkschaften, daraus resultierende Streiks, Abwanderung von Facharbeitern u. a. blieben nicht ohne Folgen für die Qualität.

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Auch wurden mit dem Jahr 1965 gravierende Änderungen für die nachfolgende Periode umgesetzt: die Sattelbreite von 43 mm schrumpfte bekanntlich auf 40 mm ein, was in Spielerkreisen keineswegs auf einhellige Begeisterung traf, auch änderte sich der Kopfplattenwinkel von 17° auf 14° für den Großteil der ab 1966 ausgelieferten Gitarren. 1966 wurde das kleine Pickguard bei der SG durch ein größeres, die Pickups umschließendes ersetzt, auch der Halsstock erfuhr eine Überarbeitung und der Halsansatz wurde auf den 19. Bund versetzt.

Gibson 1965 SG Standard(Bild: Holtmann)

Referenzen: Eric Clapton, George Harrison, Frank Zappa, Angus Young, Derek Trucks

Aber zurück zu unserer SG-Geschichte und ihren Protagonisten: Eric Clapton, ebenso stark wie Jeff Beck und Jimmy Page seinerzeit mit der Les Paul assoziiert, war an deren Neuauflage 1968 und dem danach einsetzenden Hype zweifellos nicht ganz unschuldig, wurde damit aber auch, etwas überspitzt formuliert, zum Totengräber der SG, denn die sah sich von der Les Paul zunehmend an den Rand gedrückt.

Ausgerechnet Eric also besorgte sich 1967 eine 1964er-SG-Standard mit der er das berühmte Cream-Album ‚Disraeli Gears‘ mit Sounds von zweifellos prägender Wirkung einspielte. Die vom holländischen Künstlerkollektiv ‚The Fool‘ in psychedelischen Farben bemalte Gitarre fand damals schon breite Beachtung, dem immer weiter ausufernden Run auf die Les Paul musste sie sich aber geschlagen geben. Was keineswegs heißt, dass sie ihre Rolle nicht weiterhin prominent spielen konnte.

Auch wenn dem Einsatz der SG Standard durch Eric Clapton oder auch durch George Harrison, der sie auf dem Beatles-Album ‚Revolver‘ im Jahr zuvor exzessiv nutzte, nicht der ganz große Einfluß auf die Gitarristengemeinde beschieden war, so sollte diese flache Double-Cut-Gitarre dann doch später noch Terrain erobern, das zur Zeit ihrer Erfindung noch völlig unbekannt war.

Natürlich ist Jimi Hendrix mit einer weißen SG Custom auf einigen Konzertaufnahmen zu sehen und auch Robby Krieger von The Doors umspielte Jim Morrisons Stimme mit SG-Modellen. Frank Zappa gehört ebenfalls zu den langjährigen SG-Usern. Die Elektrik war ihm aber wohl zu simpel, jedenfalls ließ er kaum eine Modifikation aus, um sie seinen Bedürfnissen anzupassen.

Frank Marino von Mahogany Rush konnte ebenfalls sehr gut mit der SG umgehen. Auch Alan Holdsworth hatte eine Phase in der die SG mit Humbuckern eine wichtige Rolle spielte – man sah ihn mit Standard- und Custom-Modellen. Bei Aufnahmen und Konzerten mit Soft Machine und Bill Bruford etwa reizte er deren Möglichkeiten aus. Gutes Beispiel für seinen Umgang mit der SG ist der Titel ‚Adios a la Pasada‘ vom Bruford-Album ‚Feels Good To Me‘ von 1978.

Geradezu synonym für die SG Standard steht natürlich Angus Young von AC/DC, der diesem Modell seine ganze Karriere lang treu blieb. Spätestens diese Tatsache qualifizierte das Modell für den Einsatz in härteren Gangarten des Rock bis hin zum Metal. So findet man die Humbucker-SG bei so unterschiedlichen Bands wie ZZ Top, Bad Religion, Black Crows, Mastodon, Volbeat und zig anderen. Grenzen muss man also absolut nicht ziehen, denn dieses Modell kann sich längst auf allgemeine Akzeptanz verlassen, macht sich auf weißem Gala-Anzug so gut wie auf schwarzer Lederkluft.

Und, um noch einmal konkret zu werden, natürlich hat auch der unumstrittene Meister des virtuosen Slide-Gitarrenspiels Derek Trucks sich die SG Standard mit ihrem charakteristischen, leicht nasalen Ton nicht ohne Grund als Hauptinstrument auserkoren. Den Status eines Klassikers hat diese ikonische Gitarre sich also längst verdient, sie ist schlicht Teil der Rock’n’Roll Hall Of Fame.

Bei der abgebildeten Gitarre handelt es sich um ein bemerkenswert sauberes Exemplar aus dem Jahre 1965. Abgesehen von einem alten Factory-Refin – der Nitrolack zeigt längst wieder die charakteristischen Risse, ein geradezu elegantes Weatherchecking – ist das Instrument in originalem Zustand mit kleinem Pickguard, Kluson Double-Line Tuners, Maestro Tremolo Tailpiece, starken Pat.-Nr. Humbucker Pickups und unberührter Elektrik.

Der in diesem Baujahr noch gut breit ausgebaute Hals von kraftvollem C-Shaping spielt sich höchst komfortabel und mit ihren kraftvoll singenden Sounds erfüllt diese SG Standard die in sie gesetzten hohen Erwartungen mit außerordentlicher Souveränität. Überdies ist die Gitarre mit gut 3,2 kg auch noch ein richtiggehendes Leichtgewicht – besser wurde es einfach nicht mehr!

Statistik Von der Gibson SG Standard wurden zwischen 1961 und 1965 insgesamt 7662 Exemplare gebaut. Im Jahr 1965, dem letzten von ‚Gibson’s Golden Years‘, verließen noch 1731 Exemplare das Werk in Kalamazoo. Für perfekt erhaltene Versionen der SG Standard bis Baujahr 1965 in Cherry Red ist zur Zeit mit Preisen ab € 10.000 aufwärts zu rechnen.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wenn ich an SG denke, dann direkt auch an Iommi. Der Mann bekommt nicht den Applaus den er eigentlich verdient hätte.

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